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Cheb-Becken - Vulkanische Aktivität nahe Deutschland?

Neben den Vulkanen der Eifel zählen die Vulkane in Böhmen zu den bekanntesten Feuerbergen in Zentraleuropa. Sie liegen im Dreiländereck Bayern, Sachsen und Tschechien. Der Vulkanismus hier spielte sich überwiegend während des Miozäns ab, es gibt aber auch Spuren quartären Vulkanismus. So brach der Eiseberg-Vulkan (Zelezná hurka) das letzte Mal vor gut 250.000 Jahren während des Pleistozäns aus. Vermutlich handelte es sich um eine phreatische Eruption.
Noch heute gibt es in der Region zahlreiche Kurbäder, die ihre Existenz mineralischen Quellen verdanken. Das Heilwasser um Franzensbad im Cheb-Becken ist sehr reich an Kohlendioxid magmatischen Ursprungs.

Bilder aus dem Cheb-Becken

Franzensbad

Quellhaus im Franzensbad.

Gasflussmessungen

Gasflussmessung an der Quelle.

Erstickter Frosch

Ein erstickter Frosch als Mofettenopfer.


Das Gas entweicht hier auch aus sehr schönen Mofetten (in denen auch zahlreiche Kleintiere ersticken), die weitaus aktiver sind als diejenigen in der Eifel. Die Mofetten wurden in den letzten Jahren deutlich aktiver und die Zusammensetzung der Gase änderte sich. In der Presse verbreiteten sich Gerüchte, dass im Cheb-Becken möglicherweise ein Vulkan ausbrechen könnte. Wissenschaftler halten dies für unwahrscheinlich und betonen den Unterschied zwischen magmatischer Aktivität und vulkanischer Aktivität. Im oberen Bereich des Erdmantels kann durch das Zusammenwirken verschiedener Prozesse Gestein schmelzen und zu Magma werden. Das geschmolzene Gestein hat eine geringere Dichte als das umgebende Gestein und kann aufgrund dieses Dichteunterschieds aufsteigen und als Magmenkörper in die Erdkruste eindringen, sprich intrudieren. Häufig bleibt der Magmenkörper in der Erdkruste stecken, ohne dass das Magma in Form eines Vulkanausbruchs an die Erdoberfläche gelangt. Die Schmelze kühlt über sehr lange Zeiträume in der Erdkruste ab. Je nach Chemie des Magmas entstehen so zum Beispiel Granite. Ein sehr schönes Beispiel hierfür ist der Yosemite-Nationalpark in den USA, wo die Kuppen der Dome (hier nicht zu verwechseln mit Lavadomen aktiver Vulkane) eine bizarre Berglandschaft formten, indem das umliegende Gestein erodierte und nur die harten - und in der Erde erstarrten - Dome übrig blieben.

Oberflächliche Phänomene des Magmatismus sind Gasaustritte und mehr oder weniger heiße Quellen. Das Eindringen eines Magmenkörpers in die Erdkruste ist häufig mit dem Auftreten von Schwarmbeben verbunden. Solche Schwarmbeben wurden im September 2000 im Cheb-Becken an der Grenze zur Tschechei registriert.

Schon seit den 1990er Jahren untersuchen Wissenschaftler des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ) und des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) die Gase der dort austretenden Mofetten und fanden heraus, dass sich in den letzten Jahren das Verhältnis zweier Helium-Isotope so verändert hat, wie es sonst nur in Regionen mit aktivem Vulkanismus der Fall ist.

QuelleIm Fokus steht die Bublák-Quelle, die sich gut hinter Strauchwerk in einem sumpfigen Gebiet versteckt. Das hier aufsteigende Kohlendioxid scheint direkt an der Grenze zum Erdmantel aufzusteigen und erlaubt einen unverfälschten Blick ins Erdinnere. Den Forschern gelang es sogar, die Migrationszeit des Kohlendioxids zu bestimmen: Es legt ca. 400 Meter am Tag zurück und steigt so schnell auf, dass kaum Zeit für chemische Reaktionen bleibt. Die hier gemessene Konzentration des Helium-3-Isotops ist die höchste, die in Mitteleuropa je gemessen wurde. Die Wissenschaftler sind sich sicher, dass sich in 35 - 25 km Tiefe ein Magmenkörper befindet, der in die unteren Schichten der kontinentalen Kruste intrudiert.

