Ätna: Veränderungen am NSEC

Während der Eruption, zwischen dem 30 Mai und 5. Juni 2019, hat sich die Morphologie des Neuen Südostkraterkegels (NSEC) am Ätna deutlich geändert. Vergleichsbilder des INGVs zeigen, dass ein Teil des Kraterrandes kollabierte. Dies geschah sehr wahrscheinlich während der explosiven Phase am 30. Mai. Dafür füllte sich eine kleine Depression in der Flanke des östlichsten Förderschlot auf. Dafür zeichnet sich abgelagerte Tephra der strombolianischen Eruptionen verantwortlich.

Thermalbilder enthüllten einen „trockenen Riss“, der sich im Südosten des Neuen Südostkraterkegels bildete: Die Fraktur zieht sich vom Krater aus über die Flanke bis zum neuen Förderschlot auf 2950 m Höhe. Aus dem Riss quoll keine Lava, dafür emittiert er aber Hitze, die vermutlich von heißen Gasen stammt. Ähnliches Schicksal widerfuhr bereits dem Alten Südostkraterkegel. Ende des letzten Jahrhunderts entstand ein ähnlicher Riss, der sich dann immer mehr zur zentralen Schwachstelle des Kegels entwickelte. 2007 öffnete sich der Riss dann zu einer richtigen Fraktur, aus der ein großer Lavastrom entsprang. Diese Eruption war praktisch die Geburtsstunde des Neuen Südostkraterkegels. Es sieht so aus, als könnte sich die Geschichte wiederholen.

Ich vermute, dass sich der Riss an einer strukturellen Schwachstelle des Ätnas öffnete, die im Zusammenhang mit der Verlagerung des Eruptionszentrums steht. Mit der Entstehung des modernen Ätnas, vor gut 3000 Jahren, verlagerte sich das Eruptionszentrum in westlicher Richtung. Seit der Entstehung des Südostkraterkegels im Jahr 1979 scheint sich das eruptive Zentrum des Vulkans Richtung Südosten zu verschieben. Diese Theorie würde mit der Entstehung einer 3. Kratergeneration im Südosten Unterstützung finden. Allerdings könnte es noch einige Jahre dauern, bis wir einen neue Kraterbildung erleben.

Bereits in den letzten Jahren konnten wir beobachten, dass die Eruptionen am Gipfelbereich des NSEC schwächer wurden. Dafür wurden mehrere Lavaströme gefördert, die aus Schoten in der Flanke des Kegels flossen. Seit Ende 2018 bilden sich vermehrt längere Spalten und Risse an der Basis des Kegels. Eine ältere Theorie besagt, dass es zu einer Verlagerung der Aktivität kommt, wenn eine gewisse Höhe des Kraterkegels überschritten ist. Dies könnte jetzt der Fall sein.

Ätna speit weiter Vulkanasche

Der Ätna auf Sizilien stößt weiterhin Aschewolken aus. Laut den Vulkanologen des INGV bestehen die Aschewolken überwiegend aus altem Gesteinsmaterial, dass innerhalb des Vulkans abgelagert wurde und nicht aus frisch aufgestiegener Magma. Tief sitzende Gasexplosionen fragmentieren das Lavagestein und blasen es aus dem Vulkan. Es wird allerdings nicht nur die Vulkanasche ausgestoßen, sondern auch das Gas, welches scheinbar viel Schwefeldioxid enthält. Die Spur dieses Klima beeinflussenden Gases, wurde mittels eines ESA-Satelliten (Sentinel5b) beobachtet: Vor 2 Tagen ließ sich die Spur über 700 km weit verfolgen, als der Wind die Gaswolke Richtung Nordwesten wehte.

Genaue Daten über die Menge des ausgestoßenen Schwefeldioxids liegen nicht vor, allerdings zeigt das Vorhandensein von Schwefeldioxid, dass das Gas aus frischer Magma kommt. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis dieses Magma weiter aufsteigt und eruptiert wird.

Die Vulkanologen des INGV denken darüber nach, ob es sich um eine neue Eruption handelt, oder um eine Fortsetzung der kurzweiligen Flankeneruption von Weihnachten letzten Jahres. Bereits vor diesem Ausbruch war der Ätna tätig und eruptierte aus der Bocca Nuova und dem Neuen Südostkrater. So könnten die aktuellen Asche-Exhalationen auch eine Fortsetzung dieser Tätigkeit sein. Dr. Boris Behncke vom INGV meint, dass die tatsächlich geförderte Aschenmenge vergleichsweise gering sei. Das Material ist sehr feinkörnig, wodurch die aufsteigenden Wolken größer wirken. Überwiegend bestehen diese Wolken aus Dampf. Trotzdem verursachten sie in den vergangenen Tagen immer wieder Flugausfälle, da die Vulkanasche eine Gefährdung für die Flugzeuge darstellt.

