Fagradalsfjall: Geimpft, getestet und rasiert

Staat: Island | Koordinaten: 63.903, -22.273 | Eruption: Hawaiianisch

Fagradalsfjall
Drohenenpanorama über den neuen Krater und dem Geldingadalir. © Marc Szeglat

Zwischen dem 05. und 12. September weilten die Geonauten/Vulkanauten Thorsten, Martin und Marc auf Island, um die Eruptionen des Vulkans Fagradalsfjall zu dokumentieren. Wie es das Schicksal so wollte, traf unsere Reise ausgerechnet mit der längsten Eruptionspause des Vulkans zusammen, seitdem er im März ausgebrochen war. Die Pandemie-bedingten Reisebeschränkungen und die Schulferien -mit ihren sündhaft explodierten Mietpreisen für Allradautos- vereitelten eine frühere Reise. Diese trat ich bereits mit gemischten Gefühlen und in einer dystopischen Stimmung an, denn der letzte Eruptionspuls ereignete sich bereits 3 Tage vor meiner Abreise: eine ungewöhnlich lange Pause für den ansonsten so aktiven Fagradalsfjall. Hinzu kam der Umstand, dass die Bahn streikte (danke GDL) und ich von Frankfurt aus flog. Also musste ich mit dem PKW 3 Stunden lang zum Flughafen fahren und ihn dort einem Langzeitparkplatz auf einem alten Fabrikgelände anvertrauen. Die endlos lange Schlange am Check-in war auch wenig erbaulich. Geimpft, getestet und frisch rasiert stellte ich mich wenig geduldig und ziemlich genervt hinten an und wartete. Irgendwann hatte ich es dann bis an Bord des Fliegers geschafft und versumpfte mit meiner Maske auf der Nase im zu schmalen Sitz. Dreieinhalbstunden später landete ich in Keflavik -ohne einen nennenswerten Bordservice genossen zu haben (danke Icelandair)- absolvierte das Corona-Einreiseprozedere und nahm den Mietwagen entgegen. Hier trug sich das erste einigermaßen positive Ereignis zu, denn mir wurde ein „Upgrade“ aufgedrückt. Anstatt des gebuchten Skoda Oktaiva 4×4 bekam ich einen Kia Sportage SUV. Mhh, eigentlich hatte ich den langen Skoda gemietet, weil ich hinten im Kofferraum schlafen wollte, nun würden es 7 unbequeme Nächte auf dem Beifahrersitz werden. Was für eine herbe Enttäuschung, aber wenigstens durfte man mit dem SUV über die Hochlandpisten brettern und auf den Spuren einer Grand Tour wandeln.

Thors Sohn

Nachdem ich Martin aufgegabelt hatte, trafen wir uns mit Thorsten in Grindavik, der bereits am Donnerstag auf Island angekommen war und vermutlich den Vulkan ausgetreten hatte. Oder hatte er etwa in den Krater uriniert? Was auch immer, der Sohn Thors musste den Vulkan gelöscht haben! Zusammen fuhren wir zum schweigenden Schlot und mir raubte es endgültig die Stimmung: Hunderte, nein, Tausende Schaulustige bevölkerten die Hügel um das Geldingadalir-Tal und starrten zum kalten Loch rüber. Schlimmer geht immer. Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich finde es toll, wenn sich Menschen für Vulkane interessieren und diese auch bereisen, doch dieser Rummel ging mir entschieden zu weit! Um es abzukürzen: der Vulkan blieb aus und wir verdrückten uns ins ruhigere Hochland. Zuvor bestaunten wir einen Gletscherlauf der Skafta, der von zwei subglazialen Kavernen des Gletschers Vatnajökull ausging. Der Vulkan Grimsvötn verursachte eine Eisschmelze und das gestaute Wasser floss nun ab. Lokale Medien berichteten pausenlos über das Ereignis, doch irgendwie haute es mich nicht wirklich von den Socken. War halt ein Hochwasser, dass das Flussbett nicht mal verließ. Irgendwie weniger dystopisch, oder doch? Nein, Grimsvötn zeigte sich vom Gletscherlauf nicht beeindruckt und blieb -wie könnte es anders sein- ruhig. Zu ruhig für meinen Geschmack, denn als Sünder stehe ich auf einen Hauch von Feuer und Schwefel. By the way, Grimsvötn zählt zu den 7 isländischen Vulkansystemen, die sich aktuell auf eine Eruption vorbereiten sollen.

