Ätna: Erdbeben richtet Zerstörungen an

Update 14:45 Uhr: Die Seismik ist weiterhin sehr hoch. Im Vergleich zu gestern zog sie wieder an. Man kann davon ausgehen, dass Magma dabei ist aufzusteigen und den Druck auf die Störungszonen erhöht.

Originalmeldung: Heute Nacht um 3:18 Uhr ereignete sich in der Ätna-Region ein Erdbeben der Magnitude 4,8 (Richterskala). Der Erdstoß dauerte fast 40 Sekunden. Das Hypozentrum lag in nur 1,2 km Tiefe bei Viagrande, zwischen Pedara und Acireale. Ungefähr auf dieser Höhe befindet sich die Basis des Ätnas, wo der Vulkankegel auf dem Grundgebirge aufsitzt. Die besondere Geologie des Areals und das flach gelegenen Hypozentrum müssen die seismischen Wellen verstärkt haben. So sind große Schäden an der Infrastruktur entstanden, die man ansonsten bei einem Erdbeben dieser Magnitude nicht erwarten würde: Hunderte Häuser wurden beschädigt, oder stürzten sogar ganz ein. Wie durch ein Wunder gab es keine Todesopfer. Mindestens 4 Personen wurden verletzt. Die Autobahn entlang der Küste musste gesperrt werden, da sich die Fahrbahn absenkte. Im Umkreis von 20 km um das Epizentrum wurden große Beschädigungen gemeldet. Betroffen sind auch die Orte Trecastagni, Pedara, Zafferana Etnea, die vielen Ätna-Reisenden bekannt sein dürften.

Vor der großen Flankeneruption in 2002 ereignete sich ein vergleichbares Erdbeben bei Milo, etwas weiter Bergauf, als es heute der Fall war. Das Beben ereignete sich an einer Störungszone des Ätnas. Das Beben wurde durch den Druck ausgelöst, den das aufsteigende Magma auf die Störung aufbaute. Aktuell ist die Situation vergleichbar. Der Tremor am Vulkan ist immer noch erhöht, auch wenn momentan keine Lava auszutreten scheint. Vom Bauchgefühl her, müsste sich in den nächsten Tagen eine größere Eruption anbahnen. Auch weitere starke Erdbeben sind nicht auszuschließen. Seit Wochen ist die Seismik auf Sizilien erhöht, auch abseits des Ätnas. Dieser befindet sich momentan allerdings in ständiger Bewegung.

Anak Krakatau mit steigenden Opferzahlen

Nach neuen Angaben wurden durch den Tsunami mindestens 439 Personen getötet und es gab mehr als 1300 Verletzte. Es werden noch ca. 130 Personen vermisst. Die katastrophalen Folgen des Tsunamis hätten abgeschwächt werden können, wenn man in Indonesien auf eine Studie gehört hätte, die auf die Gefahren eines Tsunamis durch  Kollaps-Ereignisse am Anak Krakatau gewarnt hatte. Diese Studie stammte aus dem Jahr 2012 und lokalisierte genau die strukturelle Schwächezone im Kegel des Anak Krakatau, an der sich nun der Kollaps ereignet haben dürfte. Ein einfaches Warnsystem mit Bewegungssensoren auf den Vulkanflanken hätte ausgereicht, um die Bevölkerung vor der herannahenden Katastrophe zu warnen. Statt dessen wurden veraltete Anlagen eingesetzt, die letztendlich mangelhaft funktionierten. Seit Wochen schreibe ich schon darüber, das die öffentlich zugängliche Seismik nicht richtig funktioniert. Ein Armutszeugnis in der Überwachung eines der gefährlichsten Vulkane der Welt! Zudem unverständlich, dass die internationale Staatengemeinschaft nicht unterstützend wirkt.

