Flughafen Keflavik gesperrt

Heute ist mein 4. Versuch den Eyjafjallajökull zu erreichen gescheitert! Der Flughafen Keflavik ist aufgrund hoher Aschekonzentration in der Luft gesperrt. Gestern erreichte die Aschwolke vom Eyjafjallajökull zeitweise eine Höhe von 9 km. Die Durchschnittshöhe betrug 6 km.

Eyjafjallajökull und kein Ende

Die Eruption auf Island geht weiter. Die Erdbebenserie gestern ereignete sich in einer Tiefe von 23 km und wird als Anzeichen interpretiert, dass neues Magma vom Erdmantel aus aufsteigt. Die Magmakammer befindet sich in einer Tiefe zwischen 3 und 4 km unter dem Gipfel des Vulkans. Seit einer Woche wird aber Deflation gemessen, was bedeutet, dass der Lava-Ausstoß größer ist, als der Nachschub.
Neben dem kontinuierlichen Ascheausstoß kommt es zu strombolianischen Eruptionen, die glühende Lavabomben fördern. Inzwischen ist fast der gesamte Gletscher mit Asche bedeckt, sodass von Schnee und Eis kaum noch etwas zu sehen ist.

Eruption am Eyjafjallajökull ist stabil

In den letzten Tagen hat es am Eyjafjallajökull keine signifikanten Änderungen gegeben. Der Tremor fluktuiert leicht auf hohem Niveau, der Lavausstoß ist gleich geblieben. Die Eruptionen konzentrieren sich auf den nördlichen Förderschlot. Dort wächst in der Eis-Depression ein neuer Schlackenkegel heran. Er hat 200 m Durchmesser und ist bereits 130 m hoch. GPS Messungen ergaben eine Abnahme der Hangneigung (Deflation). Dies gilt als Anzeichen dazu, dass sich die Magmakammer entleert und kein neues Material aus dem Erdmantel aufsteigt. Ein Ende des Ausbruches ist aber noch nicht in Sicht.
Für einen Ausbruch des Nachbarvulkans Katla gibt es derzeit keine geophysikalischen Anzeichen. Vulkanologen und Berichterstatter spekulierten in den Medien darüber, dass der Ausbruch des Eyjafjallajökulls eine Folgeeruption der Katla nach sich ziehen könnte. Grund für diese Annahme ist der Umstand, dass die letzten 3 Ausbrüche des Eyjafjallajökulls genau dies bewirkten. Allerdings folgte die Katla in einem Abstand von 6 – 18 Monaten.
Am NE-Rand des Vatnajökulls kommt es seit einigen Tagen zu vermehrten Erdbeben. Sie stehen in keinem direkten Zusammenhang mit dem Ausbruch am Eyjafjallajökull. Möglicherweise heizt dort ein anderer Vulkan auf. Die Beben finden nahe des Tafelberg-Vulkans Kistufell statt.
Unter dem größten Gletscher Europas befinden sich einige ander aktive Vulkane, die jederzeit ausbrechen können. Das Grimsvötn-Barabunga System brach zu Letzt im Jahr 2004 aus. Eine erneute Eruption in den nächsten Monaten scheint Wahrscheinlich.
Diese Vulkane liegen alle auf einem Störungssystem, das den Südosten Islands durchzieht. Ein weiterer bekannter Vulkan auf diesem Störungssystem ist die Laki-Spalte. Sie öffnete sich im Jahr 1783 auf einer Länge von 12 km. Schwefeldämpfe zogen bis nach Schottland und bewirkten eine Hungersnot in Folge von Missernten. Allein auf Island verhungerten 10.000 Menschen.

Tremor am Eyjafjallajökull leicht rückläufig

Heute hat der Tremor am Eyjafjallajökull ein wenig nachgelassen, ist derzeit aber stabil. Die Eruptionswolke erreicht eine Höhe von 2 -3 km. Da nun Ostwinde vorherrschen wird die Asche Richtung Keflavik geweht und der Flughafen ist gesperrt. Flüge wurden bis einschließlich Sonntag gecancelt (darunter auch mein Flug). einige Flüge werden über Akureyri ausgeführt.

Eruptionswolke am Eyjafjallalökull kleiner

Heute wurde gemeldet, dass die Eruptionswolke am Eyjafjallajökull kleiner geworden ist. Allerdings war der Tremor heute nachmittag höher als zuvor. Es könnte sein, dass sich die Magmenbewegung im Untergrund verstärkt hat. Die Stärke der Eruption fluktuierte bereits in den letzten Tagen phasenweise. Jederzeit kann es also wieder zu vermehrten Ascheausstoss kommen.

Neue Daten der isländischen Vulkanologen zum Eyjafjallajökull

Die isländischen Vulkanologen haben heute Abend eine umfassende Informationsschrift zur gegenwärtigen Eruption am Eyjafjallajökull veröffentlicht. Demnach wurde in der ersten Eruptionsphase (vom 20. März bis 12. April) an der Fimmvörduháls-Spalte Alkali-Olivin-Basalt mit einem SiO2 Gehalt von 47% gefördert

Nach einer kurzen Eruptionspause öffnete sich in der Gipfel-Caldera des gletscherbedeckten Vulkans eine Reihe neuer Krater. Dieses Ereignis wurde von einer seismischen Krise mit zahlreichen Erdbeben begleitet. Gegen 1 Uhr nachts setzte vulkanischer Tremor ein und um 7 Uhr floss Schmelzwasser vom Gletscher ab. Zwischen dem 14. und 16. April ereigneten sich mehrere Gletscherläufe (Jokulhlaup) und das Schmelzwasser überschwemmte die Küstenebene. Die Ringstrasse wurde mit Baggern durchbrochen, um den Wasserdruck auf die Brücken zu verringern. Es wurden ca. 800 Menschen evakuiert. Zahlreiche Viehweiden wurden vernichtet. Ascheniederschlag im Osten Islands gefährdet die Gesundheit der Anwohner und vernichtet ebenfalls Weideflächen.

