Die blauen Flammen vom Kawah Ijen

Die Bildergalerie entstand am 25. und 26. August 2015.

Kawah Ijen war eigentlich nur ein Nebenziel meiner Reise im August 2016. Eigentlich wollte ich zusammen mit Martin und Thorsten den Nachbarvulkan Raung besteigen, doch die Eruption des 3332 m hohen Vulkans endete kurz vor unserer Ankunft auf Java. So machten wir aus der Not eine Tugend und besichtigten den Schwefelabbau im Krater des Kawah Ijen. Im Mittelpunkt unseres bestreben standen die Blauen Flammen des brennenden Schwefels, welcher im Krater an Fumarolen kondensiert und per Hand abgebaut wird.

Während unserer Anfahrt ergab sich ein Problem gesperrter Straßen, die vom Südosten auf die Flanke des Ijen-Massiv führen. Tatsächlich wurde in den Dörfern ein Fest gefeiert, welches an unseren Karneval erinnert: die Menschen verkleideten sich als Figuren der hiesigen Mythologie und des Zeitgeschehens und veranstalteten Straßenumzüge. Für uns eine willkommener Einblick in das Leben der Indonesier.

Mit 2 Stunden Verspätung erreichten wir die Kawah-Ijen-Lodge, wo wir mal ein luxuriöses Quartier bezogen. Vom Schwimmbecken aus bot sich ein Blick über Reisterrassen bis zum Ijen, der heute allerdings im Nebel verhüllt war.

Am nächsten Morgen besuchten wir zunächst eine kleine Schwefelfabrik, in der der Schwefel geschmolzen und gereinigt wurde. Wie der Abbau selbst, geschah hier alles unter einfachsten Methoden. Die Schmelzöfen wurden per Holzfeuer betrieben und der geschmolzene Schwefel gefiltert und anschließend in Bottichen gefüllt, welche über den weiträumigen Boden ausgeschüttet wurde. Der flüssige Schwefel erstarrte zu einer dünnen Kruste auf dem Boden, welche zu Platten zerbrochen wurde und mit Schneeschiebern auf eine Haufen geschoben wurden. In Säcken verpackt trat der Schwefel dann seine Reise zu den Bestimmungsorten an.

Am Nachmittag machten wir uns auf den Weg zum Krater. Verwundert stellte ich fest, dass ein Stück Hightech Einzug im Tagebau gehalten hatte: einige Schwefelträger verwendeten eine Art Schubkarre um den Schwefel zu transportieren. Die Karren hatten bereits tiefe Spurrillen in den Weg gefressen, welche den Aufstieg nicht angenehmer machten.

Pünktlich zur Abenddämmerung erreichten wir den Kraterboden mit seinem Schwefelabbau. Die bis zu 240 Grad heißen Dämpfe aus den Fumarolen werden durch ein Rohrsystem zum Rand des Kratersees geleitet. Dort kondensiert der Schwefel am Ende der Rohre und wird von den Arbeitern gebrochen und eingesammelt.

Mit zunehmender Dunkelheit konnte ich immer besser das Ziel meiner fotografischen Begierden ausmachen: die blauen Flammen des Schwefelbrandes. Dieser manifestiert sich am Ende der Rohrleitungen. Die Flammen zischen dabei teilweise wie aus eine Schweißbrenner aus den Rohren hervor. Mit etwas Glück sieht man auch ein Rinnsal brennenden Schwefels, welches sich langsam hangabwärts bewegt.

Das Fotografieren gestaltet sich hier immer schwierig: die Gase hüllen oft die Fumarolen ein und man muss auf die kurzen Augenblicke warten, während derer man freie Sicht hat. Mein Problem war, dass der Filter meiner Gasmaske aufgab und ich deutlich mehr Schwefelgase inhalierte, als mir gut tat! So machte ich mich nach 2 Stunden wieder an den Aufstieg, doch das war eigentlich schon zu spät. Meine Bronchien schleimten ohne Ende und meine bis dahin leichte Erkältung verschlimmerte sich deutlich. Als meine Nase nach ein paar Tagen wieder frei war, merkte ich, dass mein Geruchssinn zu 90% ruiniert war. Sogar nach einem Jahr war er noch nicht wieder richtig hergestellt.

