Ätna 2019: Aktivität der Voragine

Im September 2019 begann der Ätna mit Eruptionen aus dem Nordostkrater und der Voragine. Als die Eruptionen anfingen war der Gipfelbereich des Vulkans in dichten Wolken gehüllt und der Vulkanausbruch fand unter Ausschluss der Weltöffentlichkeit statt. Tremor und Wärmestrahlung waren sehr hoch und die Daten deuteten auf eine paroxysmalen Eruption hin. Allerdings gab es von Seiten der Vulkanologen keine Bestätigung für einen starken Ausbruch. Als sich die Wolken lichteten war der Tremor zwar noch erhöht, lag aber deutlich unterhalb seiner Spitzenwerte. Das INGV berichtete von anhaltender Bebentätigkeit unter dem Zentralkraters. Dieser war strombolianisch aktiv. Das Besondere: die Eruptionen wurden nicht in der Bocca Nuova generiert, sondern in der Voragine, die seit einigen Jahren inaktiv gewesen war. Das und die Hoffnung auf eine größere Eruption, machte mich neugierig und lockte mich zum Vulkan.


Ich erreichte den Ätna pünktlich zum Vollmond am 14. September. Es war Samstagabend und die Strassen am Berg waren ungewöhnlich voll: eine Karawane von Autos schob sich durch die engen Gassen von Nicolosi, wo ich noch ein paar Lebensmittel für meinen Ausflug auf den Feuerberg kaufen wollte. Nach einer gefühlten Ewigkeit fand ich einen Parkplatz, doch leider waren die Geschäfte bereits zu, so dass ich Pizza tanken musste. Mit Selbiger im Gepäck machte ich mich anschließend auf den Weg Richtung Astronomisches Observatorium, in dessen Nähe ich einen meiner Lieblingsschlafplätze am Ätna bezog. Auch wenn es im Fiat Panda nicht gerade geräumig zuging, verspeiste ich meine Pizza immerhin mit Blick auf die Kraterlandschaft des Gipfels und den Eruptionen aus der Voragine. Gelegentlich wurde die glühende Tephra bis zu 300 m über Kraterhöhe ausgeworfen und landete auf der Außenflanke des Kraterkegels. Das machte einen Aufstieg zum Gipfel nicht gerade ungefährlicher. Nichtsdestotrotz machte ich mich am Sonntagmittag auf den Weg und erreichte das Torre del Filosofo pünktlich mit dem Abzug der Vulkanführer. Mein Rucksack war wiedermal zu schwer: neben Drohne und Kamera hatte ich meine Campingausrüstung zu schleppen, denn ich wollte die Nacht auf dem Vulkan verbringen. Unangenehm überrascht war ich von der Tatsache, dass die Piste um die Gipfelkrater noch von dem Lavastrom unterbrochen war, der im Juni aus dem Neuen Südostkrater eruptiert wurde. Durch die Aa-Lava führte allerdings ein schmaler Pfad, dessen Spur ich im Abendlicht folgte. Am Ende des gut 1 km langen Pfads kam mir ein reichlich frustrierte Mountainbiker entgegen, der von Ätna-Nord kommend den Vulkan queren wollte. Der junge Mann war im kurzärmligen Trikot unterwegs und hatte Null Ausrüstung dabei. Als ich ihm erzählte, wie lang der Pfad sei, klappte sein Kinn Richtung Brust. Mir war zwar bekannt, dass man sich hier oben ohne Führer nicht aufhalten durfte, doch scheinbar gab es im Norden des Vulkans keinen Hinweis darauf, dass der Weg an seinem anderen Ende gesperrt und auf Rädern unpassierbar war. Dem Fahrradfahrer blieb nichts anderes übrig, als seinen Drahtesel durch das unwegsame Gelände zu tragen und einen Sturz auf die Aa-Lava zu riskieren.

Als die Sonne unterging startete ich zum ersten Drohnenflug. Ich ließ die Mavic am Rande ihrer Reichweite über die Bocca Nuova schweben. Die kleine Kamera kam im schnell abnehmenden Licht, ebenso schnell an ihre Grenzen. So beschloss ich mein Biwack zu errichten und am nächsten Morgen weiterzufliegen. Ich verbrachte die Nacht im Schutze eines großen Felsens am Fuß der Voragine. Am Morgen ließ ich die Drohne erneut aufsteigen und steuerte sie über den Krater. Auf dem Display erkannte ich zum ersten Mal, dass ein neuer Kraterkegel in der Voragine wuchs. Ich beschloss mir den Kegel vom Kraterrand aus anzusehen und folgte dem Pfad hinauf zum Gipfel, wohl wissend, dass ich dabei in die Impakt-Zone größerer Tephra gelangen würde. Doch wenige Minuten später war ich dann schon von der Größe der Brocken überrascht, die da den Pfad zertrümmert hatten: einige der Bomben und Flatschen waren gut 1 m lang. Wäre ein schönes Foto gewesen, doch ich kniff die Arschbacken zusammen und machte, dass ich aus der Todeszone raus kam. Während der Morgendämmerung waren hier glühende Bomben gelandet, auch wenn die kapitalen Brocken während der Initialphase der Eruption gefördert worden sein dürften, konnte ich auf Beschuss gut verzichten. Die Traverse querte die Flanke der Voragine und endete oben am Rand der Bocca Nuova. Hier befand ich mich zwar außerhalb der unmittelbaren Impakt-Zone, dafür lag aber der Dampf gefüllte Kessel der BN zwischen mir und dem Intrakraterkegel. Kurzum: das Licht war beschissen und ich beschloss wieder abzusteigen. Es galt noch den Lavastrom zu queren und nicht den Führern in die Arme zu laufen, die mit dem morgendlichen Touristenstrom den Vulkan sicherer machen sollten.