Im Bann des Tremors

Panorama über Kraterseen bei Landmannalaugar. © Marc Szeglat

Während unserer Reise staunten wir mehr als einmal, wie gut das Mobilfunknetzt auf Island ausgebaut ist, denn stündlich checkten wird den Tremor. Thorsten verließ uns am Donnerstag, und Martin und ich scheuchten den Kia nach Landmannalaugar, wo es mich erneut in Erstaunen versetzte: aus dem Geheimtipp von damals, ist eine beliebte Touristenattraktion geworden, wo sich alles trifft, was seinen Offroadcamper ausführt. Und ich kann Euch sagen: nach 5 Nächten auf dem Beifahrersitz eines SUVs hätte ich auch gerne einen gehabt. Abenteurfeeling war allerdings fehl am Platz, dazu muss man wohl zur Askja fahren. Aber wir wollten uns nicht weiter als 3 Fahrtstunden vom Fagradalsfjall entfernen. Am letzten Tag vor der Heimreise stellte sich heraus, dass dieser Entschluss weise war. Am Samstagmorgen begann der Tremor in der vertrauten Weise zu steigen und wir eilten vom Gulfoss zum Fagradalsfjall.

Neue Spalten am Vulkan Fagradalsfjall

Am Vulkan angekommen wählten wir die südlichste der 3 Routen, die auf die Hügelketten um den neuen Krater führen. Auf dem Rim steht eine der populärsten LiveCams und weiter östlich befindet sich ein recht wenig frequentierter Aussichtspunkt. Von dort aus wollten wir unsere Drohnen starten. Schon während des Weges dorthin schwante mir nichts Gutes: von der gegenüberliegenden Seite des Tals stieg verdammt viel Dampf auf und es hatte den Anschein, als würde dort Lava fließen. Martin war vorangeeilt und als ich den Aussichtspunkt erreicht hatte, drehte er bereits wieder um und machte sich auf den weiten Weg zur Nordseite. Ein Blick in die Ferne bestätigte meine Vermutung, dass sich in gut 2 km Entfernung neue Schlote im Talboden geöffnet hatten. Super, da stand ich dann mal auf der falschen Seite und guckte blöd aus der Wäsche! Martin, der im Gelände fast doppelt so schnell unterwegs ist wie ich, hatte gute Chancen den gegenüberliegenden Rim noch bei gutem Fluglicht zu erreichen, aber ich zweifelte an meiner Geschwindigkeit und beschloss auf dem Aussichtshügel zu verweilen. Dann blieb die Küche halt nicht nur leer, sondern auch kalt. Dafür startete ich bald meine Drohne und flog hinüber zum Krater, in dem sich wieder Lava sammelte. Was sich bis dahin vor meinen Augen verborgen hatte, war eine neue Öffnung an der nördlichen Basis des Kraterkegels. Hier schoss die Schmelze im hohen Bogen aus der Öffnung und speiste einen verzweigten Lavastrom. Aus 3 weiteren Öffnungen im Talboden sprudelte ebenfalls Lava und schuf einen breiten Strom, den man schon als sekundären Lavasee bezeichnen konnte. Was für ein Naturspektakel! Allerdings konnte sich so der Krater natürlich nicht mit Lava füllen und überlaufen, worauf ich bis dahin eigentlich gesetzt hatte. Die Erde bewies einmal mehr ihre Kraft, und dass es ihr scheißegal ist, ob ich geimpft, getestet und rasiert bin.

Vulkan-News 18.09.21: Fagradalsfjall, Karymsky

Am Fagradalsfjall waren gestern neue Lavaströme unterwegs. Karymsky und Suwanose-jima eruptierte Aschewolken.