Dr. Horst Kämpf vom GFZ interpretiert die Magmenbewegungen nicht gleich als Anzeichen eines drohenden Vulkanausbruches. Er hält es für viel wahrscheinlicher, dass der Magmenkörper irgendwo in der Erdkruste stecken bleibt und sich dort langsam abkühlt. Die Arbeitsgruppe von UFZ und GFZ untersuchte auch die Gase, die aus den Mofetten im Laacher-See-Gebiet strömen, mit dem Resultat, dass sich das Helium-Isotopenverhältnis hier nicht ändert und demnach aktuell keine Magmenbewegungen im Untergrund stattfinden.

Also, Deutschland wird zumindest vorerst von einer Vulkankatastrophe verschont bleiben. In einigen Medien wurde hier sogar ein Zusammenhang zu "Supervulkanen" wie dem Yellowstone hergestellt, was mir persönlich als sehr unrealistisch erscheint.

Jüngste seismische Aktivität im Cheb-Becken

Auch in den letzten Jahren gab es weitere Schwarmbeben im Bereich des Cheb-Beckens. Die bedeutendsten waren:

  • 2008 (Okt-Nov): Dieser große Schwarm bei Nový Kostel war besonders aktiv ‐ die BGR registrierte etwa 20 000 Einzelbeben, mit maximaler Lokalmagnitude von rund ML 4,1.
  • 2011 (Aug-Sep): Ein weiterer ausgeprägter Schwarm in der gleichen Region. Laut Aufzeichnungen traten mindestens 13 Beben mit ML zwischen 3,0 und 3,9 auf, dazu hunderte kleinere Ereignisse.
  • 2014 (Mai-Aug): Es entstand eine längere Serie von Erdstößen ‐ in dieser Periode erreichte ein Ereignis eine Stärke von ML 4,2.
  • 2018 (Mai-Juni): Ein Schwarm mit Epizentrum bei Luby (nahe Bad Brambach) ‐ das stärkste Ereignis hatte eine Magnitude von ML 3,8, zudem traten rund 14 Beben mit ML = 3,0 auf.
  • 2023-2024: Wiederholte Schwarmaktivität, u. a. ab März 2024 rund um Klingenthal / Nový Kostel. In den ersten Wochen wurden laut Berichten hunderte oder sogar über 600 Mikro-Erdbeben lokalisiert, das stärkste mit ML ~ 2,7.
  • 2025 (Januar-April): Deutlich ausgeprägter Schwarm mit Höhepunkkt im März als es über 3.000 Erdstößen innerhalb weiger Wochen gab. Beben bis ~ M 2,6

  • Als mögliche Ursachen dieser Schwärme gelten weiterhin magmatische Fluide wie Kohlendioxid, die aus größeren Tiefen entlang von Störungszonen aufsteigen und dies aktivieren. Zudem zeigen Quellenmechanismen der Erdbeben, dass die Aktivität häufig nicht nur einfachen Scherbrüchen entspricht, sondern auch Tensile (dehnende) Komponenten vorhanden sein können.

    Um mit Hilfe der seismischen Tomografie ein 3D-Modell des Untergrunds zu fertigen, wurde 2025 das Eger Large Seismic Experiment (ELISE)in Leben gerufen: Es wurden 300 mobile Seismometer über ein Gebiet von etwa 100×100 Kilometern verteilt und mindestens ein Jahr lang betrieben.

    Online seit 2014, aktualisiert 2025.

    Steckbrief Cheb-Becken

    Karte Cheb-Becken© google maps
    Lage: 50.07° N, 12.37° E, Tschechei
    Höhe: 459 m
    Aktivität: Magmatisch


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