Nicht nur für den Flugverkehr ist die Vulkanasche lästig: sie stellt auch eine zunehmende Belastung für die Anwohner des Vulkans dar. Sie reizt die Atemwege und verschmutzt Häuser, Gärten, Straßen und Autos. Besonders der Lack von Fahrzeugen reagiert empfindlich auf die scharfkantigen Aschepartikel. Am besten entfernt man die Asche mit viel Wasser.

Ätna: Erdbeben Mw 3,4

Die Seismik am Ätna zieht wieder deutlich an. Heute Mittag um 12.54 Uhr ereignete sich ein moderates Erdbeben der Magnitude 3,4. Das Hypozentrum lag in nur 4 km Tiefe. Das Epizentrum befand sich 1 km nördlich von Ragalna. In der gleichen Gegend gab es heute Vormittag bereits ein Beben der Magnitude 2,4. Weiter nordwestlich gab es vor wenigen Minuten einen Erdstoß M 2,0.

In der gleichen Gegend manifestierte sich im letzten Oktober ein stärkeres Erdbeben Mw 4,7. Damals entstanden einige Schäden an Gebäuden im Ort Santa Maria di Licodia. Die aktuellen Erdbeben ereigneten sich an den gleichen Störungszonen wie im Oktober. Es ist anzunehmen, dass die Beben wieder vom Druck des Magmas ausgelöst wurden, welches sich im Untergrund des Vulkans bewegt.

Wer genauer nachlesen möchte, wie es um die Tektonik des Ätnas bestellt ist, kann es in dem verlinkten Artikel tun.

Ätna: Seismik lässt etwas nach

Obwohl es am Ätna auf Sizilien immer noch recht viele Erdbeben gibt, lässt die Intensität des seismischen Schwarms etwas nach. Der Tremor ist weiterhin erhöht und aus der Bocca Nuova steigt eine Dampfwolke auf. Auf den Thermalbildern sieht man, dass es noch strombolianische Eruptionen gibt, die teilweise bis über Höhe des Kraterrands aufsteigen. Auf der Außenflanke des Zentralkraters landen allerdings kein größeren Mengen heißer Tephra. Der Lavastrom im Valle del Bove ist zum erliegen gekommen.

Die Vulkanologen des INGV veröffentlichten gestern Abend einen Bericht mit Schwerpunkt des gestrigen Bebens, welches relativ große Zerstörungen anrichtete. Wie in einem früheren Post bereits beschrieben, ereignete sich das Erdbeben an einer seismischen Störungszone, welche zur „Timpe-fault“ gehört. Das Beben wurde sehr wahrscheinlich durch steigenden Stress ausgelöst, welcher vom Magma herrührt, dass in den Vulkan eindringt. Vergleichbare Erdbeben gab es schon mehrmals:  1875, 1907 und 1984 sind im Bericht des INGV aufgeführt. Teilweise standen diese Beben in Verbindung mit Eruptionen, manchmal gab es aber auch keinen Zusammenhang mit einem Vulkanausbruch. Dieser folgte dann meistens einige Monate nach dem Erdbeben. Es gab aber auch stärkere Erdbeben nach größeren Eruptionen, wenn sich der Druck im Untergrund verringerte. So ein Erdbeben ereignete sich nach der großen Eruption von 1865. Genaueres kann man auf der alten Seite von Dr. Boris Behncke nachlesen.

Wie es weiter geht, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Die Vulkanologen beobachten den Vulkan genau und halten es für nicht ausgeschlossen, dass sich im unteren Flanken-Bereich des Ätnas eine Spalte auftun könnte. Besonderes im Blick hat man die Piano del Vescovo. Diese liegt an der Außenbegrenzung des Valle del Bove, an der Straße zwischen dem Refugio Sapienza und Zafferana. Unter diesem Bereich manifestierten sich viele Erdbeben, die vulkanotektonischen Ursprungs sein dürften. Allerdings muss das Magma nicht senkrecht aufsteigen, wenn es denn aufsteigt. Wer sich die Magmatischen Gänge anguckt, die in den Wänden des Valle del Bove aufgeschlossen sind, erkennt, dass diese oft schräg verlaufen. Denkbar, dass die Lava bei Ätna Süd raus kommt, sofern eine Flankeneruption folgen sollte.