Auch jetzt gibt es keine verlässlichen Berichte über den Status der vulkanischen Aktivität. Aber es sieht so aus, als wäre diese rückläufig. Zwar warnt das VAAC Darwin nach wie vor vor Aschewolken, die bis zu 18 km hoch aufsteigen können, doch neue Fotos der Eruption bleiben aus. Kollege Tom Pfeiffer schreibt, dass der Vulkan wieder zu seiner Tätigkeit zurückkehrt, wie wir sie seit Juni dieses Jahres beobachten konnten. Es ist gut möglich, dass wir in ein paar Wochen wieder einen Paroxysmus erleben werden und dieser dann weitere starke phreatische Explosionen erzeugt. Bisher lassen sich 11 dieser Paroxysmen aus der Grafik von MIROVA ablesen. Im Schnitt erfolgte alle 2 Wochen einer dieser Ausbrüche, wobei sich der Abstand zwischen den Eruptionen in den letzten Wochen vergrößerte. Allerdings bleibt die Gefahr eines neuen Tsunamis bestehen. Ohne Vorwarnung können phreatomagmatische Eruptionen erfolgen. Zudem dürften die Reste des Hangs instabil sein und könnten abrutschen.

Ätna: Eruption hält an

Der Lavastrom von der Küste aus gesehen. Das Bild verdeutlicht die Lage des Stroms. © Boris Behncke

Update 21:00 Uhr: Eruption ist stark rückläufig. Nachdem die Wolken den Blick auf den Lavastrom frei gaben, war zu sehen, dass dieser stark an Kraft verloren hat und dabei ist abzukühlen. Die Explosionen in der Bocca Nuova haben ebenfalls nachgelassen. Der Tremor ist allerdings unverändert hoch, was darauf hindeutet, dass sich Magma im Vulkan bewegt.

Update: 17:00 Uhr: Nachdem sich die morgendlichen Wolken verzogen haben, sieht man auf den LiveCams einen schneebedeckten Gipfel. Aus der Bocca Nuova quillt weiterhin eine Asche-Dampfwolke, die mehrere Hundert-Meter aufsteigt. Zudem steigt glühende Tephra bis über den Kraterrand auf. Der Blick ins Valle del Bove ist leider noch zu, visuelle Beobachtungen des Lavastroms sind nicht möglich. Es wird nur eine moderate Thermalstrahlung registriert, die eigentlich zu schwach für einen Lavastrom ist. Dass könnte aber auch an den Wolken im Valle del Bove liegen. Der Tremor ist quasi unverändert. Nach wie vor gibt es Erdbeben am Vulkan. Die oberflächennahen Erschütterungen sind seltener geworden. Dafür ereignet sich unter den westlichen Ausläufern des Vulkans ein neues Schwarmbeben in größerer Tiefe. Es könnte neues Magma in die Erdkruste eindringen. In den letzten 36 Stunden wurden über 900 Erdbeben registriert! Mich würde es nicht wundern, wenn das erst die Anfangsphase einer weitaus stärkeren Eruption wäre.

Originalmeldung: Die Eruption am Ätna auf Sizilien geht weiter. Nach der heftigen Initialphase gestern Vormittag, schwächte sich der Ausbruch rasch ab. In den ersten Stunden des Ausbruchs waren alle Gipfelkrater in der Eruption involviert und förderten Aschewolken. Diese stiegen bis zu 9 Kilometer ü.N.N. auf und beeinträchtigten den Flugverkehr. Landungen auf dem Airport Catania waren nur eingeschränkt möglich. An der Basis den Neuen-Südostkraters (NSEC) öffnete sich eine Fraktur, die bis an den oberen Rand des Valle del Bove reichte. Auch auf dem Steilabhang des Ochsentals öffneten sich Risse. Aschewolken, Lavafontänen und Lavaströme wurden gefördert. Der obere Teil der Spalte stellte seine Tätigkeit am späten Nachmittag zum größten Teil ein. Seit dem Abend konzentriert sich die Tätigkeit auf einen Schlot im Steilhang des Valle del Bove. Aus diesem strömt ein Lavastrom, der binnen kurzer Zeit die Talsohle erreichte. Ortschaften sind bisher nicht bedroht. Allerdings erinnert die Situation ein wenig an 1991, als sich ebenfalls eine Spalte im Valle del Bove öffnete. Damals floss die Lava 473 Tage lang und stoppte erst kurz vor der Ortschaft Zafferana. Auch im Jahr 2008 gab es dort einen Lavastrom, der bis ins Folgejahr aktiv war.