Fagradalsfjall mit neuen Lavaströmen

Staat: Island | Koordinaten: 63.903, -22.273 | Eruption: Hawaiianisch

Gestern flossen am isländischen Dauerbrenner (der nur brennt, solange ich nicht auf der Insel bin) wieder Lavaströme bis ins Natthagi-Tal. Sie entsprangen einem Riss im Nordosten des Geldingadalir-Tals. Die Schmelze trat praktisch entgast und ohne Druck aus, so dass man davon ausgehen kann, dass es keine neue Eruptionsspalte war, sondern nur ein Riss in der Kruste aus oberflächlich erstarrter Lava. Unter der Lavakruste war das Gestein noch fließfähig und trat aus. Im Krater bildete sich ebenfalls wieder ein Lavasee, der bis heute Vormittag aktiv blieb. MIROVA registriert eine sehr hohe Thermalstrahlung mit mehr als 2200 MW Leistung. Der Tremor ist erhöht, mit ausgeprägten Peaks im Frequenzband 2-4 Hz. Es steigt neues Magma aus der Tiefe auf und es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Eruption in Bälde stoppen wird.

Karymsky eruptiert Aschewolken

Staat: Russland | Koordinaten: 54.048159.441 | Eruption:  Vulcanianisch

Vom Karymsky in Kamtschatka wurden neue Ascheeruptionen gemeldet. Laut VAAC stiegen sie bis auf einer Höhe von 4300 m auf und drifteten in östlicher Richtung. Russische Medien berichten von Aschewolken, die bis zu 2500 m über Kraterhöhe aufstiegen. Der Karymsky zählt zu den aktivsten Vulkanen der sibirischen Halbinsel, auch wenn er in den letzten Jahren etwas zurückhaltender agierte, was sich zumindest momentan zu ändern scheint: seit gestern wurden 7 Vona-Warnungen veröffentlicht.

Suwanose-jima bleibt aktiv

Staat: Japan | Koordinaten: 29.64, 129.72 | Eruption: Vulcanianisch

Der Inselvulkan Suwanose-jima liegt im südjapanischen Ryukyu-Archipel und ist derzeit der aktivste Vulkan des Landes. Mit seinen Eruptionen bringt er es in die lokalen Medien. Dort wurde gestern berichtet, dass die Eruptionen aus dem Ontake-Krater glühende Tephra bis zu 1 km weit auswerfen. Asche stieg zuletzt bis auf einer Höhe von 2100 m auf. Besonders auffällig ist die gesteigerte Seismizität des Vulkans: das JMA registrierte gestern beim Tremor neue Höchstwerte und meldete 36 Tremorphasen. Es wurden 75 vulkanotektonische Erdbeben festgestellt. Es sieht so aus, als würde weiter Magma aufsteigen.

Erdbeben-News 17.09.21: Tote in China

In China manifestierte sich ein moderates Erdbeben mit Todesopfern. Das stärkste Erdbeben der letzten Tage ereignete sich in Vanuatu.

Vanuatu: Erdbeben Mw 5,8

Datum: 17.09.2021 | Zeit: 10:28:40 UTC | Lokation:  13.43 S ; 167.41 E | Tiefe: 10 km | Mw 5,8

In Vanuatu bebte es mit einer Magnitude von 5,8. Der Erdstoß manifestierte sich in einer Tiefe von 10 km. Das Epizentrum wurde offshore, 52 km nördlich von Sola verortet. Der Inselstaat liegt in einer seismisch sehr aktiven Zone nahe des Vanutau-Grabens.

Alaska: Erdbeben Mw 5,6

Datum: 16.09.2021 | Zeit: 17:51:56 UTC | Lokation: 55.23 N ; 156.55 W | Tiefe: 25 km | Mw 5,6

Südlich der Halbinsel von Alaska fand ein Erdstoß der Magnitude 5,6 statt. Die Tiefe des Hypozentrums wurde mit 25 km angegeben. Das Epizentrum lag 250 km östlich von Sand Point, direkt an der Subduktionszone des Feuerrings. In Alaska gibt es zahlreiche Vulkane, von denen derzeit einige aktiv sind.