Am Ätna bleibt meistens genug Zeit, bevor bei den Eruptionen Anwohner gefährdet werden, um diese zu evakuieren. Anders sieht es im Gipfelbereich des Vulkans aus. Hier kann die Lage sehr schnell eskalieren. Gerade in Situationen wie jetzt, ist es unberechenbar, wo sich Spalten öffnen könnten. Daher der Hinweis, dass man sich momentan offiziell nur im Bereich der Montagnola aufhalten darf. Wie der Ausbruch von 2001 zeigt, könnte sich aber auch in diesem Bereich ein Ausbruch ereignen.

Ätna: Erdbeben richtet Zerstörungen an

Update 14:45 Uhr: Die Seismik ist weiterhin sehr hoch. Im Vergleich zu gestern zog sie wieder an. Man kann davon ausgehen, dass Magma dabei ist aufzusteigen und den Druck auf die Störungszonen erhöht.

Originalmeldung: Heute Nacht um 3:18 Uhr ereignete sich in der Ätna-Region ein Erdbeben der Magnitude 4,8 (Richterskala). Der Erdstoß dauerte fast 40 Sekunden. Das Hypozentrum lag in nur 1,2 km Tiefe bei Viagrande, zwischen Pedara und Acireale. Ungefähr auf dieser Höhe befindet sich die Basis des Ätnas, wo der Vulkankegel auf dem Grundgebirge aufsitzt. Die besondere Geologie des Areals und das flach gelegenen Hypozentrum müssen die seismischen Wellen verstärkt haben. So sind große Schäden an der Infrastruktur entstanden, die man ansonsten bei einem Erdbeben dieser Magnitude nicht erwarten würde: Hunderte Häuser wurden beschädigt, oder stürzten sogar ganz ein. Wie durch ein Wunder gab es keine Todesopfer. Mindestens 4 Personen wurden verletzt. Die Autobahn entlang der Küste musste gesperrt werden, da sich die Fahrbahn absenkte. Im Umkreis von 20 km um das Epizentrum wurden große Beschädigungen gemeldet. Betroffen sind auch die Orte Trecastagni, Pedara, Zafferana Etnea, die vielen Ätna-Reisenden bekannt sein dürften.

Vor der großen Flankeneruption in 2002 ereignete sich ein vergleichbares Erdbeben bei Milo, etwas weiter Bergauf, als es heute der Fall war. Das Beben ereignete sich an einer Störungszone des Ätnas. Das Beben wurde durch den Druck ausgelöst, den das aufsteigende Magma auf die Störung aufbaute. Aktuell ist die Situation vergleichbar. Der Tremor am Vulkan ist immer noch erhöht, auch wenn momentan keine Lava auszutreten scheint. Vom Bauchgefühl her, müsste sich in den nächsten Tagen eine größere Eruption anbahnen. Auch weitere starke Erdbeben sind nicht auszuschließen. Seit Wochen ist die Seismik auf Sizilien erhöht, auch abseits des Ätnas. Dieser befindet sich momentan allerdings in ständiger Bewegung.

Ätna: Eruption hält an

Der Lavastrom von der Küste aus gesehen. Das Bild verdeutlicht die Lage des Stroms. © Boris Behncke

Update 21:00 Uhr: Eruption ist stark rückläufig. Nachdem die Wolken den Blick auf den Lavastrom frei gaben, war zu sehen, dass dieser stark an Kraft verloren hat und dabei ist abzukühlen. Die Explosionen in der Bocca Nuova haben ebenfalls nachgelassen. Der Tremor ist allerdings unverändert hoch, was darauf hindeutet, dass sich Magma im Vulkan bewegt.

Update: 17:00 Uhr: Nachdem sich die morgendlichen Wolken verzogen haben, sieht man auf den LiveCams einen schneebedeckten Gipfel. Aus der Bocca Nuova quillt weiterhin eine Asche-Dampfwolke, die mehrere Hundert-Meter aufsteigt. Zudem steigt glühende Tephra bis über den Kraterrand auf. Der Blick ins Valle del Bove ist leider noch zu, visuelle Beobachtungen des Lavastroms sind nicht möglich. Es wird nur eine moderate Thermalstrahlung registriert, die eigentlich zu schwach für einen Lavastrom ist. Dass könnte aber auch an den Wolken im Valle del Bove liegen. Der Tremor ist quasi unverändert. Nach wie vor gibt es Erdbeben am Vulkan. Die oberflächennahen Erschütterungen sind seltener geworden. Dafür ereignet sich unter den westlichen Ausläufern des Vulkans ein neues Schwarmbeben in größerer Tiefe. Es könnte neues Magma in die Erdkruste eindringen. In den letzten 36 Stunden wurden über 900 Erdbeben registriert! Mich würde es nicht wundern, wenn das erst die Anfangsphase einer weitaus stärkeren Eruption wäre.

