M E R A P I


Übersicht

Der Merapi liegt in Zentraljava, ca 60 km von der Küste entfernt. Er zählt zu den Subduktionszonen-Vulkanen des zirkumpazifischen Feuergürtels. Aufgrund seines hohen, zerstörerischen Potentails und der Nähe zur Millionenmetropole Yogjakarta wird er als Hochrisiko-Vulkan eingestuft und im Rahmen des Dekadenprogrammes ständig beobachtet. Hier wurde praktisch schon alles ausprobiert, was die moderne Vulkanologie an Untersuchungsmethoden aufwarten kann.


Typisch für Subduktionszonen-Vulkane, ist die Förderung sehr zähflüssigen Magmas, das nicht in klassischen Lavaströmen, oder Lavafontänen austritt, sondern sich in Form eines Domes am Gipfel des Vulkans aufstaut, solange, bis die Flanken des Lava-Domes so steil sind, das sie abrutschen, oder der ganze Dom in sich zusammenbricht. Der Dom besteht entweder aus einer Reihe sehr kurzer, sich überlagender Lavaströme, die den Schlot auffüllen, oder wächst von Innen her, indem sich die nachrückende Lava von unten in den Dom presst. Ein Dom kann über Monate, oder Jahre wachsen, bis es zu einem großen, katastrophalen Ausbruch kommt, sich in vielen kleinen Eruptionen entladen, oder sein Wachstum igendwann einstellen, ohne das es zu einer nenneswerten Eruption gekommen wäre. Auch nach einem großen Ausbruch, können weitere Eruptionen folgen, wenn der Dom von neuem wächst. Während der Wachstumsphase kommt es dabei oft zu Steinschlägen und Ausbrüchen von Pyroklastischen Strömen. Das sind Asche- und Gerölllawinen, die auf einem Kissen superheißer Gase zu Tal rauschen. Die Gase können Temperaturen von 800 Grad Celsius erreichen und reduzieren die Reibung zum Untergrund soweit, das die Pyroklastischen Ströme bis zu 30 m/s zurücklegen. Dabei bewegen sie sich nahezu geräuschlos, eine tödliche Falle bei Nebel am Vulkan. Eine Flucht auf kurzer Distanz ist praktisch unmöglich. Nur wenige Menschen überlebten bisher den Kontakt mit einen Pyroklastischen Strom. Einer davon wurde durch dicke Gefängniswände geschützt, als 1902 bei einem Ausbruch des Mt Pelée auf Martinique eine ganze Stadt verwüstet wurde. Jüngste Opfer waren am Merapi 2 Männer, die am 15.06.06 bei der Evakuierung des Dorfe Kaliadem geholfen hatten. Sie suchten in letzter Sekunde Schutz in einem Notbunker am Ortsrand, der von einem Pyroklastischen Strom verschüttet wurde. Rettungskräfte machten sich soforrt an die Arbeit und maßen Temperaturen von 300 Grad. Zunächst bestand noch Kontakt via Mobiltelefon, der abbrach, als den Männern die Luft im Bunker ausging. Die Pyroklastischen Ströme entstehen, wenn große Lavapakete am Dom abbrechen und das in der Lava enthaltene Gas durch Fragmentation der Blöcke freigesetzt wird. Kollabiert der Dom, tritt durch die Druckentlastung das Gas explosionsartig aus und es kommt zu einem großen Ausbruch, bei dem vulkanische Aschen bis in die Stratosphäre aufsteigen können. Wenn der Auftrieb dieser gigantischen Aschewolken abbricht und sie in sich zusammenfallen, kann es auch zur Bildung großer, Pyroklastischer Ströme kommen. 1994 legte am Merapi ein Pyroklastischer Strom eine Entfernung von 12 Kilometern zurück und erreichte die Ausläufer des Dorfes Kaliurang. Damals starben 66 Menschen. Bei der jetzigen Ausbruchsphase legten die PF´s eine maximale Distanz von 6 km zurück.


Ein Pyroklastischer Strom besteht eigentlich aus 2 Teilen, der basalen Glutlawiene, in der tonnenschwere Lavablöcke transportiert werden können und der hoch aufsteigenden Glutwolke aus heißen Gasen und feinen Aschepartikeln. Die Aschepartikel stammen aus den zerfallenden Lavablöcken, aber auch aus aufgewirbelten, älteren vulkanischen Ablagerungen der Bergflanke.
Klassische Lavaströme gibt es aufgrund der hohen Viskosität (Zähflüssigkeit) der sauren, Siliziumdioxid reichen, Lava nicht. Was auf langzeitbelichteten Nachtaufnahmen wie Lavaströme aussieht, sind Schuttlawienen einzelner Lavabrocken, die vom Dom abbrechen und zu Tal kullern - was oft mit lautem Poltern und Rumpeln verbunden ist, dass einem schon einen Schauer über den Rücken jagen kann.
Tektonische Erdbeben sind oft mit Subduktionszonen assoziert, genauso, wie der Vulkanismus. An Subduktionszonen taucht die ozeanische Kruste unter die Kontinentale ab und wird in den Tiefen des oberen Erdmantels partiell aufgeschmolzen. Ein Teil des so entstandenen Magmas steigt hinter der Subduktionszone wieder auf und tritt an den Vulkanen aus. Der hohe Wassergehalt der ozeanischen Kruste erhöht zudem den Gasgehalt und die Explosionskraft dieser Vulkane, was sie besonders gefährlich macht.
Das Erdbeben vom 27.05.06, stand im Zusammenhang mit den Kräften der Plattentektonik, die für die Entstehung von Subduktionszonen verantwortlich sind. Das Epizentrum lag im Küstengebiet Javas, nur 50 km vom Merapi entfernt. Der Erdstoß der Stärke 6.2 zerstörte nicht nur zahlreiche Ortschaften und kostete 5800 Menschen das Leben, sondern löste auch einen großen Pyroklastischen Strom aus.




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