Aktuell scheint der Tremor in einer Seitwärtsbewegung stabil zu sein, allerdings sackte er heute Nacht kurzfristig ab, kam dann aber wieder hoch. Weiterhin werden zahlreiche Erdbeben am Ätna registriert. Alleine bis gestern Mittag wurden 130 Erdbeben registriert, der Wert sollte sich bis jetzt verdoppelt haben. Was mich überrascht ist nicht die Anzahl der Beben, sondern ihre Stärke. Es wurden und werden unverhältnismäßig viele Beben mit Magnituden über 2 registriert. Das Stärkste brachte es auf M 4,0. Die Beben liegen alle sehr flach, nahe der Oberfläche. Zahlreiche dieser Beben manifestierten sich im Bereich des Valle del Bove, um den noch aktiven Schlot. Es gab aber auch Beben im Norden des Vulkans, entlang bekannter Störungszonen. Es ist also viel Bewegung im Berg. Interessant wären Werte zur Bodendeformation, die bisher aber nicht kommuniziert wurden.

Auch im Gipfelbereich öffneten sich neue Schlote. So ist auf dem Foto oben eine kleine Lavafontäne zu sehen, die aus einem Schlot kommt, der sich an der Basis der Gipfelkrater auftat. Es ist und bleibt spannend an Europas mächtigsten Vulkan.

Ätna: Flankeneruption

Update 14:30 Uhr: Dr. Boris Behncke vom INGV bestätigt nun, dass sich im oberen Bereich des Valle del Bove mehrere Öffnungen aufgetan haben. Diese Beginnen an der Basis des Neuen-Südostkraterkegels und verlaufen in Richtung Serra Giannicola. Man kann also von einer Flankeneruption sprechen. Zudem zeigen Analysen verschiedener Bilder, dass auch der NE-Krater Asche ausgestoßen hat. Der Tremor ist bereits rückläufig, aber es gibt weitere Erdbeben. Das Stärkste hatte eine Magnitude von 4,0 und lag in 2 km Tiefe. Das Bild oben zeigt, dass der Ausbruch durchaus spektakulär ist und sich von den Paroxysmen der letzten Jahre deutlich unterscheidet. Der Verlauf der Tremorkuve ähnelt allerdings eher einem Paroxysmus.

Update 13:45 Uhr: Die Hinweise verdichten sich, dass nicht die Flanke aufgegangen ist, sondern das sich an der Basis des Neuen Südostkrater-Kegels ein neuer Schlot öffnete. Aus diesem wird eine Lavafontäne gefördert, die einen Lavastrom speist. Der Verlauf der Tremorkurve erinnert an einen Paroxysmus. Es scheint sich also um die Geburt eines neuen Kraters zu handeln und nicht um eine Flankeneruption. Bei solch einer Tätigkeit sprechen Vulkanologen von einem subterminalen Ausbruch. Ich bin auf offizielle Berichte des INGV gespannt.

Originalmeldung: Am Ätna hat sich eine Spalte geöffnet, aus der ein Lavastrom Richtung Valle del Bove fließt. Die Spalte befindet sich unterhalb der Basis des Neuen Südostkrater-Kegels. Es handelt sich zumindest um eine Subterminal-Eruption. Unklar ist, ob sich weitere Spalten geöffnet haben. Auf dem Thermalbild der Nicolosi-Livecam (4.Bild) sieht es fast so aus, als hätte sich was unterhalb der Montagnola geöffnet. Ich bin mir da aufgrund der Perspektive nicht ganz sicher, ob dem so ist. Hier die ersten Bilder der Livecams. Der Tremor ist hoch und stieg sehr schnell an, so, wie man es von Paroxysmen kennt.