China: Erdbeben Mw 5,4

Datum: 15.09.2021 | Zeit: 20:33:32 UTC | Lokation: 29.21 N ; 105.36 E | Tiefe: 10 km | Mw 5,4

Vorgestern ließ ein moderates Erdbeben in China 737 Gebäude einstürzen und richtete nicht nur große Schäden an, sondern verursachte auch 2 Todesopfer und mindestens 60 Verletzte. Das Beben der Magnitude 5,4 ereignete sich in 10 km Tiefe. Das Epizentrum wurde 58 km östlich von Zigong lokalisiert. Die Stadt Luzhou lag nur 30 km vom Epizentrum entfernt. Hier entstanden die größten Schäden. Insgesamt wurden mehr als 7000 Gebäude beschädigt. Der Strom fiel aus und das öffentliche Leben kam zum Erliegen. Die großen Schäden, die von dem moderaten Beben verursacht wurden, sprechen für eine marode Bausubstanz mit großen Mängeln. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua brachte es das Beben auf M 6,0. Wenn dem so war, dann handelte es sich bestimmt um eine Messung der Lokalmagnitude.

Japan: Erdstoß Mb 5,4

Datum: 16.09.2021 | Zeit: 09:42:29 UTC | Lokation: 09:42:29 | Tiefe: 10 km | Mb 5,4

Vor der Westküste der japanischen Insel Honshu manifestierte sich ein Erdbeben der Magnitude 5,4. Der Erdbebenherd befand sich 10 km tief. Das Epizentrum lag 55 km nördlich von Nanao.

Vulkan-News 17.09.21: Cumbre Vieja, Erta Alé

Auf La Palma gab es weitere Erdbeben und Inflation. Am Fagradalsfjall ereignete sich ein größerer Kollaps im Krater. Der Erta Alé zeigt eine thermische Anomalie und der Fuego erzeugt einen kurzen Lavastrom.

Cumbre Vieja: Inflation weiter gestiegen

Nachdem die Seismizität am Cumbre Vieja gestern kurzzeitig zurückgegangen war, zog sie mittags wieder an. Dabei manifestierte sich ein Erdbeben Ml 3,1 in nur 6 km Tiefe. Auf dem Seismogram erkannte man einen Tremorpuls. Die Vulkanologen vom IGN berichten, dass sich die Inflation weiter erhöht hat und der Boden nun um bis zu 10 cm angehoben wurde. In so kurzer Zeit ist das schon ein beachtlicher Wert. Zuvor wurde gemeldet, dass sich mittlerweile gut 11 Millionen Kubikmeter Magma im Untergrund angesammelt haben. Wenn es weiteren Magmenaufstieg geben sollte, stehen die Chancen auf eine Eruption nicht schlecht. Einstweilen machen sich viele Vulkanologen auf den Weg nach La Palma, um den Vulkan besser zu überwachen.

Erta Alé: Lava im Krater

Staat: Äthiopien | Lokation: 13.60, 40.70 | Eruption: Hawaiianisch

Im Südkrater des äthiopischen Vulkans Erta Alé scheint wieder Lava zu stehen. Wahrscheinlich bildete sich ein Lavapool im Pitkrater. Auf Sentinell-Satellitenfotos erkennt man eine thermische Anomalie von kleiner Ausdehnung. MIROVA detektierte eine moderate Wärmestrahlung mit 54 MW Leistung.

Fagradalsfjall: Kollaps löst Lavafontäne aus

Staat: Island | Koordinaten: 63.903, -22.273 | Eruption: Hawaiianisch

Augenzeugen berichteten mir, dass gestern 2 rötlich-braune Aschewolken aus dem neuen Krater am Fagradalsfjall-Vulkan aufgestiegen sind. Nach einem der Ereignisse wurde eine kurzweilige Lavafontäne beobachtet. Allem Anschein nach kam es zu größeren Kollaps-Ereignissen am, bzw. im Krater. Das Material stürzte in den Lavasee und triggerte so die Fontäne. Darüber hinaus flossen wieder Lavaströme durch das Tal Geldingadalir. Der Tremor pulst weiter in schneller Frequenz und erreicht größere Amplituden, als wir es in den letzten Wochen gesehen haben.

Fuego mit Lavastrom

Staat: Guatemala | Koordinaten: 14.47, -90.88 | Eruption: Vulcanianisch

In Guatemala erzeugt der Fuego einen kurzen Lavastrom: er fließt aus dem Krater durch die Schlucht Ceniza und hatte gestern eine Länge von 300 m erreicht. Von seiner Front gehen Schuttlawinen ab. Darüber hinaus ist der Fuego weiter explosiv tätig und eruptiert zwischen 5 und 12 Mal die Stunde. Aschewolken steigen bis auf einer Höhe von 4800 m auf.