Zurück vom Ätna

Panorama des Ätnas von der Montagnola aus gesehen. © Marc Szeglat

Nach 5 Tagen am Ätna bin ich letzte Nacht zurück gekommen. Leider war meine Kurztour nur von mäßigem fotografischen Erfolg gekrönt: ein weiterer Paroxysmus aus dem Zentralkrater fand bisher nicht statt. Dafür verlagerte sich die Aktivität bereits am Tage meiner Abreise (6. Dezember) auf den Neuen Südostkrater (NSEC). Dort zeigte sich der neue Förderschlot im oberen Bereiches des Osthanges kontinuierlich aktiv: strombolianische Eruptionen wurden generiert und ein Lavastrom ausgestoßen. Die Strombolianer ließen glühende Tephra an die 200 m hoch aufsteigen und der Lavastrom erreichte die Monti Centenari im Valle del Bove.

Ich bin direkt nach meiner Ankunft Nachts aufgestiegen um die Eruption zu dokumentieren. Erfahrungsgemäß dauert diese Aktivität selten länger als 2-3 Tagen an und ich fürchtete das Interessanteste zu verpassen. Dabei achtete ich insbesondere darauf, ob oberhalb der Seilbahnstation größere vulkanische Bomben lagen, die von den letzten Paroxysmen aus dem Zentralkrater stammten. Bis hinauf zum Belvedere am Rande des Valle del Bove konnte ich keine entdecken. Weiter aufzusteigen war für das Filmen unnötig und ich wollte genügend Sicherheitsabstand einhalten, für den Fall, dass sich doch noch plötzlich ein echter Paroxysmus entwickelt hätte. Es war eine klare und kalte Nacht mit Temperaturen um minus 5 Grad, aber Gott sei Dank windstill. Bereits während des Aufstiegs gefror eine außen am Rucksack angebrachte Wasserflasche. Die Zweite nahm ich dann mit in den Schlafsack.

Am Nachmittag des 7 Septembers wurde dann noch ein 2. Schlot des NSEC aktiv. Dieser förderte neben glühender Tephra überwiegend Vulkanasche. Die Eruptionswolke erreichte eine Höhe von ca. 1200 m über Krater. Dieses Geschehen beobachtete ich von der Montagnola aus. Der Tremor war deutlich erhöht, erreichte aber nicht das Niveau eines Paroxysmus.

Die Eruption endete urplötzlich am Morgen des 8. Dezembers. Etwa zu diesem Zeitpunkt ereignete sich ein Erdbeben M 3,6 im Norden des Vulkans. Die letzten Eruptionen aus dem NSEC verliefen alle nach diesem Schema: anstatt des erwarteten paroxysmalen Vulkanausbruches, wurde uns eine Eruption mit länger anhaltender, aber milderer Höhepunktphase geliefert. Eine Spekulation ist, dass der NSEC mittlerweile zu hoch geworden ist um noch Paroxysmen zu produzieren. Auffällig ist auch, dass sich die Aktivität immer weiter in den Osten zu verlagern scheint. Der Kraterkegel hat mittlerweile die Form eines langen Rückens angenommen, der sich in West-Ost-Richtung erstreckt.

Am späten Nachmittag sprang die Aktivität auf den Nordost-Krater über und schwache strombolianische Eruptionen begannen. Am nächsten Morgen verstärkten sich die Eruptionen aus diesem Krater und es stieg relativ viel Vulkanasche auf. Leider zogen am Vormittag dichte Wolken auf und ich konnte das Schauspiel nicht weiter verfolgen. Am nächsten Morgen endete auch diese Eruptionsphase und es kam nur noch zu sporadischen kleinen Explosionen.

Ich vermute, dass diese Aktivitätsphase noch nicht vorbei ist und wir mit weiteren Vulkanausbrüchen rechnen können.

Colima: lost in transit

In der letzten Oktoberwoche machten sich die Geonauten Martin, Thorsten, Richard und Marc auf den Weg Richtung Mexiko. Ziel war der Vulkan Colima, von dem in den letzten Wochen immer häufiger Blitzfotos auftauchten. Die meisten dieser Bilder stammten von unserem Kollegen Hernando, den wir vor Ort auch treffen wollten.

Zeitgleich mit uns sollte Hurrikan Patricia auf die mexikanische Küste unweit des Vulkans treffen. Am Abend vor unserer Abreise kamen doch ein paar Bedenken auf, ob es klug wäre die Reise anzutreten. Für eine Flugstornierung war es aber bereits zu spät, da es ein finanzieller Totalausfall geworden wäre und so beschlossen wir uns trotzdem auf den Weg zu machen.

