Ol Doinyo Lengai




Steckbrief:

Lage: 2.751°S, 35.902E    Afrika, Tanzania
Höhe: 2960 m
Art: Stratovulkan
Petrographie: Natriumkarbonatit
Ausbruchsart: Explosiv / Effusiv
Letzter großer Ausbruch: 1967
Status: Aktiv
Links:




Berg der Götter

Der 2950 Meter hohe Ol Doinyo Lengai liegt im Norden Tansanias, ca. 2 ° südlich des Äquators und inmitten des Ostafrikanischen Grabenbruchs, dem Rift Valley (siehe Karte und Satellitenaufnahme). An dieser kontinentalen Nahtstelle entstand und entsteht ein einzigartiger Stratovulkan, der eine sehr niedrigviskose (dünnflüssige), natrium-karbonatitische Lava fördert. Haben "normale", silikatische Schmelzen Temperaturen um 1000 °C, so ist die Lava des Lengai nur etwa halb so heiß. Während unserer Expedition im Oktober 2000 maßen wir Temperaturen um 510 °C. Nur nachts konnten wir eine leichte Rotglut sehen; sonst ist die karbonatitische Lava schwarz und erinnert in ihrer Konsistenz an Schlamm.


Die Minerale der erkalteten Lava reagieren mit der Luftfeuchtigkeit; innerhalb weniger Tage wird die Lava weiß und zerfällt später zu einem feinen Pulver (siehe Fotoserie). Nur ca. 5% des Lengais bestehen aus dieser Lavaart. Bei den restlichen Gesteinen handelt es sich um Silikate und bei ihnen überwiegen die Phonolite. Die Frage nach der Herkunft des Natriumkarbonatits, beschäftigt die Wissenschaftler bis heute. Große Ascheeruptionen sind aus den Jahren 1917, 1926, 1940 und 1966-67 bekannt. 1966 wurde eine 4 Kilometer hohe Aschewolke beobachtet. 1983 fanden kleinere Ascheeruptionen statt. Seitdem beschränkt sich die Aktivität auf vergleichsweise milden Lavaausfluss innerhalb des Kraters. Dieser wurde in den letzten Jahren praktisch vollständig aufgefüllt, so dass ein Plateau im Krater entstand. Nur selten fließen Lavaströme über den Kraterrand.
Innerhalb des Kraters bilden sich schornsteinähnliche Lavatürme (Hornitos), oder kleine Cones. In ihnen sammelt sich die aufsteigende Lava zu Pools. Aus Rissen tritt sie aus und bildet, oft nur wenige Zentimeter dicke, Pahoehoe Lavaströme. Aa-Lavaströme sind seltener, aber dafür mächtiger. Nicht selten ist Lava-Spattering zu beobachten. Die Lava spritzt dabei unter Druck in kleinen Fontänen aus Öffnungen der Hornitos. Die Auswurfsweite beim Spattering kann sich auf wenigen Zentimetern beschränken, genauso gut können mehrere Meter hohe Fontänen entstehen. Natrium-karbonatitische Lava ist extrem gasreich und schäumt am Förderschlot regelrecht auf.
Dramatisch ist die Rissbildung innerhalb des Kraters. Seit 1999 hat sich verstärkt ein radiales Risssystem gebildet. (siehe Karte). Einige dieser Risse laufen durch den gesamten Krater und durchschlagen die Kraterwand, die dadurch zusehends instabiler wird. Es liegt die Vermutung nahe, dass sich der Kraterboden hebt. Droht nun ein großer Ausbruch? Auf jeden Fall wird der Aufenthalt im Krater immer gefährlicher.



Nomenklatur:
Weltweit gibt es nur wenige Wissenschaftler und wissenschaftlich Interessierte, die sich mit dem Ol Doinyo Lengai befassen. Sie legen die Nomenklatur zur Bennenung der Hornitos fest. Jeder neue Hornito (Cone) bekommt eine T-Nummer (z.B. T 49). Jeder untergeordnete Hornito, bzw. jeder neue Hornito der eindeutig mit einem zuvor entstandenen in Zusammenhang steht, bekommt einen Buchstaben (z.B. T 49B, die nächste Genration hieße dann folglich T 49C).

Zu den regelmäßigen Besuchern gehören Celia Nyamweru, Chris Weber und Prof. Jörg Keller. So sind es im wesentlichen sie, die die Nomenklatur bei der Benennung der Hornitos festlegen.

Literatur:
Carbonatite Volcanism, C. Nyamweru, J.B. Dawson, J. Keller, Springer Verlag 1994
Effusive natroncarbonatite activity of O. Lengai, M. Kraft, J. Keller, 1990

Lengai-Links:
Stromboli-Online. P.Vetsch berichtet über seine Expedition 1995.
Celia Nyamweru. Die New Yorker Anthropologin beschäftigt sich seit Jahren mit diesem fantastischen Vulkan.
Chris Weber. Der aus Wuppertal stammende Vulkanführer organisiert Reisen zum Lengai.




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