Vulkane auf Island
Island liegt mitten im Nordatlantik, nur 287 km von Grönland entfernt und ist ungefähr so groß wie Bayern und Baden Württemberg zusammen. Politisch gehört die Vulkaninsel zu Europa, geografisch mehr zu Nord-Amerika und geologisch zu beiden Kontinenten. Die Nahtlinie zwischen Nord-Amerika und Europa verläuft mitten durch Island. Sie ist durch ein SSW-NNE streichendes Riss-System gekennzeichnet, an dem viele der aktivsten Vulkane der Insel liegen.Unterseeisch setzt sich diese kontinentale Naht im Mittelatlantischen Rücken fort. An diesem unterseeischen Gebirgsrücken entsteht in einem geologischen Schöpfungsakt neue ozeanische Kruste. Es ist auch der Ort des "seafloor spreading", denn durch die Neubildung ozeanischer Kruste werden die Kontinentalplatten auseinander gedrückt. Die Kontinente wandern und die Distanz zwischen Nord-Amerika und Europa vergrößert sich jährlich um ca. 2 cm.
Island verdankt seine Existenz nicht nur dem Mittelatlantischen Rücken, sondern auch einem "hot spot". Eine gewaltige Magma-Blase steigt aus dem oberen Erdmantel auf und wölbt die Erdkruste nach oben. Den Rest erledigte die vulkanische Tätigkeit und ließ Island zu der größten Vulkaninsel weltweit wachsen.
Auf Island gibt es gut 130 Vulkane von denen 18 in historischen Zeiten aktiv waren. Insgesamt geht man von 30 potentiell aktiven Vulkanen auf Island aus. Die auf Island vorkommenden Vulkantypen sind sehr unterschiedlich. Bedingt durch die Entstehungsgeschichte der Insel und ihrer besonderen Lage, kommen sowohl Intraplattenvulkane, als auch Vulkantypen vor, die typisch für Dehnungszonen sind. Neben Stratovulkanen, Schildvulkanen, Schlackenkegeln und Eruptionsspalten, stellen die subglazial entstandenen Tafelberg-Vulkane eine Besonderheit dar. Unter der Gletscherbedeckung entstanden, haben diese Vulkane keine Spitze sondern eine flache Hochebene. Die meisten Vulkane unter den großen Gletschern bildeten mächtige Calderen im Gipfelbereich. Diese Calderen entstanden nicht zwangsläufig durch Kollaps nach Plinianische Eruptionen, sonder können auch effusiv entstanden sein, indem große Mengen dünnflüssiger basaltischer Schmelze durch Eruptionsspalten abflossen.
Viele Vulkane auf Island sind Teil großer Vulkansysteme. Ausgehend von einem Zentralvulkan ziehen sich Spalten durch die Insel, die in Richtung der Hauptstörungszonen verlaufen. Entlang dieser Spalten kommt es immer wieder zu Eruptionen. Bei den Zentralvulkanen selbst handelt es sich meistens um die großen subglazialen Calderavulkane.
Heute noch brechen Vulkane unter dem Eis aus. Katla, Bárðarbunga (Bardarbunga) und Grimsvötn sind die prominentesten Beispiele hierfür. Letzterer ist zuletzt im November 2011 ausgebrochen. Die Unmengen Schmelzwasser, die bei einer subglazialen Eruption entstehen, schießen meistens als Jokulhlaup (Gletscherlauf) über die endlosen Sanderflächen an der Ostküste Islands. Dabei können die Wassermassen große Schäden an der Ringstraße verursachen.
Im langjährigen Durchschnitt bricht auf Island alle 10 Jahre ein Vulkan aus, wobei sich die Intervalle in den letzten Jahren ehr auf 5 Jahre zu verkürzen scheinen. Der dramatischste Ausbruch ereignete sich am Pfingstsonntag des Jahres 1783. Nahe des Vulkans Laki öffnete sich eine 12 km lange Eruptionsspalte. Innerhalb von 10 Monaten wurden 15 Kubikkilometer Lava gefördert. Es wurde sehr viel Schwefeldioxid ausgestoßen das dramatische Wirkungen auf die Vegetation und das Klima hatte. In der Folge verhungerten auf Island knapp 10.000 Menschen. Auf den Britischen Inseln, in 1000 km Entfernung, verhungerten sogar 25.000 Menschen.
