Gefahren einer VulkanbesteigungSo faszinierend Vulkane auch sind, so geht von den feuerspeienden Bergen doch immer eine gewisse Gefahr aus. Jeder, der sich in unmittelbarer Nähe zu aktiven Vulkanen begibt, sollte sich dieser Gefährdung von Leib und Seele bewußt sein. Ich möchte an dieser Stelle nicht über große Vulkankatastrophen schreiben, noch dramatisieren, sondern mich an all jene wenden, die, vielleicht angeregt durch unsere Videos und Fotos, nun auch einmal den Reizen des Vulkanismus erliegen wollen. So richten sich meine Zeilen in erster Linie an den vulkaninteressierten, aber noch unerfahrenen Reisenden, der in seinem Urlaub einen aktiven Vulkan erfahren will!
Leider werden Warnungen oft in den Wind geschrieben, oder was noch schlimmer ist, es werden gar keine ausgesprochen. Manchmal bleibt dazu auch keine Zeit, denn Vulkane sind -trotz exaktester wissenschaftlicher Beobachtung- immer noch unberechenbare Wesen. Genaue Vorhersagen von Aubrüchen sind sehr schwierig. Außerdem sind es nicht nur die katastrophalen Eruptionen die gefährden. Am Beispiel Stromboli sieht man das deutlich. Meistens scheinen die Ausbrüche von berechenbarer Größe zu sein, doch plötzlich ereignet sich eine Eruption, die größer ist als alle vorangegangenen. Die Lavabrocken können dann bis auf den Pizzo fliegen, wo sich im Sommer viele Touristen aufhalten. So gab es im Juni und September 1996 zum Glück nur Verletzte bei solch unerwartet hohen Eruptionen, doch auch Tote gab es schon. Viele tragen aber die Schuld an ihrem Unglück selbst. Sie ignorierten gut gemeinte Ratschläge und Warnungen und näherten sich den Lavafontänen zu sehr. Im Fall Stromboli sollte man die relative Sicherheit auf dem Grat der Cima und auf dem Pizzo nicht verlassen. Auch postvulkanische Erscheinungen können gefährlich sein. So enthalten vulkanische Dämpfe u.a. Schwefel, Wasserstoff und Chlorverbindungen, die in der Atmosphäre schnell zu Säuren reagieren. In zu hohen Dosen eingeatmet können sie die Atemwege schädigen und die Augen reizen. Eine weitere Gefahr ist das Gas Kohlenmonoxid. Man sieht es nicht, noch kann man es riechen, doch da es schwerer als Luft ist, sammelt es sich in Niederungen (Vulkankratern) an. Ohne sich dessen bewußt zu sein kann man dann ersticken, bzw. wenn man merkt das etwas nicht stimmt, dann ist es schon zu spät. In heißen Quellen badet es sich nicht nur schön, sondern sie können auch unangenehm heiß sein. Selbst am Strand von Vulkano kann man sich die Füße verbrennen. Das gleiche gilt natürlich auch für Mudpools. Die oft nur Zentimeter mächtigen mineralischen Krusten in Thermalgebieten können unter Deinen Füßen einbrechen. Im günstigsten Fall verbrühst Du dir den Fuß, im ungünstigsten Fall verschwindest Du im Hardes. So geschehen 1991 im Krater des Mutnowskij Vulkans in Kamtschatka. Damals brach ein Geologiestudent durch die Krusten und stürzte in heiße Schwefelsäure. Später bargen seine Kollegen einen einzelnen Knochen. (Uwe George "Geo" Nr.12/1995) Wie gesagt möchte ich hier nicht dramatisieren, sondern nur darauf aufmerksam machen, daß die Gefahren real sind und immer ein Restrisiko bleibt. Konkret drohen Verbrennungen, Steinschlag, Vergiftungen und Erstickungstod, hinzu kommen die Gefahren des Alpinismus, je nach Schwierigkeitsgrad der Tour. Wer sich aufmacht, einen Vulkan zu erforschen, seine Urlandschaften zu entdecken, sollte zumindest folgende Ratschläge berücksichtigen (ohne Gewähr auf Vollständigkeit): Erkundige Dich über den aktuellen Zustand des Vulkans. Geeignete Stellen sind natürlich vulkanologische Stationen und Observatorien, die es praktisch an allen Vulkanen gibt, zu denen gewöhnlich Touristen reisen. Aber auch hier, im Internet gibt es aktuelle Infos. Vielleicht erhält man brauchbare Auskünfte in Touristeninformationen. Einheimische Führer sollten wissen worauf sie sich einlassen. In manchen Ländern gehen einheimische Führer aber ein größeres Risiko ein, als ich für vertretbar halte. Hier steht oft der Verdienst, nicht die Sicherheit im Vordergrund. Viele Anwohner verleugnen oft die Gefahren