Kilauea: Erdbeben M 6,9

Update 21:00 Uhr: Im Laufe der letzten 24 Stunden hat sich die seismische Aktivität verlagert. Sie konzentriert sich nicht mehr auf das Ostrift, sondern auf dem Bereich der Gipfelcaldera und dem Südwestrift. Unter der Hilina-Störungszone liegt ein weiterer Beben-Cluster. Meine Vermutung ist es, dass zumindest ein Teil der Lava aus dem Pitkrater im Halemaʻumaʻu durch das Südostrift abläuft und einen magmatischen Gang bildet. Wobei das Wort „magmatisch“ nicht richtig ist, da es sich ja um Lava handelt. Lava ist bereits eruptiertes Magma und weitestgehend entgast. Lava, da es ja schon im Lavasee zirkulierte. Ähnlich könnte es sich mit der Lava verhalten, die im unteren Ostrift eruptiert: da der Gasdruck fehlt, kommt es -zumindest bis jetzt- nur zu Lavaspattering und nicht zu großen Fontänen.

In der Siedlung Leilani Estates geht die Eruption unterdessen weiter. Heute öffnete sich noch eine 7. Spalte. Obwohl relativ wenig Lava gefördert wird, akkumuliert sich diese im Bereich der aktiven Risse. Die Lavaströme werden größer und fressen Häuser.

Originalmeldung: Der Kilauea auf Hawaii wurde von zwei starken Erdbeben der Magnituden 6,9 und 5,4 erschüttert. Das Hypozentrum des stärkeren Erdbebens lag in nur 5 km Tiefe und 16 km südwestlich der Siedlung Leilani Estates. Dort öffneten sich insgesamt 6 Spalten. Aus einigen der Spalten eruptiert Lava. 2 Häuser wurden verbrannt. Noch sind die Ausbrüche vergleichsweise klein, trotzdem wurden bisher 1700 Personen evakuiert.

Am Puʻu ʻŌʻō-Krater kam es zu weiteren Zusammenbrüchen und Steinschlägen. Es steigt zuweilen rötlichbraune Vulkanasche auf. Bei der Asche handelt es sich um altes Material, dass durch das Einsacken des Kraterbodens fragmentiert und aufgewirbelt wird.

Der Spiegel des Lavasees im Halemaʻumaʻu-Krater fällt weiterhin dramatisch ab. Auf der LiveCam sieht man eine aufgewühlte Oberfläche mit Lava-Spattering. Gestern stieg auch hier eine kleine Aschewolke auf, die vermutlich durch Kollaps der Kraterwände ausgelöst wurde. Das Magma fließt sehr wahrscheinlich Richtung Ostrift ab, ähnlich wie bei einer Badewanne, aus der man den Stöpsel gezogen hat. Wenn es den unteren Bereich des Ostrifts erreicht hat, wird dort der Druck deutlich erhöht und die Eruption könnte sich verstärken. Zudem destabilisiert sich durch die starken Bodendeformationen (oben Deflation, unten Inflation) die Südflanke des Vulkans.

Das Erdbeben richtete Schäden an, deren Ausmaße noch ermittelt werden. Der Strom fiel aus und Menschen flüchteten in Panik aus ihren Häusern. Es war eines der stärksten Erdbeben seit 1975. Es folgten zahlreiche Nachbeben. Die Situation ist sehr angespannt und deutet darauf hin, dass sich der Vulkan auf einen großen Vulkanausbruch vorbereitet.

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