Gunung Agung: Eruption geht weiter

Der Vulkanausbruch am Gunung Agung geht weiter. Momentan ist der Vulkan wolkenverhangen und der Tremor geht gegen Null. Allerdings gab es im Laufe der letzten 12 Stunden 2 Phasen mit starken Tremor, die sehr wahrscheinlich mit einer Steigerung der eruptiven Tätigkeit einhergingen. Zudem wurden erste pyroklastische Ströme und Lahare generiert. Gestern Nachmittag wurde endlich wieder die höchste Alarmstufe “rot” ausgerufen. Der Flughafen von Denpasar blieb nicht länger verschont und musste wegen der Vulkanasche gesperrt werden. Fast 60.000 Passagiere saßen fest. Somit ist eingetroffen, was in den letzten 2 Monaten befürchtet und diskutiert wurde.
Der Vulkanausbruch ist (noch) vergleichsweise schwach und ich denke, dass die massiven Störungen nur relativ kurzweilig sind. Das kann sich in nächster Zeit aber ändern: Gunung Agung hat das Potenzial für einen wirklich großen Vulkanausbruch. So eine große Eruption kann sich manifestieren, muss es aber nicht.

Was ist Vulkanasche?

In vielen Medien wird kommuniziert, dass der Vulkanausbruch noch bevorsteht und “nur” Asche, oder Rauch gefördert wird. Das ist totaler Unsinn! Die Eruption ist seit Samstag im Gange. Vulkanasche ist nichts anderes als fragmentierte Lava. Diese ist als glutflüssige Schmelze (Magma) im Förderschlot aufgestiegen, dort abgekühlt und teilweise erstarrt. Das Gas in der Magma kann aufgrund der Zähigkeit des Magmas zunächst nicht entweichen, sammelt sich in Blasen an und entweicht dann in explosionsartigen Schüben. Dabei wird die Lava in feinste Teilchen zerfetzt (fragmentiert) und aus dem Schlot geblasen. Vulkanasche besteht also aus Lava und hat nichts mit dem Verbrennungsprodukt eines Feuers zu tun! Die Partikel der Vulkanasche haben die Größe von Staub, oder Sandkörnern und ist im Endeffekt genau das: feiner Lavasand! Sind die Körner so groß, dass sie kleine Steine bilden, spricht der Vulkanologe von Lapilli. Größere Brocken werden je nach Form als Schlacken, oder Lavabomben bezeichnet.

Wie groß kann der Vulkanausbruch auf Bali werden?

Unter dem Gunung Agung hat sich seit September ziemlich viel Magma angesammelt. Jetzt, wo das Fass einmal geöffnet ist, wird ein großer Teil des Magmas sehr wahrscheinlich auch eruptieren. Gunung Agung befindet sich in einer eruptiven Phasen. Diese kann Tage, Wochen, Monate, oder Jahre dauern. Bis der Druck abgebaut ist, kann es immer wieder zu einzelnen Eruptionen kommen. Wenn sie stark verlaufen, kann die Vulkanasche bis in die Stratosphäre (höher als 12 km) aufsteigen. Vulkanasche lagert sich dann in einem großen Gebiet ab. Solche Hochphasen dauern meistens nur wenige Stunden.

Welche Gefahren drohen am Gunung Agung?

Am meisten Sorge bereiten pyroklastische Ströme. Diese werden auch als PDC (pyroclastic density current = pyroklastischer Dichtestrom) bezeichnet. Diese Glutlawinen aus heißem Gas,  Vulkanasche und größeren Blöcken fließen den Vulkanhang hinab und können große Entfernungen zurück legen. Wer dort hinein gerät hat nur eine sehr geringe Überlebenschance. Ein pyroklastischer Strom kann durch den Kollaps einer großen Eruptionswolke entstehen, was derzeit am Gunung Agung am wahrscheinlichsten ist. Eine weitere Bedrohung stellen Lahare dar: Am Boden abgelagerte Vulkanasche wird durch Regenwasser mobilisiert und rast als Schlammlawine zu Tal. Diese suchen sich ihren weg meistens entlang von Bachläufen. Können aber weite Gebiete überfluten. Sie sind sehr schnell und tödlich! Daher sollte man Flusstäler und Flussmündungen meiden. wenn sich Vulkanasche auf Hausdächern ansammelt, können diese einstürzen. Dazu reicht unter Umständen eine wenige Zentimeter dicke Ascheschicht. Besonders bei Regen wird diese schwer wie Zement. Vulkanasche sollte man auch nicht einatmen, da sie die Lungen schädigt.