Vulkan-News 16.09.21: Cumbre Vieja, Fagradalsfjall

Am Cumbre Vieja auf La Palma nahm die Bodenhebung deutlich zu. Die Aktivität am Fagradalsfjall fluktuiert. Der Semeru ist explosiv aktiv.

Cumbre Vieja: Inflation gestiegen

Staat: Spanien | Koordinaten: 28.57-17.84 | Eruption: Magmenintrusion

Am Vulkan auf La Palma ist die Inflation schnell gestiegen: die Bodenhebung beläuft sich nun auf bis zu 6 cm. Das geht aus einem Bericht vom IGN hervor. Gleichzeitig verlagerten sich die Beben in geringeren Tiefen und man geht davon aus, dass ein Magmatischer Gang bis in 8 km Tiefe vordrang. In den letzten 24 Stunden verringerte sich die Seismizität und es schaut so aus, als wäre der Magmenaufstieg (vorerst) gestoppt. Der Dyke steckt fest. Das heißt aber noch nicht, dass die Gefahr eines Vulkanausbruchs auf der Kanareninsel gestoppt ist. Für gewöhnlich folgen mehrere Phasen mit Inflation aufeinander, bevor es ein aufsteigender Magmenkörper schafft, bis zur Oberfläche durchzubrechen. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass es bereits in den nächsten Tagen zu einer Eruption kommt, nimmt ab.

Fagradalsfjall: Aktivität fluktuiert

Staat: Island | Koordinaten: 63.903, -22.273 | Eruption: Hawaiianisch

Nachdem gestern die Lavaströme an Fahrt aufgenommen hatten und bis ins Natthagi-Tal vorgedrungen waren (was zur Evakuierung der Schaulustigen führte) ist es heute etwas ruhiger am Vulkan. Der Tremor fluktuiert mit schneller Frequenz, steigt aber nicht höher, als wir es von den letzten Wochen her gewohnt sind. Augenzeugen berichteten in Sozialen Medien, dass die Lava aus dem Schlot an der nordwestlichen Basis des Kraterkegels schoss, so wie wir es bereits am Samstag gesehen haben. Bei dem größeren Lavadurchbruch von gestern, stammte die Schmelze zum größten Teil aus der großen Lavaansammlung im Westen des Geldingadalir-Tals, die sich dort seit dem Wochenende gebildet hatte. Die Lava war bereits oberflächlich erstarrt, doch unter der Erstarrungskruste noch heiß und fließfähig. Die Lava überflutete gestern ein Stück des Wanderpfades „A“. Zudem drohte Gefahr durch die hohe Gas-Konzentration in der Luft.

Semeru: Zahlreiche explosive Eruptionen

Staat: Indonesien | Koordinaten: -8.108, 112.92 | Eruption:  Dom

Der Semeru ist weiterhin aktiv und erzeugt mehrmals täglich Aschewolken, die bis auf einer Höhe von 4300 m aufsteigen. Das VSI meldete gestern 68 seismische Signale, die durch explosive Eruptionen ausgelöst worden sind. Zudem gingen 8 Schuttlawinen ab. Es wurde ein harmonischer Tremor und ein vulkanotektonisches Erdbeben.

Vulkane am 15.09.21: Fagradalsfjall

Nachdem die Livecam am Fagradalsfjall nachts offline war, ist sie nun wieder on und zeigt multiple Lavaströme.

Fagradalsfjall: Neue Lavaströme in Richtung Natthagi

Staat: Island | Koordinaten: 63.903, -22.273 | Eruption: Hawaiianisch

Update 15:30 Uhr: Die Eruptionsstelle wurde evakuiert und der Zugang zum Vulkan gesperrt. Grund hierfür sind die aktuellen Lavaströme. Laut einem lokalen Medienbericht stammt die Lava aus dem sekundären Lavasee, der sich seit Samstag im Nordwesten des Geldingadalir-Tal bildete. Ein „Deich“ sei gebrochen und die Lava flutet die Täler.

