Herdubreid: Schwarmbeben

Unter dem isländischen Tafelberg-Vulkan Herdubreid manifestiert sich ein starkes Schwarmbeben. In den letzten 48 Stunden wurden 205 Einzelbeben registriert. 2 der Erdbeben brachten es auf Magnituden größer als 3. Die Tiefe der Erdbeben variiert, liegt im Durchschnitt bei ca. 5 km. 

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Erdbeben in Zusammenhang mit dem Aufstieg von Magma stehen. Ob- und wann es zu einem Vulkanausbruch kommen könnte ist derzeit noch völlig offen. Im Falle der letzten Eruptionen auf Island dauerten solche Schwarmbeben mehrere Wochen an, bevor es zu einem Ausbruch kam. 

Ätna: Schwarmbeben unter der Südflanke

Update 31.01.2017: In der Nacht lebten die strombolianischen Eruptionen aus dem Sattelvent im Neuen Südostkrater wieder auf. Zudem stimmt auch mindestens 1 Schlot in der Bocca Nuova mit ein und eruptierte Vulkanasche. Aus einem weiteren Schlot war Rotglut zu sehen. Heute Morgen scheint die Aktivität wieder abgenommen zu haben. Allerdings sieht man auf der Thermalcam des INGV eine heiße Fumarole am Neuen Südostkrater. Mirova registriert eine thermsiche Strahlung von 19 MW. Diese wird recht kontinuierlich aufgezeichnet und deutet darauf hin, dass das Magma hoch im Fördersystem steht.

Update: Das INGV Catania veröffentlichte soeben einen ersten Bericht zum Schwarmbeben. Dort ist von ca. 60 Einzelbeben die Rede. Bei den meisten dieser Beben handelt es sich um Mikrobeben, die auf der allgemein zugänglichen Seismik nicht dargestellt werden.

Originalmeldung: Heute Vormittag manifestierte sich ein Schwarmbeben unter der Südflanke des Ätnas. Es wurden bisher 8 Erdbeben mit Magnituden größer als 2 registriert. 5 davon brachten es auf Magnituden im 3er Bereich. Das Stärkste hatte eine Magnitude von 3,5. Die Beben lagen in Tiefen zwischen 12 und 14 km bei „Casa Milia“ an der westlichen Umrundungsstraße, einige Kilometer oberhalb von Nicolosi. Laut Dr. Boris Behncke sind diese Erdbebenschwärme in der Vergangenheit typisch gewesen, wenn sich größere Mengen Magma auf den Weg machten. Diese Aussage deckt sich mit meiner Vermutung von letzter Woche, im Zusammenhang mit dem tiefer gelegenen Schwarmbeben im Norden des Vulkans.

Wir haben nun 3 Indizien dafür, dass sich mittelfristig sogar eine Flankeneruption ereignen könnte:

  • Seismik entlang der Pernicana-Störung
  • Tiefe Schwarmbeben unter der Nordflanke
  • Einen Erdbebenschwarm in mittlerer Tiefe im Süden.

Natürlich lässt sich zu diesem Zeitpunkt nicht mit Sicherheit sagen, dass eine Flankeneruption resultieren wird, aber zumindest eine neue Serie mit Paroxysmen scheint mir in den nächsten Wochen, oder Monaten immer wahrscheinlicher zu werden. Wobei nicht auszuschließen ist, dass es erst einige Paroxysmen geben wird und dann eine Flankeneruption folgt, so wie es 2001 der Fall war. Doch das ist rein spekulativ.

Katla: neues Schwarmbeben

Update: unter der Katla manifestierte sich ein weiterer Erdbebenschwarm. Die stärkste Erschütterung brachte es auf M 3,0.

Originalmeldung: Unter dem isländischen Gletschervulkan Katla kam es heute Morgen zu einem Erdbebenschwarm. Es wurden in den letzten 48 Stunden 26 Einzelbeben registriert. Die Hypozentren liegen zwischen o,1 km und 7 km Tiefe. Rein eisbedingte Erdbebewegungen erscheinen somit unwahrscheinlich.

Die isländischen Vulkanologen rechnen bereits seit mehreren Jahren mit einem baldigen Ausbruch des Vulkans. Wann dieser tatsächlich kommt kann derzeit niemand vorhersagen.

Dank an Daniel für den Hinweis.

Schwarmbeben und Erdbebenschwärme

Ein Schwarmbeben (oder Erdbebenschwarm) tritt auf, wenn in einer relativ kurzen Zeit viele Erdbeben an einer Stelle aufeinander folgen. Die Erdbeben liegen meisten in einem ähnlichen Magnitudenbereich und stehen nicht im Zusammenhang mit einem einzelnen starken Erdbeben. Somit unterscheiden sich deutlich von Nachbeben. Ein Schwarmbeben kann Minuten, Stunden, oder Tage andauern. Selten halten sie länger als 1 Jahr an. Häufig kommt es zu Serien von Schwarmbeben.

