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    • #183 Antworten
      Marc Szeglat
      Verwalter

      Dieser Tage gehen Berichte durch die Medien, die verdeutlichen, wie teuer die angestrebte Energiewende in Deutschland ist. Ein Großteil des Ökostroms verpufft ungenutzt, da die Netze zum Transport des Ökostroms fehlen. ich möchte wissen, was ihr davon haltet.

    • #184 Antworten
      Gerrit Güldenhaupt
      Gast

      Die Energiewende muss einfach so schnell wie möglich vollzogen werden. Klar fallen dadurch gerade in der kohleindustrie Arbeitsplätze weg. Aber ganz ehrlich, das war doch schon immer so. Etwas neues kommt und löst etwas altes ab. Und soweit ich richtig liege, schaffen die erneuerbaren Energien mehr Arbeitsplätze, als durch die Abschaffung der Kohleverstromung wegfallen.

      Es ist jetzt an der Regierung Genehmigungsverfahren zum Ausbau der Infrastruktur für erneuerbare Energien DEUTLICH zu beschleunigen. Es kann doch nicht sein das ich für Strom zahle, der zwar aus Windkraft erzeugt werden könnte aber der nie bei mir ankommt weil der Ausbau der Infrastruktur nahezu stagniert.

    • #185 Antworten
      Stefan Förster
      Gast

      Hallo,
      ich bin ein wenig vom Fach, wenn es um die „Energiewende“ geht.
      Ein paar Dinge möchte ich richtig stellen:
      – Strom, der erzeugt wird, wird auch verbraucht.“Verpuffen“ tut nix.
      – richtig ist, dass die Netzbetreiber Erzeugungsanlagen abschalten dürfen, wenn zuviel Strom im Netz ist. Da ein Kohlekraftwerk nicht innerhalb von Stunden herunterfahren kann, schaltet man eben Windräder oder Solarparks aus. Damit die Sache für die Windkraftbetreiber kalkulierbar bleibt, bekommen sie den nicht produzierten Strom trotzdem bezahlt. Niemand würde ein Windrad finanzieren, wenn der Ertrag nicht halbwegs kalkulierbar wäre. Die natürlichen Schwankungen sind da eh schon ein gewisses Risiko.
      – Insgesamt passiert das aber recht selten, etwa bei Sturm bundesweit und gleichzeitig Feiertag ( geringer Verbrauch ) Je nach Gegend drei- bis fünfmal jährlich für wenige Stunden.
      Übrigens bekommen die Betreiber von Windrädern zwischen 5 und 8 Cent für eine kWh.
      Auch ich zahle zuhause mittlerweile 28 Cent. Allein der Staat verdient kräftig mit durch die MWSt. von 19%. Die Netzbetreiber langen ebenfalls kräftig zu.
      Vordergründig ist Kohlestrom in der Erzeugung billig, jedoch sind da nicht die Kosten eingerechnet, die die Allgemeinheit über die Nebenwirkungen wie Luftverschmutzung, Klimaveränderung, Tagebau- Rückbaukosten usw. trägt. So emittiert jedes Braunkohlekraftwerk allein hunderte kg hochgiftiges Quecksilber im Jahr.(s. Wikipedia) Die wenigsten bringen aber Krankenkassenbeiträge mit Stromerzeugung in Verbindung.
      Wenn in letzter Zeit die Kosten der „Energiewende“ öfter thematisiert werden, so muss ich mich fragen, wer das Interresse an dieser Diskussion hat und was dahinter steckt.
      Wer rechnet denn mal aus, was es kosten wird, wenn wir so weitermachen wie bisher?
      Die Trockenheit dieses Jahr war ja auch nicht billig. Landwirte, Chemiewerke, Heizölkäufer, Binnenschiffer, Forstwirte…
      Und das Thema Kernkraft sollten wir, wenn überhaupt, erst diskutieren, wenn die Endlagerfrage gelöst ist und die Jungs in Fukushima die Gegend wieder bewohnbar gemacht haben.

