Deutschland: Erdbeben am Laacher See und anderswo

Erdbeben in Deutschland. © EMSC/Leaflet

Mehrere Erdbeben in Deutschland und Umgebung: Laacher-See-Vulkan, Filderstadt und Vogtland besonders betroffen

Seit gestern haben sich mehrere interessante Erdbeben in Deutschland und den Grenzregionen des Landes zugetragen, die ich hier kurz zusammenfassen möchte. Im Kontext von Vnet besonders interessant sind vier Mikrobeben südlich des Laacher-See-Vulkans, die sich seit gestern Abend bei Ochtendung ereignet haben. Das stärkste hatte eine Magnitude von 0,8 und eine Herdtiefe von 13 Kilometern. Das Epizentrum wurde 12 km westlich von Koblenz verortet. Bei Ochtendung verläuft die gleichnamige Störung, und Geoforscher vermuten, dass die Erschütterungen durch veränderte Spannungen infolge von Fluidbewegungen entstehen. Die Beben blieben an der Erdoberfläche folgenlos, passen aber in das Muster erhöhter Seismizität in der östlichen Vulkaneifel, das wir seit mehr als einem Monat beobachten können.

Laccher-See-Vulkan. © EMSC

Weitaus stärker war ein Erdstoß, der sich in der Nacht zum Dienstag 15 km östlich von Filderstadt in Baden-Württemberg abspielte. Das Beben der Magnitude 3,0 hatte eine Herdtiefe von nur 6 Kilometern und riss Anwohner mit spürbaren Erschütterungen und grollenden Geräuschen aus dem Schlaf. Das Erdbeben war mit einer Störung am Rand des Albtraufs assoziiert. Hierbei handelt es sich um die Steilstufe, die die Schwäbische Alb gegen das tiefer gelegene Land in Richtung Stuttgart abgrenzt.

Als dritten Bebenspot möchte ich das Vogtland aufführen, über das ich in den vergangenen Wochen öfter geschrieben habe. Der Erdbebenschwarm bei Luby und Kostelní auf der tschechischen Seite des Vogtlands hat sich weiter verstärkt. Es gab Hunderte Mikrobeben und allein in den letzten 24 Stunden sechs Beben mit Magnituden ab 2,0. Das stärkste Beben brachte es heute Vormittag sogar auf Mb 3,0. Das Epizentrum wurde 10 km südlich vom deutschen Klingenthal verortet. Es hatte eine Herdtiefe von nur 2 Kilometern und wurde von den Bewohnern der Gegend deutlich wahrgenommen. Zeugen beschrieben neben spürbaren Erschütterungen auch ein starkes Grollen. Wie auch die Beben in der Vulkaneifel vermutet man hier, dass sie durch tiefe magmatische Prozesse ausgelöst werden, die Fluide entlang von Störungszonen aufsteigen lassen und letztendlich die Beben an den Störungen auslösen.

Betrachtet man die weiter gefasste Shakemap, erkennt man, dass es auch eine Reihe schwacher Erdbeben bei Trier und Basel gab. Ein noch weiteres Blickfeld enthüllt mehrere Beben in Frankreich und Polen. Ein außergewöhnlich aktiver Bebentag für Mitteleuropa.

Masaya: INETER warnt vor erhöhter Erdrutschgefahr

Erhöhte Erdrutschgefahr am Vulkan Masaya: Behörden verschärfen Warnungen und sperren Aussichtsterrasse am Kraterrand

Die nicaraguanischen Behörde INETER hat für den Vulkan Masaya eine Erdrutsch-Warnung herausgegeben. Das Institut für Territorialstudien meldet eine zunehmende Instabilität im Santiago-Krater und warnt vor neuen Erdrutschen sowie kleineren explosionsartigen Ereignissen. Damit rückt einer der dynamischsten Vulkane Mittelamerikas erneut in den Fokus.

Aktuelle Überwachungsdaten zeigen, dass sich an den Innenwänden des Santiago-Kraters mehrere neue radiale Spalten geöffnet haben. Gleichzeitig wurden am nordwestlichen Rand der Nindirí-Ebene größere Blöcke instabilen Materials identifiziert. Diese könnten jederzeit abbrechen und in den Krater stürzen. Bereits jetzt ist die Häufigkeit solcher Felsstürze gestiegen.