Ätna: Schwarmbeben

Update 13:00 Uhr: Die Aschewolken kommen aus der Bocca Nuova. Es wird schon relativ viel Asche ausgeworfen. Starker Wind drückt die Eruptionswolke nieder. Ein Blick auf die LiveCam lohnt sich! Es könnte sich zu einem Paroxysmus der Bocca Nuova entwickeln. Zudem hat sich ein weiteres Erdbeben der Magnitude 3,9 ereignet. Auch dieses lag sehr flach, aber im Südwesten des Vulkans. Die Wahrscheinlichkeit für einen großen Ausbruch wächst. Bemerkenswert ist, dass sich die flachen Beben nicht an einer Stelle konzentrieren, sondern sich entlang der Störungszonen des Vulkans verteilen. Da scheint im Allgemeinen sehr viel Bewegung im Vulkan zu sein.

Update 12:30 Uhr: Die Erdbebenserie hält an und verstärkte sich sogar noch. Es gab ein Beben der Magnitude 3,5. Die Tiefe wird mit o km angezeigt. es kommen erste Berichte rein, dass das Erdbeben gefühlt worden ist. Zudem stoßen die Gipfelkrater eine Aschewolken aus. Es scheint sich also etwas Spannendes zu entwickeln. es ist nicht auszuschließen, dass sich der Vulkan auf eine größere Eruption vorbereitet.

Dieses Jahr ist tatsächlich ein sehr außergewöhnliches Jahr mit besonders vielen interessanten Eruptionen. Ich gehe mittlerweile davon aus, dass es einen globalen Zusammenhang gibt.

Aschewolke am Ätna © Enzo Cardile

Originalmeldung:
Am Ätna auf Sizilien ereignet sich gerade ein Schwarmbeben. EMSC registriert 4 Beben mit Magnituden zwischen 2,5 und 2,7. Die Hypozentren liegen in nur 1-2 km Tiefe, und das auf einer Linie im Bereich des Valle del Bove. Sehr wahrscheinlich gibt es weitere schwache Beben die nicht angezeigt werden. Die Beben ereigneten sich vor wenigen Minuten, so dass die Daten noch korrigiert werden können. Das Verhalten des Vulkans ist in den letzten Monaten sehr auffällig.

Der Vulkan eruptiert weiterhin aus dem „Puttusiddu“ genannten Schlot am Neuen-Südostkrater-Kegel. Der Lavastrom hier hat in den letzten Tagen an Größe zugelegt.

Krakatau: Zahl der Opfer weiter gestiegen

Nach dem Tsunami am Krakatau ist die Opferzahl weiter gestiegen: bisher wurden 281 Tote geborgen. Offiziell ist von einer 90 cm hohe Flutwelle die Rede. Einige Wissenschaftler meinten in Fernsehinterviews, dass man hier nicht von einem Tsunami sprechen könne, weil die welle nicht von einem Erdbeben ausgelöst wurde. Meines Wissens nach können Tsunamis aber auch von Hangrutschungen etc. ausgelöst werden.

Der Vulkan ist weiterhin aktiv. Das VAAC Darwin registrierte heute wieder Vulkanasche in einer Höhe von mehr als 18 km. Auf Sentinel-Satellitenfotos konnte ich keine Asche ausmachen. Allerdings ist es am Krakatau bewölkt. Eine so hoch aufsteigende Aschewolke müsste aber über die Wolken aufsteigen.

Im Schiebebild seht ihr Radarbilder von Sentinel, welche die Veränderung am Anak Krakatau verdeutlicht. Die 2. Aufnahme wurde kurz nach dem Kollaps aufgenommen. Man sieht noch die Wellen ziehen.