    • #186 Antworten
      Friedrich
      Gast

      Solange die vier Groß(energie)konzerne noch bestimmen, wie viel CO2-neutrale Energie in die Netze kommt, bleibt die Energiewende ein Subventionsgeschäft; mal für die eine, mal für die andere Seite. Auch die Atomenergie wird massiv subventioniert, da die Endlagerung nicht der Verursacher zahlen wird.

      [Der Begriff „erneuerbare Energie“ ist physikalisch falsch. Energie lässt sich weder herstellen, vernichten oder erneuern. Sie lässt sich (physikalisch gesehen) nur von einer Form in einen andere umwandeln. Deshalb verwende ich diesen Mainstream-Begriff nicht. Da nicht jede CO2-freisetzende Energieform schlecht ist, solange sie CO2 neutral ist, kann sie auch für eine erfolgreiche Energiewende verwendet werden.]

      Die Politik schafft mit ihren Gesetzen die Rahmenbedingungen dafür, dass die Großkonzerne auch die Möglichkeit dazu haben sich entsprechend bevorzugt im Markt zu präsentieren und mit schwammigen Formulierungen auch ihre Interessen gegen Kleinanbieter voll durchsetzen können. Solange dies sich nicht ändert, wird alles so weiter gehen wie bisher. Dass es einen Netzausbau geben muss, ist unstrittig, jedoch ob das Ausmaß auch so erfolgen muss? Und warum müssen es Stromtrassen sein, bei deren Transport viel in Wärme und elektromagnetischer Strahlung verloren geht?
      Wenn die Rahmenbedingungen anders aussähen, z.B. dass (vor allem kleine) Energieerzeuger ihren produzierten Strom direkt an Kunden liefern könnten, würde viel mehr Strom dezentral erzeugt und verbraucht und damit viele Leitungen nicht gebraucht. Es wäre damit möglich, dass sich Gemeinden, Städte, oder sogar nur Wohnviertel vernetzen und Kleinstromerzeuger ihren Strom dort an die Abnehmer bringen, die gerade welchen benötigen. Damit könnten dann auch Stadt-E-Fahrzeuge betankt werden / bzw. als Stromspeicher verwendet werden. Stromspeicher sind wegen des höheren Energieaufwands für die Ladung im Verhältnis zum Ertrag nur für Überschussspitzen geeignet. Für alle anderen Überschüsse müssen entweder Abnehmer da sein, oder andere Speicherformen. Für Nicht-Stadtfahrzeuge ist die aktuell propagierte Batterievariante ohnehin ungeeignet, außer man verfolgt das Ziel der Endindividualisierung des Straßenverkehrs. Für diese Fahrzeuge braucht es andere Technik.
      Die riesigen Windparks im Meer bringen meiner Meinung nach nichts wenn der Sinn ihrer Aufstellung einzig nur darin besteht, dass die Energie als Strom abtransportiert wird, oder ein Großinvestor Subventionen von der Allgemeinheit kassieren will. Es würde nur Sinn machen wenn der Strom dort in einen anderen Energieträger umgewandelt würde der sich ersten leichter und dauerhaft speichern und zweitens auch leichter transportieren lässt (flüssig / gasförmig). Idealerweise mit entsprechend vorhandener Infrastruktur.
      Mit einer Dezentralisierung der Stromerzeugung, Entmachtung der Energiekonzerne = sie haben die gleichen Rechte und Pflichten wie ein Besitzer einer kleinen PV/Windkraftanlage, die Verstaatlichung der Leitungsnetze, damit sich daraus kein Kapital schlagen lässt, … wird die Energiewende meiner Meinung nach gelingen.