Am nächsten Tag stattete ich dem Gipfel zur Abendstunde einen erneuten Besuch ab, diesmal allerdings mit leichterer Ausrüstung. Ich marschierte auf die Bocca Nuova hoch, die immer noch komplett verdampft war: die Schattenseite der Windstille, die eigentlich ein Teil meiner Motivation zur Reise ausgemacht hatte. Gut 2 Stunden beobachtete ich die Eruptionen, die im Abstand von einigen Minuten erfolgten. Ich stand am Abgrund des Kraters und zu meinen Füssen musste sich ein Förderschlot befinden, den ich nicht einsehen konnte. Ein tiefes Grollen und der Schein von Rotglut ließen mich zusammenzucken. Ein einzelner Lavabrocken flog bis auf meine Augenhöhe: die Bocca Nuova machte Anzeichen zu erwachen, was mich dann doch ein wenig nervös machte. Wenig später begann auf der Nordseite des neuen Kegels ein kleiner Lavastrom zu fließen. Dort unten war es schön warm, hier oben am Kraterrand, wurde es hingegen langsam kühl und ich trat den Rückzug an. Im Schein des Vollmondes verließ ich die Gipfelregion, querte den Lavastrom erneut und machte mich an den finalen Abstieg.

An meinem letzten Tag am Ätna übernachtete ich im Norden des Vulkans. Landschaftlich ist es hier weitaus reizvoller als im Süden: dichte Pinienwälder und Birken erstrecken sich bis auf gut 2200 m Höhe. Erst dann geht es steil bergauf auf den Pizzo Deneri. Am Monte Sartorio ließ ich nochmal eine Drohne aufsteigen und machte mich Abends auf den Weg zum Flughafen. Dichte Wolken waren aufgezogen und Blitze zuckten überall vom Himmel. Strassen verwandelten sich in Sturzbäche. Mir schwante, dass es wohl erstmal nichts mit dem Fliegen werden würde. So war es dann auch. Die Maschine landete mit 2 Stunden Verspätung in Catania. Aufgrund des Nachtflugverbots in Düsseldorf, wurden wir nach Münster umgeleitet und mit Bussen nach Düsseldorf gekarrt. Das Ganze natürlich ohne jeglicher Verpflegung von Seiten der Fluggesellschaft Condor. Mit Stunden Verspätung stand ich dann dort gestrandet, denn es ging weder der Skytrain zum Bahnhof, noch der versprochene Shuttlebus: Welcome back in in der Servicewüste Deutschland!

Lanzarote: Timanfaya und die Montanas del Fuego

Der Timanfaya Nationalpark liegt im Nordwesten der Insel Lanzarote. Im Park geschützt liegen die Montañas del Fuego als Manifestationen der eruptiven Phase zwischen 1730 bis 1736.  Im Jahre 1824 ereignete sich eine weitaus schwächere Eruption, deren Zentren sich außerhalb des heutigen Parkgebiets finden. 1974 wurde der Nationalpark eingerichtet. Bereits 4 Jahre früher entstand das Restaurant „El Diabolo“ auf dem Islote de Hilario. Es wurde unter der Leitung von César Manrique und Jesu Suto für die Touristen präpariert.



Der Untergrund des Islote Hilario ist heiß: in 2 m Tiefe herrschen angeblich Temperaturen von 260 Grad Celsius. In 13 m Tiefe soll es sogar 600 Grad heiß sein! Als Wärmequelle wird die Restschmelze angenommen, die sich in einer Magmakammer in ca. 4000 m Tiefe befindet. Die Schmelze dort ist ca. 800 Grad heiß. Ein seltenes Phänomen lässt trockene Erdwärme aufsteigen, die sich im Bereich des Islote Hilario kumuliert. Ich bezeichne das geotherme Phänomen als selten, da in Vulkangebieten normalerweise heiße Fluide die Wärme zur Oberfläche transportieren, welche Fumarolen und heiße Quellen erzeugen. Diese postvulkanischen Erscheinungen scheint es im Timanfaya Nationalpark aber nicht zu geben. Der Vulkanologe misst normalerweise auch nicht direkt die Bodentemperatur, sondern die Temperatur der Fluide.

In 2 eindrucksvollen Demonstrationen wird die ungewöhnliche Erdwärme des Islote Hilario visualisiert: Parkmitarbeiter stopfen getrocknete Ginsterbüsche in eine ca 3 m tiefen Grube. Nach gut 1 Minute gehen diese in Flammen auf. Eine Terrasse höher kippt ein Parkranger einen Eimer Wasser in ein Rohr im Boden. Durch die Zuschauermenge fährt ein erschrockener Ruck, ob des lauten Fauchens, mit welchem nach 2 Sekunden eine Wasserfontäne aus dem Boden geschossen kommt. Ein paar Meter entfernt befindet sich ein Lavagrill. Der Grill bildet das Herzsstück des Gebäudes auf dem Islote de Hilario. Er gleicht einem Brunnenschacht mit einem Rost darauf, auf dem Hähnchen und andere Köstlichkeiten gegart werden. Diese können im angeschlossenen Restaurant „El Diabolo“ bestellt und verzehrt werden. Ein halbes Hähnchen kostet 13 Euro und schmeckt so gar nicht höllisch. Es fehlt einfach der schweflige Geschmack, den erfahrene Vulkankenner hier vermuten würden. Überhaupt ist es auf dem Islote Hilario seltsam Geruchslos, sieht man einmal vom Dieselgestank der Busse und dem Schweiß der Touristen ab. Natürlich räuchern auch die brennenden Ginsterbüsche und verbreiten Lagerfeueratmosphäre. Aber wie auf einem potenziell aktiven Vulkan mit notorischen Schwefelatem kommt man sich dort nicht vor.