Der Flug führte über Houston in Texas und es kam, wie es kommen musste: die Geonauten strandeten hier zunächst, da der Weiterflug nach Guadalajara gecancelt wurde. Für den nächsten Tag standen wir auf mehreren „stand by“ listen, doch das Ziel gemeinsam zu erreichen, schien praktisch unmöglich. So flogen Richard und ich als erstes weiter, um schon einmal den Mietwagen klar zu machen, die beiden Anderen folgten erst am Abend. Zu allem Überfluss war der reservierte Jeep bereits weg und man gab uns ein „upgrade“ auf einen Minivan. Als die beiden Anderen einflogen, kam das Gepäck von Thorsten nicht an. Vergeblich warteten wir bis Mitternacht auf den letzten Flieger aus Houston, um dann am nächsten Vormittag das Gepäck endlich in Empfang zu nehmen. Kurzum hatten wir 36 h Stunden Verspätung und starteten in Richtung Katastrophengebiet. In den Nachrichten hieß es, dass Lahare die Gegend um den Vulkan verwüstet hätten und wir rechneten mit unpassierbaren Pisten. Doch je näher wir dem Vulkan kamen, desto erstaunter waren wir, dass hier kein einziger Baum umgeknickt war und alles recht normal aussah.

In Colima City trafen wir auf Hernando, der uns zu einer Berghütte am Vulkan begleitete. Ein wenig zweifelnd deutete er auf unseren Minivan und verzog das Gesicht: „ob wir damit durch die Furt kommen würden?“ erstaunt fragte ich „welche Furt?“, worauf Hernando meinte „na, ein Lahar hat die Brücke auf dem Weg zur Hütte weggerissen“. Dass waren ja rosige Aussichten!

Nach einem kurzen Stopp in einem „drive through shop“ (den Ersten, den ich je erlebt habe) ging es recht schnell in Richtung Vulkan und besagter Furt. Auf einer Breite von gut 25 Metern strömte die braune Flut recht schnell dahin. Nun, es war nicht das erste Mal, dass ich mit einem Auto durch einen Fluss fahren musste, doch das erste mal, dass ich in einem so ungeeigneten Wagen dazu saß: nur wenig mehr Bodenfreiheit als ein normaler PKW, der nicht nur kein Allradantrieb hatte, sondern zu allem Überfluss noch ein Automatikgetriebe und extrem langen Radstand. Mit 5 Personen und Gepäck waren wir voll beladen. Lust auszusteigen und zu Fuß durch den Fluss zu waten verspürte keiner. Bei entgegen kommende Fahrzeugen, die die Furt passierten, handelte es sich um SUVs und Pick-ups, die allerdings nicht einmal bis zur Stoßstange ins Wasser eintauchten. Na dann man tau! Mit wenig Schwung, aber konstantem Gasfuß setzte ich den Wagen ins Wasser und wir holperten recht souverän ans andere Ufer. Trotzdem war mir ein wenig mulmig zu Mute: etwaige Schäden auf unbefestigten Straßen (zu denen eine Furt sicherlich gehörte) wären nicht versichert. Die Furt -so viel sei Vorweg genommen- sollte das Spannendste dieser Reise bleiben und für Stress sorgen.

Der weitere Weg zur Hütte war mit unserem Wagen geradeso zu bewältigen. Unverständlicher Weise gab es selbst auf der schmalen Piste zahlreiche Schwellen zur Reduzierung der Geschwindigkeit und an manchen setzte der Unterboden des Wagens auf.

Die Hütte befand sich in 7 km Entfernung vom Gipfel des Colimas und gehörte wohl zu einer Hazienda. Wir bauten unsere Kameras auf der Terrasse auf und warteten auf freie Sicht auf den Vulkan. Diese kam erst nach Mitternacht und bis dahin schliefen wir etappenweise. Ein erster Ausbruch ließ uns aufschrecken, doch dieser brachte keinen der erhofften Blitze. Die Pausen zwischen den Eruptionen waren lang und so warteten wir und warteten. Ein nächtliches Highlight war ein entflohenes Pferd, dass innerhalb der Hütteneinfriedung weidete und uns abgehauen war, als jemand vergessen hatte das Tor zum Grundstück zu schließen.

Kurz vor der Morgendämmerung schloss sich der Nebelvorhang wieder. Kaum geschehen hörten wir das leise Grummeln eines erneuten Ausbruchs und das charakteristische Knattern elektrischer Entladungen. Er konnte also, wenn er wollte!

