Stromboli mit stärkerer Explosion

Heute Nachmittag ereignete sich am italienischen Vulkan Stromboli eine stärkere Explosion als üblich. Die Eruption trat plötzlich auf und schleuderte Lavabrocken bis auf den Pizzo. Für diese Fälle haben die Bergführer Funkgeräte dabei, damit sie gewarnt werden können und die Wanderer Schutz in den Bunkern finden können. Doch wenn ich mir das seismische Signal so angucke, fand die Explosion völlig überraschend und ohne jegliche Vorwarnung statt.

Urlauber sollten sich darauf einstellen, dass die Besteigung des Vulkans kurzfristig ausgesetzt wird. Ich habe zwar noch keine Bestätigung von offizieller Seite, aber das wäre das übliche Vorgehen nach solchen spontanen Eruptionen.

Gunung Agung: höchste Warnstufe bleibt bestehen

Update 24.10.2017

Gestern stabilisierte sich der Tremor auf moderatem Niveau: es wurden insgesamt 218 Erdbeben registriert, sowie 4 Episoden nicht-harmonischen Tremors. Wenn hier die Rede von “moderat” ist, gilt das im Vergleich zu den Tagen mit mehr als 1000 Erdbeben. Im Vergleich zu anderen aktiven Vulkanen ist die Anzahl der Beben noch hoch.

Update 19.00 Uhr

Nun ist eine 2. Dampfwolke sichtbar geworden. Der örtliche Chefvulkanologe Kasbani meinte in einem Interview, es würde eine 50/50 Chance bestehen, dass der Seismikrückgang tatsächlich von nachlassendem Magmaaufstieg herrührt, oder auf offene Aufstiegswege zurückzuführen ist.

Originalmeldung:

Obwohl die Erdbebentätigkeit am Gunung Agung weiter rückläufig ist, bleibt die höchste Warnstufe bestehen. Gestern wurden 199 Erdbeben aufgezeichnet. Dennoch sagen die Vulkanologen vor Ort, dass es weitere Alarmhinweise gibt, dass die magmatische Aktivität im Inneren des Vulkans nicht abklingt: seit September wurde eine Inflation von 6 cm gemessen. Im Krater bildeten sich weitere fumarolisch aktive Areale und es wird zudem Wasser ausgestoßen. Dieses deutet auf eine massive Änderung des hydrothermalen Systems des Vulkans hin. Das Magma in der Magmakammer ist durch das umgebene Gestein sehr gut isoliert und bleibt für lange Zeit im eruptionsfähigen Zustand. Zudem sind viele Beispiele bekannt, bei denen die Vulkane nach dem Abklingen der seismischen Aktivität plötzlich eruptierten. Seit über einem Monat besteht nun die höchste Warnstufe am Gunung Agung und der Fall verdeutlicht, wie schwer sich Vulkanausbrüche vorhersagen lassen. Meistens wissen die Vulkanologen nur, dass ein Vulkan zu einem Ausbruch bereit ist, können aber nicht sagen, ob und wann er tatsächlich eruptieren wird.

Taifun Lan erreicht Tokio

Bei uns in den Medien kaum beachtet, tobt über Tokio derzeit ein schwerer Taifun der Kategorie 2. Der Sturm erreicht Windstärken von bis zu 120 km/h und bring starke Regenfälle. Bereits in den letzten Tagen passierte er die Ostküsten Japans und brachte viel Regen mit sich. Auf offener See erreichter der Taifun die höchste Kategorie 5 und wurde in lokalen Medien als “Super Taifun” bezeichnet. Dieses Jahr scheint in der Tat ein Rekordjahr der Stürme zu sein!