Die Vergleichsbilder machen deutlich, wie stark sich Anak Krakatau verändert hat. Die Westflanke des Vulkans ist kollabiert, der Gipfelkrater eingesunken. Im 2-dimensionalen Bild sind Höhenabschätzungen ungenau, aber ich schätze, dass der Vulkan mindestens die Hälfte seiner Höhe eingebüßt hat. Der Krater liegt nun ungefähr auf dem Niveau des Plateaus, welcher den Rand eines früheren Kollapses markiert. Der Krater verlagerte sich Richtung Osten. Auf der kollabierten Seite sieht es so aus, als hätte sich an der Küste ein Wall gebildet. Richtung Krater gibt es dann eine Depression.

In den sozialen Medien sind weitere spektakuläre Fotos aufgetaucht.

Krakatau: Kann sich die Katastrophe von 1883 wiederholen?

In diesem Artikel geht es um meine Einschätzung der Lage und den letzten Informationen zum Hergang der Katastrophe. Weitere Artikel mit Videos und Fotos weiter unten.

Der Tsunami, der gestern Abend Teile der Küsten Westjavas und Ostsumatras heimsuchte, war mit einer Höhe von 3 m relativ klein. Er lief ca. 20 m die Küste hoch. Trotzdem gab es mindestens 222 Todesopfer. Die meisten Menschen erwischte es direkt am Strand, bzw. in Häusern und Ferienbungalows in vorderster Küstenlinie. Unter den Opfern befinden sich viele Touristen, von denen die meisten aus Indonesien stammen dürften. Was war passiert? Gestern begann eine paroxysmale Eruption, in deren Verlauf es zu einem Hangrutsch und partiellen Kollaps der Vulkanflanke kam. Der Hangrutsch löste einen Tsunami aus. Dieser erreichte die Küsten um 21.03 Ortszeit. Im Kommuniqué der zuständigen Behörde heißt es, dass zwar starker Tremor mit einer Amplitude von 58 mm registriert wurde, aber kein seismisches Signal, welches auf einen (unterseeischen) Kollaps hindeutete. Die genaue Datenanalyse lief heute morgen noch.

Laut neuen Aussagen des GFZ-Potsdam, soll die Welle 24 Minuten nach dem Kollaps in Ostjava aufgelaufen sein. Sie ist nach diesen Angaben ca. 100 km/h schnell gewesen. Ich frage mich, woher man den genauen Zeitpunkt des Kollapses kennt, wenn keine seismischen Signale registriert wurden? Haben Augenzeugen die sich anbahnende Katastrophe beobachtet? Allerdings registrierte das EMSC um 20.55 Uhr Ortszeit ein Erdbeben der Magnitude 5,0. Das Hypozentrum lag in nur 5 km Tiefe und ca. 30 km östlich der Vulkaninsel Krakatau. Ich halte es für möglich, dass die Lokalisierung des Bebens nicht genau war und dass sich das Beben stattdessen unter dem Vulkan ereignete. Es ist nicht auszuschließen, dass es den Zeitpunkt des Kollapses markiert, oder diesen triggerte. Allerdings wäre der Tsunami dann gut 350 km/h schnell gewesen. Ein recht hoher Wert für die relativ geringe Wassertiefe zwischen Krakatau und den Hauptinseln, doch wenn man bedenkt, dass Tsunamis im tiefen Wasser bis zu 800 km/h schnell werden können, ist das nicht unmöglich.

Spätestens seit dem Kollaps sind phreatomagmatische Eruptionen im Gange: Magma kommt in Kontakt mit Wasser, welches die Eruption verstärkt. Sollte Meerwasser direkt bis in den Magmenköper eindringen, könnten die Explosionen so stark werden, dass es den Anak Krakatau komplett zerreißt.

