Uturuncu: neuer Supervulkan in Bolivien?

Gestern veröffentlichte der Spiegel einen Bericht über den Vulkan Uturuncu, in dem gemutmaßt wurde, dass es sich bei dem Uturuncu um einen Supervulkan handeln könnte. Anlass zu diesen Spekulationen liefert eine Studie der US-Amerikanischen Cornell University. Das Team um Jennifer Jay führte Untersuchungen an diesem Vulkan durch und verzeichnete neben Tausenden Erderschütterungen eine Aufblähung des Bodens auf einer Fläche die 10 Mal so groß wie der Bodensee ist. Der Boden hebt sich hier mit einer Rate von 1 – 2 cm pro Jahr und das seit 20 Jahren. Verschiedene Autoren vermuten eine gigantische Magmakammer, die sich in 15 – 20 km Tiefe befinden soll. Pro Sekunde strömen 1000 Liter Magma nach. So sammelt sich im Untergrund genug Magma an um eine Supervulkan-Eruption zu verursachen, sollte sich das Magma in einer einzigen Eruption entladen.

Die letzte Eruption des Uturuncu ereignete sich vor ca. 270.000 Jahren. In der Nähe des Vulkans befinden sich einige Calderen, die von großen Vulkanausbrüchen zeugen. Für Supervulkane wie Yellowstone, Toba und Taupo sind lange Ruhephasen typisch, allerdings ist bisher nicht bekannt dass sich in der Vergangenheit in Bolivien eine vergleichbare Eruption zugetragen hat.

Die Wissenschaftler bezeichnen die Bodendeformation am Uturuncu bisher nur als Magmatismus, bzw. Plutonismus und sprechen nicht von einem bevorstehenden Vulkanausbruch. Das Magma kann auch im Untergrund stecken bleiben und einen neuen Pluton bilden. Solche (meist granitische) Intrusionen sind aus zahlreichen Orogenen der Welt bekannt, u.a. auch aus den Alpen. Diese sind allerdings normalerweise deutlich kleiner und lokal begrenzte Phänomene. Ich persönlich kenne nur die Granitintusionen der Baja California, die sich ebenfalls über ein sehr großes Areal erstrecken.

Will man besonders skeptisch sein, dann ist es nicht einmal 100% sicher, dass die Aufwölbung unter dem Uturuncu tatsächlich von Magma verursacht wird; nach den bisher veröffentlichten Daten kann man genaugenommen nur von Fluidbewegungen im Untergrund sprechen. Hier wären auch Tiefenwässer eine denkbare Alternative. Diese könnten an der Subduktionszone im Pazifik vor Chile mit der abtauchenden pazifischen Platte in den Untergrund gelangen und an dem Andenvulkan aufsteigen. Eine ähnliche Erklärung wurde nach jahrelangen Spekulationen um die Ursache des Bradyseismos bei Pozzuoli gefunden. Dort hebte und senkte sich in den 1980iger Jahren der Boden um 2 Meter. Pozzuoli liegt im Gebiet der Phlegräischen Felder, die auch unter Verdacht stehen eine Supervulkan-Eruption verursachen zu können, diese Spekulationen wurden allerdings ebenfalls durch Medienberichte geschürt.

Solange keine weiteren Indizien für einen bevorstehenden Vulkanausbruch sprechen, bin ich persönlich vorsichtig mit Vorhersagen und Spekulationen, ob am Uturuncu tatsächlich eine Supervulkan-Eruption droht. Die Bodendeformation könnte in einer solchen enden, ob und wann das Ereignis eintreten wird ist allerdings ungewiss.