Der nächste Tag gestaltete sich lang, die folgende Nacht noch länger. Schon zermürbend, wenn zwischen den Eruptionen 2-6 Stunden vergehen und diese praktisch ohne Vorankündigung kommen. In der 3. Nacht gab es dann endlich eine etwas größere Eruption, die genug schnell aufsteigende Tephra produzierte, dass es wieder blitzen konnte. Für gut 2 Minuten ratterten 12 Kameras los, die Hunderte Fotos schossen. Anschließend zeigten sich die Geonauten verzückt und jeder wuselte hin und her um seine Fotos mit denen der Kollegen zu vergleichen. Doch schnell zog wieder die zähe Routine des Wartens auf den nächsten Ausbruch ein und die Nacht verging ohne weitere besondere Eruptionen.

Der nächste Abstecher nach Comala führte uns wieder durch die Furt und auf dem Rückweg fuhren wir uns tatsächlich fest. Am Flussgrund hatte sich eine ausgefahrene Rinne gebildet in der lockere Steine lagen und ich merkte regelrecht wie die Reifen ihre Traktion verloren 2 Sekunden später saßen wir fest. Durch schnelles vor-und rückwärts Schalten bekam der Wagen aber wieder festeren Boden unter die Räder und letztendlich genug Grip um das rettende Ufer zu erreichen. Das war knapp! Sollte das Wasser im Fluss steigen hätten wir ein Problem und würden unter Umständen an der Hütte festsitzen. Wir mussten unbedingt das Wetter im Auge behalten.

Die nächsten Tage und Nächte verliefen ähnlich. Größtenteils verhüllten Wolken den Blick auf den Vulkan und nur gelegentlich gab es Perioden mit freier Sicht. Selbst Nachts zog immer wieder Nebel auf. Pro Nacht gab es 1 – 2 brauchbare Eruptionen (soll heißen welche mit Blitze, oder Strombolianern) von denen mehrere aber in den Wolken gehüllt abliefen.

Am Freitag wurde das Wetter dann endgültig schlecht und es regnete die halbe Nacht. Selbst im Schlaf geisterte mir ständig die Furt durch den Kopf und den Anderen ging es wohl ähnlich. Am frühen Morgen beschlossen wir die Hütte aufzugeben und uns durch die Furt auf die sichere Seite zu begeben. Doch es war bereits zu spät: der Wasserpegel war dermaßen angeschwollen, dass wir mit unserem Minivan keine Chance mehr hatten. Was nun? Wir fuhren zur zerstörten Brücke und tatsächlich hatte man in aller Schnelle einen kanalisierten Schüttdamm gebaut, den wir als erstes befahren durften. Uff, nochmal Glück gehabt, denn nach dem Anreisefiasko hatte niemand große Lust auch noch den Rückflug zu verpassen.

Der gesamte Tag und die nächste Nacht waren vom Wetter her unbrauchbar. Dummer Weise war das unser Zeitslot für die Fahrt hoch zum Nevado de Colima, doch diese Tour konnten wir nun getrost vergessen. Die Wettervorhersage versprach aber für die kommende Nacht (unsere Letzte) sternenklare Sicht und so machten wir uns auf in Richtung Ostseite des Vulkans. Tatsächlich fanden wir eine Straße die ziemlich weit an den Colima heranführte und wir bauten uns auf den Weg zu einer Hazienda auf, der ca. 6 km vom Gipfel entfernt war. Wettertechnisch war es tatsächlich die beste Nacht, doch leider wollte der Vulkan nicht so recht. Kurz nach Abenddämmerung produzierte er eine schöne strombolianische Eruption, doch das war es dann: statt Kraft für 1-2 große Eruptionen zu sammeln, verschoss Colima sein Pulver in mehreren kleinen Aschepuffs, die alle 2-3 Stunden erfolgten.

Vollkommen entnervt packten wir gegen 5 Uhr in der Frühe unsere Kameras ein und machten uns auf den 4 stündigen Rückweg zum Flughafen. Dort angekommen stellten wir fest, dass unser Flug nach Houston mehr als eine Stunde Verspätung hatte… das war es dann wohl mit einer zügigen Heimreise, denn mir würden dann bestenfalls 40 Minuten zum Umsteigen bleiben, inkl. Immigration in den USA. Auf der Hinreise hatte das fast 2 Stunden gedauert.

Als wir dann in Houston landeten sah ich schon den Lufthansa A380 am Gate stehen und er wurde gerade beladen. Wie der geölte Blitz zischte ich durch den Flughafen und fuschte mich in jeder Schlange vor, erledigte die Einreiseformalitäten, holte mein Gepäck, stürmte durch den Zoll, schmiss den Rucksack aufs Transferband, huschte durch die Security und erreichte meinen Anschlussflug pünktlich zum boarden. Die komplette US-Immigration in rekordverdächtigen 20 Minuten! Natürlich wartete ich in Frankfurt dann vergeblich aufs Gepäck: lost in transit!