Panorama: In der Feuergrube werden Ginsterbüsche verbrannt. © Marc Szeglat

Beobachtet man das Geschehen am Islote etwas aufmerksamer, stellt man fest, dass die Ginsterbüsche mit Hilfe einer eisernen Stange immer an genau der selben Stelle positioniert werden. Schaut man sich die Stelle genauer an, dann erkennt man in gut 2 m Tiefe einen rechteckigen Schacht in der Wand der Grube, aus dem vor Hitze flimmernde Luft strömt. Seltsam auch: am Grund der Grube würde man große Mengen Asche vermuten, die sich dort von den verbrannten Sträuchern ansammeln müsste. Scheinbar wird sie täglich entfernt, was in einem gut 300 Grad heißem Loch recht aufwendig sein dürfte. Wer sich den Brunnenschacht des Grills genauer anschaut, entdeckt auch dort mehrere versteckte Rohröffnungen 2 m unterhalb des Randes. Von den Geysiren weiß man, dass sie künstlich angelegt wurden: 12 m soll die Verrohrung der Bohrlöcher ins Erdreich hinabreichen. Was mich stutzig werden ließ: sie sind frei zugänglich und wenn man seine Hand über eine der Öffnungen hält merkt man: nichts!

Für Verwunderung sorgt auch der Umstand, dass man auf dem Islote weder heiße Füße bekommt, noch in den Gebäuden gebacken wird. Auch der asphaltierte Parkplatz am Rande des Islote lässt mich meine Stirn runzeln: wenn sich die Erdwärme über eine Tiefe von 3987 m um nur 200 Grad reduziert, wie verpuffen dann 600 Grad auf den letzten 13 m?

Panorama: Lavagrill am Islote Hilario. Wenn man in das Bild zoomt erkennt man die Rohre.  © Marc Szeglat

Nach offiziellen Angaben, wurde das Gebäude auf dem Islote Hilario so entworfen, dass es den Hitzestrom aus dem Erdinneren auffängt und in Richtung des zentralen Lavagrills ableitet. Das Fundament besteht aus einer Wechsellagerung aus Beton, Lehm und Lavagestein. Doch scheinbar beschränkten die Konstrukteure ihr Terraforming nicht auf das Gebäude, sondern bearbeiteten das gesamte Gebiet des Islote de Hilario. Ohne Zweifel ist eine beeindruckende Touristenattraktion entstanden, doch bei mir hinterlässt sie den faden Beigeschmack der Manipulation.

Weiterführender Link: 360 Grad Video der Dampfgeysire

Sangeang Api: Neue Fotos des Vulkans

Sangeang Api eruptierte heute eine Aschewolke, die etwas größer war und bis in einer Höhe von 2300 m aufstieg. Passend dazu veröffentlichte unser Vereinsmitgleid und Fotograf Martin Rietze einzigartige Fotos des Vulkans. Zusammen mit Arnold Bias bestieg Martin den entlegenen Vulkan vor der Insel Sumbawa und verbrachte als erster Fotograf 2 Nächte auf dem Sangeang Api. Neben Nachtaufnahmen brachten die beiden Vulkanbezwinger Luftaufnahmen mit, die einen hervorragenden Überblick über den Gipfelbereich des Vulkans liefern.

Bildergalerie: Kilauea Leilani-Eruption

Die Eruption am Kilauea auf Hawaii kam nicht überraschend. Bereits im April stieg die seismische Aktivität an und der Lavasee im Pitkrater des Halemaʻumaʻu-Kraters lief mehrmals über. Mit ein wenig Verzögerung stieg auch die Aktivität im Puʻu ʻŌʻō-Krater. Dieser liegt im oberen Bereich des Ostrifts. Man hielt eine größere Eruption für möglich, doch mit dem, was folgte, rechnete man nicht unbedingt. Anfang Mai ereignete sich eine seismische Krise und der Puʻu ʻŌʻō-Krater begann zu kollabieren. Die Erdbeben wanderten entlang des Ostrifts Richtung Küstenebenen und mit ihnen das Magma, welches sich unter dem Krater angesammelt hatte. Das Magma migrierte bis zur Küstenebene und akkumulierte sich unter der Wohnsiedlung Leilani Estates, südlich der Kleinstadt Pahoa. Die Vulkanologen registrierten eine Aufwölbung des Bodens und es bildeten sich Risse: ein magmatischer Gang hatte sich gebildet, der unter der Siedlung endete. Ganze Straßen platzen auf wie eine überreife Tomate. Aus manchen Rissen dampfte es. Wenig später fanden die ersten kleinen Eruptionen statt. In den ersten Tagen des Vulkanausbruchs wurde Lava gefördert, die aus einer Restschmelze entstanden. Dem Chemismus nach, war es das gleiche Magma, welches bereits für die Eruption von 1955 verantwortlich war. Das Magma hatte also mindestens 63 Jahre lang im Magmareservoir geschlummert, bevor es nun vom frischen Magma aus dem Puʻu ʻŌʻō-Krater verdrängt wurde und bei Leilani als Lava austrat. Am 20. Mai verstärkte sich der Ausbruch: nun war die Restschmelze ausgestoßen worden und frische, heißere und dünnflüssigere Lava trat aus den Spalten aus, welche sich entlang des magmatischen Gangs gebildet hatten. Wenige Stunden später erreichten die Lavaströme den Ozean. Auf ihren Weg dorthin zerstörten sie zahlreiche Häuser und Straßen. Ein Geothermalkraftwerk befand sich am Rand der aktiven Spalte nebst Lavaströmen und drohte zu explodieren. Eine besondere Gefahr ging vom Methan-Gas aus, welches entstand, als die Lava die Vegetation begrub und verkohlte.

