Krakatau: kleine Lavafontäne

Chris Weber von VEI berichtet, dass er bei einem Besuch des Vulkans in der indonesischen Sundastrasse vor 2 Tagen, kleine Lavafontänen im Krater beobachten konnte. Diese waren ca. 10 m hoch und zischten aus einem Schlot der sich in der glühenden Lavaplatte bildete, die ich Anfang August dort sah. Möglicher Weise ist das der Beginn einer neuen Eruptionsphase auf Anak Krakatau.

Schwarmbeben: drohen Vulkanausbrüche von Katla und Cheb?

In den letzten Tagen kam es zu Schwarmbeben unter dem isländischen Vulkan Katla und dem tschechischen Cheb-Becken an der Grenze zu Bayern. In beiden Lokationen gab es auch einzelne Beben die eine Magnitude größer als 3 hatten.

Während ich die Wahrscheinlichkeit für eine Eruption der Katla innerhalb eines Jahres als relativ hoch einschätze, wird es im Cheb-Becken wahrscheinlich nicht so schnell einen Vulkanausbruch geben. Vor 4 Jahren arbeitete ich dort mit Forschern vom GFZ-Potsdam zusammen, die meinten, dass dort zwar magmatische Aktivität im Untergrund stattfinde, diese sich aber noch in der unteren Erdkruste abspiele. Neben den Schwarmbeben steigt dort vermehrt Kohlendioxid auf, dass Quellen zum sprudeln bringt.

Vielen Dank für die Postings der letzten Tage, die mich auf die Beben im Cheb Becken aufmerksam machten.

Popocatepetl & Tambora

Popocatepetl: Der Vulkan in der Nähe der mexikanischen Hauptstadt produzierte eine Reihe phreatischer Eruptionen, die Asche- und Dampfwolken förderten.  Wanderer sollten sich dem Gipfel nicht nähern.

Tambora: Der Vulkan auf der indonesischen Insel Sumbawa wird unruhig und zeigt in den letzten Monaten Anzeichen erhöhter seismischer und fumarolischer Aktivität. Das vulkanologische Institut Indonesien setzte die Warnstufe auf 1. Der Tambora ist aufgrund des stärksten Vulkanausbruches in historischer Zeit zu trauriger Berühmtheit gelangt. 1815 sprengte er seinen Gipfel in einer VEI 7 Eruption weg. Das Jahr 1816 ist als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichtsschreibung eingegangen.

Bildergalerie: Schwefelbrand am Kawah Ijen

 

Am 12. und 13. August besuchten die Geonauten den Vulkan Kawah Ijen in Ostjava. Die Anfahrt vom Semeru aus dauerte gut 8 Stunden. Dichter Verkehr und eine sehr schlechte Straße an der Außenflanke des Ijen-Plateaus gestalteten die Fahrt zu einer Geduldsprobe.

Ich besuchte den Vulkan vor 8 Jahren das erste Mal. Seitdem hat sich einiges verändert, am Kawah Ijen: der Bereich um die untere Verladestation wurde zu einem kleinen Touristikzentrum ausgebaut. So erobern vor Beginn der Morgendämmerung unzählige Touristen den Vulkan und stürmen den Weg hinauf zum Krater. Der Aufstieg ist nicht sonderlich schwer, an einigen Stellen verläuft der Weg aber recht steil, sodass man schon außer Atem gelangen kann. Für kleine Kinder und alte Menschen kann der Weg schon eine Herausforderung darstellen. Menschen mit Herzkreislaufproblemen und Atemwegerkrankungen sollten den Kawah Ijen meiden: oft steht der Wind so, dass der letzte Teil des Aufstiegs durch schweflige Dampfschwaden führt. Wer einen Abstieg in den Krater plant, sollte unbedingt eine Gasmaske mit Filtereinsätze für Schwefelgase dabei haben, denn was die Indonesier dort täglich einatmen ist alles andere als gesund!

Der Schwefelabbau wurde maximiert und es sind sehr viele Arbeiter unterwegs. In einer endlosen Karawane mühen sie sich über den Pfad aus dem Krater und transportieren den letzten Krümel Schwefel ab. Viele Arbeite gießen flüssigen Schwefel in Förmchen und formen so Souvenirs die sie den Touristen anbieten.

Das Ziel der Geonauten war es den Schwefelbrand im Krater zu fotografieren. Dieser ist nur nachts sichtbar und auch dann wird er zum größten Teil gelöscht. Daher gehört schon etwas Glück dazu, einen brennenden Schwefelfluss vor die Linse zu kriegen. Da die Arbeiter so emsig beschäftigt waren löschten sie diesmal sehr sorgfältig und Flammen manifestierten sich nur direkt an den Gasaustritten.

Nachts war es aber wenigstens ruhig am Vulkan und niemand störte uns beim Fotografieren. Im Schein des Vollmondes präsentierte sich der Kawah Ijen in seiner vollen Schönheit. Die blauen Flammen des Schwefelbrandes faszinierten uns.