Typisch für Schwarmbeben ist ein langsames Ansteigen und Abklingen der Erdbeben-Tätigkeit. Die Magnituden der Schwarmbeben unterscheiden sich nur wenig, daher kann nicht in Vor-, Haupt- und Nachbeben unterschieden werden.

Trotz dieser Definition können in einem Schwarmbeben vereinzelt stärkere Erdbeben vorkommen. Ihre Magnituden liegen dabei selten höher als 4.

Erdbebenschwärme sind bezeichnend für Regionen mit aktiven Magmatismus oder Vulkanismus. Aufsteigende Fluide (Tiefenwasser, Gase, Magma) bahnen sich ihren Weg durch das Gestein und lösen so Erschütterungen aus. Typisch hierfür sind sich stetig verringernde Tiefen der Hypozentren. Massiv auftretende Schwarmbeben können auf einen baldigen Vulkanausbruch hindeuten. Oft treten sie in großen Calderavulkanen mit einem Hydrothermalsystem auf.

Schwarmbeben im Cheb-Becken. © Universität Leipzig

Eine Region für die das Auftreten von Schwarmbeben typisch ist, ist das Cheb Becken im Grenzgebiet zur Tschechien. In dieser Region dringt ein großer Magmenkörper in die Erdkruste ein. Dort wurde auch der Begriff Erdbebenschwarm geprägt: 1899 beschrieb Josef Knet das Auftreten von mehr als 100 wahrnehmbarer Erdbeben, die sich bereits 1824 innerhalb von 5 Wochen ereignet hatten, in einem Aufsatz. Typischerweise sind die meisten Schwarmbeben so schwach, dass man sie nur mit Hilfe von Seismometern registrieren kann. Solch schwache Erdbeben bezeichnet man als Mikrobeben. Selbst in der jüngsten Vergangenheit wurden von der Uni Leipzig Erdbebenschwärme im Cheb Becken registriert.

Eine für ihre Schwarmbeben bekannte Region ist die Long-Valley Caldera im US-Bundesstaat Kalifornien. Im Mai 1980 begann eine Phase mit zahlreichen Erdbebenschwärmen. Diese wurden von einer starken Aufwölbung des Bodens begleitet. Die bisher jüngste Episode mit Schwarmbeben manifestierte sich im November 2016.

Ein weiterer Calderavulkan bei dem in jüngster Vergangenheit Erdbebenschwärme registriert wurden ist die Campi Flegrei bei Neapel. Dort kommt es zudem zum Phänomen des Bradyseismos. Der Boden hebt und senkt sich Phasenweise bis zu 3 m. Dabei treten zahlreiche Erdbebenschwärme auf.

(Quellen: WIKIPEDIA, Uni Leipzig, GFZ, Stand 2017)

Island: Schwarmbeben

In den letzten 24 Stunden gab es an 3 Locations auf Island Schwarmbeben: Bardabunga, Katla und Hrómundartindi (Reykjanes Halbinsel). Das stärkste Beben eines jeden Schwarmbebens brachte es auf eine Magnitude zwischen 3 und 4. Die größte Anzahl an Erdbeben manifestierte sich unter Hrómundartindi. Dort wurden bisher 100 Beben registriert. Die Tiefe der Beben liegt bei ca. 5,5 km.

Schwarmbeben stehen oft im Zusammenhang mit der Intrusion von Magma: wenn es in der Erdkruste aufsteigt bahnt es sich einen Weg durch das Gestein, welches zerbricht. Dabei werden schwache Erdstöße erzeugt.

 

Kilauea: Kollaps des Lavadeltas

Am Kilauea auf Hawaii kam es zu einem Kollaps des neuen Lavadeltas am „ocean entry“. Der Kollaps wurde von starken litoralen Eruptionen begleitet, bei denen Lavafragmente bis zur eigentlichen Küstenlinie geschleudert wurden. Zudem brach auch eine Lavaklippe am offiziellen Aussichtspunkt ab. Dieser war bereits gesperrt, trotzdem hielten sich kurz vor dem Kollaps 5 Beobachter dort auf. Sie wären um ein Haar ums Leben gekommen. Ranger berichten von weiteren Rissbildungen entlang der Küste. Diese bleibt bis auf Weiteres für Besucher gesperrt!