So sah die Situation aus, als die Vulkanauten Martin Rietze und Marc Szeglat den Ort des Geschehens erreichten. Eine Woche (24.- 30. Mai 2018) lang dokumentierten wir die Eruption. An unserem Ankunftstag sondierten wir die Situation, und knüpften Kontakte zum Zivilschutz, mit dessen Hilfe Journalisten und Fotografen in das Sperrgebiet gelangten. Allerdings wurden die Touren beaufsichtigt und wir konnten uns nicht frei bewegen. Trotzdem gelangten wir -auf teils abenteuerlicher Weise- zu einigen Lavafontänen. Diese manifestierten sich überwiegend entlang der Spalten 22 und 8. Der Lavastrom aus Spalte 8 sollte kurz nach unserem Abflug von Hawaii den Ort Kapoho erreichen und teilweise zerstören. Spannend waren 3 Bootsfahrten, die wir zum ocean entry unternahmen. Litorale Explosionen entstanden beim Kontakt der Lava mit Wasser. 2 Nächte verbrachten wir in Sichtweite des Halemaʻumaʻu-Kraters und warteten auf größere Ascheeruptionen. Je mehr sich das Magmareservoir entleerte, desto mehr kollabierte der Krater.

Die Eruption dauert weiter an. So dramatisch der Ausbruch für die Bewohner von Leilani und Kapoho ist, so Erkenntnisreich wird sie für die Vulkanologen sein. Erstmalig seit 1960 können sie eine Eruption auf der Küstenebene dokumentieren und den Prozess einer Calderabildung am Gipfel beobachten. Noch lässt sich nicht sagen, wie lange die Eruption dauern wird.

Hier lest ihr eine ausführliche Reportage unserer Abenteuer.

Bildbericht Guatemala: Fotos von Pacaya und Fuego



Guatemala ist eines der wenigen Länder der Erde, in dem man mit etwas Glück auf mehrere Vulkane stoßen kann, die gleichzeitig aktiv sind. Die Dauerbrenner heißen Pacaya, Fuego und Santiaguito. Während ich Santiaguito bereits 2009 einen Besuch abstattete, waren im März 2018 Pacaya und Fuego dran. Ziel war es Drohnenaufnahmen der Vulkane zu machen, was sich am Fuego als schwierig erwies, da es stark windig war und die Drohnen an ihre Grenzen stießen.

Pacaya im Schatten des Orion

Für mich begann die Reise nach Guatemala mit einer folgenschweren Flugverspätung. Der Delta-Flieger startete in Düsseldorf wegen eines technischen Defektes mit 3 Stunden Verspätung. In der Folge verpasste ich den Anschlussflieger in Atlanta und musste dort für eine Nacht ins Hotel. In Guatemala City landete ich mit einem Tag Verspätung. Zu allem Überfluss war mein Gepäck nicht da, sondern legte einen Abstecher nach Los Angeles ein. Am Flughafen organisierte ich mir ein Privattransport zum Pacaya, wo Martin bereits auf mich wartete. Zunächst sollte die Fahrt 50 USD kosten, doch während der Fahrt verhandelte der Fahrer mit einer rührseligen Geschichte nach und wollte 10 USD mehr haben. Dafür umfuhr er dann auch einen Stau, indem er Geisterfahrer spielte. Nach gut 90 Minuten Fahrt wurde ich am Salamandras House abgesetzt, welches sich direkt am Parkeingang zum Pacaya befindet. Die Pension ist recht einfach und wurde gerade renoviert, dennoch bekamen wir ein Zimmer gestellt. Der Besitzer Jamie erwies sich als sehr hilfsbereit und verfügte über gute Kontakte, die uns auch am Fuego schnell weiterhalfen. Nach einer 3 stündigen Ruhephase machten wir uns Nachts auf zum Gipfel, welchen ich dann zeitgleich mit den Wolken erreichte. Martin schwärmte mir von der letzten Nacht einen vor, während derer er natürlich seine Aufnahmen im Sack hatte. Morgens machten wir uns dann wieder an den Abstieg und pünktlich mit erreichen der Basis des McKenney-Kraters verzogen sich die Wolken. Ein wenig gefrustet ließ ich meine Drohe eine Runde um den Krater drehen, um wenigstens ein paar Übersichten hinzubekommen.

Fuego und die Spur des Boliden

Einen Tag später wartete ich immer noch auf mein Gepäck. Wir wollten uns auf den Weg zum Fuego machen. Unser Bus ging um 11 Uhr und 5 Minuten später kam der Fahrer mit meinem Rucksack. Jamie leitete diesen dann nach Antigua weiter, wo ich am Abend dann endlich mein durchgeschwitztes T-Shirt wechseln konnte. Am Samstagmorgen ging es mit einer organisierten Tour zum Doppelvulkan Fuego-Acatenango. Wir waren tatsächlich die Ältesten der Teilnehmer, was noch einmal verdeutlicht wurde, als wir einen Zettel mit persönlichen Angaben ausfüllen mussten, welcher zur Registrierung im Nationalpark nötig ist. Ich rechnete schon damit, dass man uns den Zugang verweigern würde, oder wenigstens einen Gesundheitstest unterziehen würde. Doch wie sich dann herausstellte sind wir trotz unserer Jahre nicht so ganz unfit. Der Aufstieg auf den Acatenango führte durch einen sehr schönen Wald, der Pfad war gut ausgebaut und einfach zu gehen. Nach knapp 4 Stunden erreichten wir die Terrassen über dem Sattel zum Fuego, wo bereits Zelte aufgebaut waren und ein Lagerfeuer glimmte. In den letzten Jahren entwickelte sich hier eine regelrechte Tourismusindustrie.