Doch nun zur eigentlichen Fragestellung des Artikels. Bei der bekannten Katastrophe von 1883 wurde eine Serie sehr starker Tsunamis ausgelöst. Diese wurden durch Kollaps des Krakatau verursacht. Der Vorgängervulkan des heutigen Anak Krakatau war deutlich größer, als die aktuelle Vulkaninsel. Von daher ist die jetzt zur Verfügung stehende Masse geringer. Sollte es zu weiteren Kollaps-Ereignissen kommen, sind diese wahrscheinlich schwächer als 1883. Aber nichtsdestotrotz besteht -meiner Meinung nach- genug Potenzial für weitaus größere Tsunamis, als jener von gestern. Wie immer, wenn es um Vulkane und Erdbeben geht: solche Ereignisse sind nur schwer vorherzusagen. Selbst wenn wir nun wissen, dass Potential für eine größere Katastrophe besteht, lässt sich nicht sagen, ob sie tatsächlich eintreten wird. Meiner Einschätzung nach sollte man die Küstenregion der Hauptinseln meiden und in höher gelegenen Gebieten schlafen. Und das solange, wie der Anak Krakatau phreatomagmatisch eruptiert.

1883 war der Vulkan mehrere Monate vor der Katastrophe aktiv. Es gab starke Eruptionen, Erdbeben, kleinere Kollaps-Ereignisse. Insofern erinnern mich die Geschehnisse vor der damaligen Katastrophe, an das, was wir nun sehen. Es gibt 2 Theorien dazu, warum der Krakatau 1883 so fatal eruptierte, dass es zum Kollaps nebst Tsunamis kam. Die ältere Theorie besagt, dass sich unterseeische Risse bildeten, durch die große Mengen Meerwasser in die Magmakammer einströmten. Die so erzeugten Dampfexplosionen zerrissen den Vulkan. Eine neuere Theorie geht davon aus, dass sich im Untergrund 2 verschiedene Magma-Arten mischten, was starke Explosionen verursachte. Ich halte es auch für möglich, dass beide Ereignisse eintraten und so zur Katastrophe führten.

Obwohl der Krakatau einer der gefährlichsten Vulkane der Welt ist, ist er nicht einer der am besten überwachten. Dazu fehlt den Indonesiern das Geld. Zum Anfang des Millenniums gab es ein Gemeinschaftsprojekt mit dem GFZ und die Ansätze waren gut. Doch als es keine weiteren Fördermittel gab, fielen immer mehr Geräte aus. Allerdings gibt es mehrere seismische Stationen. Ich selbst besuchte das kleine Observatorium an der Ostküste Javas öfters und besichtigte die Messstationen am Vulkan. Diese wurden bei Eruptionen in den vergangenen Jahren immer wieder beschädigt und liefen zuletzt nicht fehlerfrei. Allerdings muss es gestern zum spontanen Ausfall mehrere Messstationen gekommen sein, als der Vulkankegel teilweise kollabierte. Das hätte die Vulkanologen alarmieren können, das etwas Größeres passiert sein musste. Trotzdem stand nur wenig Zeit zur Verfügung, um Alarm zu geben: es blieben nur wenige Minuten, um die Bevölkerung vor einem Tsunami in der Sundastraße zu warnen. Künftig wird man auch nicht viel Zeit haben, um zu flüchten, selbst wenn Alarm gegeben werden sollte. Bei größeren Tsunamis wird es nicht ausreichen, um zu Fuß eine genügend große Distanz zurück zu legen. Per fahrbaren Untersatz hätte man evtl. noch eine Chance. Umso wichtiger erscheint mir eine lückenlose Beobachtung des Vulkans. So wurde es z.B. versäumt, mit Hydrophonen nach verdächtigen Geräuschen zu lauschen, wie man es zuweilen am Stromboli macht, wenn der Vulkan stärker ausbricht.

Neues Video vom Krakatau

Update 15:15 Uhr: Weitere Fotos der Eruption wurden veröffentlicht und verdeutlichen das Ausmaß der Katastrophe. Was auf dem Radarbild unten angedeutet ist, ist nun auf dem Foto zu sehen: Der Kegel ist kollabiert. Die Eruptionen kommen aus einer Stelle, an der sich zuvor die Vulkanflanke befand, nur dass dort jetzt die Küstenlinie verläuft. Für mich sieht es so aus, als würde sich der Kollaps mit dem Erdbeben um 21:00 Uhr Ortszeit korrelieren lassen. Schon unglaublich, dass man das Ausmaß der Eruption nicht schneller erkannt hat. Die Medien berichteten zuletzt, dass man in Indonesien davon ausgeht, dass die Flutwelle durch den Vollmond verstärkt wurde. Nein, es war ein klassischer Flankenkollaps. Die gewaltigen Hangrutschmassen lösten einen Tsunami aus!