Originalmeldung: Die Eruption am Ätna auf Sizilien geht weiter. Nach der heftigen Initialphase gestern Vormittag, schwächte sich der Ausbruch rasch ab. In den ersten Stunden des Ausbruchs waren alle Gipfelkrater in der Eruption involviert und förderten Aschewolken. Diese stiegen bis zu 9 Kilometer ü.N.N. auf und beeinträchtigten den Flugverkehr. Landungen auf dem Airport Catania waren nur eingeschränkt möglich. An der Basis den Neuen-Südostkraters (NSEC) öffnete sich eine Fraktur, die bis an den oberen Rand des Valle del Bove reichte. Auch auf dem Steilabhang des Ochsentals öffneten sich Risse. Aschewolken, Lavafontänen und Lavaströme wurden gefördert. Der obere Teil der Spalte stellte seine Tätigkeit am späten Nachmittag zum größten Teil ein. Seit dem Abend konzentriert sich die Tätigkeit auf einen Schlot im Steilhang des Valle del Bove. Aus diesem strömt ein Lavastrom, der binnen kurzer Zeit die Talsohle erreichte. Ortschaften sind bisher nicht bedroht. Allerdings erinnert die Situation ein wenig an 1991, als sich ebenfalls eine Spalte im Valle del Bove öffnete. Damals floss die Lava 473 Tage lang und stoppte erst kurz vor der Ortschaft Zafferana. Auch im Jahr 2008 gab es dort einen Lavastrom, der bis ins Folgejahr aktiv war.

Aktuell scheint der Tremor in einer Seitwärtsbewegung stabil zu sein, allerdings sackte er heute Nacht kurzfristig ab, kam dann aber wieder hoch. Weiterhin werden zahlreiche Erdbeben am Ätna registriert. Alleine bis gestern Mittag wurden 130 Erdbeben registriert, der Wert sollte sich bis jetzt verdoppelt haben. Was mich überrascht ist nicht die Anzahl der Beben, sondern ihre Stärke. Es wurden und werden unverhältnismäßig viele Beben mit Magnituden über 2 registriert. Das Stärkste brachte es auf M 4,0. Die Beben liegen alle sehr flach, nahe der Oberfläche. Zahlreiche dieser Beben manifestierten sich im Bereich des Valle del Bove, um den noch aktiven Schlot. Es gab aber auch Beben im Norden des Vulkans, entlang bekannter Störungszonen. Es ist also viel Bewegung im Berg. Interessant wären Werte zur Bodendeformation, die bisher aber nicht kommuniziert wurden.

Auch im Gipfelbereich öffneten sich neue Schlote. So ist auf dem Foto oben eine kleine Lavafontäne zu sehen, die aus einem Schlot kommt, der sich an der Basis der Gipfelkrater auftat. Es ist und bleibt spannend an Europas mächtigsten Vulkan.

Ätna: Flankeneruption

Update 14:30 Uhr: Dr. Boris Behncke vom INGV bestätigt nun, dass sich im oberen Bereich des Valle del Bove mehrere Öffnungen aufgetan haben. Diese Beginnen an der Basis des Neuen-Südostkraterkegels und verlaufen in Richtung Serra Giannicola. Man kann also von einer Flankeneruption sprechen. Zudem zeigen Analysen verschiedener Bilder, dass auch der NE-Krater Asche ausgestoßen hat. Der Tremor ist bereits rückläufig, aber es gibt weitere Erdbeben. Das Stärkste hatte eine Magnitude von 4,0 und lag in 2 km Tiefe. Das Bild oben zeigt, dass der Ausbruch durchaus spektakulär ist und sich von den Paroxysmen der letzten Jahre deutlich unterscheidet. Der Verlauf der Tremorkuve ähnelt allerdings eher einem Paroxysmus.