Pünktlich zur Abenddämmerung kamen Wolken auf und es wurde stürmisch. Durch die Wolken hörte man die gelegentlichen Eruptionen des Vulkans. Wir verzogen uns zu einer Rast ins Zelt. Gegen 9 Uhr rissen die Wolken auf und wir begaben uns auf Beobachtungsposten. Kaum waren die Kameras aufgestellt, ließen die Eruptionen auf sich warten. Es gab zwar ein paar winzige Aschepuffs, doch da lohnte es sich nicht den Auslöser zu drücken. Dann, nach fast 2 Stunden warten, gab es einen ordentlichen Knall. Glühende Tephra deckte den Hang am Krater ein und in der Aschewolke leuchtete ein vulkanischer Blitz auf. Damit hatten wir nun nicht gerechnet. Die Eruptionen erfolgten in Phasen, zwischen denen es relativ lange ruhig blieb. Das Thermometer steuerte Richtung 0 Grad und gen Mitternacht wurde mir doch ein wenig frostig. 2 Stunden später ereignete sich eine weitere Eruptionsserie, die sich zu meinem persönlichen Höhepunkt der Tour entwickeln sollte, als ein recht großer Bolide direkt über dem Vulkan verglühte. Der Meteorit zog eine glühende Spur am Nachthimmel, während der Vulkan knuffige Aschewolken eruptierte. Das Alles unter dem Anlitz des „Kreuz des Südens“: Vulkanologie trifft Astronomie.

Bis zur Morgendämmerung zog ich mich ins Zelt zurück und überließ Martin das Feld. Dieser erwies sich einmal mehr als unermüdlich und trotze den niedrigen Temperaturen hinter der Kamera, welche die ganze Nacht durchlief. Am Morgen dann, starteten wir unsere Drohnen in Richtung Krater. Es war eigentlich viel zu windig und auf dem Display der Fernsteuerung erschienen ständig entsprechende Warnungen. Ich wurde ein mulmiges Gefühl nicht los, als ich meine Mavic die 2,5 km bis zum Krater fliegen ließ und dabei die Flughöhe der Drohne voll ausreizte. Beim 3. Flug gesellten sich dann Warnungen über Interferenzen dazu und das Signal brach ab. Die Drohne machte sich automatisch auf den Rückflug, doch irgendetwas ging schief: anstatt Richtung Startpunkt zurück zu kommen, verfehlte sie uns um mehr als 500 Meter und war weder zu sehen, noch zu hören. Nun manifestierte sich eine weitere Warnung auf dem Display „low Battery“! Die Drohne setzte zur automatischen Notlandung an, was in dem bewaldeten Gebiet nicht gut gehen konnte. Da ich den Prozess nicht abbrechen konnte, übergab ich das Steuer an Martin, da er weitaus routinierter mit der Mavic umgehen konnte als ich, der sie zum ersten Mal einsetzte. Ihm gelang es tatsächlich die Drohne anhand der Telemetrie zurück zu steuern, und das, obwohl sie sich im Sinkflug befand. Sie erreichte den sicheren Boden mit dem letzten Milliampere. Dass war dann wohl mal Drohnen-fliegen am Limit. Kurz zuvor hatte Martin mit seiner Drohne weniger Glück gehabt, denn der Gimbal streikte aus unerklärlichen Gründen.

Kurz darauf machten wir uns auch schon wieder an den Abstieg und wir beendeten unser kurzweiliges Vulkanabenteuer. Am nächsten Morgen trat Martin bereits seinen Rückweg nach Hause an, während ich noch einen Tag lang Antigua erkundete. Die kleine Stadt aus der Kolonialzeit Guatemalas ist bei Touristen sehr beliebt. Hier richten sich viele junge Leute auf einen längeren Aufenthalt ein, weil sie Sprachkurse besuchen um Spanisch zu lernen.

Ein Zwischenfall sei noch erwähnt: Auf dem Zentralplatz in Antigua fotografierte ich einige Indios, als mir plötzlich ein paar Gegenstände aus meinem Leichtrucksack purzelten. Verwundert sammelte ich meinen Kram auf und guckte mir meinen Rucksack an, in dem plötzlich ein Riss klaffte. Ich vermute mal, dass da jemand sein Messer ausprobiert hatte, als ich mit einem der Indios sprach, welcher mir seine Souvenirs verkaufen wollte. Vor Taschendieben sei also gewarnt. Allerdings scheint mir die Gegend am Fuego relativ sicher zu sein, auch wenn es immer wieder zu Überfällen auf Alleingänger kommen soll.

Auf dem Rückflug kam es wieder zu einer Panne des Fliegers. In Atlanta standen wir gut eine halbe Stunde auf der Runway rum, da sich Klappen im Triebwerk verklemmt hatten, die den Luftstrom in der Passagierkabine regeln. Der Kapitän wollte wieder zurück zur Gangway rollen, als er das o.k. bekam mit nur einem funktionierenden System zu starten. Ein komischen Gefühl! Für mich war es das erste und letzte Mal, dass ich mit Delta geflogen bin! Eine Beschwerde bei der Fluggesellschaft mit einer Schadensersatzforderung wegen der Verspätung auf dem Hinflug blieb bisher unbeantwortet.

