Erta Alé


Steckbrief:

Lage: 13.60°N  40.67°E   Äthiopien, Danakil
Höhe: 613 m
Art: Schild Vulkan
Petrographie: Tholeit
Status: Aktiver Lavasee


Der Vulkan, die Wüste und das trockene Meer - Übersicht

Der Erta Ale ist ein basaltischer Schildvulkan ganz im Nordosten Äthiopiens gelegen, der sich gerade einmal 613 m über den Meersesspiegel erhebt. Er liegt auf der kontinentalen Nahtstelle des Ostafrikanischen Riftvalleys, jenem Grabenbruch, der auf über 6000 km Länge den Afrikanischen Kontinent zu teilen droht. Als ob diese Lage für einen Vulkan nicht schon prekär genug wäre, nimmt der Erta Ale eine ganz besondere Stelle ein: Er liegt in jenem Teil des Afar-Dreiecks, in dem sich das Störungssystem des Ostafrikanischen Riftvalleys mit dem des Roten Meeres vereint. Grund genug für das Magma sich hier seinen Weg aus dem Inneren der Erde zu bahnen, hinauf zur Erdoberfläche, die hier eigentlich trocken gefallener Meeresboden ist. Denn die Danakil verdankt ihre verdörrte Existenz einem besonderen geologischen Umstand. Die titanischen Kräfte der Plattentektonik drückten den Danakil-Block nach oben. Als Gesteinsriegel isoliert er somit das Afar-Dreieck vom Roten Meer. Es entstand zunächst ein flaches Binnenmeer, dass von der äquatorialen Sonne innerhalb kurzer Zeit verdampft wurde. Mächtige Salzablagerungen entstanden. Salz, das sich heute in zahlreichen Salzseen manifestiert. Ein wichtiger Rohstoff, der auf beinahe altertümliche Weise von den Afars abgebaut wird. Doch zurück zu unserem Vulkan.


Das besondere am Erta Ale ist nicht, dass er sich als flacher Schildvulkan, der überwiegend aus basaltischer Lava besteht, vom Grunde eines -ehemaligen- Meeres erhebt, sondern dass in seiner Caldera ein Krater mit einem permanenter Lavasee köchelt. Dieser Krater ist gut 85 Meter tief. In etwa auf halber Höhe befindet sich eine Terrasse. Diese Terrasse zu erreichen war das Ziel unserer Expedition im Dezember 2002. Dazu konstruierten wir, d.h, Chris, Daniela und ich mit Hilfe von Höhenretter Wilfried Birnbaum einen Seilzug, mit dem wir uns in den Krater ablassen konnten. Mit vereinten Kräften wurde dann, der Proband wieder hinaufgezogen. Eine schweißtreibende Arbeit bei Temperaturen von 38 °C im -quasi nicht vorhandenen- Schatten. Daher konnten wir nur die frühen Morgen- und Abendstunden für unsere Seilfahrt nutzen. Während unseres 5 tägigen Aufenthaltes in der Caldera des Erta Ale seilte sich unser 9 köpfiges Team mehrmals ab. Eine Probenentnahme frischer Lava scheiterte leider am tiefen Stand des Lavasees. Genauer betrachtet stand der Lavasee nicht tiefer, als ihn zuvor andere Expeditionen erlebten, sondern das Niveau der Terrasse erhöhte sich in den vergangenen Monaten, indem sie von Lava überflutet wurde.

In unregelmäßigen Abständen zerrissen kleine Lavafontänen die dünne Kruste grauerstarrter Lava und zogen für wenige Minuten feurige Spuren über den See. Unter der dünnen Lavahaut tobte ein brodelndes Inferno. Die oberflächlich erstarrte Lava zerbrach vielerorts in dünne Platten, die dann über den See trieben. Die Bruchstellen glühten rot von nachquellender Lava. Der Motor dieser kontinuierlichen Bewegung ist die Konvektion im See und mit den Prozeßen zu vergleichen, die Kontinente wandern lassen.

Bei unserem letzten Aufenthalt auf der Terrasse kam es zu einem dramatischen Ereignis: Unmengen von Gestein brachen in drei Lawinen von den Kraterwänden und stürzten in den Lavasee, der daraufhin wahrlich zum Höllentor wurde. Roter Staub zog wie in einem Kamin über unsere Köpfe hinweg. Schnell suchten Chris und ich die relative Sicherheit in der Mitte der Terrasse auf, verfolgt von immer näherkommenden Gesteinsabbrüchen.


Erst als wir eine halbe Ewigkeit später auf dem Kraterrand standen, wurde uns so richtig bewusst, was soeben passiert war. Selbst unser Seilteam auf dem Kraterrand befand sich in Gefahr, als es uns wieder hoch zog. Ob es schwache Erdbeben waren, die den Abgang der Schuttlawinen hervorrief, oder ob es sich um einen Dominoeffekt handelte, der mehrerer Lawinen innerhalb weniger Minuten auslöste wissen wir nicht. Fest steht, dass es während unseres Aufenthaltes mehrmals zu Gesteinsabrüchen über dem Lavasee kam, dennoch setzten sie sich nicht in einer Serie fort, die immer weiter auf den inaktiven Teil des Kraters zukam. Aber auch auf der Terrasse lagen Schutthalden die davon zeugen, dass es durchaus nicht nur über dem Lavasee zu Gesteinslawinen kommen kann. Zwar lage hier nur wenig Schutt, doch dieser Umstand dient als Indikator, das die Überflutung der Terrasse erst kurze Zeit zurück lag. Und natürlich gab es Seismik am Vulkan. Während unseres Aufenthaltes ereigneten sich 3 Beben, die deutlich zu spüren waren. Dieses Beispiel machte uns wieder klar, dass trotz gewissenhafter Vorbereitung und genauester Untersuchung der Bedingungen am Vulkan, eine Erkundung immer mit einem gewissen Restrisiko verbunden ist.




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