Mount St. Helens mit Seismik

Der Mount St. Helens in den USA zeigt gerade eine sehr ausgeprägte Seismik. MSH-Vulkanologin Fabiola W. Johnston sagte dazu, dass praktisch der ganze Berg in Bewegung ist. Bereits in den letzten Wochen und Monaten gab es immer wieder Phasen mit erhöhter Seismik, diese beschränkte sich aber meistens auf kleinere Bereiche des Vulkans. Solche Phasen sind am St. Helens also nicht ungewöhnlich, dennoch könnte sich der Vulkan auf eine neue Eruption vorbereiten. Die letzte eruptive Phase fand zwischen 2004-2008 statt. Damals wuchs ein Lavadom im Krater. Die Eruption hatte allerdings keine katastrophalen Auswirkungen auf das Umland. Ganz anders verhielt es sich im Mai 1980, als der Vulkan in einer der stärksten Eruptionen des 20. Jahrhunderts das Umland verwüstete.

Island: Erdbeben nahe Selfoss

Im Süden von Island manifestierte sich ein Erdbeben der Magnitude 4,1. Das Hypozentrum lag in 2,2 km Tiefe und ca. 7 km Ost-Nord-Ost von Selfoss. Es wurde von 252 schwächeren Erdbeben begleitet. Die Erdbeben manifestierten sich entlang einer Störungszone, die als South Icelandic Seismic Zone (SISZ) bekannt ist. Hier gab es bereits sehr viel stärkere Erdbeben mit zahlreichen Todesopfern. Das letzte starke Erdbeben fand 2008 statt und brachte es auf Mw 6,3. Eine Historie findet ihr im Blog von Jon Frimann.

In der Region liegt auch eines der jüngsten Vulkansysteme von Island: Grímsnes. Dort gibt es mehrere Schlackenkegel und ein Lavastrom-Feld. Einen Zentralvulkan gibt es (noch) nicht.

 

Gunung Agung: deutlicher Rückgang der Seismik

22.10.2017

Am Gunung Agung nehmen Häufigkeit und Stärke der Erdbeben weiter ab. Gestern wurden noch 326 Erdbeben registriert. Der Trend ist weiterhin rückläufig. Wenn es in den nächsten Tagen so weiter geht, werden die Vulkanologen vom PVGMB die Situation bestimmt bald neu bewerten und die Alarmstufe auf 3 reduzieren. Dennoch ist die Gefahr einer Eruption weiterhin gegeben.

21.10.2017

In den letzten 24 Stunden ist die Seismik deutlich zurück gegangen: Gestern ereigneten sich 399 Erdbeben gegenüber 967 am Vortag. Allerdings wurden 5 Episoden mit Tremor registriert. Der Trend von Gestern geht heute weiter. Dies kann bedeuten, dass nun deutlich weniger Magma aufsteigt als zuvor, oder dass die Wege frei sind und das Magma ungehindert aufsteigen kann. Eine Zunahme des Tremors deutet letzteres an. Die vulkanisch bedingten Erdbeben entstehen, wenn das aufsteigende Magma das umgebende Gestein zerbricht und sich Platz schafft. Harmonischer Tremor wird direkt von brodelnden Fluiden (Magma, Gas) verursacht. Für weitere Interpretationen benötigt man nun die Bodendeformation: wenn sich die Hangneigung vergrößert und sich der Boden anhebt steigt das Magma weiterhin auf. Die Gefahr eines Ausbruchs ist mit einer Abnahme der Seismik noch nicht gebannt.

Am 19.10.17 glückte endlich der Flug mit der Drohne über den Krater des Gunung Agung. Es wurde ein 3-Personen-Team benötigt, um die Drohne in die Luft und sicher wieder zum Boden zu bekommen. Um die nötige Startgeschwindigkeit zu erreichen, wurde das ferngesteuerte Flugzeug von einem fahrenden Motorrad aus gestartet. Auf dem Foto des Kraters sieht man, dass sich die Fraktur vergrößert hat. Zudem bildete sich ein 2. Riss. Die Gaskonzentration soll gestiegen sein. Scheinbar hatte die Drohne keine Thermalkamera an Bord, wie ich ursprünglich vermutet hatte.

Nyiragongo mit aktivem Hornito

Am Vulkan Nyiragongo in der DR Kongo gibt es wieder einen spektakulären Lavafall zu sehen: Ein Lavastrom ergießt sich aus einem Hornito und stürzt über die Kante des Pitkraters in den Lavasee. Der Hornito war bereits im Frühjahr aktiv. Er bildete sich an der inneren Kraterwand auf der 2. Terrasse. Die Aktivität begann bereits vor 2-3 Wochen, wurde aber erst jetzt von offizieller Seite bestätigt.