Eine besonders brisante Gefahr geht von den niedrigenergetische Explosionen aus, deren Zahl in der letzten Wochen deutlich zugenommen hat. Das sind kurze, unvorhersehbare Detonationen, die entstehen, wenn Gase unter herabfallenden Felsmassen eingeschlossen werden und sich freisprengen. Zwar stellen diese Explosionen keine Gefahr für umliegende Gemeinden dar, im unmittelbaren Kraterbereich können sie jedoch lebensgefährlich sein.

INETER bekräftigt daher die bestehende Empfehlung, den Zugang zur Plaza Oviedo, einem großen Parkplatz mit Aussichtsterrasse am Kraterrand, in einem Radius von 800 Metern um den Krater strikt zu sperren. Die Instabilität mache den Aufenthalt im Kraterumfeld aus geologischer Sicht derzeit zu riskant.

Der Santiago-Krater wurde in den vergangenen Jahren vor allem durch seinen Lavasee bekannt, der zwischen 2015 und 2022 nahezu kontinuierlich aktiv war und Besucher aus aller Welt anzog. Auch danach brodelte die Lava gelegentlich im Schlot hoch. Im März 2024 änderte ein massiver Erdrutsch die Situation grundlegend: Große Mengen Material stürzten in die Öffnung und begruben den Lavasee vollständig.

Seither entweichen vulkanische Gase nur noch durch kleinere, teilweise offene Bereiche im Kraterboden. Die gemessenen Temperaturen liegen bei rund 100 °C. Das erneuerte Auftreten von Spalten und Erdrutschen zeigt, dass der Krater sich weiterhin strukturell verändert. Der Druck im Untergrund bleibt hoch, auch wenn der Lavasee selbst seit 2024 nicht mehr sichtbar ist.

Der Masaya ist ein basaltischer Schildvulkan mit mehreren überlappenden Calderen – ein System, das eher an hawaiianische Vulkane als an klassische Stratovulkane erinnert. Er gilt als eines der dauerhaft aktivsten Vulkansysteme der Region, bekannt für intensive Gasemissionen, häufige Felsstürze und wiederkehrende Lavaseephasen.

Sakurajima: Vulkanascheneruption bis auf 3000 m Höhe

Ascheeruption am Vulkan Sakurajima testet in Japan erneut die Alarmbereitschaft

In der Nacht zum Mittwoch kam es um 01:14 Uhr (UTC) am japanischen Vulkan Sakurajima zu einer kräftigen explosiven Eruption. Dabei steig eine Aschewolke bis in eine Höhe von etwa 3.000 Metern (Flughöhe 10000 Fuß) auf und bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von 20 Knoten in südöstlicher Richtung. Die Japan Meteorological Agency (JMA) und das Vulkanasche-Warnzentrum Tokyo (VAAC Tokyo) warnten vor der potenziellen Gefahr für den Flugverkehr und vor Ascheregen in der Region unter der Eruptionswolke. Beobachtungen zeigen, dass sich die Aschewolke im Verlauf des Tages weiter ausbreitete, während für die kommenden Stunden eine allmähliche Abschwächung erwartet wird.

Der Vulkan Sakurajima ist einer der aktivsten Vulkane Japans und hält seit mehreren Tagen die Region mit einer neuen Eruptionsserie in Atem: Seit dem 9. Dezember wurden 7 VONA-Warnungen veröffentlicht.

Wie das JMA berichtet, kam es zwischen dem 5. und 8. Dezember zu insgesamt zehn Ausbrüchen am Gipfelkrater Minami-dake, von denen vier explosionsartig waren. Vulkanische Gesteinsblöcke erreichten dabei die siebte Messstation, rund 700 Meter vom Krater entfernt. Die Aschesäule stieg zeitweise bis zu 1.700 Meter über den Kraterrand. Nachts registrierten Überwachungskameras zudem kleine Flammenerscheinungen im Krater. Am Showa-Krater hingegen blieben eruptive Aktivitäten aus, es wurden aber Dampfexhalationen beobachtet.