 

Erta Alé: Abenteuer in der Danakil

Gestern ist in der britischen Zeitung „The Sun“ ein Artikel über mich als „volcano explorer“ erschienen. Der Artikel lief unter dem Kontext „Marc Szeglat, der Mann in der feuerfesten Unterwäsche, fliegt mit Drohnen an Vulkanen“. Doch der eigentliche Aufhänger der Geschichte ist ein Erlebnis geworden, das sich im Jahr 2002 ereignete. Die Bilder zum Abenteuer habe ich bisher nicht auf vulkane.net gezeigt.

Im November 2002 war ich mit einer Gruppe Vulkanbeobachter am Vulkan Erta Alé in der Danakil unterwegs. Wir unternahmen die Reise zu einer Zeit, als der Vulkan noch schwer erreichbar war und die Reise unter expeditionsartigen Bedingungen statt fand. Erstmalig versuchten wir den Fuß des Erta Alé per Jeep zu erreichen und wollten mit Kamelen die letzten Kilometer zurück legen. Zugleich hatten wir ein Rendevouz mit einem Militärhubschrauber, welcher die Ausrüstung auf den Vulkan schaffen sollte. In Afrera wurden wir allerdings von der Polizei festgesetzt und quasi erpresst: man wollte uns nur mit einer Schar bewaffneter Polizisten weiter ziehen lassen, die wir bezahlen und versorgen sollten, was praktisch unmöglich war. Per Satellitentelefon konnten wir den Hubschrauber abbestellen und machten uns auf den Weg zu seiner Basis in Mekele. Dort konnten wir umdisponieren und flogen mit dem Hubschrauber zum Erta Alé, wo er uns absetzte und verschwand. Ziel der Expedition war es eine Lavaprobe aus dem Lavasee des Vulkans zu fischen. Dazu seilten wir uns per Flaschenzug in den Krater ab. Nach 3 Tagen ohne Zwischenfall passierte es dann: Chris und ich standen auf der Terrasse in der Mitte des Kraters, als Teile der Kraterwand kollabierten. Gewaltige Steinmassen krachten in den Lavasee und ließen diesen aufkochen. Vulkanasche zog wie in einem Kamin nach oben ab, während wir wie gebannt in die Glut starrten. Als weitere Lawinen abgingen flüchteten wir in die Mitte der Terrasse, soweit weg von den Kraterwänden wie möglich. Unsere Freunde am Kraterrand brachten die Seile in Sicherheit. Sie befanden sich ebenfalls in Lebensgefahr, denn auch sie hätten mit einem Felssturz abgehen können. Als sich die Situation beruhigte, traten wir die Flucht aus dem Krater an. Zu allem Überfluss verklemmte sich dann noch das Seil in einer Rolle des Flaschenzugs, und ich hing ziemlich hilflos an der Strippe. Nach einer gefühlten Ewigkeit und einzelnen Steinschlägen, die knapp an mir vorbei zischten, gelang es der Mannschaft das Seil zu befreien und mich aus dem Krater zu ziehen. Oben angekommen fühlte ich mich, wie an einem 2. Geburtstag.

Diese Anekdote verdeutlicht, wie unberechenbar die Natur ist und wie schnell Situationen an Vulkanen außer Kontrolle geraten können. Wir haben natürlich mit Steinschlägen gerechnet gehabt, aber nicht gleich mit mehrfachen Abgang von Felsstürzen. Der ganze Reisebericht steht online zur Verfügung. Zudem lest ihr weitere Vulkan-Abenteuer in den Reportagen.

Die Fotos wurden mir von Jens Edelmann (Autor des Buches „Vulkane besteigen und erkunden“) zur Verfügung gestellt. Weitere Expeditionsteilnehmer waren u.a. Rainer Albiez und Manfred Meyer, die ihr aus unserer FB-Gruppe „volcanoes and volcanism“ kennt.

Herculaneum: Bilder einer römischen Stadt

Diese Bilder von Herculaneum entstanden im Juni 2017. Erstmalig erlebte ich, dass die legendären Bootshäuser mit den skelettierten Opfern der Vesuv-Katastrophe geöffnet waren. Bei meinen vorherigen Besuchen waren sie noch mit Aluminiumplatten verschlossen und nicht zugänglich. Insgesamt gibt es 12 Bootshäuser, von denen jeweils 6 in einer geschlossenen Gebäudefront zusammenhängen und eigentlich nur einzelne Kavernen in einem Gebäude darstellen. In 6 dieser Kavernen sind heute die Skelette zu besichtigen. Bei den Opfern handelt es sich um Menschen, die hinter den dicken Mauern Schutz vor der Katastrophe suchten. Bis zu ihrer Ausgrabung im Jahr 1982 dachte man, dass den meisten Menschen aus Herculaneum die Flucht gelang, doch mindestens 250 Personen blieben zurück: vermutlich handelte es sich überwiegend um Kranke und Schwache, die nicht mehr flüchten konnten. Was genau geschah ist unklar. Es gibt verschiedene Thesen über den Hergang der Katastrophe in Herculaneum. Eine beruft sich auf den Augenzeugenbericht von Plinius, der die Stadt bereits um 18 Uhr weitestgehend zerstört vorfand. Demnach wäre Herculanuem in der Frühphase der Eruption zerstört worden. Eine weitere Hypothese -die auf wissenschaftliche Untersuchungen fußt- geht von folgendem Szenario aus: Die Menschen in den Bootshäusern wurden vom ersten pyroklastischen Strom getötet, der gegen 1 Uhr Nachts vom eruptierenden Vesuv ausging. Dieser wurde durch den Kollaps der Eruptionswolke generiert und war um die 500 Grad Celsius heiß, wobei manche Autoren von 400 Grad ausgehen. Die Menschen in den Bootshäusern starben innerhalb von Sekunden durch thermischen Schock. Die Hitze karbonatisierte organische Materie und ließ Wasser verdampfen. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass relativ viel organische Materie -von Holz über Nahrungsmitteln bis zu Papyri- erhalten blieben. Bis zum Mittag folgten 3 weitere pyroklastische Ströme, die mehr Material mit sich führten, als der Erste. Asche und Bims drangen in die Gebäude ein und füllten sie von innen auf, bevor sie komplett bedeckt wurden und 20 m tief verschüttet wurden. Daher stürzten die Gebäude nicht ein, wie es vielfach in Pompeji geschah. Die Ablagerungen der pyroklastischen Ströme verfestigten sich zu Tuff, so waren die Gebäude luftdicht abgeschlossen. Ein weiterer Umstand, der die gute Erhaltung der Ausgrabungsstätte erklärt.



