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Costa Rica


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 Costa Rica: Feuerberge im Regenwald von Daniela Szczepanski

Costa Rica heißt übersetzt soviel wie "reiche Küste". Zwar fanden die spanischen Entdecker hier nicht das vermutete Gold, dennoch ist das kleine Land zwischen Atlantik und dem Pazifischen Ozean reich an Natur. Costa Rica wird auch gerne als die Schweiz Mittelamerikas bezeichnet. Das liegt zum einen an der politisch stabilen Lage, die für diese Region eher ungewöhnlich ist, zum anderen sicherlich aber auch an der bergigen Landschaft. Doch anders als in der Schweiz sind viele Berge Costa Ricas vulkanischen Ursprungs.

Aus geologischer Sicht ist Costa Rica ein Land, das vor erst relativ "kurzer" Zeit geformt wurde. Durch die Subduktion der Cocos-Platte unter die Karibische Platte am Mittelamerikanischen Graben, formte sich vor etwa 140 bis 65 Mio. Jahren eine Kette von Vulkaninseln, die sich allmählich durch Anhebungen des Meeresbodens, durch Abtragung der Vulkanhänge und die Anschwemmungen der Flüsse untereinander verbanden. Die Veränderungen halten bis heute an, was sich an fast täglichen leichten Erdbeben bemerkbar macht.
Zur aktiven Vulkankette gehört die Kordillere Guanacaste mit den Vulkanen Rincon de la Vieja und der Arenal, so wie die Zentralkordillere mit den Vulkanen Poás und Irazú.

Die drei bekanntesten Vulkane des Landes sind der Irazú, der Poás und der daueraktive Arenal.

Der Irazú...
...ist mit 3434 m Costa Ricas höchster Vulkan. Er liegt nur wenige Kilometer östlich der Hauptstadt San José und gehört zu den aktivsten des Landes.
Seit der Eruption des Cervantes- Massivs von 14 000 Jahren, das die Südflanke formte, sind keine Lavaströme nachgewiesen. Alle bekanten holozänen Eruptionen waren explosiv. Dabei wanderte das Eruptionszentrum innerhalb des Kraterkomplexes weiter nach Westen auf den heutigen Zentralkrater zu. 1723 ereignete sich die erste, gut dokumentierte, historische Eruption. Seither erfolgten zahlreiche, ausschließlich explosive Ausbrüche.
Seine letzte Eruptionsphase ereignete sich 1962-65. Damals öffnete sich ein neuer Krater, der zunächst nur Dampf, ab Februar 1963 dann aber zunehmend Aschen und Phyroklastika auswarf. Die Umgebung des Vulkans wurde evakuiert. Bis 1965 hielt diese Tätigkeit an. In dieser Zeit wurden Auswurfhöhen von über 500 m erreicht. Die Ascheregen und Mudflows erreichten bewohnte Gebiete. 20 Tote und mehrere hundert zerstörter Häuser und Fabriken waren die Folge. Auch in San José gab es beträchtliche Schäden. Heute ist das Vulkanmassiv, das zum Nationalpark Irazú erklärt wurde, bis in den Krater-Komplex bewachsen. Die grünen Hängen im unteren Teil erinnern an eine Alm mit landwirtschaftlicher Nutzung. Weiter oben trifft man in montaner Vegetation auf viel Tierarten unten anderem Kolibris. Auf der Nordflanke sitzen zahlreiche Parasitärkrater.


Eine gut ausgebaute Straße führt vorbei am höchsten Café Zentralamerikas in 3000 m Höhe bis an den Kraterrand. Die Gipfelzone ist touristisch erschlossen, es gibt Picknickplätze und Wanderwege. Der Hauptkrater ist nahezu rund und misst 1050 m im Durchmesser. Seine Tiefe wird mit 250 bis 300 m angegeben. Ein grüngelber aber kalter See bedeckt seinen Boden. An einigen Stellen sind blubbernde Gasaustritte sichtbar.