    • #187 Antworten
      Stefan Förster
      Gast

      Weitgehend stimme ich dem zu. Bei den Offshore- Windparks muss ich aber einwenden, dass Strom die am besten geeignete Energieform darstellt, wenn es um den Energietransport geht.
      Überhaupt ist Strom die hochwertigste aller Energieformen, da wir Strom überall in fast jede andere Enrgieform umwandeln können und dabei die geringsten Verluste haben.
      So wäre es zwar z.B möglich, mit Windrädern vor Ort mittels Elektrolyse Wasserstoff zu produzieren, aber die dabei entstehende Abwärme könnte man viel besser nutzen, wenn man den Wasserstoff in einer Ortschaft produziert. Tatsächlich halte ich Wasserstoff für den am besten geeigneten Langzeitspeicher von Energie. Das bestehende Erdgasnetz mit seinen vorhandenen Speichern kann Gas für mehrere Monate aufnehmen. Langstreckenfahrzeuge können Wasserstoff mittels Brennstoffzelle wieder in Strom umwandeln. Bei Kurzstreckenfahrzeugen sind Akkus sinnvoller.
      Ich fahre seit 4 Jahren ein selbstumgerüstetes Elektroauto im Kurzstreckenbetrieb (<50km),
      meine Erfahrungen damit sind positiver als ich angenommen hatte. Mein Verbrauch liegt bei 19 kWh/100km incl. der Verluste beim Laden. Das ist der Energiegehalt von 2 Litern Benzin.
      Heutige Lithium-Akkus haben Wirkungsgrade >90%. Als Kurzzeitspeicher sind sie daher fast unschlagbar. Schon heute gibt es große Batteriespeicher, die mit ausrangierten Elektroautobatterien noch jahrelang arbeiten.
      Eine interressante Meldung noch: http://energywatchgroup.org/neue-studie-100-erneuerbare-energie-in-ganz-europa

    • #188 Antworten
      Peter Lembrecht
      Gast

      Für einen Erfolg der Energiewende fehlen nicht nur entsprechende Netzkapazitäten. Mittelfristiges Ziel (höchstens 5 Jahre) müsste sein, den „Ökostrom“ endlich grundlasttauglich zu machen, was nur mit einem schlüssigen Speicherkonzept möglich wäre! Davon ist jedoch bis heute keine Rede. Stattdessen werden die Kapazitäten zur Erzeugung von Wind- und Solarstrom immer weiter aufgestockt, ohne dass man entsprechende Kapazitäten der konventionellen Stromerzeugung herunterfahren könnte. Just in diesem Augenblick herrscht z. B. in ganz Deutschland eine maximale Windstärke von 2 Beaufort – die Ausbeute an Windstrom dürfte entsprechend gering sein. Sollten wie geplant sämtliche AKW vom Netz gehen und auch der Ausstieg aus der Braunkohleverstromung umgesetzt werden, so müsste der Strom halt aus dem Ausland bezogen werden. Für das Klima wäre das bestenfalls ein Nullsummenspiel. Die Zeche für diesen Irrsinn aber zahlen einmal mehr die Verbraucher und Steuerzahler. Nutznießer sind einige wenige einflussreiche Lobbyisten der Ökostrombranche und ihre politischen Handlanger.
      Die ganze Ökostromförderung ist daher nichts weiter als eine gigantische Umverteilung „von unten nach oben“ unter dem Vorwand des Klimaschutzes!

    • #189 Antworten
      Stefan Förster
      Gast

      Die aktuelle Windstromproduktion beträgt im Moment ca. 2000 MW
      Quelle:https://www.windjournal.de/erneuerbare-energie/aktuelle_einspeiseleistung_wind_und_solar_energie

      Tatsächlich ist es so, dass eine Speicherung im großen Stil erst sinnvoll wird, wenn mehr Großkraftwerke abgeschaltet werden. Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Probleme günstiger durch Im- und Export zu bewältigen. In Summe sind Deutschlands Stromexporte deutlich höher als die Importe.
      Ich bin ein Befürworter der dezentralen Erzeugung, doch gleichzeitig sollten wir mit der Planung nicht an den Grenzen aufhören. Es gibt ein europaweites Stromnetz. Und wenn der Solarstrom gerade in Spanien im Überfluss produziert wird, sollten wir ihn nutzen können. Die nächste Nacht bekommen die Spanier Windstrom aus Deutschland. Europa ist groß. Und selbst Nordafrika ist nicht zu weit weg:
      Eine Höchstspannungs- Gleichstromleitung, wie sie in Deutschland geplant wird, hat auf 1000 km weniger als 3% Verluste. Bereits heute produzieren große Solarkraftwerke in der Golf-Region den Strom für unter 3 Cent/kWh. Wäre es nicht die beste Form von Entwicklungshilfe, in Nordafrika Solar-und Windfarmen aufzubauen, um den Strom nach Europa zu transportieren?
      Es wäre wirtschaftlich darstellbar. Es gäbe Arbeitsplätze und mehr Wohlstand jenseits des Mittelmeeres. Die Migration aus diesen Gebieten würde deutlich zurückgehen, wenn die Menschen eine Perspektive hätten. Und, vielleicht das Wichtigste, die CO2- Freisetzung würde dramatisch sinken.