(Die Bilder zu diesem Bericht entstanden zwischen dem 24.10. und 01.11.2015)

Bildergalerie: Karangetang Api Siau

Die Fotos dieser Bildergalerie entstanden auf Api Siau und Sulawesi, zwischen dem 28.08.2015 und 01.09.2015. Der Vulkan Karangetang zeigte sich von seiner aktiven Seite.

Zum ersten Mal hörte ich von Api Siau und dem Karangetang im Jahr 2008. Damals war ich mit Alain am Anak Krakatau unterwegs und er schwärmte von dem kleinen Eiland und seinem Vulkan. 7 Jahre hat es dann gedauert, bis ich Gelegenheit hatte die Vulkaninsel zwischen Sulawesi und den Philippinen zu besuchen. Und das geschah eigentlich auch mehr aus Verlegenheit, denn als dass es geplant war: das eigentliche Ziel der Geonauten war der Vulkan Raung auf Java, doch die Eruption endete kurz vor unserer Ankunft auf Java. So beschlossen wir nach einem Abstecher zum Kawah Jjen weiter gen Nord-Sulawesi zu fliegen. Von Manado aus nahmen wir eine Fähre gen Api Siau. Das angebliche Schnellboot klapperte sämtliche Inseln auf dem Weg ab und so waren wir über 5 Stunden auf See. An jeden Hafen wurde das Boot von einer Heerschar Händler gestürmt, die den wenigen Passagieren Obst und Gebäck anboten. Eins stand sehr schnell fest: die Menschen hier waren noch deutlich näher an ihren traditionellen Wurzeln, als die Leute auf Java.

Die Einfahrt nach Api Siau war sehr schön. Vor der langgestreckten Bucht lagen mehrere kleine Inseln und die Gegend sah doch sehr nach Traumstrände und Taucherparadiese aus, die von den Kegel des rauchenden Vulkans dominiert wurden. Schnell bezogen wir das einzige Hotel im Ort, dessen Ausstattung eher als rudimentär beschrieben werden kann. Allerdings lag es praktisch am auslaufenden Vulkanhang und bot einen direkten Blick auf die Feuerrutsche. Die erste Nacht verbrachten wir fotografierend am Hotel, wobei ich mir der exponierten Lage durchaus bewusst war: ein größerer pyroklastischer Strom könnte jeder Zeit durch den Ort marschieren und würde dabei wohl auch kaum das Hotel verschonen. Doch wie so häufig beruhigte der Gedanke, dass die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas ausgerechnet jetzt passiert, relativ gering ist. Dabei hatten wir es natürlich gerade auf pyroklastische Ströme abgesehen, die gelegentlich vom Dom abgehen. Diese sahen wir in unserer ersten Nacht allerdings nicht und auch nicht in den folgenden 2 Nächten. Dafür wälzte sich ein extrem zäher Lavastrom über den Hang und verursachte glühende Schuttlawinen. Gelegentlich waren strombolianische Eruptionen am Gipfel zu sehen, doch auf dieser Distanz wirkten sie wie winziges Tischfeuerwerk. Trotzdem, uns war bewusst, dass der Karangetang ein gefährlicher Vulkan ist. Erst vor wenigen Monaten rauschte einer der gefürchteten Pyroklastischen Ströme durch ein Flussbett bis in bewohntes Gebiet und zerstörte einige Häuser.

Am 3. Tag erreichte uns die Nachricht über einen Ausbruch des Lokon auf Sulawesi und wir reisten wieder überstürzt ab. Leider hatten wir keine Zeit mehr die Insel genauer zu erkunden, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

Bildergalerie: Vulkaneifel

Pünktlich zur Urlaubszeit zeigt diese Bildergalerie einige Highlights der Vulkaneifel. Vielleicht regen die Fotos ja zu einem Besuch des vulkanologischen Erbes der Eifel an. Der Laacher-See-Vulkan dürfte den Meisten ein Begriff sein. Interessant sind aber auch die Maare bei Daun. Die Lavabombe von Strohn ist die größte Bombe der Eifel. Spannend sind die Kaltwassergeysire bei Andernach und Wallenborn. Wenn man auf ihre Eruptionen wartet kommt ein wenig „Vulkanfeeling“ auf.

Das bekannteste Maar der Eifel dürfte der Laacher See sein. Doch ausgerechnet dieses Maar ist kein echtes Maar, sondern zumindest teilweise eine Caldera: nach der großen Eruption des Laacher-See-Vulkans vor 12900 Jahren, stürzte ein Teil des Vulkans in die entleerte Magmakammer. Wie dem auch sei, einen schönen Blick über den See und seine Umgebung hat man vom 23 m hohen Lydiaturm.