Tinakula ausgebrochen

Auf den Salomonen-Inseln ist der Vulkan Tinakula ausgebrochen. Auf Satellitenfotos ist eine Aschewolke zu sehen, die die Wolkenschicht durchbricht. Genauere Infos liegen derzeit nicht vor.

Ätna: Zunahme flacher Erdbeben

In den letzten 3 Tagen manifestierten sich am Ätna auf Sizilien mehrere schwache Erdbeben in Tiefen geringer als 5 km. Ein vergleichbares Muster konnte man vor den letzten Paroxysmen im Februar dieses Jahres beobachten. Das ist zwar kein ausreichendes Indiz für die Vorhersage eines baldigen Ausbruchs, allerdings scheint mir die Wahrscheinlichkeit dafür zu wachsen. Es würde mich nicht wundern, wenn wir demnächst vermehrt Ascheemissionen aus dem Neuen Südostkrater sehen würden. Bei der letzten eruptiven Phase kam es zu litoralen Explosionen, als ein Lavastrom mit Schmelzwasser in Kontakt kam. Zahlreiche Vulkanbeobachter wurden durch umherfliegende Lavabrocken leicht verletzt.

Erta Alé: nur noch ein Lavastrom aktiv

Am entlegenen Schildvulkan Erta Alé in der äthiopischen Wüste Danakil hat sich die Situation geändert. Auf dem Sentinel-Satellitenfoto ist zu erkennen, dass der südwestliche Lavastrom inaktiv geworden ist. Der Lavastrom im Südosten ist hingegen weiter gewachsen und erreicht nun eine senke am Fuß des Vulkans. Auf dem Lavastrom sieht man mehrere oberflächliche Ausbrüche frischer Lava. Normalerweise fließt Lava über solche Distanzen in einem Tunnel. Der Lavastrom ist ca. 13 km lang, was schon beachtlich ist, besonders, wenn man das relativ geringe Gefälle des Vulkans berücksichtigt.

La Palma: Bodendeformation gemessen

Nachdem in der vergangenen Woche zwei Erdbebenschwärme unter der Kanareninsel La Palma registriert wurden, erschien nun ein Bericht über vermeintliche Bodendeformation im Bereich von La Cumbre. Innerhalb eines Jahres soll sich der Boden um bis zu 35 mm angehoben haben. Allerdings hat der Wert eine recht großen Toleranzbereich. Demnach wären bis zu 5 Millionen Kubikmeter Lava in die untere Erdkruste eingedrungen. Das Magma steckt derzeit in ca. 22 km Tiefe, ob es weiter aufsteigt ist bisher völlig unklar. Dennoch könnte der Vulkanismus auf La Palma bald wieder belebt werden, wodurch ein ähnliches Chaos wie auf Bali entstehen könnte. Der Crux bei der Sache ist (und deshalb das “vermeintlich” am Anfang des Berichts) dass die Daten nicht von dem offiziellen Institut IGN stammen, sondern von der NGO ITER in Zusammenarbeit mit der japanischen Universität Nagoya. Diese betreibt scheinbar ein unabhängiges Netzwerk von Seismometern und GPS Stationen auf La Palma. Das IGN bestreitet etwaige Bodendeformation. Böswillige Stimmen werden laut die behaupten, die Regierung wolle eine Panik und zurückgehende Touristenzahlen vermeiden.

 

Gunung Agung: Seismik wieder stärker

20.10.2017

Am Gunung Agung fluktuiert die Seismik weiterhin auf hohem Niveau. In den letzten 12 Stunden war der Trend deutlich rückläufig. Heute Morgen wurden weniger Erdbeben registriert, als in vergleichbaren Zeiträumen. Allerdings trat auch ein nicht-harmonischer Tremor auf. Es wurden neue Messinstrumente installiert, die eine bessere räumliche Erfassung der Erdbeben ermöglichen sollen. Zudem wurden GPS-Sender aufgestellt, die die Bodendeformation überwachen. Die Wissenschaftler richten sich scheinbar auf eine längere Aktivitätsphase ein und mich würde eine baldige Neubewertung der Situation nicht wundern. By the way: den Vulkanologen ist nun der Start der Drohne gelungen und es wurden erste Aufnahmen des Kraters gemacht. Diese reiche ich beim nächsten Update nach.

