El Hierro: Inselgeburt lässt auf sich warten

Chris und ich sind von unserem 1-wöchigen Aufenthalt auf El Hierro zurück. Kurz vor unserer Ankunft am 8.11.2011 ereignete sich der bisherige Höhepunkt des submarinen Vulkanausbruches, als mehrere Meter hohe Wasserdome aufstiegen. Die Wasserdome waren von braun-gelb-grauer Farbe und transportierten Gase und Lavabrocken an die Wasseroberfläche. Danach nahm die sichtbare Aktivität wieder ab.

Der obere Förderschlot liegt ca. 1 km vor der Küste. Zeitweise entgaste er und Blasen brodelten am Jacuzzi. Zudem bildeten sich Bimsstein-Teppiche und gelblicher Schaum. Das Wasser war auf einer großen Fläche grünlich verfärbt. Gelegentlich roch es schwach nach Schwefelwasserstoff.  An unserem Abreisetag (14.11.2011) steigerte sich die Aktivität ein wenig. Es stiegen bis zu 100 cm große Lavabrocken auf, die auf der Wasseroberfläche schwammen und dampften. Nach der Abkühlung gingen sie wieder unter.

Die an verschiedenen Stellen erwähnten Augenzeugenberichte lokaler Vulkan-Spotter erscheinen mir sehr subjektiv zu sein. Unsere Recherchen konnten die Berichte von pyroklastischen und glühenden Material nicht bestätigen, noch sahen wir auf langzeitbelichteten Fotos Rotglut. Die Lavabrocken steigen nicht aufgrund explosiver Kräfte auf, sondern weil sie gasreich sind und solange schwimmen, bis sie abkühlen und ihre Schwimmfähigkeit verlieren.

Örtlichen Presseartikeln konnten wir entnehmen, dass es sich bei der geförderten Lava um eine neue Lava-Art handeln soll, die bisher noch nicht beschrieben wurde. Mitarbeiter des IGN konnten uns dazu allerdings nichts sagen, da die Proben ins Institut nach Madrid geschafft wurden. Scheinbar ist der interne Informationsaustausch einseitig. Auch die genaue Wassertiefe über den Förderschlot konnten uns die Institutsmitarbeiter vor Ort nicht mitteilen. Die letzte Messung, die zu einem Resultat führte, betrug 110 m. Der jetzige Schätzwert liegt zwischen 110 und 65 m Wassertiefe. Das Forschungsschiff kann in dem getrübten Wasser offensichtlich nicht genau messen. Unbekannt war auch die Lage des 2. Förderschlotes, der sich ca. 6 km vor der Küste befinden soll. Da der Tremor weiterhin hoch ist, nehme ich an, dass dort die meiste Lava austritt.

Die Bewohner von La Restinga mussten jeden Abend um 18 Uhr den Ort verlassen. Der Küstenabschnitt wurde restriktiv gesperrt. Die Menschen fühlen sich im Stich gelassen, da der Informationsaustausch auch in diesem Bereich nicht funktioniert. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass sie nicht hinreichend Aufgeklärt wurden. Einige Bewohner standen am Rande der Panik, als eine Brise leichten Schwefelgeruch heran wehte.

Der weitere Verlauf der Eruption ist nur schwer zu prognostizieren. Theoretisch kann der submarine Vulkanausbruch über Monate und Jahre auf schwachem Niveau weitergehen, ohne dass sich sichtbares tut. Genauso ist die Geburt einer neuen Insel möglich. Denkbar sind auch die Öffnung weiterer Eruptionszentren und eine Verlagerung des Ausbruches an Land, oder das plötzliche Ende der Aktivität.

Inzwischen richtet sich die Aufmerksamkeit auf den Inselnorden. Bei El Golfo sehen die Behörden die Gefahr der Entstehung eines 2. Eruptionsherdes und bereiten die Bevölkerung des Ortes Frontera auf eine schnelle Evakuierung vor. Unklar ist nach wie vor, ob sich ein neuer Schlot an Land, oder Unterwasser öffnen wird.

8 Gedanken zu “El Hierro: Inselgeburt lässt auf sich warten

  1. Hallo Marc,
    danke für die Antworten auf meine Fragen!
    Hattest Du eigentlich Kontakt mit Manfred Betzwieser (er hat einen BLOG über die Geschehnisse auf EL HIERRO)und wohnt auf LA PALMA.