Radarbilder zeigen eine 2 km lange Spalte unter dem Eis, die in Nord-Süd-Richtung verläuft. Entlang dieser Eruptionsspalte sind zahlreiche Förderschlote aktiv.

Die Stärke der Eruptionen fluktuiert. Die Eruptionswolke erreicht im Durchschnitt eine Höhe von 5 km. In Starkphasen steigt sie bis 8 km hoch auf.
Die Lava unterscheidet sich von der Lava, die in der ersten Phase gefördert wurde. Sie hat nun eine SiO2 Konzentration von 58% und entspricht damit einem Andesit. Die Änderung im Chemismus liegt vermutlich an der fraktionierten Kristallisation des ursprünglich basaltischen Magmas. Solche Magmen sind typisch für explosive Eruptionen dieser Art. Schmelzwasser kann zudem die Explosivität erhöhen.

Wie lange die Eruption dauern wird kann derzeit niemand mit Bestimmtheit sagen. Von Island sind Eruptionen bekannt, die mehrere Jahre dauerten. Ein Ausbruch des Nachbarvulkans Katla wird für möglich gehalten.

Wie sinnvoll ist die Sperrung des Luftraums über Deutschland?

Seit Tagen speit der isländische Vulkan Eyjafjallajökull eine Aschewolke aus pulverisiertem Lavagestein in die Luft. Die Wolke steigt bis zu 8 km hoch auf (im Durchschnitt sind es 5 km) und verteilt sich mit den Luftströmungen in südöstlicher Richtung. Wenige Stunden nach Eruptionsbeginn erreichte die Aschewolke Norwegen. Ein zweiter Arm der Ascheschleppe wurde Richtung Großbritannien geweht. Der Luftraum über Skandinavien und dem Nordatlantik wurde für den Flugverkehr gesperrt. Einen Tag später erreichte die Panik vor der Aschewolke auch Mitteleuropa und der Flugverkehr in Deutschland wurde ebenfalls eingestellt.
Aus der Vergangenheit gibt es einige Beispiele wo Flugzeuge in eine Aschewolke flogen und beinahe abgestürzt wären. Allerdings flogen die Maschinen in relativer Nähe zum Vulkan durch die Eruptionswolke, dort, wo die Aschekonzentration hoch ist und die Partikel noch die Größe von Sandkörnern haben.

Die Eruption auf Island ist derzeit nicht übermäßig stark, sondern ehr moderat. In Bezug auf ihre Explosivität und die Höhe der Aschesäule schätze ich sie derzeit auf einen VEI 3. Eruptionen dieser Stärke ereignen sich statistisch gesehen etwa einmal pro Jahr. Auch wenn die Aufnahmen des Ausbruches spektakulär sind, so gibt es aus der jüngsten Vergangenheit einige Eruptionen (Chaiten 2008, Soufriere Hills Februar 2010), bei denen die Asche wesentlich höher aufstieg. Bei großen Ausbrüchen steigt die Eruptionswolke bis in die Stratosphäre auf; Höhen von 12 km sind dabei keine Seltenheit, in einigen Fällen erreichen diese Eruptionswolken eine Höhe von 20 – 30 km mit einem vielfachen Volumen dessen, was die Eruption auf Island derzeit fördert. Eruptionen dieser Größenordnung dauern meistens zwar nur ein paar Stunden, oder Tage, ihre Asche verteilt sich in den hohen Luftschichten aber global und Schwefelaerosole können das Klima beeinflussen.
Die isländische Eruption scheint aber trotz ihrer vergleichsweisen geringen Explosivität viel Material zu fördern, was darauf zurück zu führen ist, dass nicht nur ein Krater aktiv ist, sondern gleich eine ganze Förderspalte mit einer Länge von 2 km aufgerissen ist. Aus zahlreichen Schloten entlang dieser Spalte steigt Lava auf.

Bisher führten selbst große Vulkanausbrüche nur zu einer lokalen Sperrung des Luftraumes und das oft nur für wenige Stunden. Eine Sperrung des Luftraumes ist sicherlich in Regionen sinnvoll, in denen die Aschewolke noch eine hohe Partikeldichte aufweist. Über Deutschland und dem restlichen Mitteleuropa ist das zur Zeit nicht der Fall. Die Aschepartikel sind sehr fein (ähnlich dem Feinstaub) und ihre Konzentration nicht sehr hoch. Es gibt Wettersituationen bei denen Sand aus der Sahara über Mitteleuropa geweht wird und sogar sichtbare Ablagerungen auf Autos hinterlässt. Warum wird in solchen Situationen der Flugverkehr nicht eingestellt?

Meine persönliche Einschätzung ist, dass hier übervorsichtig gehandelt wird, getreu dem Motto „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“. Allerdings, ein geringes Gefährdungspotential lässt sich nach jetzigem Wissensstand auch für den mitteleuropäischen Luftraum nicht ausschließen und solange die Auswirkung von Vulkanasche auf Flugzeuge nicht genauer erforscht ist, ist das Flugverbot zu rechtfertigen. Derzeit werden wohl einige Flugversuche unternommen, um festzustellen wie die Auswirkungen auf die Maschinen sind.

Vielleicht wäre es langfristig sinnvoll der Forschung mehr Gelder zur Verfügung zu stellen, um solche Fragen zu klären. Das Flugverbot kostet den Airlines täglich 200 Millionen Euro!

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