ihres Vulkans, schließlich leben sie ja hier. Zur Vorbereitung gehören auch Erkundigungen über das Wetter. Nur bei stabiler Wetterlage sollte man den Aufstieg wagen. Doch auch auf einen Wetterumschwung muß man gefaßt sein. Vielleicht macht man sich auch Gedanken über die Behandlung von Brandwunden und verstauchten Gelenken. Außerdem empfiehlt es sich eine gute Reisekrankenversicherung abzuschließen. Bergungskosten (per Hubschrauber) sind sehr hoch. Bereite Dich auf deine Tour gut vor. Eine sorgfältig zusammengestellte Ausrüstung ist sehr wichtig. Festes Schuhwerk, am geeignetsten sind Wanderstiefel, ist das A und O. Ich wundere mich immer wieder über die Touristen, die so optimistisch sind in Badesandalen auf Vulkanen rumzulatschen. Dazu -auch im Sommer- wetterfeste Kleidung zum wechseln. Wer die Nacht am aktiven Vulkan verbringt (Bsp. Stromboli), sollte auf Schlafsack und Isomatte nicht verzichten. Auf unserer Stromboli Tour im Frühjahr 1997 verzichteten wir aus Gewichtsgründen auf den Schlafsack; Es wurde eine sehr ungemütliche und kalte Nacht! Sehr wichtig ist es, sich ausreichend zu proviantieren (Wasser, Wasser, Wasser), denn Verkaufsstände gibt es auf den meisten Vulkanen (Gott sei Dank) noch nicht. Mit Ausnahme vielleicht von Indonesien, wo die durchtrainierten, kleinen Sherpas Coca Cola hinter den Vulkantouristen herschleppen. Selbstverständlich gehört auch eine Taschenlampe ins Gepäck, genauso Sachen zur Ersten und Letzten Hilfe. Sicherlich ist es auch Ratsam schützende Kleidung, insbesonders einen Helm und eine Atemmaske mitzunehmen. Kleidung aus Nomex (zu beziehen über die Firma Tempex, oder in Geschäften die Arbeitsbekleidung anbieten) schützt bis zu einem gewissen Grad vor Verbrennungen. Man muß dann noch darauf achten, daß alles nicht zu schwer wird! Generell empfiehlt es sich die ersten Touren zu einem unbekannten Berg mit einer geführten Gruppe zu unternehmen. Für Leute die alleine gehen ist zumindest ein Minimum an Bergerfahrung nötig. Bereits beim Aufstieg die Aktivitäten des Vulkans beobachten. Sind die Eruptionen größer als erwartet oder beschrieben, sollte man auf seinen gesunden Menschenverstand hören und sich nicht weiter nähern. Einen vernünftigen Sicherheitsabstand zur Lava, auch zu Lavaströmen, sollte man so oder so einhalten. Wer doch einmal von einer unerwartet großen Eruption überrascht wird, sollte nicht in blinder Panik davonlaufen, sondern versuchen Lavabrocken zu beobachten und auszuweichen. Doch in manchen Fällen hilft kein taktischer Rückzug mehr, sondern nur noch schnelle Flucht. Wer auf heißer Lava steht, sollte seine Füße immer bewegen, ansonsten können die Stiefelsohlen schmelzen! Ein Anliegen, daß mir besonders am Herzen liegt, möchte ich noch an dieser Stelle erwähnen. Jeder Reisende, der sich auf eine Vulkantour begibt, sollte sich bewußt sein, daß er ein Stück Natur betritt, die sich noch weitgehend dem menschlichen Handeln entzieht. Also hinterlasse in diesem Stück Urlandschaft nicht deinen Zivilisationsmüll. Denn wenn es so weitergeht liegen am Krater des Stromboli bald mehr Getränkedosen, Weinflaschen und Plastiktüten, als vulkanische Gesteine. Für mich ist dieses Verhalten unverständlich. Derjenige, der seinen Proviant den Berg hinauf trägt, sollte auch in der Lage sein, die Verpackungen mit hinunter zu nehmen. Außerdem werden durch den Müll auch immer mehr Ratten angelockt, die für den Vulkangänger sehr unangenehm werden können. Apropos Weinflaschen, Alkohol gehört sowieso nicht auf den Berg. An Gruppen möchte ich appellieren dort keine wilden Feten zu feiern, sondern lieber die geheimnisvolle Atmosphäre wirken zu lassen. Ich hoffe das ich hiermit niemanden vergrault habe. In den allermeisten Fällen ist es relativ ungefährlich einen Vulkan wie den Stromboli zu erkunden und sich von den Eruptionen verzaubern zu lassen. Und schließlich, ich will es nicht leugnen, liegt in dem verbleibenden Restrisiko ja auch ein Teil des besonderen Reizes einer Vulkanbesteigung. Ohne den besonderen "Vulkankitzel" wäre ein Feuerberg halt kein lebendiger Berg. |