Klimawandel: Kippelemente und Heißzeit

Die aktuelle Hitzewelle und Dürre in Deutschland, Europa und großen Teilen der Nordhalbkugel, scheint die Menschen für das Thema globaler Klimawandel zu sensibilisieren. So berichten die Medien heute über neue Forschungsergebnisse eines internationalen Teams, welche in einem Paper im Rahmen des „Proceedings“ der US-nationalen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht wurden. Das Team setzte sich aus u.a. Mitarbeitern des Potsdamer Institut für Klimaforschung und Stockholm Resilience Centre zusammen. Eigentlich wurden die „neuen Forschungsergebnisse“ schon länger vermutet und wurden schon in den verschiedensten Medien diskutiert.

Die neue Erkenntnis der Forschungsarbeit soll darin liegen, dass es Kippelemente im Klimasystem gibt, die einen Dominoeffekt auslösen könnten: werden bestimmt Prozesse erst einmal in Gang gebracht, dann könnten sie automatisch weiter ablaufen, selbst wenn der anthropogene Ausstoß an klimaschädlichen Gasen gestoppt werden würde. Als Beispiele werden Störungen von Ökosystemen herangeführt, wie z.B. das Verschwinden des Amazonas-Regenwaldes, das Abschmelzen des grönländischen Inlandeises, oder das Freisetzen von Methanhydraten. Wenn nun also das Grönländische Inlandeis schmilzt, wird die Albedo verringert. Das Gestein heißt sich auf und die Atmosphäre erwärmt sich weiter. Dadurch steigen auch die Temperaturen im Meer, was bewirken könnte, dass vermehrt Methanhydrate freigesetzt werden. Ist dieser Prozess erst einmal in Gang gesetzt, lässt er sich quasi nicht mehr stoppen, selbst wenn eine weitere Erwärmung von Menschenhand gestoppt wird: die globalen Temperaturen steigen weiter!

Selbst wenn die globale Klimaerwärmung auf 2 Grad begrenzt werden könnte, wie es das Pariser Klimaabkommen bewirken soll, dann könnten schon einige Kippelemente in Gang gesetzt worden sein. Eine Erwärmung des Klimas um 4-6 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts könne dann nicht mehr aufgehalten werden. Der Temperatur-Korridor, bei dem diese Kippelemente in Gang gesetzt werden könnten, liegt bei einer Temperaturerhöhung von 1,5-2 Grad, gegenüber den Temperaturen vor Beginn der Industrialisierung. In diesem Jahr liegt die globale Durchschnittstemperatur bereits bei 1,5 Grad über diesem vorindustriellen Wert und ich gehe einmal davon aus, dass wir bereits verschiedene Kippelemente in Gang gesetzt haben. In früheren Modellen zum Klimawandel wurden scheinbar die Jetstreams unterschätzt. Der Verlauf der Höhen-Luftströmungen hat sich in den letzten Jahren verändert. Diese Veränderungen bewirken z.B. dass es über Mitteleuropa immer häufiger zu Omega-Wetterlagen kommt: ein Hochdruckgebiet wird zwischen zwei ortstabilen Tiefdrucksystemen eingekeilt und bewegt sich praktisch nicht vom Fleck. So eine Wetterlage ist derzeit für unsere Dürre verantwortlich.

Meiner Meinung nach benötigt man nicht immer neue Theorien zum Klimawandel, sondern kann zukünftige Entwicklungen aus Daten des Paläo-Klimas ablesen. Sicherlich spielten bei den Ereignissen im Karbon und Perm noch weitere Faktoren eine Rolle, eine Entscheidende findet sich auf jeden Fall in der Bildung der Kohlelagerstätten. In der 60 Millionen Jahre umfassenden Epoche des Erdzeitalters Karbon wurden große Mengen Kohlenstoff in der Erde eingelagert, indem gewaltige Mengen Biomasse (Bäume, Algen) in Kohle und Erdöl umgewandelt wurden. Die Biomasse entzog vorher der Atmosphäre das Kohlendioxid, welches in Kohlenstoff umgewandelt wurde. Der Entzug des Kohlendioxids aus dem Kreislauf bewirkte schon damals einen radikalen Klimawandel: In der nachfolgenden Epoche Perm war die Erde zeitweise fast komplett mit Eis bedeckt, da die Durchschnittstemperaturen um 10 Grad fielen. Die Kohlendioxid-Konzentration der Luft hatte sich von 1000 ppm auf 100 ppm verringert. Heute liegt sie bei 400 ppm. Was früher Jahrmillionen dauerte, schafft der Mensch in Jahrzehnte: wir verbrennen die eingelagerten Kohlenwasserstoffe und setzen den Kohlenstoff wieder in Form von Kohlendioxid frei. Der Klimawandel geht so schnell von statten, wie noch nie zuvor in der Geschichte der Erde. So ein radikaler Wandel zieht für gewöhnlich ein Artensterben mit sich, welches wir bereits beobachten können.

Inzwischen ist es eigentlich zu spät, um das Ruder noch herumzureißen! Die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft verschlafen die Situation, oder Sitzen sie einfach aus! Notwendige drastische Maßnahmen zu ergreifen wäre unpopulär und würde vor allem das Wirtschaftswachstum ausbremsen. Dabei stecken in neuen Technologien ja auch neue Verdienstchancen.

Generell kann der Einzelne nur versuchen, so wenig wie möglich zu konsumieren und mit den Ressourcen sparsam umzugehen. Zudem können Vorsorgemaßnahmen getroffen wären, wie z.B. krisensichere Anlagestrategien zu verfolgen und sich zu überlegen, wie man sich wenigstens teilweise selbst versorgen, bzw. Versorgungsengpässe überbrücken kann. Langfristiges und nachhaltiges Denken und Handeln ist angesagt. Dazu zählen auch eigenes Wassermanagement (Zisternen, Wassertanks), Schutz vor Überflutungen und Stürmen, Stromversorgung (Solarzellen, kleine Windturbinen) und Gruppenbildung. Letzteres ist besonders wichtig, um in Krisenzeiten gesellschaftlichen Rückhalt zu gewinnen. Doch dazu demnächst mehr.

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