Update 13:45 Uhr: Die Hinweise verdichten sich, dass nicht die Flanke aufgegangen ist, sondern das sich an der Basis des Neuen Südostkrater-Kegels ein neuer Schlot öffnete. Aus diesem wird eine Lavafontäne gefördert, die einen Lavastrom speist. Der Verlauf der Tremorkurve erinnert an einen Paroxysmus. Es scheint sich also um die Geburt eines neuen Kraters zu handeln und nicht um eine Flankeneruption. Bei solch einer Tätigkeit sprechen Vulkanologen von einem subterminalen Ausbruch. Ich bin auf offizielle Berichte des INGV gespannt.

Originalmeldung: Am Ätna hat sich eine Spalte geöffnet, aus der ein Lavastrom Richtung Valle del Bove fließt. Die Spalte befindet sich unterhalb der Basis des Neuen Südostkrater-Kegels. Es handelt sich zumindest um eine Subterminal-Eruption. Unklar ist, ob sich weitere Spalten geöffnet haben. Auf dem Thermalbild der Nicolosi-Livecam (4.Bild) sieht es fast so aus, als hätte sich was unterhalb der Montagnola geöffnet. Ich bin mir da aufgrund der Perspektive nicht ganz sicher, ob dem so ist. Hier die ersten Bilder der Livecams. Der Tremor ist hoch und stieg sehr schnell an, so, wie man es von Paroxysmen kennt.

Ätna und der Lavastrom: Reisetipps

Die Aktivität am Ätna geht weiter und der Lavastrom wird immer größer. Er legt sowohl an Länge, als auch an Breite zu. Mittlerweile haben einige Arme des Stroms den oberen Bereich des Valle del Bove erreicht. Die strombolianische Tätigkeit hält ebenfalls an. MIROVA registrierte gestern eine hohe thermische Strahlung von 530 MW. Die Seismik ist nach wie vor hoch. Es gibt leichte Erdbeben, die im Gipfelbereich in geringer Tiefe liegen. Weiter außen an den Vulkanflanken manifestierten sich tief sitzende Erschütterungen.

Mittlerweile sind einige Vulkanspotter am Ätna unterwegs, um sich die Eruption anzugucken. Offiziell ist der Aufstieg zu den oberen Bereichen des Ätnas gesperrt. Wanderer dürfen nur bis in einer Höhe von 2500 m aufsteigen. In Begleitung eines Bergführers sind 2700 m erlaubt. Darauf wies Vulkanologe Boris Behncke in einer Diskussion in unserer FB-Gruppe hin. Dort wurde auch gefragt, von wo aus man die aktuelle Tätigkeit am besten sehen kann. Von den (gesperrten) Bereichen im Süden des Ätnas sieht man den Ausbruch nur sehr angeschnitten. Näher ran kommt man nicht, da Aa-Lavaströme von 2017 den Weg zum Fuß des NSEC versperren. Es bleiben praktisch nur Fernblicke. Am einfachsten gestalten sich diese von der Straße SP 92 aus. entweder auf dem Stück zwischen Refugio Sapienza nach Zafferana, oder von Milo in Richtung Citelli. Wer etwas näher ran will und wandern möchte, kann auf den Monte Zoccolaro steigen, oder auf die Serra delle Concazze. Von dort aus hat man derzeit wohl den besten Blick. Allerdings ist es auf dem Nordrand des Valle del Bove kalt und windig. Bei schlechtem Wetter ist der Aufstieg nicht nur sinnlos, sondern auch gefährlich. Allerdings sagen die Meteorologen für das Wochenende schönes Wetter voraus.

Wer den Ausbruch fotografieren will und einigermaßen Format füllende Bilder haben möchte, benötigt ein starkes Teleobjektiv. Am Besten ein lichtstarkes. Eine Brennweite zwischen 400 und 600 mm ist da schon erforderlich. Ein entsprechendes Stativ und Fernauslöser sind da obligatorisch. Aber auch Weitwinkel-Fotos mit Sternenhimmel und Lava-Spur könnten mittlerweile attraktiv werden.

Ätna: strombolianische Aktivität geht weiter

Die strombolianische Aktivität am Ätna geht weiter. Neue Fotos von Giò Giusa (siehe unten) zeigen, wie der Schlackenkegel über dem „Puttusiddu“ weiter wächst. Die Eruptionen werfen glühende Tephra bis zu 100 m hoch aus. Zudem wird aus einem zweiten Schlot ein Lavastrom gefördert. Dieser gewinnt zunehmend an Länge. Schmale Lavazungen erreichen zeitweise fast die Basis des Kegels. MIROVA registriert eine hohe thermische Strahlung von mehr als 200 MW. Die Vulkanologen Marco Neri und Boris Behncke (INGV Catania) fertigten auf Basis eines Fotos eine Skizze des Schlackenkegels an, die die Lage des Schlote verdeutlicht.