Viele Mitglieder unserer Facebookgruppe “volcanoes and volcanism” durchforsten die Medien und sammeln Links, Bilder, Videos und aktuelle Informationen. Ein Blick lohnt sich! Für Touristen im Vulkangebiet habe ich ein paar generelle Informationen zusammengetragen. Wer sich weitergehend mit den Gefahren (von) und Verhalten (während) Naturkatastrophen befassen möchte liest unter dem Link Naturkatastrophen mehr.

Gunung Agung: Alarmstufe rot für den Flugverkehr

Update 22.15 Uhr:

Die Aktivität am Gunung Agung hat sich im Laufe des Tages weiter gesteigert. Während der balinesischen Nacht hat die Höhe der Aschesäule dann etwas abgenommen und über dem Vulkan liegt ein roter Lichtschimmer. Jetzt zieht der Tremor deutlich an, mehr Magma steigt auf.

Vulkanologin Fabiola Johnston ist vor Ort und berichtete von heulenden Alarmsirenen die vor dem Abgang pyroklastischer Ströme warnen. Man fürchtet einen “blow” aus dem Kollaps der Eruptionswolke. Diese pyroklastischen Ströme können Entfernungen von mehr als 30 km zurücklegen! Jetzt wird es gefährlich am Gunung Agung. Die Alarmstufe wurde auf “rot” erhöht.

Originalmeldung:

Auf Bali gilt für den Flugverkehr nun die höchste Alarmstufe “rot”. Nach letzten Meldungen war der Flughafen Denpasar noch offen, dennoch fielen einige Flüge aus. Vor allem internationale Fluggesellschaften fliegen den Flughafen teilweise nicht mehr an. Der lokale Flugbetrieb scheint noch weiter zu gehen. Doch auch hier muss man nun jederzeit mit Beeinträchtigungen rechnen.

Der Vulkanausbruch des Gunung Agung geht weiter. Die Vulkanasche erreicht eine Höhe von 4 km über den Krater und steigt somit bis in einer Höhe von 7 km über NN auf. Die Sichtbedingungen sind schlecht und in einigen Ortschaften kam es zu Ascheniederschlag. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um andesitische Lava, die im Fördersystem fragmentiert wird, da sie das Gas nicht durchlässt. Solche Vulkanausbrüche neigen dazu stark explosiv zu verlaufen.

Wie geht es weiter am Gunung Agung?

Eine wirklich zuverlässige Prognose ist derzeit nicht möglich. Die Erfahrung zeigt, dass solche Eruptionen zum pulsieren neigen: es wechseln sich ruhigere Phasen mit stärkeren Ausbrüchen ab, wobei die Stärke der Eruptionen deutlich zunehmen kann. Es kann auch sein, dass die Eruptionen zwischendurch ganz pausieren. Ein Grund zur Entwarnung gibt es bei mehrtägigen Pausen nicht. Es ist ebenfalls möglich, dass die Eruption relativ konstant auf einem moderaten Niveau anhält und ihr Pulver verschießt. Wenn es eine on-off Eruption werden sollte, gehe ich davon aus, dass sie mehrere Wochen anhalten wird. Eine aktuelle Gefahr sind Lahare. Die Menge an abgelagerte Asche reicht in einigen Regionen bald aus, um die gefürchteten Schlammströme zu erzeugen, besonders jetzt in der Regenzeit. Flusstäler und Mündungen unbedingt meiden!

Ätna: Flughafen Catania geschlossen

Heute Morgen wurde der Flughafen Catania geschlossen, da Vulkanasche auf das Flugfeld niederregnete. Die Sperrung des Flughafens soll mindestens bis Mittags dauern. Flüge werden nach Palermo umgeleitet.

Der Flughafen muss in eruptiven Zeiten immer wieder geschlossen werden. Die Vulkanasche stellt eine Gefahr für die Flugzeuge dar. Vor einigen Jahren geriet ein Jet im Landeanflug in eine Aschewolke. In der Folge wurde die Cockpitscheibe gesandstrahlt und die Piloten mussten das Flugzeug blind landen.