Erst im frühen 18. Jahrhundert wurde Herculaneum wiederentdeckt: bei der Ausschachtung eines Brunnens stieß ein Bauer auf das Theater von Herculaneum. Der König von Neapel, Karl von Bourbon, begann ab 1738 mit systematische Ausgrabungen. Diese sind bis heute noch nicht abgeschlossen. Eine der bedeutendste Entdeckung ist die Villa dei Papiri, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Sie wurde bereits im Mitte des 18 Jahrhunderts entdeckt und mittels Tunnelgrabungen erforscht. Ausgegraben wurde sie erst zwischen 1994 und 1998. Die Villa beherbergte einen besonderen Schatz: eine griechische Bibliothek, die 1800 Papyrusrollen umfasste. Die verkohlten Schriftrollen werden bis heute aufwendig restauriert und wissenschaftlich bearbeitet.

Bildergalerie Stromboli mit Drohne

Die Bildergalerie Stromboli entstand zwischen dem 09.06. und 12.06.2017. Die Aktivität des Vulkans befand sich -langfristig betrachtet- auf durchschnittlichem Niveau. Gegenüber der Vorwoche war sie etwas rückläufig und hatte sich von den östlichen Kratern mehr auf den westlichsten verlagert. Die Krater-Morphologie hat sich seit meinem letzten Besuch in 2013 dramatisch verändert: Damals hatten sich Kegel auf den Schloten gebildet, während sie jetzt in kleinen Kratern lagen.

Der Fotografische Schwerpunkt lag bei dieser Reise auf die Erstellung von Luftaufnahmen mit einer Drohne. In Begleitung des AV-Medienproduzenten Matthias Möldner machten Martin Rietze und ich uns auf den Weg zum Feuerberg der Liparischen Inseln. Zum ersten Mal seit langer Zeit begann unsere Reise in Neapel, wo wir noch Aufnahmen vom Vesuv und Pompeji machten. Mit dem Tragflächenboot ging es dann Richtung Stromboli. Die Fahrt dauerte gut viereinhalb Stunden. Quartier bezogen wir in einer Pension nahe des Restaurants La Laterna. Morgens um 3 Uhr begannen wir mit dem Aufstieg zu Krater und erreichten diesen vor Sonnenaufgang. Im Dunklen machten wir konventionelle Aufnahmen, doch Morgens dann begann der Teil der Arbeit, dem wir neugierig entgegenfieberten: Im Brennpunkt standen Luftaufnahmen mit den Kameradrohnen. Es ist immer wieder spannend mit den kleinen Fluggeräten zu arbeiten, besonders wenn es das erste Mal an einer Lokation ist. Sicherlich hat man eine gewisse Vorstellung, wie die Landschaft aus der Vogelperspektive wirkt, dennoch ist es wie das Betreten einer neuen Welt, wenn man erstmalig einen Vulkan aus der Luft erkundet. Zudem ist ist es spannend die Drohne möglichst nahe an den Schlot zu fliegen. Die Gefahr eines Verlustes der Drohne ist immer gegeben und wirklich billig sind die Teile nicht. Martin setzte eine brandneue DJI Mavic Pro ein und ich eine Phantom 3 Pro. Während ich mit meiner Drohne gut 1500 m weit fliegen konnte, bevor die Verbindung abbrach, schaffte die Mavic fast die doppelte Strecke. Neben ihrer Kompaktheit und Argument für die kleine Klappdrohne.

Kilauea: lost in paradise

Am 13. September 2016 machte ich mich auf den Weg Richtung Hawaii. Natürlich waren direkte Flüge unbezahlbar und daher buchte ich einen mit 2 Zwischenlandungen. Schon bei der Ersten blieb mein Gepäck hängen: im Rucksack befand sich nicht nur Kleidung, sondern auch ein Teil meiner Fotoausrüstung. Bis heute blieb das Gepäck verschollen.

Vor Ort traf ich mich mit Martin und Tom. Zusammen erkundeten wir den Kilauea. Er ist der kleinere der großen Schildvulkane von Big Island Hawaii. Irgendwie hatte ich es mir hier ein wenig trockener vorgestellt, doch ich ignorierte wohl, dass auf dem Archipel der Ort mit den weltweit größten Niederschlagsmengen liegt. Entsprechend feucht war es auch ein paar Hundert Kilometer von diesem Ort entfernt. Nicht ganz chronologisch, erzähle ich unsere Geschichte von oben nach unten, also von der Caldera des Kilauea zum „ocean entry“ des Lavastroms 61g. Und aus rechtlichen Gründen lasse ich Euch im Unklaren darüber, ob ich alleine in die Sperrgebiete vordrang, oder nicht.

