Erdbeben-Update 26.02.21: Island

Erdbeben Island
Vertikaler Bodenversatz von mindestens 10 cm. © Sotiris Valkaniotis via Twitter

Update 27.02.21: Heute Morgen gab es ein weiteres Erdbeben der Magnitude 5,2. Die Schwarmaktivität bleibt hoch! Gestern Abend brachte IMO noch ein offizielles Statement zum Geschehen heraus. Indem wurde praktisch das bestätigt, was ich schon weiter unten berichtet habe: Die Hauptstörungszone der Reykjanes-Halbinsel wurde auf einer Länge von 25 km aktiviert und es fand eine linksdrehende Horizontalverschiebung statt. Zudem gab es oberflächennahe Brüche an senkrecht stehenden Störungssystemen. Einen direkten Zusammenhang mit Magmenintrusionen sehen die IMO-Forscher nicht. Dennoch ordnen sie das Schwarmbeben in die Geschehnisse ein, die letzten Jahr begannen. Man sieht eine groß angelegte vulkanisch-tektonische Reaktivierung der Reykjanes Halbinsel. Es bleibt also spannend!

Originalmeldung: Der massive Erdbebenschwarm legt heute Nachmittag wieder deutlich zu und es gab 4 Erdbeben mit Magnituden über 4. Langsam trudeln auch weitere Daten und Interpretationen des Geschehens ein. Mehrere Autoren werteten INSAR-Satellitenbilder aus und detektierten deutliche Bodendeformationen. Ungewöhnlich an dieser Bebenserie ist nicht nur Anzahl und Stärke der Erschütterungen, sondern auch, dass sie sich über ein relativ großes Gebiet verteilen. Die meisten Beben gibt es entlang der grob Südsüdwest-Ostnordost streichenden Hauptverschiebungszone auf Reykjanes, die Teil des Mittelatlantischen Rückens ist. Hier gibt es Bodenbewegungen auf einer Länge von über 20 km. Zudem ereignen sich Erdbeben an kurzen Störungen, die fast senkrecht zur Hauptstörungszone angeordnet sind. An einer diese senkrechten Störungen ereignete sich das bislang stärkste Beben mit der Magnitude 5,7. Dieses Beben gilt nicht als Auslöser des Schwarms, sondern als Folgebeben der Bewegungen entlang der Hauptstörung. Sigurjón Jónsson geht von einer links-lateralen Blattverschiebung in der Tiefe aus. Sie soll an der Oberfläche entgegengesetzte Bewegungen ausgelöst haben, die zum Bruch des Gesteins führten. Was genau im Untergrund passiert und ob es einen Zusammenhang mit Magmenaufstieg gibt, ist bisher allerdings unklar.

Vulkan-Update 26.02.21: Krísuvík, Taal und Ätna

Im Vulkan-Update vom Freitag berichte ich über den isländischen Vulkan Krísuvík, dem philippinischen Taal und dem sizilianischen Ätna. Auf allen 3 Inseln wird es spannend!

Krísuvík: Alarmstufe „gelb“ auf Island

Beim Krísuvík handelt es sich um ein isländisches Vulkansystem zwischen den Orten Grindavik und Hafnarfjörður. Das System war Schauplatz der seismischen Krise der letzten Tage und die Vulkanologen von IMO hoben den Alarmstatus auf „gelb“ an. Das heißt, dass jederzeit Eruptionen möglich sind. Die Anhebung der Alarmstufe erfolgte intern offensichtlich schon zeitnahe nach Beginn des Erdbebenschwarms. Details wurden bisher nicht kommuniziert. Schwarmbeben sind in dieser Region keine Seltenheit und selbst Spaltenöffnungen gab es in der Vergangenheit bereits, ohne dass es zu einem Ausbruch gekommen wäre. So fiel der Wasserspiegel des Sees Kleifarvatn, nachdem sich bei einem Erdbeben im Jahr 2000 Spalten geöffnet hatten. In den folgenden Jahren stieg das Wasser aber wieder an. Zuletzt wurden zwischen 2010 und 2011 Bodendeformationen registriert. Die letzte größere Eruptionen ereigneten sich im 12. Jahrhundert und dauerten einige Jahre an. Sie ging in die Analen der Geschichtsschreibung als Trölladyngja-Feuer ein. Dabei entstanden 2 große Lavafelder. Die Besiedelung der Gegend wurde recht früh aufgegeben. Das es heute noch im Untergrund heiß ist, davon zeugt das Thermalgebiet Seltún. Außerdem produziert man in der Gegend geothermalen Strom.

Die Erdbeben halten noch an, allerdings hat sich der Schwarm im Ganzen deutlich abgeschwächt. IMO berichtet von insgesamt 4200 Erschütterungen in den letzten 48 Stunden. Das zugehörige Diagramm sieht beeindruckend aus. Ich kann mich nicht daran erinnern, schon einmal von so vielen Erdbeben in so kurzer Zeit berichtet zu haben! Am Nächsten kamen die Ereignisse zur Zeit der Bardarbunga-Eruption. Der damalige Rekord lag bei 2600 Erschütterungen in 48 Stunden.

Taal: Tremor hoch

Mit dem philippinischen Taal-Vulkan steht ein weiterer möglicher vulkanischer Kampfschauplatz in den Schlagzeilen. Hier steigerte sich der Tremor in den vergangenen Tagen wieder deutlich. Gestern meldete PHILVOLCS 69 Tremorphasen, heute waren es 113. Die Signale dauerten zwischen 1 und 34 Minuten und zeigen an, dass sich magmatische Fluide im Untergrund bewegen. Während sich der Boden um den Krater weiter absenkte, wird im ganzen Calderavulkan leichte Inflation registriert.

Ätna: kommt ein weiterer Paroxysmus?

Nachdem uns der Ätna in diesem Monat bereits 6 sehr schöne Paroxysmen präsentierte, sind wir alle natürlich gespannt, ob es so weiter gehen wird. Statistisch betrachtet, wäre der nächste Paroxysmus am Nachmittag fällig. Der Tremor bewegt sich unverändert im gelben Bereich seitwärts und es werden Infraschall-Signale registriert. Es sieht also nicht schlecht aus. Allerdings weiß man nie, ob sich das Pausenintervall nicht verändert.