Am Ostufer des Laacher See blubbern Mofetten im flachen Wasser. Kaltes Kohlendioxid magmatischen Ursprungs entweicht durch kleine Öffnungen im Boden. Die Mofetten zeugen von der vulkanischen Vergangenheit der Westeifel. Ändert sich die Gaszusammensetzung, könnte dies ein Anzeichen für ein Erwachen des Vulkans sein.

Weiteres Zeugnis des letzten großen Vulkanausbruchs des Laacher-See-Vulkan ist die Wintgersbergwand. Bis zu 40 m mächtige Tephra-Ablagerungen sind Dokumente der gewaltigen Eruption, bei der pyroklastische Ströme für einen Teil der Ablagerungen verantwortlich sind.

Unweit des Laacher See gibt es ein weiters Naturphänomen zu beobachten, dass in direktem Zusammenhang mit dem Vulkanismus der Region steht: den Kaltwassergeysir von Andernach.

Die Maare der Westeifel sind deutlich kleiner als der Laacher See, zeugen aber nicht weniger von den gewaltigen Naturkräften die hier vor wenigen Jahrtausenden entfesselt wurden.

Besonders beeindrucken sind die Vulkane bei Daun: das Schalkenmehrener- und Weinfelder-Maar zeugen von den monogenetischen Eruptionen unter Grundwassereinwirkung.

Beeindruckend ist auch die Strohner Bombe aus dem Wartgesberg Vulkan bei Strohn. Die 5 m durchmessende Lavakugel ist aber keine pyroklastische Lavabombe, sondern ein Konglomerat: ein Stück Kraterwand löste sich während der Eruption und rollte immer wieder in den Krater. Dabei sammelten sich mehrere Lagen des geschmolzenen Gesteins an, bis die Kugel auf ihre aktuelle Größe wuchs.

Bildergalerie Vulkanismus

Die Grafiken dieser Bildergalerie stellen die wichtigsten Zusammenhänge der Erddynamik im Zusammenhang mit dem Vulkanismus dar: Motor für den Vulkanismus sind die Konvektionsströme im Erdinneren. Diese lassen die Kontinente wandern und durchmischen die plastischen Gesteine im Erdmantel.

Die meisten Vulkane entstehen an den aktiven Kontinentalrändern und entlang von Riftsystemen. Zu den Intraplattenvulkanen zählen die Hotspot-Vulkane wie der Kilauea auf Hawaii und die Yellowstone-Caldera. Dort brennen sich ein Mantelplumes durch die Erdkruste. Die häufigsten Vulkanarten sind Stratovulkane und Schildvulkane. Besonders gefährlich sind Domvulkane und subglaziale Vulkane unter dem Eis der Gletscher.

Sakura-jima: Blitzwolken

Den Sakurajima in Japan besuchte ich in den vergangenen Jahren öfters: die vulkanischen Blitze in den Aschewolken zogen mich immer wieder magisch an! Das Fotografieren am Vulkan ist niemals einfach, doch um Blitzwolken einzufangen bedarf es eines besonderen know how und viel Geduld. Ich war wieder mit Martin Rietze unterwegs und nach dem langen Flug machten wir uns abends nach unserer Ankunft in Kagoshima gleich auf den Weg zum Vulkan. Wie wollten wieder auf unseren Lieblingsplatz nächtigen und unsere Kameras aufbauen. Dieser liegt ca. 3 km vom Gipfel des Sakurajima entfernt, fast am Ende einer kleinen Stichstraße die zu einem Lahar-Schutzdamm führt. Doch, oh weh, das Grundstück mit der Wiese war eingezäunt und die Wiese schön säuberlich entfernt und der Boden planiert. Was nun? Mit schlechtem Gewissen umgingen wir die Absperrung und bauten unser Lager am Rande eines Gebüschs auf.

Bereits in der ersten Nacht wurde unsere Geduld auf die Probe gestellt: der Vulkan war ungewöhnlich ruhig und produzierte nur ein paar kümmerliche Aschewolken, so ganz ohne Blitze. Am Morgen dann, entlud sich die ganze aufgestaute Energie in einer ordentlichen Detonation! Die erzeugte Druckwelle sah man nicht nur in den Wolken über dem Krater, sondern sie war auch als kurze Schockwelle deutliche zu spüren. Nach der lahmen Nacht brachte uns dass in Schwung. Doch leider wurde das Wetter immer mieser und wir beschlossen unser Lager abzubrechen und brachen zum Vulkan Aso auf. Dieser liegt ungefähr 2 Fahrstunden vom Sakurajima entfernt. Aso war in den letzten Wochen strombolianisch aktiv und besonders Martin vernahm seinen lockenden Ruf.