Bildergalerie: Kasada-Zeremonie am Vulkan Bromo

Zum 2. Mal in diesem Jahr besuchten die Geonauten den Vulkan Bromo in Indonesien. Das 1. Mal waren wir im März dort und dokumentierten den Ausbruch des Vulkans. Die Eruptionen hatten bereits im November 2010 begonnen und dauerten bis Ende Mai an. Im August entwich noch viel Dampf aus dem Förderschlot, der eine hohe Konzentration an Schwefelgasen und Chlorverbindungen enthielt. Mehrmals stündlich verstärkten sich die Exhalationen und unter lautem Zischen wurde die Dampfwolke dichter und stieg höher auf.

Unter diesen Bedingungen wurde in der Vollmondnacht vom 14. auf den 15. August die Kasada-Zeremonie abgehalten, während deren Höhepunkt Tausende Menschen zum Kraterrand des Vulkans pilgern. Das hinduistische Opferfest ist eine Art vorgezogenes Erntedankfest. Die Götter werden um eine reiche Ernte gebeten. Zudem wird dem Prinzen Kesuma gedacht, der dem Gott Brahma im Krater des Vulkans geopfert wurde. Seine Mutter Roro Anteng löste einer Sage nach damit dass Versprechen ein, dass sie Brahma im Gegenzug zu reichem Kindersegen gegeben hatte. Kesuma war ihr letztgeborenes Kind, von denen sie 25 hatte. Roro Anteng gilt zusammen mit ihrem Gemahl Joko Seger als Gründer des Königreiches von Tengger (der Name Tengger leitet sich aus den letzten Silben ihrer Nachnamen ab). Allerdings löste sie das Versprechen nicht freiwillig ein, denn Brahma ließ den Vulkan ausbrechen und drohte das Königreich zu zerstören, würde die Prinzessin das Opfer verweigern.

Das Fest beginnt schon am Tag zuvor. In den Dörfern am Rande der Caldera herrschte Jahrmarktstimmung. In den Straßen wurde gefeiert, Händler bauten Verkaufsstände auf und überall wurde was zum Essen verkauft. Abends startete im Gemeindezentrum von Cemorolawang das eigentliche Fest. Ein großes Gesteck aus Bananenblättern, in dem allerlei Opfergaben befestigt waren, wurde herbeigeschafft und um Mitternacht auf einen Pickup geladen. Zusammen mit dem Zeremonienmeister und einigen Priestern fuhr man dann zur Piste am Ortsrand, die hinab in die Caldera führt.

Dichter Nebel wallte über den Calderarand und die Sichtweite betrug gerade einmal 15 Meter. Die Priester errichteten einen Schrein und beteten. Anschließe entzündete man Fackeln und das Gesteck wurde in einer Prozession bis zum Tempel am Fuße des Bromo getragen. Dort herrschte Partystimmung. Die Luft war erfüllt vom knattern der Mopeds und Jeeps, mit denen viele unterwegs waren. Der Boden der Sandmeercaldera war aufgewühlt. Viele verpassten die Pisten wegen dem dichten Nebel und fuhren offroad. Der Tempel war wenig stimmungsvoll illuminiert. Neonröhren hingen an den Decken des aus Beton erbauten Tempels. Die Priester saßen in Reih und Glied unter einer Überdachung und Reden wurden Geschwungen. Viel verstand ich nicht, doch es fielen öfter die Namen der Prinzessin, ihres Sohnes und dem Gott. Es war kalt und der Nebel wurde immer dichter, als gegen 4 Uhr plötzlich Bewegung in die Versammlung kam. Kleine Gruppen um die Priester mit ihren Opfergaben setzten sich Richtung Bromo in Bewegung und stürmten die Treppe zum Kraterrand. Die Gruppe die ich begleitete verlief sich 2 Mal im Nebel, doch kurz vor Sonnenaufgang erreichten wird den Krater. Der Dampf reizte Lungen und Augen und ohne langes Federlesen wurden die Opfergaben in den Krater gepfeffert. Als das riesige Gesteck am Hang aufschlug erscholl entsetztes Schnattern und Gackern; was ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht wahrgenommen hatte war, dass sich in dem Gesteck Käfige mit lebenden Hühnern befanden. Im Krater warteten bereits einige arme Menschen anderer Glaubensrichtungen, die sich auf die Opfergaben stürzten und mit Keschern flüchtende Hühner durch den Krater jagten: immer bedroht in den Schlot zu stürzen, in den Gasen zu ersticken, oder von einer plötzlichen Explosion erfasst zu werden. Den ganzen Vormittag pilgerten dann Hindus zum Krater und brachten ihre persönlichen Opfergaben dar.

Das neue Vulkanbuch von Martin Rietze und mir erzählt von den Mythen und Legenden der Vulkane. Der Bildband erscheint im Frühjahr 2012 im Terra Magica-Verlag.

Bildergalerie: Batu Tara auf Kombo Island vor Flores

Die Geonauten Thorsten Böckel, Martin Rietze, Chris Weber und Marc Szeglat bereisten den indonesischen Vulkan Batu Tara zwischen dem 17. und 19. August 2011.