Den ersten Blick vom Jagger Museum aus in Richtung Gipfelcaldera tätigten wir auf jeden Fall zusammen. Der Lavasee im Halema’uma’u-Krater stand hoch und war vom Jagger-Museum aus zu sehen, was an sich recht selten vorkommt. Spattering war am Rand des Lavasees mit bloßem Auge sichtbar und wirkte magisch magnetisch. Doch diese Distanz war einfach zu groß und musste deutlich reduziert werden. Auf meinem Weg zum See nahm ich einen schwachen Lichtblitz im Augenwinkel wahr, so, als würde ich mit einer Infrarotfernbedienung angestrahlt. Aufgeschreckt suchte ich den Wegrand ab und entdeckte in einer kleine Lavahöhle am Boden eine Wildbeobachtungskamera, die mich wohl geblitzt hatte: so viel zu den langjährigen Spekulationen, ob es am Weg raus zum Lavasee Überwachungsanlagen, sprich Sensoren gibt. Manche dieser Kameras können Bilder via MMS verschicken und ich war entsprechend alarmiert. Den Blick in die Lava konnte ich nicht so richtig genießen und kurz nach beginn der Morgendämmerung kam dann ein Wagen der Ranger angefahren und ich beschloss den taktischen Rückzug querfeldein.

Ähnlich taktieren muss man auf dem Weg zum Pu’u ‚O’o-Krater: der Weg hierin ist ebenfalls gesperrt und führt auf einer Länge von gut 4 Meilen durch den Dschungel. Der Einstieg zum Pfad liegt ein wenig versteckt, am Ende der „Glennwood-Road“. Diese zweigt von der „Volcano Road“ links ab (Fahrtrichtung bergauf), der Abzweig liegt kurz hinter einem Picknick-Platz deren Unterstand wie eine aufgeschnittene Wellblechtonne aussieht. In älteren Beschreibungen ist von einer Tankstelle auf der rechten Seite die rede, doch diese ist stillgelegt und nur noch schwer als Tankstelle erkennbar. Neben festem Schuhwerk und Regenkleidung sollte man schon etwas Abenteuerlust mitbringen, wenn man den Trek wagen will. Der Weg ist sehr schlammig und verzweigt sich an einigen Stellen, so dass man sich besonders nachts verirren kann. Natürlich regnete es und mein Regenzeug befand sich in meinem Rucksack, der in irgendeinem Flughafen der USA gestrandet war. Ich kam mir vor wie in lost! Nach 2 Stunden erreichte ich den Waldrand und blickte nass bis unter die Haut auf den Pu’u ‚O’o-Kraterkegel. Von hier aus war es noch einmal gut 1 Meile bis in den Krater. Am Waldrand biwakierte ich erst einmal um dann gegen 4 Uhr Nachts den Rest des Weges zu gehen. Nachts war es kurz aufgeklart, doch während ich mir den Weg über die Lavaschollen suchte fing es wieder an zu regnen. Als ich dann endlich den Krater erreicht hatte und zum Lavasee im Westpit stollperte, war mir irgendwie nass. Der Lavasee hatte einen Durchmesser von gut 50 Metern und hüllte sich in dichte Gasschwaden. An brauchbaren Aufnahmen war nicht zu denken und so machte ich mich an den langen Rückweg. Wieder in meiner Unterkunft in Mountain View angekommen, präsentierte sich der Fernblick auf den Pu’u ‚O’o wolkenfrei!



Vom Pu’u ‚O’o starten die Lavaströme in Richtung Ozean. 6 Meilen müssen sie zurück legen, bevor sie den Pazifik erreichen. Jüngst begann Lavastrom 61g den Pazifik zu entern und ihm neues Land ab zu ringen. Dieses Land in Form eines Deltas aus Lava ist äußerst instabil: die Lavaklippen werden von den Wellen unterspült, oder von einem unterirdischen Lavastrom abgesprengt. So warnt das HVO ausdrücklich davor das Lavadelta zu betreten. Dieses ist auch nicht ohne eine gewisse Portion Anstrengung erreichbar. Die Notfall-Küstenstraße wurde gesperrt und nur für Fußgänger offen gehalten. Findige Geschäftsleute aus Kalapana vermieteten für 20 USD Fahrräder, mit denen die 4 Meilen zum „ocean entry“ relativ schnell zu bewältigen waren. Lavastrom 61g unterbrach die Küstenstraße auf gut 0,6 Meilen Breite. Das Lavafeld war natürlich abgesperrt und wer den „ocean entry“ aus nächster Nähe bewundern wollte musste natürlich wieder einmal schleichen. Dass tat ich natürlich mehrfach. Wobei man die Hitze auf der Küstenebene nicht unterschätzen darf. Mein Wasserverbrauch war enorm. Gesteigert wurde er dann noch bei 2 Märschen auf die Pali. 1,2 Meilen landeinwärts suchte sich ein wenig glühende Lava den Weg zur Oberfläche. Ansonsten floss 61g mittlerweile komplett unterirdisch durch Tubes. Den Versuch auf dem frischen Lavafeld zu übernachten gab ich schnell auf. Die Fußbodenheizung war deutlich zu hoch eingestellt.

Besonders schön präsentierte sich die Lava am „ocean entry“ von der Seeseite her. Dazu stachen wir 3 Mal in See, was kein billiges Vergnügen war. Je nach Boot musste man mit 200 – 250 USD pro Fahrt rechnen. Die Dämmerungsfahrten waren meistens 2 Tage im Voraus ausgebucht. 2 Fahrten wurden auch vor Ort abgesagt. Trotzdem, die Eindrücke brannten sich mir ins Gedächtnis, zumal uns der Kapitän der „Lava One“ bis direkt an die Klippen steuerte. Offiziell ist das natürlich auf Hawaii verboten!