Originalmeldung: Heute Vormittag war die LiveCam offline und seit ca. 13 Uhr ist sie wieder on. Offenbar wurde auf eine andere Kamera geschaltet und nun erkennt man, dass 3 Lavaströme über die steilen Hänge vom Geldingadalir in Richtung Natthagi-Tal fließen. Zwei der Ströme haben fast die Talsohle erreicht. Zuvor wurde noch kurz die Cam Richtung Krater geschaltet und dort war Lavaspattering über dem Kraterrand hinaus zu sehen gewesen: der Krater ist also wieder mit Lava gefüllt und scheint überzulaufen. Unklar ist, ob die Lavaströme von einem Überlauf über den Kraterrand gespeist werden, oder ob sich weiter unten am Krater ein weiterer Schlot/Tube geöffnet hat. Denkbar ist auch, dass die Lava aus den Spalten am Talboden quillt, die sich am Samstag öffneten.

Auf meinen Videoaufnahmen vom Samstag ist ein großer Riss zu sehen, der sich über die Westflanke des Kegels erstreckt und im Bereich des neuen Schlotes an der Kegelbasis mündete. Es bildete sich eine potenzielle Schwachstelle, entlang derer neue Öffnungen entstehen könnten, auch ein Kollaps der Kegelwand wäre denkbar.

Der Tremor ist weiter erhöht und zeigt starke Peaks im Frequenzbereich 2-4 Hz. Ein ähnliches Muster sahen wir zur Zeiten der Lavafontänen-Tätigkeit und der Bildung großer Lavaströme. Es schaut tatsächlich so aus, als hätte der Vulkan seine Aktivität nachhaltig gesteigert.

Neue Daten (von der Universität Island) zum Vulkan liegen auch vor. Demnach befindet sich der Kraterrand auf 332 m Höhe. Das Lavafeld nimmt eine Fläche von 4,6 Quadratkilometer ein und bisher wurden ca. 143 Millionen Kubikmeter Lava gefördert. Die Förderrate sank in der letzten Augustwoche auf  8,5 Kubikmeter pro Sekunde, dürfte inzwischen deutlich höher liegen. Interessant ist auch, dass sich die chemische Zusammensetzung der Schmelze änderte und wieder weniger Magnesium enthielt. Sie glich sich mehr der Basalt-Art an, wie sie in den ersten Wochen der Eruption gefördert wurde, allerdings mit mehr Kalium,- und Titan-Oxid. Die Änderung des Chemismus könnte anzeigen, dass die basaltische Schmelze aus geringerer Tiefe kam als zuvor. Die Daten wurden am 10. September erhoben, also noch vor dem aktuellen Puls. Es würde mich nicht wundern, wenn das Magma nun wieder direkt aus größeren Tiefen aufsteigen würde.

Naturkatastrophen-News 15.09.21: Unwetter Frankreich

Im Süden Frankreichs kam es zu starken Überschwemmungen. Die Philippinen wurden von einem Taifun getroffen und in China kam es zu Überflutungen.

Frankreich: Starkes Unwetter verursacht Schäden

Gestern richtete ein Unwetter mit Starkregen Schäden im Süden Frankreichs an. Besonders schlimm traf es das Departement Gard. Ein Mann wurde durch einen Blitzschlag verletzt. Eine Person wird vermisst. Innerhalb weniger Stunden gingen bis zu 200 Liter Regen auf dem Quadratmeter nieder: es kam zu Überflutungen und Verkehrschaos. Auf Autobahnen kam der Verkehr zum erliegen und auch viele Bahnstrecken mussten gesperrt werden. Es entstanden Schlammlawinen. Die Autobahn A 9 blieb auch in der Nacht wegen Aufräumarbeiten zwischen Nîmes und Montpellier gesperrt.

Das Unwetter kam nicht überraschend, denn schon Tage zuvor braute sich -nach einer Hitzewelle- eine kritische Wetterlage zusammen. In 13 französischen Departments galt die 2. höchste Unwetterwarnstufe „Orange“.  Für heute wurden weitere starke Regenfälle vorausgesagt und die Unwetterwarnungen bleiben bestehen. In einigen Regionen wurden Schulen geschlossen.

Die Meldungen über Unwetterkatastrophen rissen auch in den Tagen meiner Abwesenheit nicht ab. Hier eine kleine Zusammenfassung.