Raung: weitere Flugbeeinträchtigungen

thermalsignal des Raung. © MODVOLCDer Vulkan im Osten Javas eruptiert weiterhin Vulkanasche. Gestern kam es wieder zu Beeinträchtigungen des Flugverkehrs auf Bali und zahlreiche Flüge fielen aus, oder hatten Verspätung. Heute eruptierte der Vulkan eine 5,5 km hohe Aschewolke, die in südöstlicher Richtung driftete. Wieder könnte der Flugverkehr auf Bali in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

Auf Bildern des Thermalsatelliten MODIS sind in den letzten Tagen deutliche thermische Signale zu erkennen. Es wird wahrscheinlich nicht nur Vulkanasche ausgeworfen, sondern auch glühende Tephra und Lavaströme eruptiert.

Aschewolke behindert Flugverkehr über Japan

Am Mittwoch kam es zu weiteren Vulkanausbrüchen am Shinmoe-dake des Kirishima-Vulkankomplexes. Aschewolken stiegen mehrere Kilometer hoch und behinderten so den Flugverkehr über Japan. Es wurden einige Flüge des Flughafens Tokyo gestrichen.

Der Shinmoe-dake war vergangene Woche nach 52 Jahren Ruhe ausgebrochen. 1967 war der Vulkan Kulisse für einen James Bond Film.

Vulkan Bromo legt Flugverkehr lahm

Der javanesische Vulkan Bromo hat eine Aschewolke ausgespieen, die auf der Nachbarinsel Bali den Flugverkehr nach Australien lahmlegte. Aschepartikel erreichten eine Höhe von 6 km und drifteten ca. 370 km ostwärts.

Der Vulkanausbruch in der Tengger-Caldera hält bereits seit November an. Die Stärke der Eruptionen variiert. Meistens sind die Explosionen relativ schwach, doch der Ascheausstoß über diesen langen Zeitraum wird zunehmend zu einem Problem für die Region.

Erdbebenserie unterm Eyjafjallajökull

Heute Vormittag ereignete sich eine neue Erdbebenserie unter dem Eyjafjallajökull. Ein Erdbebencluster konzentriert sich dabei am Fuße des Vulkans bei Thorsmörk!
Gestern erreichte die Aschewolke zeitweise eine Höhe von 9 km und mehr als 50 Blitze wurden registriert. 10 Blitze alleine zwischen 5 und Uhr morgens. Derweil rückt die Mittsommernacht immer näher und es wird bereits jetzt nicht mehr richtig dunkel, was langzeitbelichtete Fotografien unmöglich macht.
Erstmals ging die Asche im Südwesten Islands nieder. In Selfoss und Reykjavik wurde ashfallout registriert. In Vik wurde zu einer Säuberungskampagne aufgerufen und der Asche den Kampf angesagt.
Tierärzte warnen die Farmer mittlerweile vor schädlichen Wirkungen des Ascheregens auf ihr Vieh. Schafe sollten im Stall gehalten werden. Die hohe Konzentration von Flour könnte den Tieren schaden.
Asche ging auch in Keflavik nieder und der Flughafen wurde gesperrt. Natürlich fiel auch mein Flug mal wieder aus!
Vulkanische Gewitter entstehen für gewöhnlich nur bei größeren vulcanischen, oder plinianischen Ascheeruptionen. Gelegentlich werden sie auch bei strombolianischen Eruptionen wie am Krakatau, oder Sakura-jima beobachtet. Dabei zählen die, weitestgehend unerforschten Naturphänomene, zu den spektakulärsten Begleiterscheinungen des Vulkanismus. Schon Plinius der Jüngere schilderte vulkanische Gewitter im Zusammenhang der mit Vesuv-Eruption im Jahre 79 n.Chr. In seinem Brief an den Historiker Tactius schreib er: „Drohend türmte sich eine grässliche schwarze Wolke, durchzuckt von Feuerstrahlen wand sie sich schlangengleich und schleuderte dann plötzlich hohe Flammengarben empor, gewaltiger als Blitze”.
Während wirklich starker vulkanischer Gewitter können sich durchaus mehrere Tausend Entladungen pro Stunde ereignen. Bei der Eruption des Chaiten im Mai 2008 gingen dramatische Bilder einer von Blitzen durchzuckten Eruptionswolke durch die Medien. Ein ähnlich schönes Schauspiel dürfte sich nun am Eyjafjallajökull zutragen. Die Anzahl der Blitze wird mit einem elektronischen Detektor ermittelt.

