Erdbeben in Italien: Opferzahlen steigen

Nach dem verheerenden Erdbeben, dass Mittelitalien in der Nacht zum Mittwoch erschütterte, steigen die Opferzahlen deutlich: bisher wurden 247 Menschen tot geborgen. Die Zahl wird noch deutlich ansteigen, denn es werden noch Hunderte vermisst. In der zuvor idyllischen Bergregion hielten sich zudem Tausende Touristen auf. 70 werden unter den Trümmern des historischen Hotels Roma vermutet.

Am schlimmsten Betroffen sind die 3 Ortschaften Amatrice,  Accumoli und Pescara. Sie sind praktisch vollkommen zerstört, nur einzelne Gebäude scheinen unversehrt. Ein Krankenhaus und ein Kloster stürzten ein. alleine unter den Trümmern dieser Gebäude werden noch zahlreiche Opfer vermutet.

Die Rettungsarbeiten scheinen gut koordiniert zu sein: der italienische Katastrophenschutz ist richtig vorbereitet und bestens ausgerüstet. So setzt die Feuerwehr Drohnen zur Opfersuche und Dokumentation ein (Video oben). Trotzdem ist der Zugang in die Region schwierig und der Einsatz von schwerem Gerät muss sehr vorsichtig erfolgen, damit Verschüttete nicht durch die Grabungsarbeiten umkommen.

Die Schäden, die durch dieses Erdbeben verursacht wurden, erscheinen besonders hoch. Dies liegt vor Allem an der geringen Tiefe der Bruchzone: das Hypozentrum lag nur 4 km unter der Oberfläche (nicht 10 km wie das USGS zunächst berichtete), zum Anderen ist die Bausubstanz in dieser Region sehr alt. Die Mauern der Gebäude sind zwar dick, aber dadurch unflexibel, was im Falle eines Erdbebens schlecht ist. Moderne Gebäude müssen in dieser Region strenge Bauauflagen erfüllen damit sie wenigstens bis zu einem bestimmten Grad erdbebensicher sind.

Eine Notiz am Rande: am Kilauea auf Hawaii gab es 2 Erdbeben M 3,8 und 3,5. Diese manifestierten sich wenige Kilometer östlich der Gipfelcaldera.

Italien: starkes Erdbeben M 6,2

Erdbeben in Italien. © EMSC

Mittelitalien wurde heute Nacht von einem starken Erdbeben der Magnitude 6,2 erschüttert. Das Hypozentrum lag in nur 4 km Tiefe. Das Beben richtete große Schäden mit zahlreichen Toten (aktuell 21) und Verletzten an. Das Epizentrum lag in der Provinz Perugia südöstlich der Stadt Norcia. Die Erdstöße wurden im 77 km entfernte Rom deutlich wahrgenommen. Es fanden und finden zahlreiche Nachbeben statt: 2 von ihnen hatten Magnituden größer als 5.

In mehreren Dörfern und Kleinstädten wurden große Verwüstungen angerichtet. Es wurde auch eine Brücke so stark beschädigt, dass sie nicht mehr befahrbar ist. Zudem wurden mehrere Zugangsstraßen durch Erdrutsche blockiert. Dass erschwert die Rettungsarbeiten sehr. Die entlegenen Bergregion in Abruzzen liegt fernab der Ballungszentren, ansonsten wäre die Schäden noch dramatischer. 

Der "Adriatische Sporn" ist ein Stück Afrika, dass in der Adria bis zu den Alpen vordringt. © GFZDas Beben ereignete sich in den Abruzzen, einem Teil des Apennin-Gebirges. Dieses entsteht durch die Kollision von Afrika und Europa entlang des Adriatischen Sporns: entlang der Adria dringt ein schmales Stück Afrika bis weit in Europa ein und verursacht neben der Auffaltung des Apennin auch die Bildung der Alpen. Diese Plattenkollision sorgt für große Spannungen in der Erdkruste, die sich über lange Zeiträume akkumulieren und dann plötzlich entladen. Das Beben von heute ereignete sich entlang der gleichen Störungszone wie das letzte starke Erdbeben von 2009. Damals war die Stadt L’Aquila besonders stark betroffen. Es starben fast 300 Menschen. Diese Beben hatte auch juristisches Nachspiel: führende Geowissenschaftler des INGV und Katastrophenschutzes standen vor Gericht, weil sie Vorbeben nicht als Anzeigen eines bevorstehenden starken Erdbebens erkannten und keine Warnungen ausgaben. 