Philippinen wurden vom Taifun getroffen

In der letzten Woche wurde das Philippinische Archipel vom Taifun Chanthu getroffen. Der Wirbelsturm der höchsten Kategorie 5 richtete große Schäden an. Es wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 253 km/h gemessen. Starkregen bedingte Überflutungen und Erdrutsche. Anschließend nahm der Taifun Kurs auf Taiwan und China. Dort kam er am Montag als abgeschwächtes Sturmtief an, brachte aber noch Sinflut-artige Regenfälle mit sich. An der Küste von Zhejiang brandeten meterhohe Wellen. Das lokale Katastrophenmanagement funktionierte wohl gut, denn im Vorfeld wurde der Flug-Bahn-Schiffsverkehr eingestellt und die Schulen blieben geschlossen.

China: Starke Überschwemmungen im Südwesten

Bereits in der letzten Woche wurde der Südwesten Chinas von starken Überschwemmungen heimgesucht. Grund hierfür war langanhaltender Regen. In Zunyi (Provinz Guizhou) mussten die Fluttore eines Staudamms geöffnet werden, was den ableitenden Fluss über die Ufer treten ließ.

Vulkan-News 14.09.21: Cumbre Vieja

Auf La Palma wurde der Alarmstatus des Vulkans Cumbre Vieja erhöht. Der Fagrdalsfjall stottert seltsam rum. Der Artikel erhielt um 17.00 Uhr 2 Updates!

La Palma: Alarm am Cumbre Vieja

Staat: Spanien | Koordinaten: 28.57-17.84 | Eruption: Magmenintrusion

Gestern hatte ich das Schwarmbeben, welches seit einigen Tagen den Süden der Kanareninsel La Palma erschüttert, noch unter den Erdbeben-News gepostet, heute fällt es unter die Kategorie Vulkane. Grund hierfür ist, dass der Alarmstatus des Vulkans Cumbre Vieja auf „gelb“ erhöht wurde. Das Schwarmbeben steht also wahrscheinlich im Zusammenhang mit Magmenintrusion. Bisher wurden mehr als 1500 Erschütterungen detektiert. Erinnerungen an die Geschehnisse von 2011 auf El Hierro werden wach. Wie immer lässt sich nicht vorhersagen, ob es tatsächlich zu einem Vulkanausbruch kommen wird, doch mit jedem Tag erhöhter Seismizität steigt die Wahrscheinlichkeit hierfür ein wenig. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass oft mehrere Wochen anhaltende Schwarmbeben einem Vulkanausbruch vorangehen, wenn er längere Zeit nicht aktiv war. Die letzte Eruption auf La Palma fand im Jahr 1971 statt.

Update: Die Vulkanologen des IGN registrierten eine Bodenhebung von 3 µrad, was  ca. 1,5 cm entspricht.

Fagradalsfjall mit schnellen Pulsen

Staat: Island | Koordinaten: 63.903, -22.273 | Eruption: Hawaiianisch

Der Tremor am Fagradalsfjall sieht seit gestern Abend recht ungewöhnlich aus: das blaue Frequenzband 2-4 Hz bildet im Seismogramm eine breite Fläche aus, die von zahlreichen Peaks hervorgerufen wird. Anders, als es bei explosiven Eruptionen der Fall ist, nehmen die Peaks negative Werte ein. Erklärbar ist dieses Seismogramm nur, wenn es zu einer schnelle Folge von Tremorabfall, mit neuerlichem Anstieg kommt. Magma steigt also in schneller Folge auf und sinkt dann wieder im Fördersystem ab. Dieses on-off-Verhalten lässt sich gut per LiveCam korrelieren, denn dort sah man in den letzten Stunden eine stark fluktuierende Aktivität. Generell scheint sich das Verhalten des Vulkans zu ändern. Sollten die Vulkanologen recht behalten, dass wir Zeugen der Geburt eines neuen Schildvulkans sind, wird uns der Fagradalsfjall noch eine Weile beschäftigen. Stay tuned!

Update: Isländische Vulkanologen bestätigten das schnelle Pulsieren der Aktivität: im Schnitt gibt es pro Stunde 8 Aktivitätszyklen. Ein ähnliches Verhalten wurde im Frühjahr beobachttet, kurz bevor es zur Generierung der Lavafontänen kam.