Wie sinnvoll ist die Sperrung des Luftraums über Deutschland?

Seit Tagen speit der isländische Vulkan Eyjafjallajökull eine Aschewolke aus pulverisiertem Lavagestein in die Luft. Die Wolke steigt bis zu 8 km hoch auf (im Durchschnitt sind es 5 km) und verteilt sich mit den Luftströmungen in südöstlicher Richtung. Wenige Stunden nach Eruptionsbeginn erreichte die Aschewolke Norwegen. Ein zweiter Arm der Ascheschleppe wurde Richtung Großbritannien geweht. Der Luftraum über Skandinavien und dem Nordatlantik wurde für den Flugverkehr gesperrt. Einen Tag später erreichte die Panik vor der Aschewolke auch Mitteleuropa und der Flugverkehr in Deutschland wurde ebenfalls eingestellt.
Aus der Vergangenheit gibt es einige Beispiele wo Flugzeuge in eine Aschewolke flogen und beinahe abgestürzt wären. Allerdings flogen die Maschinen in relativer Nähe zum Vulkan durch die Eruptionswolke, dort, wo die Aschekonzentration hoch ist und die Partikel noch die Größe von Sandkörnern haben.

Die Eruption auf Island ist derzeit nicht übermäßig stark, sondern ehr moderat. In Bezug auf ihre Explosivität und die Höhe der Aschesäule schätze ich sie derzeit auf einen VEI 3. Eruptionen dieser Stärke ereignen sich statistisch gesehen etwa einmal pro Jahr. Auch wenn die Aufnahmen des Ausbruches spektakulär sind, so gibt es aus der jüngsten Vergangenheit einige Eruptionen (Chaiten 2008, Soufriere Hills Februar 2010), bei denen die Asche wesentlich höher aufstieg. Bei großen Ausbrüchen steigt die Eruptionswolke bis in die Stratosphäre auf; Höhen von 12 km sind dabei keine Seltenheit, in einigen Fällen erreichen diese Eruptionswolken eine Höhe von 20 – 30 km mit einem vielfachen Volumen dessen, was die Eruption auf Island derzeit fördert. Eruptionen dieser Größenordnung dauern meistens zwar nur ein paar Stunden, oder Tage, ihre Asche verteilt sich in den hohen Luftschichten aber global und Schwefelaerosole können das Klima beeinflussen.
Die isländische Eruption scheint aber trotz ihrer vergleichsweisen geringen Explosivität viel Material zu fördern, was darauf zurück zu führen ist, dass nicht nur ein Krater aktiv ist, sondern gleich eine ganze Förderspalte mit einer Länge von 2 km aufgerissen ist. Aus zahlreichen Schloten entlang dieser Spalte steigt Lava auf.

Bisher führten selbst große Vulkanausbrüche nur zu einer lokalen Sperrung des Luftraumes und das oft nur für wenige Stunden. Eine Sperrung des Luftraumes ist sicherlich in Regionen sinnvoll, in denen die Aschewolke noch eine hohe Partikeldichte aufweist. Über Deutschland und dem restlichen Mitteleuropa ist das zur Zeit nicht der Fall. Die Aschepartikel sind sehr fein (ähnlich dem Feinstaub) und ihre Konzentration nicht sehr hoch. Es gibt Wettersituationen bei denen Sand aus der Sahara über Mitteleuropa geweht wird und sogar sichtbare Ablagerungen auf Autos hinterlässt. Warum wird in solchen Situationen der Flugverkehr nicht eingestellt?

Meine persönliche Einschätzung ist, dass hier übervorsichtig gehandelt wird, getreu dem Motto „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“. Allerdings, ein geringes Gefährdungspotential lässt sich nach jetzigem Wissensstand auch für den mitteleuropäischen Luftraum nicht ausschließen und solange die Auswirkung von Vulkanasche auf Flugzeuge nicht genauer erforscht ist, ist das Flugverbot zu rechtfertigen. Derzeit werden wohl einige Flugversuche unternommen, um festzustellen wie die Auswirkungen auf die Maschinen sind.

Vielleicht wäre es langfristig sinnvoll der Forschung mehr Gelder zur Verfügung zu stellen, um solche Fragen zu klären. Das Flugverbot kostet den Airlines täglich 200 Millionen Euro!