Der Vulkan liegt auf der unbewohnten Insel Kombo Island vor der indonesischen Insel Flores. Er ist schwer zugänglich, was zum Teil daran liegt, dass der Vulkan für die Einheimischen tabu ist. Sie glauben, dass die Geister ihrer Ahnen dort wohnen und trauen sich nicht die Insel zu betreten. Zudem  erschweren die steilen Klippen der Küste ein Anlanden und die Besteigung des Vulkans ist ohne Hilfsmittel fast unmöglich. Folglich gibt es nur sehr wenige Berichte und Fotos von diesem einzigartigen Vulkan, der seit einigen Jahren periodisch strombolianisch aktiv ist. Die wenigen Berichte über den Batu Tara stammen meistens von Seglern, die die Insel passierten, oder von Überflügen. Gelegentliche Meldungen vom VAAC zufolge, kommen am Batu Tara immer wieder größere Ascheeruptionen vor. Die Ausbreitung der Aschewolken wird per Satellit überwacht, da sie unter Umständen eine Gefahr für den Flugverkehr darstellen könnten.

Zum Zeitpunkt unseres Besuches war der Batu Tara strombolianisch aktiv. Mehrmals in der Stunde brach er aus und Aschewolken stiegen einige Hundert Meter hoch auf. Nachts boten rotglühende Lavabomben, die zum Teil außerhalb des Kraters landeten und den Gipfel eindeckten, ein fantastisches Naturspektakel. Die Explosionen waren deutlich lauter, als die am Stromboli in Italien. Die Lavabomben flogen auch höher.  Viele Lavabomben rollten über die Feuerrutsche und landeten zischend im Meer. Ein großer Teil des Materials, das über die Feuerrutsche rollte, stammte von einem kurzen und zähen Lavastrom, der aus der Basis des Förderschlots quoll.

Wir dümpelten mit unserem gecharterten Boot nicht nur vor der Insel, sondern ließen uns auch absetzten. Das Anlanden gestaltete sich als abenteuerlich. Ale Beiboot fungierte ein wackliges Kanu und wir benutzten es nur um die Ausrüstung zu transportieren. Wir schwammen etwas seitlich der Feuerrutsche und gingen an einem schmalen Strand vor einer Klippe an Land. Dort verbrachten wir gut 24 Stunden. Die Bootsbesatzung wollte vor der anderen Inselseite fischen gehen; den Männern war der Anblick des feuerspeienden Vulkans zu unheimlich.

Ätna: 12. paroxysmaler Vulkanausbruch

Heute Morgen ereignete sich gegen 6.oo Uhr MESZ der 12. Paroxysmus am Ätna auf Sizilien. Dem Vulkanausbruch ging nur eine relativ kurze Aufwärmphase mit strombolianischen Eruptionen aus dem SE-2-Krater voran. Dieser wächst rapide und bildet einen großen Buckel im Osten der Hochebene Piano del Lago. Wenn es so weiter geht, wird der ehemalige Pitkrater bald größer sein als der eigentliche SE-Krater-Kegel und sich diesen einverleiben.

Dieser Paroxysmus war relativ kurzlebig, fand aber in der Morgendämmerung statt und präsentierte sich somit im besten Fotolicht. Lavafontänen schossen mehrere Hundert Meter hoch und Lavaströme flossen ins Valle del Bove.

Unwetter in Deutschland

Während sich die Ostküste der USA auf das Eintreffen von Hurrikan „Irene“ vorbereitet, wurde auch Deutschland von einer Serie besonders starker Gewitter heimgesucht. Nach Temperaturen bis zu 35 Grad erfolgt nun eine rapide Abkühlung. Gewitter mit Sturmböen und Starkregen begleiten den Temperatursturz.

Nach einem viel zu trockenen Frühling zeigte sich der Sommer verregnet, was fatale Folgen für die Landwirtschaft hat. Derzeit wird die Getreideernte eingefahren und Bauern beklagen einen Ertragsrückgang bis zu 30%. Das Wasser steht auf den Feldern und viele Erntemaschine versinken im Schlamm. Vielleicht sollte man dazu übergehen sich dem neuen subtorpischen Klima in Deutschland anzupassen und Reis anbauen!

Zusammenfassung vulkanischer Aktivität weltweit

In der Wochenzusammenfassung der vulkanischen Aktivität fallen einige gute Bekannte auf:

Puyehue-Cordon Caulle: der Vulkan in Chile ist immer noch aktiv. In den vergangenen Tagen förderte er eine 3,7 km hoch aufsteigende Aschewolke.

Sakura-jima: der daueraktive Vulkan in Japan hatte eine Serie stärkerer Eruptionen.

Katla: die Seismik unter dem subglazialen Vulkan ist in den letzten Tagen wieder besonders hoch.

Stromboli: zeigt erhöhte Seismik mit länger anhaltendem Tremor und stärkeren Explosionssignalen. Auf der Thermalcam sieht es so aus, als würde aus dem Hornito im Westteil des Kraters ein kurzer Lavastrom fließen.

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