Der Poás
Ein anderer aktiver Vulkan Costa Ricas ist der Poás. Durch seine gute Zugänglichkeit ist er einer der meistbesuchtesten des Landes. Der 2708 m hohe Komplexvulkan erhebt sich über die Überreste von zwei erodierten Calderas. Die äußere mit 7 km, die innere mit 3 km Durchmesser. Die Gipfelregion besteht aus drei Kratern, die entlang eines Nord-Süd verlaufenden Bruchsystems orientiert sind. Der südliche von zwei Kraterseen, genannt Laguna Botos hat einen Durchmesser von 400 m und ist 14 m tief. Sein Wasser ist kalt, klar und trinkbar. Da die Letzte Eruption bereits 7500 Jahre zurückliegt ist der Krater von dichtem montanem Regenwald bewachsen. Der andere Kratersee ist türkis-blau mit Temperaturen, die von 30° C bis 80° C schwanken. An den Uferzonen durchsetzen Fumarolenfelder das Gestein. Schwefelkristalle lagern sich um die Austrittslöcher ab. 90 - 95° C heißer Wasserdampf mit hoch konzentriertem Schwefeldioxyd und Chlorgas zersetzen das Gestein und führen zu Erdrutschen in diesen Gebieten.
In diesem Krater fanden seit der ersten historisch erwähnten Eruption 1828 mehrere phreatische und phreatomagmatische Eruptionen statt. Die größte 1952-54, als die Eruptionswolke eine Höhe von 8000 m erreicht haben soll. Bei Ausbrüchen des Poás kommt es oft zu geysir-ähnlichen Austritten von Seewasser, der letzte wurde 1968 beobachtet.

Rincón de la Vieja
In der Provinz Guanacaste, nahe der Stadt Fortuna liegt der größte Vulkan Costa Ricas. Der 1916 m hohe Komplexvulkan Rincón de la Vieja besteht aus einem langgestreckten, im NW-SE verlaufenden Rücken. Die höchste Erhebung des Rincón ist der Doppelgipfel Santa Maria. Er hat einen 500 m großen Krater, der bei einer Plinianischen Eruption vor 3500 Jahren entstanden ist.
In einer 15 km durchmessenden Caldera wandert die aktive Zone Richtung SE. 9 Ausbruchszentren, von denen die jüngsten in dieser Richtung liegen sind nachgewiesen.
Alle historischen Eruptionen gingen vom aktiven Krater aus. In ihm steht ein bis zu 500 m großer, türkisfarbener Kratersee. Fumarolische Aktivität, die an einigen Stellen sichtbar ist hat das Wasser im See erwärmt. Der Eintrag von Schwefel, sichtbar an Ablagerungen an der Oberfläche hat den pH-Wert des Wassers auf 1,6 gesenkt.


Der gesamte Vulkankomplex steht im Parque Nacional Rincón de la Vieja unter Schutz. Nahe dem Parkeingang, am Fuße des Vulkans liegt das Thermalgebiet Las Palas. Auf dem 50 ha großen Gebiet treten zahlreiche Thermalquellen zu Tage. Fumarolen bringen den Schlamm in Mudpools scheinbar zum kochen, überall dampft und blubbert es.

Der Arenal
7 km SW der Stadt La Fortuna zählt zu den 7 weltweit bekannten, daueraktiven Vulkanen. Mit seinem fast völlig symmetrische Kegel ist Arenal der jüngste Vulkan in Costa Rica. Die ältesten, bekannten Gesteine des Stratovulkans sind nur 2 900 Jahre alt. Der ältere Vulkan Chato, mit seinem 500 m großen Krater, liegt weiter SE. Seine Aktivität endete im späten Holozän.
Durch das schnelle Wachstum des 1657 Meter hohe Kegel des Arenal wurden die lokalen Wasserwege und Drainagen verlegt. Es entstand er Lago de Arenal, der 1973 durch einen Damm aufgestaut wurde. Der Damm, der das ganze Land mit Elektrizität versorgt, liegt nur 5 km vom aktiven Vulkan entfernt, auf tektonisch sehr unruhigem Untergrund.
Die augenblickliche Daueraktivität begann 1968. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Vulkan 500 Jahre geruht. Doch am 29. Juni.1968 verwüstete eine heftige, explosive Eruption die Westflanke des Arenal und tötete 78 Menschen. Francisco Araya wurde damals Augenzeuge der Katastrophe und schildert seine Erlebnisse (s.u.).