Doch, wie konnte es anders sein, mit uns erreichte auch das schlechte Wetter den Vulkan. Kurz bevor die Wolken dicht machten, erhaschten wir noch einen kurzen Blick auf den Krater und einer kleinen Aschewolke, dann begann es auch schon zu regnen. Wir erkundeten das Visitorcenter am Fuße des Kraterkegels. Der Aufstieg zum Krater war natürlich gesperrt. Ich staunte nicht schlecht über die Größe des Parkplatzes: im Sommer musste hier mächtig was los sein! Nun ja, die Japaner lieben und verehren ihre Vulkane und gehen dort gerne wandern.

Gegen Abend dann, begann es zu schneien und Martin und ich verbrachten einen ungemütliche Nacht im Wagen, so ganz ohne Vulkanblick. Da wir wenig Zeit hatten, machten wir uns am nächsten morgen wieder auf den Weg zum Sakurajima. Wir unternahmen noch einen kurzen Abstecher zum Vulkan Kirishima. Dort war das Wetter besser und die vulkanische Landschaft beeindrucken! Wenn der Vulkan wieder aktiv werden sollte, muss man dort unbedingt hin!

Auf dem Weg zum Sakurajima stürmten wir noch einen Supermarkt: die Preise in Japan sind zum Teil enorm! Anstatt einen auf Selbstversorger zu machen, kann man besser in einem der wenigen Fastfoodrestaurants essen gehen, oder sich in einem Minimarket fertige Schnitzel kaufen.

Abends bezogen wir wieder Stellung am Sakurajima. Doch auch diese Nacht verlief recht ruhig. Morgens dann wieder eine schöne Eruption, diesmal bei schönerem Wetter!

Langsam wurde unsere Zeit knapp, doch in der nächsten Nacht sollten wir mehr Glück haben. Saku drehte auf und produzierte kurz hintereinander 2 Eruptionen mit vulkanischen Blitzen. Unsere Kameras ratterten im Dauermodus und kaum ein Blitz ging uns durch die Lappen. In der Luft hing das Grollen der Eruptionen und das Knistern elektrischer Entladungen, dass einem die Nackenhaare aufstellt. Beinahe euphorisch blickten wir durch unsere Kameras und hofften auf mehr, doch weitere Blitze blieben aus. So ist das am Vulkan! Oft braucht man viel Geduld für wenige kostbare Augenblicke erfolgreichen Erlebens.

Guckt euch auch das Video an.

Bildergalerie: Pico do Fogo

Die Fotos dieser Bildergalerie zeigen den Pico do Fogo zwischen dem 30. November und 3. Dezember.

