Vulkan-News 09.04.22: Shiveluch

Staat: Russland | Koordinaten: 56.65; 161.36 | Eruption: Dom

  • Vom Shiveluch gingen 2 Aschewolken aus.
  • Sie erreichten Höhen von 9400 m und drifteten Richtung Norden
  • KVERT meldete sporadische Wärmeanomalien vom Dom

Auf der sibirischen Halbinsel Kamtschatka ist der Shiveluch ausgebrochen. Laut VAAC Tokio wurde eine Aschewolke eruptiert. Sie erreichte eine Höhe von 9400 m und wurde vom Wind in Richtung Norden verfrachtet. Heute gab es bereits 2 VONA-Meldungen, die um 12:04 UCT und 15:50 UCT veröffentlicht wurden. Es waren die Meldungen 41 und 42 in diesem Jahr. Zuletzt konnte man im März thermische Anomalien auf Sentinel-Fotos ausmachen. Auf jüngeren Fotos präsenteierte sich der Vulkan wolkenverhangen. MIROVA detektierte am 7 März eine schwache Wärmestrahlung. Der VONA-Alarmstaus steht auf „orange“.

Das zuständige Observatorium auf Kamchatka (KVERT) schreibt aktuell zum Shiveluch: „Das Wachstum des Lavadoms hält an, eine starke fumarolische Aktivität, ein Glühen des Lavadoms und heiße Lawinen begleiten diesen Prozess. Die Satellitendaten von KVERT zeigten eine thermische Anomalie über dem Vulkan.“

Typische Aktivität des Vulkans Shiveluch

Im hufeisenförmigen Kessel des Shiveluch-Kraters wächst seit Jahren ein Lavadom. Ruhigere Phasen wechseln sich mit lebhafteren Perioden ab. Typisch sind dann Abgänge von Schuttlawinen und Pyroklastische Ströme, die häufig hochaufsteigende Aschewolken erzeugen. Darüber hinaus gibt es aber auch rein explosive Ereignisse.

Die letzte eruptive Hochphase ereignete sich im August/September letzten Jahres. Damals wurde eine sehr hohe Thermalstrahlung festgestellt und der Dom wuchs ordentlich.

Weitere Eruptionen auf Kamtschatka

Der Shiveluch ist derzeit nicht der einzige aktive Vulkan auf Kamchatka. In den letzten Wochen stand der Domvulkan Bezymianny häufiger in den Schlagzeilen. Kollaps-Ereignisse am Dom förderten Pyroklastische Ströme und Aschewolken wurden eruptiert. Die Extrusion von Lava am Dom geht weiter und der Vulkan ist fumarolisch aktiv. Zudem gehen Schuttlawinen ab. KVERT berichtet von thermischen Anomalien. Die letzte größere Aschewolke wurde vom VAAC Tokio am 31 März festgestellt. Sie erreichte eine Höhe von 3700 m.

Erdbeben-News 09.04.22: Marokko

Datum: 09.04.22 | Zeit: 03:55:18 UTC | Lokation: 36.06 N ; 4.17 W | Tiefe: 20 km | Ml 3,5

Kurz vor der marokkanischen Mittelmeerküste gibt es wieder ein Schwarmbeben, das vom EMSC der Straße von Gibraltar zugeordnet wird. Dabei liegen die Epizentren über 100 km östlich der Meerenge. In den letzten 2 Tagen wurden vom EMSC 50 Erdbeben mit Magnituden ab 2 registriert. Das stärkste Erdbeben heute hatte eine Magnitude von 3,5 und ein Hypozentrum in 20 km Tiefe. Die Tätigkeit begann schon früher, sodas der Erdbebenschwarm Hunderte Erschütterungen umfasst. Der stärkste Erdstoß der vergangenen Monate brachte es am 28. August 2021 auf eine Magnitude von 5,3.

Mehrere Erdbebensequenzen im Norden Marokkos ereigneten sich an Blattverschiebungen

Die Beben manifestieren sich an einer offshore-Störungszone vor dem Küstenort Al Hoceima. Die Störungszone steht im Zusammenhang mit der Plattenkollision zwischen Europa und Afrika und ist kein unbeschriebenes Blatt: Im Jahr 2004 ereignete sich hier ein starkes Erdbeben der Magnitude Mw 6,4. Damals starben mehr als 600 Menschen, als die Lehmhäuser der umliegenden Dörfer wie Kartenhäuser in sich zusammenfielen. Dementsprechend besorgt ist man Vorort, dass die anhaltenden Schwarmbeben Vorboten eines stärkeren Erdbebens sein könnten.

In den vergangenen Jahrzehnte gab es bereits mehrere Erdbebensequenzen, die sich entweder offshore zutrugen, oder unter dem Land. Die Beben vor der Küste manifestieren sich dabei an einer rechtslateralen Blattverschiebung in der Alboransee, die Erdbeben an Land ereigneten sich an einer gekoppelten linkslateralen Störung des küstennahen Rif-Gebirges. Die Tektonik der Region ist komplex, so wird die Gegend von unzähligen lokalen Störungen durchzogen und man muss mit weiteren Erdbeben rechnen. An den Hauptstörungszonen sind starke Erdbeben möglich, die sich katastrophal auswirken könnten. Die Blattverschiebungen sind vom gleichen Typ wie die bekanntere (und größere) San-Andreas-Fault in den USA.