Mit dem Initialausbruch 1968 begann eine Phase strombolianischer Explosionen die bis heute anhält. Mehrmals täglich werden basaltische Andesite aus unterschiedlichen Austrittsöffnungen geschleudert. An der schroffen, bis heute unbewaldeten Westseite des Vulkans wurde ein Nationalpark eingerichtet, von dessen Aussichtspunkt man den Eruptionen zusehen kann.


"Der Tag des Weltuntergangs"
Der Augezeuge Francisco Araya schildert der Ausbruch des Vulkans Arenal am 29.06-1968:

"Am Morgen, an dem der Arenal ausbrach, blickte Angel Valerio aus dem Fenster seines Hauses auf einen wolkenlosen Himmel. Die perfekte Silhouette des Berges sperrte sich gegen das Licht der ersten Sonnenstrahlen des Tagen und an den Hängen des Vulkans erwachte das Leben. Wie viele andere Bewohner war er im Schatten des Vulkans geboren und kannte ihn als majestätischen und stillen Berg. Gegen 7.00 Uhr verließ er sein Haus um auf seiner Finca einige Kühe auszusuchen, die er an diesem Tag verkaufen wollte. Im Haus zurück blieben seine Frau Christina und seine beiden Söhne.
Etwa eine Stunde später, als er mit einigen Landarbeitern das Vieh einsammelte, begann die Erde zu zittern und sie hörten ein schreckliches Rumoren. Sie konnten kaum glauben was sie sahen: An der Flanke des Arenals öffnete sich ein gigantischer Schlund und schleuderte eine riesige Wolke aus giftigen Gasen und Glut in den sich verdunkelnden Himmel. Fast gleichzeitig setzte ein starker Niederschlag von Asche, Schlamm und Steinen ein. "Das Ende der Welt", dachte Angel. So schnell ihn sein Pferd tragen konnte ritt Angel nach Hause.
Der Vulkan schleuderte indes unablässig Lava in die Höhe. Die Asche kroch ihm in Augen und Mund, trotz seines Sombreros und eines Tuches, welches er sich zum Schutz vors Gesicht gebunden hatte. Schließlich erreichte er sein Haus; rief verängstigt nach seiner Familie. Doch es gab keine Antwort. Er rannte in die Küche, wo ihn ein schrecklicher Anblick erwartete. Seine Frau lag tot am Boden. Erschlagen von einem Lavabrocken, der das Dach durchschlagen hatte. Von Verzweiflung ergriffen rannt Angel aus dem Haus um seine Söhne zu suchen. Doch schon nach wenigen Metern fand er sie. Mit verbrannten Kleidern lagen seine beiden Kinder vor ihm. Sie starben, als sie auf der Flucht das Haus verließen.
Entsetzt war Angel sich jedoch bewusst, dass seine Tragödie kein Einzelschicksal war. Der Ort hatte hunderte von Einwohnern, die versuchten vor der Eruption zu flüchten. Das Gebiet war ein Inferno aus glühenden Aschen und aus klagenden Menschen, die verstört umherirrten. Auf den Weiden starb das Vieh, es erstickte, verbrannte oder wurden erschlagen.
Viele Menschen sammelten ihre Habseligkeiten ein und versuchten sich in Sicherheit zu bringen. Andere blieben, um nach ihren Verwandten und Nachbarn zu suchen. Die Schreckensbilder wiederholten sich in den Dörfern auf der Nordwestseite des Vulkans. Das Dorf Tabacón wurde zerstört und unter Aschen begraben.
Gegen 11.00 Uhr morgens schleuderte eine wesentlich heftigere Eruption tausende Tonnen von Asche über die gesamte Region. Die Sonne war nahezu verdunkelt. Die schwarzen Wolken dehnten sich aus und erreichten entfernt gelegene Gebiete im ganzen Land. All diese Gebiete waren in wenigen Tagen unter einem Mantel von Staub und Asche gehüllt - an manchen Stellen bis zu einem halben Meter dick. An den Flanken des Vulkans schoben sich Lavaströme hangabwärts und fraßen sich in Felder und Weideland. Flüsse, wie der Arenal und der Tabacón verwandelten sich in Schlammströme, die Häuser bedrohten und abgelegene Gehöfte von der Umwelt abgeschnitten. Das verschmutze Wasser vernichtete die gesamten Fischbestände.
Gegen Nachmittag erreichte die Lufttemperatur 50° C."

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