Eine Analyse der Schwefeldioxid-Emissionen ergab weiterhin hohe Werte, mit etwa 2.300 Tonnen pro Tag, was auf anhaltende Magmaaktivität tief unter der Erde hinweist. Vulkanische Erdbeben treten zwar selten auf, doch gelegentliche Erschütterungen wurden gemessen. Die Ausdehnung des tiefen Untergrunds hält weiter an.

Die Behörden warnen, dass große vulkanische Bomben und pyroklastische Ströme in einem Umkreis von zwei Kilometern um die Krater nicht ausgeschlossen werden können. Zudem besteht Gefahr durch vom Wind verwehte Schlacken und Aschepartikel, die auch auf weiter entfernten Gebieten niedergehen können. Aufgrund starker Luftdruckschwankungen sind Schäden an Fensterscheiben möglich.

Die Bevölkerung wird aufgefordert, die aktuellen Warnungen zu beachten und auf mögliche Schlammlawinen nach Regenfällen vorbereitet zu sein.

Vesuv: Außergewöhnliche Erdbeben registriert

Vulkanologen berichten von ungewöhnlichen Erdbeben am Vesuv – wahrscheinlich langperiodische Ereignisse

Der süditalienische Vulkan Vesuv stellt in aktiven Zeiten eine ernste Bedrohung für die knapp 700.000 Menschen dar, die in der Roten Gefahrenzone des Vulkans leben. Daher gehört der Feuerberg zu den am besten überwachten Vulkanen der Welt. Das INGV-Neapel veröffentlichte gestern den Monatsbericht für November. Daraus geht hervor, dass ungewöhnliche Erdbebensignale auftraten.

Insgesamt wurden vom seismischen Netzwerk des Vesuvs, das aktuell aus 18 dauerhaft installierten Messstationen besteht, 84 Erdbeben registriert, wobei das stärkste Ereignis am 14. November eine Magnitude von 2,4 erreichte. Auf Jahressicht wurden 884 Erdbeben erfasst. Die Anzahl der Beben lag im November damit leicht über dem Durchschnitt, doch insgesamt zeigen die beobachteten Parameter keine signifikanten Veränderungen.

Spektrogramme

Allerdings verzeichneten die Seismometer zwischen dem 14. und 19. November zusätzlich zehn seismische Ereignisse, deren Eigenschaften deutlich von den typischen vulkanotektonischen Beben des Vesuvs abwichen. Das auffälligste dieser Signale trat am 14. November um 20:38 UTC auf und weist ein Spektrum mit dominanten Frequenzen zwischen 3 und 4 Hz auf. Von den Vulkanologen wurden diese Beben nicht weiter spezifiziert.

Diese niedrigen, engbandigen Frequenzen unterscheiden sich klar von den hochfrequenteren vulkanisch-tektonischen Ereignissen, die durch spröde Gesteinsbrüche infolge von Fluidaufstieg entstehen. Die beobachteten Signale weisen stattdessen Merkmale niederfrequenter oder hybrider Ereignisse auf. Solche Signale entstehen häufig durch Bewegungen und Resonanzeffekte von Fluiden (z. B. Gas, Dampf oder hydrothermal erwärmtes Wasser) in Frakturen oder Kanälen innerhalb des vulkanischen Systems. Die Herdtiefe der Ereignisse wird auf etwa 4 bis 5 km geschätzt und liegt damit im Bereich des oberen magmatischen bzw. hydrothermalen Reservoirs.

Ähnliche niederfrequente oder resonanzartige Ereignisse wurden in der Vergangenheit nur selten registriert, sind aber am Vesuv dokumentiert. Frühere Untersuchungen beschreiben vergleichbare Signale als fluidinduzierte Resonanzen, die auf dynamische Prozesse innerhalb des magmatisch-hydrothermalen Systems hinweisen können. Im aktuellen Datensatz zeigen die Ereignisse jedoch keine Anzeichen für eine großräumige strukturelle Veränderung oder eine Zunahme magmatischer Aktivität.