Phreatomagmatische Eruption an der neuen Küstenlinie von Anak Krakatau. © kumparan.com

Update 14:00 Uhr: Tatsächlich ist der Kegel des Anak Krakatau teilweise kollabiert. Es finden phreatomagmatische Eruptionen statt: Meerwasser kommt in Kontakt mit Magma. Die Situation ist hoch gefährlich: es ist nicht auszuschließen, dass sich eine ähnliche Katastrophe wie 1883 anbahnt. Jederzeit sind nun Ereignisse möglich, die weitere Tsunamis auslösen könnten. Spätestens jetzt muss der Alarmstatus des Vulkans auf „rot“ gesetzt werden!

Radarbilder zeigen den Kollaps des Kegels. Zudem ist es gestern doch zu einem Erdbeben in der Sundastraße gekommen. Es hatte die Magnitude 5,0, lag in 5 km Tiefe. Es ereignete sich um 13.55 Uhr UCT. Laut EMSC lag es gut 30 km östlich der Vulkaninsel. Es ist nicht auszuschließen, dass die Angaben ungenau sind und dass das Hypozentrum unter dem Vulkan lag. Dieses könnte die Katastrophe ausgelöst haben und hätte den Vulkanologen als Warnung dienen können.

In diesem Zusammenhang möchte ich all den Helfern danken, die mir das Material über unsere FB-Gruppe zuspielen. Im Forum der Vulkanauten wurde übrigens eine Diskussion zum Thema eröffnet: Seid ihr von der Eruption überrascht? Was meint ihr, wie es weiter geht? Eure Meinung ist gefragt!

Originalmeldung:

Ein Video vom Krakatau zeigt spektakuläre Explosionen. Pyroklastische Ströme ziehen aufs Meer hinaus. Die Vulkanasche verhüllt den eigentliche Kegel, wenn er denn noch da ist! Die Einstellung der Explosion sieht so aus, als käme diese eher aus dem Küstenbereich, als vom Krater. Die Eruption scheint phreatomagmatischen Ursprungs zu sein, was ein Indiz dafür ist, dass Meerwasser in den Vulkan eindringt.

Krakatau: Tsunami durch Kollaps

Update 13:30 Uhr: Neusten Medienberichten zufolge, stieg die Zahl der Todesopfer auf 222. 843 Verletzte hätten sich eingefunden. Mindestens 30 Personen sind noch vermisst. Man stellt sich auf weiter steigende Opferzahlen ein. Der Tremor ist immer noch erhöht, was darauf schließen lässt, dass der Paroxysmus weiter anhält. Das Seismogramm zeigt keinen besonderen Ausschlag, der auf eine größere seismische Erschütterung jenseits des Tremors hindeutet. Da stelle ich mir einmal mehr die Frage, wie aussagefähig das online-Seismogramm des VSI ist? Die LiveCam ist leider offline und zeigt einen Abfalleimer. Daten über Bodendeformation werden nicht kommuniziert.

Originalmeldung: Am Anak Krakatau ereignete sich diesen Stunden dramatisches! Der Paroxysmus steigerte sich so sehr, dass es zu einem Kollaps kam, der einen großen Unterwasser-Hangrutsch auslöste. Die abrutschenden Gesteinsmassen lösten einen Tsunami aus. Dieser brandete an die Küste von Java und Sumatra. Viele Menschen starben. Nach bisherigen Angaben kamen 168 Menschen ums Leben, 745 Personen wurden verletzt.

