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Der Erta Alé ist ein basaltischer Schildvulkan im äußersten Nordosten Äthiopiens. Er erhebt sich gerade einmal 613 m über den Meeressspiegel und befindet sich auf der kontinentalen Nahtstelle des ostafrikanischen Rift Valley. Dieser Grabenbruch erstreckt sich auf einer Länge von mehr als 6500 km bis zum Roten Meer. 2 Arme des Rifts lassen sich noch weiter Richtung Totes Meer und Mittelmeer verfolgen. Entlang des Rifts droht Afrika auseinander zu reißen. Als ob diese Situation für einen Vulkan nicht schon prekär genug wäre, nimmt der Erta Alé noch dazu einen ganz besonderen Standort ein: Er erhebt sich ausgerechnet in jenem Teil des Afar-Dreiecks, in dem sich das Störungssystem des ostafrikanischen Rift Valley mit jenem des Roten Meeres vereinigt. Grund genug also für das Magma, sich hier seinen Weg aus dem Inneren der Erde zu bahnen - hinauf zur Erdoberfläche, die hier eigentlich trocken gefallener Meeresboden ist. Die ausgedörrte Danakil verdankt ihre Existenz nämlich einem besonderen geologischen Umstand: Die titanischen Kräfte der Plattentektonik drückten einst den Danakil-Block nach oben; als Gesteinsriegel isolierte er dadurch das Afar-Dreieck vom Roten Meer. Es entstand zunächst ein flaches Binnenmeer, das aber von der äquatorialen Sonne innerhalb kurzer Zeit verdampft wurde. Mächtige Salzablagerungen entstanden - Salz, das sich heute in zahlreichen Salzseen manifestiert. Ein wichtiger Rohstoff, der auf beinahe altertümliche Weise von den Afars abgebaut wird.
Die Besonderheit des Erta Alé besteht nicht darin, dass er sich als flacher, überwiegend aus basaltischer Lava bestehender Schildvulkan auf dem Grund eines ehemaligen Meeres erhebt, sondern dass in einem Pit-Krater in seiner Caldera permanent ein Lavasee köchelt. In unregelmäßigen Abständen zerreißen kleine Lavafontänen die dünne Kruste aus erstarrter grauer Lava und ziehen für wenige Minuten feurige Spuren über den See. Unter der dünnen Lavahaut tobt ein brodelndes Inferno. Die oberflächlich erstarrte Lava zerbricht in dünne Platten, die über den See treiben. Die Bruchstellen glühen rot von nachquellender Lava. Motor dieser kontinuierlichen Bewegung ist die Konvektion im See; sie ist mit den Prozessen vergleichbar, welche die Kontinente wandern lassen.
Die Caldera des Erta Alé misst ca. 1800 x 800 Meter. Am nördlichen Ende der Caldera befindet sich ein zweiter Pit-Krater mit einem Durchmesser von ca. 350 Metern. Im Frühjahr 2009 wurde dort von einem aktiven Hornito berichtet und zwischen 1968 und 1973 kochte in ihm ein Lavasee. Seitdem erodieren die Kraterwände und stürzen immer weiter ein. Auch die Morphologie des aktiven Pit-Kraters im Süden ändert sich ständig. Bei meinem ersten Besuch im Dezember 2002 war er ca. 85 Meter tief. Auf halber Höhe befand sich eine Terrasse. 2 Jahre später war der Lavasee erstarrt. Auf der Lavaplatte bildete sich ein dampfender Hornito, aus dem es gelegentlich zu kleinen Eruptionen kam.
Bei meinem Besuch im Februar 2008 gab es 2 Terrassen. Der Spiegel des Lavasees befand sich knapp 2 Meter unterhalb der 2. Terrasse. Der Lavasee war deutlich kleiner als er sich während meiner ersten Reise zeigte. Am letzten Tag meines Aufenthaltes bildete sich ein Deckel aus erstarrter Lava. Der Druck unterhalb des Deckels stieg an und ließ den Seespiegel steigen, sodass sich die Gesteinsschmelze über die Terrasse ergoss.
Expeditionen aus dem Frühjahr 2010 berichten von einem hohen Stand des Lavasees. Dieser ist im Durchmesser etwas kleiner geworden, stand aber kurz unterhalb der ersten Terrasse. Chris Weber seilte sich auf diese ab und machte fantastische Videoaufnahmen.
Gegenüber meiner ersten Reise in die Danakil hat die Gegend viel von ihrem abenteuerlichen Reiz eingebüßt. Die "wilden" Afars habe die Touristen als Geldquelle entdeckt und organisieren Kamelsafaris bis zum Kraterrand. Dort haben sich die Führer kleine Hütten gebaut, die Schutz vor der sengenden Sonne bieten. Auch die bescheidenen Siedlungen am Assale-Salzsee sind mehr und mehr auf Touristen eingestellt. Zu dem neuen Boom führen sicherlich viele Medienberichte, die aber längst nicht immer die Wahrheit wiederspiegeln. Einheimische erzählten von einem großen Filmteam der BBC, das hier ein Hochzeitsvideo drehte. Das Brautpaar wurde extra aus einem Dorf aus dem Hochland herangefahren und alles mit großem Aufwand inzeniert.
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