19.10.2017

Gestern wurden 1048 Erdbeben registriert. 676 davon in Tiefen größer 5 km. Das ist ein neuer Rekordweg und Indikator dafür, dass der Magmanachschub aus der Tiefe nicht zum erliegen kommt. In den ersten 6 Stunden des heutigen Tages wurde auch ein nicht-harmonischer Tremor registriert. Nach wie vor sind sämtliche Szenarien offen und es bleibt spannend am Gunung Agung.

18.10.2017

Nachdem die Seismik am Guung Agung in den letzten 2 Tagen rückläufig war, nimmt sie heute wieder zu. Das PVGMB brachte heute noch kein Update der Erdbebenstatistik heraus, dennoch sieht man auf der Live-Seismik die Zunahme der Aktivität. In einem Interview erklärte der Chef der örtlichen Vulkanologen, Devy Kamil, dass der Druck im geschlossenen System des Gunug Agung weiterhin ansteigt. Vor der letzten Eruption 1963 gab es noch keine Instrumente am Vulkan, so dass über die damalige Aufheizphase wenig bekannt ist. Diese fehlenden Daten erschweren heute die Prognosen. Daten von anderen Vulkanen sind nicht 1:1 übertragbar, man kann nur von allgemeinen Erfahrungswerten ausgehen. Das Fördersystem des Gunung Agung ist durch einen Lavaplug verschlossen. Dieser Lavaplug kristallisierte aus der Restschmelze im Schlot am Ende der letzten Eruption. Um diesen Stopfen heraus zu sprengen bedarf es eines gewaltigen Drucks im Inneren des Vulkans. Die Folge wäre eine sehr starke initiale Explosion. Alternativ kann sich das Magma auch einen seitlichen Ausgang suchen und einen Riss in der Vulkanflanke bilden. Solche Vulkanausbrüche fangen häufig mit der Effusion von Lavaströmen an. Darüber entscheide auch die Viskosität (Fließfähigkeit) des Magmas. Ist das Magma zäh, neigt es zu explosiven Eruptionen. Dünnflüssige Schmelzen eruptieren eher in Form von Lavaströmen.

Yellowstone: Supervulkan könnte schnell erwachen

Supervulkane wie der Yellowstone sind beliebte Forschungsobjekte und in den Medien wird gerne über katastrophale Ausbrüche dieser vulkanischen Giganten spekuliert. Öl ins Feuer gießt hierbei eine neue Studie der Geologin Hannah Shamloo von der Arizone State University. Die Wissenschaftlerin ging mit interdisziplinären Methoden an die Erforschung der jüngsten Yellowstone-Eruption vor 631,000 Jahren heran und untersuchte die abgelagerten Tuffe. Im Fokus standen dabei zonierte Pheonkristalle. Diese entstehen wenn das Magma in der Magmakammer unter dem Vulkan abkühlt. Diese Phenokristalle bilden sich um einen mikroskopisch kleinen Kern und prägen Wachstumsringe aus, wie bei einem Baum. Durch Analyse dieser Wachstumsringe kommen die Wissenschaftler nun zu dem Schluss, dass sich ein Supervulkan innerhalb einer viel kürzeren Zeit aufladen kann, als man bisher annahm. Bisherige Annahmen gingen davon aus, dass der Aufheizprozess eines Supervulkans mindestens Jahrhunderte andauert, jetzt geht man von Jahrzehnten aus. Zudem kann kein Wissenschaftler genau sagen, wie weit das Aufheizstadium des Yellowstone Vulkans bereits fortgeschritten ist: an mehreren Stellen im Yellowstone, wurden zwischen 2004 und 2009 eine Bodenanhebung von 15 cm registriert und einige Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass sich der Yellowstone-Vulkan bereits in einer Aufheizphase befindet.