    Gruß
    Marco

  2. Danke für den Bericht. Endlich auch ein paar handfeste Informationen.
    Meine Schüler und ich verfolgen die Entwicklung auf El Hierro mit großem Interesse. 🙂

  3. Hallo,

    danke für den ausfühlichen Bericht. Wir waren diesem Sommer für 3 1/2 Wochen auf El Hierro im Ort La Restinga. Wir konnten die Insel ausführlich mit dem Mietwagen erkunden. In Restinga sind wir unserem Hobby Tauchen nachgegangen. La Restinga war ein Taucheldorado mit ca. 9 ! Tauchbasen. Die Unterwasserwelt war ein Traum. Damit scheint es vorerst vorbei zu sein. Von daher verfolge ich mit großem Interesse die vulkanischen Entwicklungen auf bzw. vor El Hierro. Mit großem Interesse habe ich daher deine Berichte verfolgt. Ich würde mich freuen, wenn du die Entwicklung auch aus der Ferne verfolgst und weiter berichten könntest.

    LG

    Anja

  4. Hallo Marc!
    Vielleicht kannst Du etwas LICHT ins Dunkel bringen was die Förderschlote angeht.(El Hierro)

    Die Erste Meldung über einen unterseeischen Eruptionsvorgang besagte:in einer Tiefe von 1200m vor Restinga.Diese Tiefenangabe wurde recht schnell auf 750m Wassertiefe korrigiert und kurze Zeit später soll ein weiterer Schlot sich in 500m Tiefe geöffnet haben.Dann entstand ein neuer Schlot in 300m Tiefe ca 1 Meile vor Restinga(Sockelbreite ca.700m,Höhe 100m über Grund,Kraterdurchmesser:120m)der durch den starken Ausstoss an Gasblasen und dampfenden Lavabrocken in die Nachrichten rückte.Danach wurde von einer aufgerissenen Spalte bzw.Jacuzzis wie an einer Perlenkette berichtet mit 2 Zentren (Einem vor dem Mit Planen abgedeckten Bananenfeld/dem ehemals geplantem Raketenstartplatz) und einem weiteren Zentrum etwas weiter nordwestlich.Und schließlich jetzt der aktuelle Schlot in ca 800-1000m Entfernung vor Restinga.Aufgrund des bis zu 25-35m hoch aufgeworfenen Wasser/Dampf/Bimsgemisches deutet sich eine Tiefe von 100m-ca 70m an.
    Demnach existieren mehrere Schlote (ich komme auf 6)Wieviele davon sich noch aktiv?Bei der „Perlenkette“ die ja wie eine aufgerissene Spalte klingt konzentriert sich ja meist nach kurzer Zeit die Eruption an 1 oder 2 Stellen da der Rest recht schnell verstopft.Aber gerade von dieser „Perlenkette“ (ich hab die Bilder gesehen…) gibts gar keine Meldungen mehr.

    Grüße aus Hannover
    *Marco*

    • Hallo Marco,

      das Problem ist, dass die Wissenschaftler vor Ort a) ziemlich ratlos zu sein scheinen und b) der Informationsfluss in keiner Richtung vernünftig funktioniert. So finden viele Meldungen ihren Ursprung in Beobachtungen von Amatuer-Spottern und sind subjektiv, bzw. nicht wissenschaftlich dokumentiert. Entfernungen und Dimensionen sind von Land aus nur sehr schwer einzuschätzen und lassen Raum für Spekulationen. Wenn man tagelang aufs Wasser raus starrt, kann ein kleines Dampfwölkchen schnell 80 m hoch werden und rot glühen. Ich bin selbst euphorisch geworden, als am letzten Tag dampfende Lavabrocken aufstiegen 😉
      Im Augenblick sind wohl 2 Schlote aktiv: der gut dokumentierte in 1 km Entfernung zur Küste und ein 2. der ca. 6 km entfernt sein soll. Seine genaue Lage ist unbekannt. Alle anderen Schlote sind momentan inaktiv. Es ist auch nicht sicher, ob überall Lava gefördert wurde, oder ob an einige Stellen nur Gas austrat.

      Gruß, Marc

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