Interessant ist allerdings, dass die anderen 84 Erdbeben im Bulletin als vulkanotektonisch bezeichnet werden, was angesichts der postulierten Schrumpfungs- bzw. Setzungsbeben widersprüchlich erscheint. Die Setzung des Gran Cono soll weitergehen und spiegelt sich in einer leichten Subsidenz wider. Die restlichen geophysikalischen und geochemischen Parameter des Vesuvs sind unverändert.

Obwohl es also eine Setzung des Hauptkegels des Vesuvs gibt, zirkulieren Fluide im magmatischen System, die einerseits von der Restwärme des Magmenkörpers angetrieben sein könnten, andererseits aber auch erste Hinweise auf dessen erneute Aufheizung liefern könnten.

Mayon: Neue Lava-Spines am Lavadom

Instabile Lava-Spines am Mayon-Dom. © DOST-PHILVOLCS

Intrusion am Mayon bildet Lava-Spines: Neue Aktivität verursacht steigendes Gefahrenpotenzial

Der Mayon, einer der aktivsten und zugleich ikonischsten Stratovulkane der Philippinen, zeigt gesteigerte Aktivität. Neue Nahaufnahmen des Gipfels, die in wolkenfreien Momenten zwischen dem 8. und 10. Dezember 2025 gefertigt wurden, dokumentieren frische, dunkle Lava-Spines, die aus dem Lavadom im Gipfelkrater ausgetreten sind. Diese turmähnlichen Gebilde aus erkalteter Lava werden aus dem Dom gedrückt, wenn frische Lava durch den Schlot in diesen intrudiert. Das ist ein deutliches Warnsignal, dass sich am Mayon demnächst Ungemach ausbreiten könnte.

Dieses Ungemach könnte in Form von pyroklastischen Strömen über das Umland des Mayons hereinbrechen: Sie können entstehen, wenn Teile des Lavadoms instabil werden und kollabieren. So ein Kollaps kann jederzeit und ohne weitere Vorwarnung eintreten. Da der Dom den Förderschlot verstopfen kann und somit die Entgasungsprozesse der Magma beeinträchtigt, könnte sich zudem ein hoher Gasdruck aufbauen, der Explosionen generiert, was wiederum zu pyroklastischen Strömen führen könnte.

Die jüngsten Messdaten unterstreichen diese Einschätzung. Das aktuelle Tagesprotokoll verzeichnet 15 Felssturzereignisse, ein Wert, der über dem langjährigen Durchschnitt liegt und mit der frischen Lava sowie dem instabilen Material am Dom zusammenhängt. Am Banaag-Sektor wurde nachts zudem ein schwaches Kraterglühen beobachtet, das jedoch nur mit Teleskop sichtbar war und auf hohe Temperaturen im Gipfelbereich hinweist.

Die Gasemissionen bleiben ein wichtiger Indikator: Der zuletzt gemessene SO₂-Ausstoß lag bei 534 Tonnen pro Tag, ein Wert, der auf fortgesetzte Entgasung und damit auf frisches Magma im System hindeutet. Es gibt mäßige Dampfemissionen, die in Richtung Westnordwest und West verdriften. Gleichzeitig bestätigen Bodenverformungsdaten, dass das Vulkangebäude derzeit aufgebläht ist, was ein klassisches Signal für zunehmenden inneren Druck darstellt.

Trotz dieser Hinweise blieb die seismische Aktivität niedrig. In den vergangenen 24 Stunden wurden keine vulkanischen Erdbeben registriert; auch in einem Zwei-Wochen-Fenster blieb die Seismik unauffällig. Dies ist nicht untypisch für den Mayon, da viele seiner Domprozesse ruhig und ohne starke Erdbebensignaturen ablaufen, was auf freie Magmaaufstiegswege in der Tiefe hindeutet.

Die Behörde DOST-PHIVOLCS hält weiterhin Alarmstufe 1 aufrecht, warnt jedoch eindringlich vor dem Betreten der sechs Kilometer breiten permanenten Gefahrenzone. Mögliche Gefahren bleiben phreatische Explosionen, Felsstürze, pyroklastische Ablagerungen sowie Lahare bei starken Regenfällen.