Ein Blick auf die Shakemap enthüllt, dass es in den vergangenen Tagen nicht nur den Schwarm bei Al Hoceima gab. Im gesamten Raum des Kartenausschnitts erkennt man zahlreiche Erdbeben, die mit der Plattenkollision assoziiert sind. So ist es jederzeit möglich, dass sich starke Erdbeben ereignen können. Ein verlässliches Erdbeben-Vorhersagesystem gibt es nicht und in den betroffenen Regionen lebt man mit einer latenten Erdbebengefahr.

Indonesien: Vulkanreisen wieder möglich

Nach fast 2 Jahren ist es endlich wieder möglich, auf Vulkanreisen in Indonesien zu gehen. Welche Vulkane sind lohnende Reiseziele?

Zusammenfassung:

  • In Indonesien gibt es wieder Visa-On-Arrival
  • Dennoch gibt es Pandemie-bedingte Einreiseregeln
  • Mehrere Vulkane Indonesiens sind aktiv
  • Beachtet bei Reisen die Vulkangefahren

Endlich einmal eine gute Nachricht für alle Vulkanspotter: Einreisen nach Indonesien sind seit gestern wieder mit einem Visa-On-Arrival möglich. Allerdings ist die Einreise an einigen Bedingungen geknüpft. Das Auswärtige Amt schreibt dazu, dass Reisende jeden Alters einen englischsprachigen PCR-Test benötigen, der maximal 48 Stunden alt sein darf. Alle volljährigen Einreisenden müssen zudem einen vollständigen Impfschutz nachweisen. Außerdem ist eine behördliche Meldung via eHAC nötig, die in einer App („PeduliLindungi“) erfolgen kann. Wer nicht geimpft ist, muss fünf Tage in Quarantäne und sich mit einem kostenpflichtigen PCR-Test freitesten.

Zu welchem Vulkan in Indonesien könnte man reisen?

Indonesien ist ja immer eine Reise wert, besonders, wenn die Vulkane dabei im Fokus des Interesses stehen. Praktisch täglich gibt es Tätigkeitsmeldungen indonesischer Vulkane, von denen einige als daueraktiv eingestuft werden können. Dazu zählen die Feuerberge Ibu und Dukono auf Halmahera und der Semeru auf Java. Wenn man nicht ganz großes Pech hat, gibt es dort praktisch immer was zu sehen. In den letzten Monaten häufig in den News vertreten, ist der Lewotolok auf Lembata. Anak Krakatau im Sunda Strait ist phasenweise aktiv. Der Merapi auf Java ist ebenfalls seit gut 3 Jahren aktiv und baut an seinen Lavadomen. Bitte beachtet, dass es Zugangsbeschränkungen zu den eruptierenden Vulkanen geben kann und manchmal nur ein Fernblick erlaubt ist.

Auf Java gibt es noch den Kawah Ijen, der aufgrund seines Schwefelabbaus bekannt ist. Besonders Nachts lohnt sich ein Besuch, denn dann kann man den Schwefelbrand bewundern. Außerdem gibt es viele postvulkanische Erscheinungen in Indonesien, wie die Schlammvulkane von Bledug Kuwu. Diese zu besichtigen ist noch relativ ungefährlich, was man von den anderen vulkanischen Manifestationen nicht behaupten kann.

Mit welchen Gefahren muss ich auf einer Vulkantour in Indonesien rechnen?

Generell begibt man sich bei der Besteigung eines aktiven Vulkans in Lebensgefahr. Diesen Umstand sollte man nicht vergessen. Es drohen nicht nur Vulkangefahren, sondern auch die Gefahren des Alpinismus. Zudem muss man auf vulkanische Gase achtgeben, die einem besonders am Kawah Ijen begegnen. Ohne Gasmaske würde ich keinen Abstieg in den Krater riskieren. Besonders an dombildenden Vulkanen wie Merapi und Semeru drohen Steinschläge und Pyroklastische Ströme. An den Feuerbergen Ibu, Dukono und Lewotolok geht die größte Gefahr von explosiven Eruptionen aus. Außerdem können an allen aktiven Vulkanen mit Ascheablagerungen Lahare entstehen.

Man sollte bedenken, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist. Spielregeln könnten sich schnell wieder ändern, dann sitzt man unter Umständen im Reiseland länger fest. Hinzu kommt, dass das Reisen an sich nicht unbedingt sicherer geworden ist. Nach 2 Jahren der Zwangsisolation grassiert in vielen Schwellenländern wieder die Armut und die Gefahr Opfer eines Raubüberfalls, oder einer Entführung zu werden, ist bestimmt nicht geringer geworden. Trotzdem, genießt das Stückchen zurückerlangter Freiheit, wer weiß, wie lange es anhält?!