Der Hangrutsch ereignete sich bereits gestern Abend. Die hohen Wellen, von denen bereits gestern Augenzeugen berichteten (siehe unten) scheint bereits der Tsunami gewesen zu sein. Unklar ist, ob es nicht auch zu einer submarinen Eruption gekommen ist.

Das VAAC Darwin meldet Vulkanasche in 18.300 m Höhe! Das ist der stärkste Ausbruch des Anak Krakatau, seitdem ich Vulkane beobachte.


Wie so oft an Vulkanen, kam das Ereignis überraschend. Nachdem der Vulkan seit Juni aktiv ist und mehrere paroxysmale Phasen durchlebte, ohne das etwas passierte, kam es gestern zur Katastrophe. Der Vulkan befand sich auf Warnstufe „gelb“ und es gab eine 2 km Sperrzone um den Gipfel des Vulkans. Auf Rakata (Insel in 4 km Entfernung) konnte man sich z.B. offiziell aufhalten. Dort kampierten immer wieder viele Vulkanbeobachter. Sollte sich zum Zeitpunkt des Tsunamis dort jemand aufgehalten haben, ist er sehr wahrscheinlich unter den Todesopfern. Unverständlicher Weise wurde die Alarmstufe bis heute Morgen nicht hochgestuft.

Seismik am Krakatau. © Tom Pfeiffer

Erhöhte Seimik als Warnsignal?

Kollege Tom Pfeiffer postete gestern ein Foto der Seismik am Krakatau, welche in einem kleinen Observatorium an der Küste Westjavas aufgezeichnet wurde. Ähnlich hohe Seismik sah man auch schon bei vorangegangenen Paroxysmen. Es drängt sich ein Vergleich mit der Eruption am Fuego auf, die sich im Juni dieses Jahres ereignete. Nach zahlreichen Paroxysmen kam es auch dort zu einer Katastrophe, als pyroklastische Ströme viele Menschen töteten. Auch hier wussten die Behörden nicht, dass sich der Ausbruch von vorangegangenen Eruptionen zu unterscheiden schien. Offenbar ein generelles Problem: scheinbar „normale“ Situationen können sich am Vulkan dramatisch schnell ändern, ohne das man sie vorhersagen könnte.

Trotz der Dramatik der Lage, war der Tsunami relativ klein. In den Sozialen Medien haben Anwohner und Vulkanbeobachter auf Westjava von hohen Wellen gesprochen. Vielfach wurde diskutiert, ob die Wellen durch den Vollmond (tidal flood) ausgelöst wurden, oder ob es sich um meteorologisch erzeugte Wellen handelte. Vielen war nicht klar, dass die Wellen an manchen Küstenabschnitten so hoch wurden, das Menschen starben. An einen Tsunami durch einen submarinen Hangrutsch (sofern sich dieser bestätigt und es nicht doch ein Kollaps am oberseeischen Teil des Krakataus war) dachten wohl die Wenigsten. Ein starkes tektonisches Erdbeben, welches für die Wellen verantwortlich gewesen sein konnte, gab es zuvor auch nicht.

Nur ein Hangrutsch?

Ob der Tsunami tatsächlich durch einen submarinen Hangrutsch ausgelöst wurde, ist bis jetzt nicht bestätigt. Es könnte auch zu einem Abbruch des Lavadeltas gekommen sein, welches sich in den letzten Wochen aufbaute: mehrere Lavaströme, die den Ozean erreichten, schufen neues Land. Dieses ist allerdings sehr instabil. Von Hawaii kennt man es, dass diese Deltas oft kollabieren und Wellen auslösen. Falls sich tatsächlich ein unterseeischer Hangrutsch ereignete, muss man sich die Frage stellen, ob das alles war? Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich eine Spalte unter Wasser öffnete und Wasser in den Magmenkörper eindringt, ähnlich, wie es sich vor der Katastrophe von 1883 zugetragen haben könnte. Die Ereignisse von damals erinnern auf jeden Fall an aktuelle Abläufe. Dazu gibt es hier heute Abend einen weiteren Artikel von mir.