Ein Schwarmbeben manifestiert sich im US-Bundesstaat Kalifornien, genauer unter der Gemeinde Brawley. Der Ort liegt über der Brawley Seismic Zone und ist bekannt für seine Schwarmbeben. Hier geht die auslaufende San Andreas Störung in die Imperial Störungszone über, welche Teil eines aktiven Rifts ist. In der Region gibt es einen erloschenen Vulkan der im Miozän aktiv war. Heute noch ist der thermische Gradient im Untergrund erhöht und es scheint aktiven Magmatismus zu geben, wie heiße Quellen und ein Geothermie-Kraftwerk vermuten lassen.

Derzeit scheint es in ziemlich vielen US-Amerikanischen Gegenden mit Magmatismus im Untergrund Schwarmbeben zu geben!

Katla: Schwarmbeben

Starkes Schwarmbeben unter der Katla.Update 19.00 Uhr (30.09.16): IMO erhöhte die Alarmstufe auf „gelb“, obwohl nach wie vor weder Tremor, noch Inflation registriert wurden. Die Zahl der Beben steigerte sich auf 352. In den letzten Stunden ist die Bebenhäufigkeit ein wenig rückläufig.

Update 30.09.16: Heute Nacht ereigneten sich weitere Erdbeben. 4 Beben hatten Magnituden zwischen 3 und 4.  Insgesamt waren es in den letzten 48 h 257 Beben. IMO hat noch kein offizielles Statement gegeben, sobald ich mehr weiß teile ich es Euch mit.

Originalmeldung: Gerade findet unter der Katla ein starkes Schwarmbeben statt: in den letzten Stunden ereigneten sich 105 Einzelbeben, deren Hypozentren in weniger als 1 km Tiefe liegen sollen. Für aufsteigendes Magma ist diese Tiefe zu gering, da müsste sich bereits eine Spalte bilden, oder Eisverschiebungen statt finden. Hält die seismischen Aktivität in den nächsten Tagen an, wächst die Wahrscheinlichkeit für einen baldigen subglazialen Ausbruch!

Island: zahlreiche Beben

Zahlreiche Erdbeben manifestieren sich auf Island. © IMOAuf Island ereigneten sich in den letzten 48 Stunden zahlreiche Erdbeben. 8 hatten Magnituden zwischen 3 und 4. Unter dem Bardarbunga manifestierten sich 3 dieser Beben. Sie sind sehr wahrscheinlich mit dem Absinken bzw. Kollabieren des Calderadaches assoziiert. Dieser Prozess hält seit der Eruption im letzten Jahr an. Für die Wissenschaftler eine seltene Gelegenheit diesen Prozess vor Ort zu beobachten. 

Die Beben im Norden Islands gehen wahrscheinlich mit einer Magmaintrusion an der Tjörnes-fracture-zone einher. Solche Ereignisse sind dort öfters zu verzeichnen. 

Bardarbunga: Schwarmbeben

Schwarmbeben Bardarbunga. © IMOGestern wurde der isländische Gletschervulkan Bardarbung von einem Schwarmbeben erschüttert. Das stärkste Einzelbeben hatte eine Magnitude von 4. Zwei weitere Beben brachten es auf M 3,2. das Hypozentrum lag im Nordnordosten der Caldera in 5,4 km Tiefe. IMO sieht keine sonstigen Anzeichen für eine bevorstehende Eruption.

2 andere Vulkane auf Island bereiten den Vulkanologen mehr Sorgen: Hekla und Katla. Letzterer Vulkan zeigte in der vergangenen Woche erhöhte Seismik. Von der Hekla erwartet man schon seit 2 Jahren eine Eruption, die aber einfach nicht kommen will!

Island: erhöhte Seismik

Schwarmbeben auf Island. © IMODurch Island zieht derzeit eine Welle schwacher Erdbeben, von der viele Vulkanregionen entlang des NE-SW streichenden Störungssystems betroffen sind. Die Beben beginnen am Reykjanes ridge, ziehen durch Hekla und Katla, gehen weiter zu Grimsvötn und Bardarbunga, um dann über den Herdubreid in der Tjörnes fracture zone zu enden. Diese Beben mit Magnituden kleiner 3 sind sehr wahrscheinlich tektonischen Ursprungs und mit 2 stärkeren Beben assoziiert, die sich weit südwestlich vor Island ereignet haben: diese Beben brachten es auf M 4,9 und 4,5 und lagen in 10 km Tiefe.

Derweilen geistert das Schreckgespenst „Hekla“ durch die Medien. Es ist richtig, dass ein Vulkanausbruch dort überfällig ist und jederzeit einer stattfinden kann. Dass muss aber nicht heißen, das der Ausbruch unmittelbar bevorsteht. Die Stärke der Eruption lässt sich auch nicht vorhersagen und es ist unklar, ob es wieder zu Flugausfällen in Europa kommen wird, wie 2010 bei dem Eyjafjallajökull-Ausbruch.