Mich erinnert die Aktivität an 1996, als der Südostkrater einen ordentlichen Wachstumsschub erhielt. Bis Dato war der Kegel eine relativ flache Schüssel mit einem großen Krater. Strombolianische Aktivität ließ einen Intrakrater-Schlackenkegel wachsen, der nach einigen Monaten die Schüssel ausfüllte und bald die neue Spitze des Südostkrater-Kegels bildete. Anschließend kam es zu ersten Paroxysmen und der Lavastrom-Tätigkeit im Februar-März 1999, bei der die Lava an der Basis des Südostkraterkegels austrat. In der weiteren Entwicklung kam es zu starken Paroxysmen und anschließenden Flankeneruptionen. Es ist nicht auszuschließen, dass Ätna nun in einen ähnlichen Zyklus eingetreten ist, ausgelöst durch das neu aufsteigende Magma.

Dampfringe am Ätna

Bei der aktuellen Eruption wurden auch Dampfringe erzeugt, die ein ortsansässiger Vulkanbeobachter auf Video bannte. Dieses ist in unserer FB-Gruppe verlinkt worden. Dampfringe (poloidal vortex rings) entstehen aufgrund eines physikalischen Effekts: Wenn ein Fluid (Dampf) aus einem umschlossenen Raum impulsartig (explosiv) durch eine enge Öffnung gedrückt wird. Dadurch kommt es zu einer Wechselwirkung zwischen dem äußeren Teilen des Fluids und den Rändern der Öffnung. Es entstehen ringförmig Wirbel, die senkrecht zur Bewegungsachse des Fluids rotieren. Besonders schöne Dampfringe gab es am Ätna im Jahr 2002 zu beobachten.

Ätna: Zurück vom Kurztripp

Seit einigen Wochen ist der Ätna strombolianisch aktiv. Zudem war das Wetter in den letzten Tagen relativ gut und so beschlossen Thorsten und ich einen Kurzabstecher zum Ätna zu machen. 3 Nächte lang beobachteten wir die Aktivität des Vulkans. Am aktivsten war der Seitenschlot „Puttusiddu“ des Neuen Südostkraters. Hier erfolgten pro Stunde mehrere strombolianische Eruptionen, wobei es auch längere Pausen gab. Aus dem Schlot quillt auch ein sehr kurzer und zäher Lavastrom. Dieser ist wenige 10er Meter lang. Gelegentlich waren die Explosionen so stark, dass sie den Lavastrom mit ausgeblasen haben. Die stärkeren Explosionen waren gut zu hören. Sie schleuderten glühende Tephra gut 100 Meter hoch. Ansonsten erreichten die Auswürfe eine geringere Höhe. Auch die Bocca Nuova stimmte gelegentlich in die Eruptionen ein. Der Abstand zwischen den einzelnen Explosionen war größer, als jene vom „Puttusiddu“. Der Nordostkrater zeigte keine Aktivität.

Mein Hauptziel der Reise war es, Drohnenaufnahmen der Bocca Nuova zu machen, was mir an einem Morgen mit relativ wenig Wind auch gelang. Ansonsten war es recht stürmisch im Gipfelbereich. Die nächtlichen Temperaturen lagen bei minus 7 Grad im Bereich des alten Torre del Filosofo. Seit meinem letzten Besuch am Ätna, im Februar 2017, hat sich einiges geändert. Die Lavaströme vom März 2017 überzogen weite Teile der Hochebene im Südosten. Sie reichen bis zum Belvedere am Rand der Valle del Bove hinab. Wo man früher über die Lapilli wandern konnte, blockiert nun Aa-Lava den Weg. Man ist praktisch gezwungen der Jeep-Piste zu folgen, oder dem Pfad entlang des Kegels von 2003.

Der Neue Südostkrater ist zur dominierenden Struktur der Gipfelregion geworden. Den größten Wachstumsschub erhielt er zwischen 2011 und 2014. Innerhalb von nur 3 Jahren erreichte er eine Höhe von über 300 m. Der höchste Punkt des Ätnas dürfte nun der Kegel über dem Sattelvent sein, welcher im letzten Jahr entstand.