Als die Tätigkeit im Februar 1784 nachließ, blieb eine 27 Kilometer lange Kraterreihe aus über 130 Einzelkratern zurück. Niemals wurde von solchen Lavamassen berichtet, die auf einmal an die Erdoberfläche austraten.
Chronik der wichtigsten Vulkanausbrüche in der jüngeren Geschichte Islands
1875 Askja Die Eruption der Askja und die damit einhergehende Calderabildung war einer der stärksten Vulkanausbrüche auf Island in der neueren Geschichte. Die Eruption dauerte mehrere Monate.
1918 Katla Subglazialer Vulkanausbruch im Jahr 1918. Die Eruption dauerte 24 Tage. Ein großer Gletscherlauf verwüstete zahlreiche Gehöfte. Es flossen pro Sekunde bis zu 200.000 m³ Schmelzwasser ab.
1963 Surtsey: Die submarine Eruption vor Vestmannaeyjar ließ eine neue Vulkaninsel auftauchen. Heute ist sie ein El Dorado für Naturforscher und nur mit Sondergenehmigung zu betreten.
1973 Heimaey: Ende Januar brach der Vulkan Eldfjall auf der Insel Heimaey aus. Lavaströme und Vulkanasche begruben über 100 Häuser des nahe gelegenen Ortes. Ein Lavastrom floss ins Meer und drohte den Hafen zu verschütten.
1975- 1984 Krafla: Die Spalteneruption dauerte ungewöhnlich lang und fand in mehreren Phasen statt. Dabei wurden ca. 0,18 Kubikkilometer Lava gefördert. Die Eruption schuf das Leirhnjúkur-Lavafeld und ist als Krafla-Feuer bekannt geworden.
1996 Grimsvötn / Bardarbunga: Subglaziale Eruption entlang einer Spalte (Gjalp) zwischen den beiden Vulkanen . Ein großer Gletscherlauf zerstörte Brücken entlang der Ringstraße. Die Eruption fand 1996 statt.
2000 Hekla: Eine vergleichsweise kleine Eruption zwischen dem 26. Februar und dem 8. März. Trotz der geringen Dauer fand die Eruption in 4 Phasen statt: explosive Phase, Lavafontänen, strombolianische Eruptionen, hawaiianische Phase. Es entstanden keine Schäden.
2004 Grimsvötn: Eine subglaziale Eruption in der Caldera des Vulkans, lässt Vulkanasche bis zu 13 km hoch aufsteigen.
2010 Eyjafjallajökull: Der Vulkanausbruch am Gletschervulkan Eyjafjallajökull fand in 2 Phasen statt. Im März 2010 begann eine hawaiianische Spalteneruption am Fimmförduhals-Pass. Als diese im April endete begann eine explosive Eruption des Zentralvulkans unter dem Eis. Der Flugverkehr über Europa wurde stark beeinträchtigt.
2011 Grimsvötn: Erneute Subglaziale Eruption im Mai 2011. Die Eruptionswolke stieg bis zu 19 km hoch auf. Diese Höhe erreichte allerdings nur Wasserdampf. Vulkanasche stieg bis zu 7 km hoch auf. Der Ausbruch endete nach 6 Tagen.
2014 Bradarbunga: Mitte August begann eine seismische Krise unter dem Vatnajökull. Von der Bardarbunga-Caldera bereitete sich ein magmatischer Gang aus der 30 km in nördlicher Richtung migrierte. Am 31. August begann 4 km vor dem Gletscher eine effusive Spalteneruption. Innerhalb einer Woche förderte sie mehr Lava als die mehrjährige Krafla-Eruption.
Stand 2014