Der 24. August scheint ein Schicksalstag Italiens zu sein, denn an diesem Datum jährt sich der verheerende Vulkanausbruch des Vesuv der Pompeji zerstörte.

Das EMSC registrierte keine wahrnehmbare Steigerung der seismische Aktivität im Vorfeld des aktuellen Erdbebens. Wohl aber einige Erschütterungen in der Long-Valley-Caldera in den USA.

(Quelle der Erdbebendaten: EMSC)

Australien: Erdbeben M 5,7

Update 19.August: Heute ereignete sich ein starkes Seebeben M 7,4 bei den South Sandwich Islands. Das Hypozentrum lag in 10 km Tiefe. So ein Beben kann durchaus einen Tsunami auslösen.

Originalmeldung: Erdbeben in Australien kommen nicht gerade oft vor. Daher ist das heutige mittelstarke Erdbeben der Magnitude 5,7 eine Meldung wert. Das Hypozentrum lag wenige Kilometer offshore vor der Ostküste von Queensland. Es folgten bereits mehrere Nachbeben.

Ein interessantes Erdbeben M 4,4 ereignete sich in Guatemala. Das Hypozentrum lag in 184 km Tiefe in relativer Nähe zu den Vulkanen Fuego und Santiaguito.

Island: zahlreiche Beben

Zahlreiche Erdbeben manifestieren sich auf Island. © IMOAuf Island ereigneten sich in den letzten 48 Stunden zahlreiche Erdbeben. 8 hatten Magnituden zwischen 3 und 4. Unter dem Bardarbunga manifestierten sich 3 dieser Beben. Sie sind sehr wahrscheinlich mit dem Absinken bzw. Kollabieren des Calderadaches assoziiert. Dieser Prozess hält seit der Eruption im letzten Jahr an. Für die Wissenschaftler eine seltene Gelegenheit diesen Prozess vor Ort zu beobachten. 

Die Beben im Norden Islands gehen wahrscheinlich mit einer Magmaintrusion an der Tjörnes-fracture-zone einher. Solche Ereignisse sind dort öfters zu verzeichnen. 

Bardarbunga: Schwarmbeben

Schwarmbeben Bardarbunga. © IMOGestern wurde der isländische Gletschervulkan Bardarbung von einem Schwarmbeben erschüttert. Das stärkste Einzelbeben hatte eine Magnitude von 4. Zwei weitere Beben brachten es auf M 3,2. das Hypozentrum lag im Nordnordosten der Caldera in 5,4 km Tiefe. IMO sieht keine sonstigen Anzeichen für eine bevorstehende Eruption.

2 andere Vulkane auf Island bereiten den Vulkanologen mehr Sorgen: Hekla und Katla. Letzterer Vulkan zeigte in der vergangenen Woche erhöhte Seismik. Von der Hekla erwartet man schon seit 2 Jahren eine Eruption, die aber einfach nicht kommen will!

Tambora: Erdbeben M 5,5

Erdbeben am Tambora. © EMSC

Vor wenige Stunden wurde die Westflanke des Vulkans Tambora von einem Erdbeben der Magnitude 5,5 erschüttert. Das Hypozentrum lag in 20 km Tiefe. Der Vulkan liegt auf der indonesischen Insel Sumbawa. Tambora zeichnete sich 1815 für eine der größten Vulkankatastrophen der jüngeren Geschichte aus. Bei dieser Eruption starben nicht nur 71.000 Menschen, sondern er verursachte einen globalen Temperaturrückgang, in dessen Folge weltweite Hungersnöte ausbrachen.