Die Folgen einer Supervulkan-Eruption wären indes globalen Maßstabes mit folgenschweren Auswirkungen auf das Klima. Die Vulkanasche würde langfristig eine Gefährdung für den Flugverkehr darstellen und auch Luftfilter von Fahrzeugen, Klimaanlagen und Lüftungen (Rechenzentren) verstopfen. Unsere Zivilisation wäre gezwungen sich nachhaltig zu verändern. Doch das sind Spekulationen, bleibt abzuwarten mit welchen neuen Veröffentlichungen uns die Wissenschaftler in den nächsten Wochen überraschen.

8 Kommentare zu „Uturuncu: neuer Supervulkan in Bolivien?

    • Nein, das war auf Pozzuoli und die Campi Flegrei bei Neapel bezogen. Dort hob und senkte sich die Küste in den 1980iger Jahren um 2 Meter. Dieser Effekt wiederholt sich immer wieder, zu Zeiten der Römer betrug der Höhenunterschied sogar 4 Meter. Ich denke man muss die regionale Tektonik berücksichtigen; dort gibt es zahlreiche Störungszonen an denen sich einzelne Gesteinspakete bewegen können. Daher möglicherweise die hohe Hebungsrate an einem Küstenabschnitt, während in Bolivien eine eher flache Beule entsteht. Ich sage auch nicht, dass es kein Magma sein kann, nur andere Möglichkeiten würde ich nach bisherigen Wissensstand nicht völlig ausschließen. Im Cheb-Becken sind sich die Vulkanologen sicher, dass es Magma ist, was in den Untergrund eindringt, da sie Gasproben analysiert haben und Sauerstoff-Isotopenverhältnisse darauf hindeuten, dass die Gase magmatischen Ursprungs sind. Solche Untersuchungsergebnisse stehen vom Uturuncu noch aus. Bodendeformation und Seismik sind Indizien, aber noch keine hinreichenden Beweise dafür, dass es sich bei dem Fluid um Magma handelt. Mal gucken was kommt, habe Jennifer Jay angemailt, vielleicht meldet sie sich mit neuen Informationen.

  1. Die Radardaten sprechen gegen hydrothermale Aktivität. Da hebt sich nicht ein einzelnes Örtchen am Mittelmeer, sondern ein riesiges Gebiet.

  2. „“nach den bisher veröffentlichten Daten kann man genaugenommen nur von Fluidbewegungen im Untergrund sprechen. Hier wären auch Tiefenwässer eine denkbare Alternative. „“

    darauf tippe ich eher…wenn man sich die weitere umgebung ansieht und dabei die grossen salzseen/saltwüsten beachtet, denke ich auch eher an hydrothermale aktivitäten.
    hab mir die beben der letzten jahre für die gegend in google earth geladen und da war keines über 150-300km.

    mfg..Bernd

  3. Die Phlegräischen Felder hatten nachweislich schon einmal eine große Eruption vor 39000 Jahren, zu lesen hier im Steckbrief, und so etwas könnte sich dann wohl irgendwann wiederholen. Auch wenn das Volumen nicht einem Superausbruch entsprach, wäre es für Europa sicher schon sehr heftig und würde das Klima auf der Erde für einige Zeit verändern. Hat diese Explorationsbohrung, von der da die Rede ist 2010 eigentlich stattgefunden und was hat sie ergeben?

    Gruß Hella

    • Hi Hella,

      ja, die Phlegräischen Felder sind potentiell gefährlich, auch wenn die Gefahr durch Medienberichte hochgepusht wird. Wir Menschen neigen dazu geologische Zeiträume in unserer Vorstellung schrumpfen zu lassen. Es kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass zu unserer Lebzeiten ein Supervulkan-Ausbruch stattfinden wird, doch die Chance dazu ist ähnlich hoch wie ein Hauptgewinn beim Glückspiel.
      Soweit ich weiß wurde die Bohrung immer wieder verschoben, auch weil die Bevölkerung angst davor hat. Finde ich ziemlich skurril, wenn man bedenkt, dass die selbst am Kraterrand der Solfatara Häuser bauen… die Bohrung soll wohl dieses Jahr starten.

      Grüße, Marc

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