Steckbrief
Piton de la Fournaise

Steckbrief: Lage: 21.23 S 55.71 E La Réunion
Höhe: 2631 m
Art: Schildvulkan
Petrographie: Basalte (Olivin Tholeiit Basalt)
Ausbruchsart: Hawaiianisch
Letzter Ausbruch: 2009
 
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 Piton de la Fournaise

Die Insel La Réunion liegt im Indischen Ozean über einem so genannten Hot Spot, einer besonders heißen Stelle im Erdmantel, an der basaltische Schmelze bis in die Erdkruste aufsteigt. Die ozeanische Platte driftet über einen solchen stationären Hot Spot hinweg und hinterlässt an der Erdoberfläche eine Vulkankette. Auf La Réunion sind der erloschene Piton des Neiges und der aktive Schildvulkan Piton de la Fournaise (= "Glutofen") die sichtbaren Mitglieder dieser Vulkankette. Der "Glutofen" ist ein recht junger Vulkan, dessen Formung vor ca. 360.000 Jahren einsetzte. An seiner Basis hat er einen Durchmesser von 50 Kilometern, und an seinem Gipfel entstanden zwei ineinander geschachtelte Calderen. Die äußere Caldera heißt Rempart; in ihr liegt die Enclose Fouqué. Dieser innere Einsturzkrater misst 13 x 8 Kilometer und ist zum Meer hin offen, hat also die Form eines Hufeisens. Der zum Ozean offene Hang umschließt ein Gebiet, das Grand Brulé genannt wird; es ist häufig Schauplatz großer Spalteneruptionen. Durch dieses Gebiet fließen die Lavaströme hinab in Richtung Meer. In der "Enclose Fouqué" befindet sich auch der Gipfelkegel mit den beiden Kratern Dolomieu und Bory.

Lavafontäne Fournaise

Lavastrom Fournaise

Fournaise

Der Piton de la Fournaise zählt zu den aktivsten Vulkanen der Welt. Seit dem 17. Jahrhundert ist er mehr als 160 Mal ausgebrochen. Normalerweise sind seine Ausbrüche innerhalb der Caldera recht ungefährlich, doch gelegentlich öffnen sich auch Spalten am Vulkanhang außerhalb der Calderaränder; dann können Lavaströme in bewohnte Gegenden fließen und Ortschaften bedrohen. 1977 zerstörte ein solcher Lavastrom Häuser im Ort Sainte-Rose und kesselte die dortige Kirche teilweise ein, ohne sie jedoch zu zerstören.

Im Jahr 1998 trat der Pt. de la Fournaise in einer äußerst aktiven Phase ein. Zuvor ruhte der Vulkan 6 Jahre lang und sammelte Kraft. Anfang des Jahres 1998 mehrten sich dann die Anzeichen für einen bevorstehenden Ausbruch. Der Berg schwoll wie ein Hefeklos an, weil Magma aufstieg. Gleichzeitig nahm auch die Erdbebenhäufigkeit zu. Am Samstag dem 7. März wurden erste Warnungen ausgesprochen. Am Sonntag dem 8.März begann eine seismische Krise. Es wurden über 1000 Erdbeben in der Stunde registriert. Die Vulkanologen schlugen nun endgültig Alarm. Der Ausbruch stand unmittelbar bevor. Am Montag um 15.05 Uhr setzte der Tremor, ein beständiges Beben und Zittern der Erde, ein. Das Magma war unterwegs! An der Flanke des Vulkans riß der Boden auf, ein Spaltensystem vom Gipfel des Fournaise bis zu einem Nebenkrater entstand. Auf einer Länge von 1 Kilometer schossen 50 Meter hohe Lavafontänen in die Luft. Nach einer Stunde schloß sich der größte Teil des Spaltensystems wieder. Am folgenden Tag konzentrierte sich die vulkanische Aktivität auf zwei Eruptionszentren. Ein Lavastrom floss Richtung Meer, allerdings ohne dieses zu erreichen. Am 11. März öffnete sich an der Nordwest-Flanke ein weiterer Spalt, der nur wenig Lava förderte. Ab Ende März war nur noch der Krater Kapor aktiv. Der Krater Katja und Maurice Krafft (benannt nach dem 1991 am Vulkan Unzen verstorbenen Vulkanologenpaar) und der kleine Krater im Nordwesten, dampften nur noch vor sich hin.
Diese Eruption stellte den Auftakt für eine ganze Serie von Ausbrüchen in der Enclose Fouqué dar. Seitdem brach der Vulkan 2 -3 mal im Jahr aus.
Spektakulär war ein Ausbruch im September 2004. Innerhalb weniger Tage erreichten die Lavaströme den Ozean. Ein Kampf der Elemente entbrannte und riesige Dampfwolken stiegen in den Himmel.
Im April 2007 öffnete sich im Grand Brulé eine Spalte, deren unteres Ende sich auf einer Höhe von nur 500 Metern über dem Meeresspiegel befand. Innerhalb eines Tages floss die Lava ins Meer. Auf der Spalte bildeten sich einige Kegel, aus denen Lavafontänen in den Himmel schossen. Die Lavaströme flossen am Rand der Caldera entlag und besonders die Gase bedrohten die Ausläufer des Ortes Tremblet. Die aus dem Ozean aufsteigenden Dampfwolken ließen schwefelsauren Regen über die Bergwälder ab und entlaubte die Bäume. Dieser Ausbruch zählte zu den stärksten Eruptionen der letzten 100 Jahre! Der Riss bildete sich im unteren Bereich der Magmakammer, woraufhin eine sehr heiße Restschmelze mit großen Olivinkristallen auslief. Diese tholeitische Basaltlava wird Ozeanit genannt. Der fallende Magmaspiegel verursachte im Gipfelbereich eine Serie von Erdrutschen und Bodenabsenkungen, in deren Folge die beiden Gipfelkrater miteinander verschmolzen.

Seit dieser Eruption ist es am Fournaise relativ ruhig geworden! Es ereigneten sich nur einige kleinere Ausbrüche im Gipfelkrater.