Heute ereigneten sich bereits 2 weitere mittelstarke Erdbeben der Magnituden 5,3 und 6,1 in Azerbaijan und im südlichen Indischen Ozean.

Update: Ein weiteres Erdbeben M 5,1 ca. 40 km südwestlich der Vulkaninsel Krakatau. Hypozentrum lag in 139 km Tiefe.

Erdbeben weltweit

In den letzten 24 Stunden ereigneten sich einige interessante Erdbeben, die ich Euch nicht vorenthalten möchte: Das Stärkste hatte eine Magnitude von 7,7 und ereignete sich unter der Wasserwüste des Pazifischen Ozeans bei den Northern Mariana Islands. Auf dem ersten Blick riecht dass schwer nach einem Tsunami, doch da sich das Hypozentrum in 267 km Tiefe befand blieb dieser wohl aus.

Ein mittelstarkes Beben M 5,7 ereignete sich bei Papua Neuguinea. Das Hyppozentrum lag auch hier bei recht tiefen 71 km.

Das jüngste Seebeben manifestierte sich wenige Kilometer westliche von Kreta: es hatte eine Magnitude von 4,8 und lag in 10 km Tiefe.

Serie mittelschwerer Erdbeben

Update 22.00 Uhr: In Chile und Papua Neuguinea ereigneten sich noch 2 stärkere Erdbeben mit Magnituden von 6,0 und 6,3. Letzteres Beben könnte das Potenzial haben einen kleinen Tsunami auszulösen.

Originalmeldung: Heute ist wieder so ein Tag an dem sich mittelschwere Erdbeben M größer 4 häufen. Diese dienen oft als Vorläufer für schwere Erdbeben die sich in einigen Tagen ereignen könnten: 

  • RYUKYU ISLANDS M 5,5 in 12 km Tiefe (Suwanose-jima liegt in diesem Inselgebiet)
  • MINDANAO, PHILIPPINES M 4,7 in 10 km Tiefe
  • COQUIMBO, CHILE, M 4,8  in 44 km Tiefe (mehrere Beben M größer 4)
  • METROPOLITANA, CHILE, M 4,6 in 90 km Tiefe
  • GRIECHENLAND M 4,0 in  km Tiefe
  • INDIAN-ANTARCTIC RIDGE M 5,8 in 10 km Tiefe
  • HINDU KUSH REGION, AFGHANISTAN M 4,4 in 176 km Tiefe (3 Beben in der Region) 

Ecuador: Erdbeben M 6,3

An der Küste von Ecuador bebte die Erde heute 2 Mal. Die Erdbeben hatten die Magnituden 5,9 und 6,3 und lagen in 30 km Tiefe. Die Hypozentren lagen 155 km nordwestlich der Hauptstadt Quito. Über große Schäden, oder Todesopfer liegen keine Meldungen vor. Es gab allerdings Stromausfälle und Schulen wurden geschlossen.

Am 16. April gab es dort ein zerstörerisches Erdbeben, dass 650 Menschenleben forderte. Dieses Beben hatte eine Magnitude von 7,8.

In dieser Gegend gibt es mehrere aktive Vulkane: es bleibt spannend abzuwarten, ob diese mit gesteigerter Aktivität auf die Erdbeben reagieren werden.

Vanuatu: Erdbeben M 7,0

Das Inselarchipel Vanuatu wurde von einem starken Erdbeben der Magnitude 7,0 Heimgesucht. Es ereignete sich gestern Abend unter der Insel Malekula. Das Hypozentrum lag in 30 km Tiefe und es gab zunächst einen Tsunamialarm. Es entstand großer Sachschaden, dennoch hätten die Schäden größer sein können, wenn das Hypozentrum flacher gelegen hätte. Vanuatu wurde in den letzten Wochen sehr häufig von starken Erdbeben erschüttert.