Seit 2 Wochen eruptierte der Pico do Fogo auf den Kapverden schon, als die Geonauten Richard, Martin und Marc die entlegene Vulkaninsel erreichten. Zuvor spielte sich dramatisches ab: an der Flanke des Vulkankegels in der Caldera öffnete sich eine Eruptionsspalte aus der Lavafontänen aufstiegen und einen Lavastrom speisten. Dieser zerstörte nur Stunden nach Eruptionsbeginn das Visitor-Center des Nationalparks. Das Gebäude war erst wenige Wochen zuvor eingeweiht worden. Errichtet wurde es mit finanzieller Hilfe aus Deutschland. Kurz darauf änderte die Lava ihre Richtung und floss langsam, aber unaufhaltsam auf das Dorf Portela zu. Dieses lag innerhalb der Caldera und ca. 4 km vom Kegel des Pico do Fogo entfernt. Der Lavastrom verstärkte sich periodisch und erreichte bald erste Häuser abseits des Dorfes. Noch hoffte man, dass die Lava den Kern des Dorfes verschonen würde, doch diese Hoffnung sollte sich als vergeblich beweisen. Schon am ersten Tag unseres Aufenthaltes am Vulkan wurden wir Zeugen wie ein weiteres Haus von der Lava verschlungen wurde. Wobei, verschlungen ist nicht das richtige Wort: der Lavastrom riss es von seinen Fundamenten und schob es im Schneckentempo vor sich her bis es zerbrach und von der Lava eingeschlossen wurde. Der Lavastrom kroch auch über die Straße und stoppte dann auf der anderen Seite. Die Hitze über dem Lavafeld ließ Windhosen entstehen. Einer dieser Minitornados wirbelte plötzlich vor uns auf, schleuderte ein Metergroßes Wellblech durch die Luft und warf Martins Kamera nebst Stativ um und riss mir die Mütze vom Kopf. Zwischen meinen Zähnen knirschte Sand. Wir zogen uns in das Dorf zurück und pausierten, als Lautsprecherdurchsagen zur Evakuierung aufriefen. Alle hatten den Ort unverzüglich zu verlassen: an anderer Stelle drohte der Lavastrom die provisorische Straße zu verschütten. Bei vielen Menschen kam Panik auf und sie versuchten noch so schnell wie Möglich ihre Habseligkeiten zu retten. Als wir die Stelle passierte, hatte auch hier die Lava gestoppt, zumindest für den Augenblick. Die nächsten 2 Tage verbrachten wir nahe der Eruptionsspalte, auf der sich mittlerweile mehrere kleine Schlackenkegel gebildet hatten. Wir marschierten bereits um 4 Uhr Nachts dort auf. Zum einen wollten wir die Morgendämmerung am Vulkan nutzen, zum Anderen zogen tagsüber Wachposten auf, die das Gebiet absperrten. Wir näherten und den Schloten bis auf 250 m. So nahe am Ort des Geschehens spürte ich den Tremor in meinem Hosenboden. Zwischendurch gab es stärkere Erschütterungen, die den Boden vibrieren ließen. Phasen mit Strombolianern, Asche-Eruptionen und verstärktem Lavaausfluss wechselten sich ab. In der nächsten Nacht verstärkte sich die Aktivität und die letzten Stunden von Portela begannen. Ein breiter Lavastrom wälzte sich durch die Caldera und verschüttete zweidrittel des Ortes. Verzweifelt versuchten Soldaten den Wein aus der Winzerei zu bergen und schleppten die schweren Weinfässer auf höher gelegenes Terrain. Unsere Zeit am Vulkan war bereits vorüber, doch wenige Tage nach unserer Heimreise wurde dann auch der Rest des Ortes zerstört. Die Natur kennt kein Erbarmen!

Bildbericht Island: Bardarbunga und das Hochland

Der Bildbericht aus Island wurde zwischen dem 27. und 31. August 2014 aufgenommen. Zusammen mit Martin Rietze ging ich auf eine Recherchereise in das Gebiet des Vulkans Bardarbunga, der seit mehreren Wochen unruhig war. Natürlich hofften wir auch, dass der erwartete Vulkanausbruch einsetzten würde. Besonders erpicht waren wir auf eine große subglaziale Eruption des Zentralvulkans Bardarbunga. Die Wahrscheinlichkeit eine Initialphase zu erwischen, war aber verhältnismäßig klein. Plan B war eine beginnende Spalteneruption im Gebiet des Dyngjujökull. Diese setzte dann auch ein, leider war das Gebiet so gut abgesperrt, dass wir nicht zur Spalte vordringen konnten. Am Samstag machten wir einen spontanen Rundflug über die Gegend, um wenigstens einen Eindruck der Szenerie liefern zu können, über die ich hier seit 2 Wochen berichte. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Eruption wieder gestoppt.

Am nächsten Tag ging unser Heimflieger und wir mussten nach Reykjavik zurück. Erst am Flughafen erfuhren wir davon, dass eine neue Eruption eingesetzt hatte. Da zu diesem Zeitpunkt noch nichts über die Größe der Eruption bekannt war, flogen wir heim. Das sollte sich später als Fehlentscheidung herausstellen. Allerdings war in den ersten Tagen nach Eruptionsbeginn kein hinkommen zur Eruptionsspalte. Erst nach einigen Tagen wurde Journalisten der Zutritt zum Vulkan gestattet.

Über den Vulkan: Der Bardarbunga liegt unter dem Gletscher Vatnajökull auf Island. Mit den angeschlossenen Spaltensystemen bildet Bardarbunga auch das gleichnamige Vulkansystem. Im August des Jahres 2014 begann eine spektakuläre Eruption. 

Die Bardarbunga war lange Zeit unbekannt, weil der Vulkan weit von den besiedelten Gegenden entfernt liegt und wegen seiner Position unter dem großen Gletscher relativ selten sichtbare Eruptionen produziert.

Geologische Untersuchungen ergaben jedoch, dass sich unter dem Eis mit einer Fläche von 80 km² eine der größten Calderen des Landes verbirgt. Sie misst 10 km im Durchmesser und ist 700 m tief. Am 31. Januar 1973 wurde sie erstmals auf Satellitenbildern entdeckt

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