      • #192 Antworten
        Peter Lembrecht
        Gast

        an Stefan Förster:

        Ohne adäquate Speicherung kann Solarstrom aus Spanien bzw. Nordafrika leider keinen signifikanten Beitrag zur Stromversorgung in Mitteleuropa leisten! Wenn hierzulande nachts kein Wind weht, scheint auch in der Sahara nicht die Sonne.

    • #190 Antworten
      Stefan Förster
      Gast

      zu dem Thema :“Die ganze Ökostromförderung ist daher nichts weiter als eine gigantische Umverteilung „von unten nach oben“ unter dem Vorwand des Klimaschutzes!“

      ich habe mal nachgerechnet:
      Bei unserem 5- Personen- Haushalt incl. Elektroauto macht die EEG- Umlage weniger als 16 Cent pro Person und Tag aus. Gigantisch? Wäre ich Raucher, das wären wieviel Zigaretten weniger?

      Und wo ist “ oben“ ? Die vielen Tausend, die sich ein paar PV- Paneele gekauft haben, als das für die Konzerne noch Spinnerei war?
      Die vielen Tausend, die sich statt eines neuen Autos an einem örtlichen Windpark beteiligt haben?

      Oh, dann bin ich auch „oben“

      • #194 Antworten
        Stefan Förster
        Gast

        u.a. an Peter Lembrecht

        Momentan wird ja die Ostseepipeline Nordstream 2 gebaut.
        Nordstream 1 ist 1225 km lang und besteht aus 2 Röhren mit gut 1m Durchmesser.
        Man rechne sich den Gasinhalt aus bei 150 bar Druck. ( rund 288 Mio kubm )

        Selbst quer durchs Mittelmeer z.B. von Marseille nach Algier sind es nur 850 km.
        Technisch also kein Problem.
        Mit Solarstrom produzierter Wasserstoff würde in Europa fast ohne Druckschwankungen ankommen, da allein die Pipeline ein riesiger Speicher wäre.
        Die Umwandlungs- und Transportverluste wären allerdings bei dieser Variante wesentlich höher.
        Deshalb wird man das Gas besser erst in D. produzieren. Die dabei anfallende Abwärme können wir ja auch besser gebrauchen als die Afrikaner.
        Zum deutschen Gasnetz mit seinen Speichern habe ich ja schon geschrieben.

        Wir selbst beziehen unser Gas von Greenpeace Energy. Dem Gas wird bereits heute mit Überschuss- Windstrom erzeugter Wasserstoff beigemischt. Uns ist klar, dass unser Gas physikalisch aus Russland stammt. Aber das Geld unterstützt die Erprobung und Weiterentwicklung der Elektrolyse- Technik, genau wie beim Strom: Der kommt vom nächsten Erzeuger, aber unser Geld bekommt kein Betreiber fossiler Kraftwerke. Wir Verbraucher haben es in der Hand: Produziert wird nur das, was auch verkauft werden kann.

        Die von Marc Szeglat im Hauptartikel genannten Summen sind zweifellos nicht klein,
        aber allein die MWSt. auf die EEG -Umlage summiert sich auf eine Milliarde € im Jahr!
        Komischerweise wird das nicht thematisiert. Der mangelhafte Netzausbau wird als Argument vorgeschoben, um die Erneuerbaren auszubremsen!
        Leider übernimmt unsere Presse viele Meldungen, ohne die Fakten zu prüfen.
        Stromversorger malen gern das Schreckensbild vom Blackout an die Wand.
        Fakt ist: Wir hatten noch nie weniger Stromausfälle als mit heute fast 1/3 Grünstrom im Netz.

    • #880 Antworten
      vulkane
      Gast
    • #965 Antworten
      vulkane
      Gast

      Into the Crooked Place – Alexandra Christo – 9781250318374

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Antwort auf: Energiewende in Deutschland
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