Kältewelle in Kanada und ein Bombenzyklon über dem Atlantik

Arktische Kältewelle in Kanada, Schnee in New York und ein Bombenzyklon über dem Atlantik

In der letzten Woche sorgte eine außergewöhnliche Kältewelle in Kanada für Schlagzeilen. Im Yukon wurden ungewöhnlich früh im Jahr Temperaturen von bis zu minus 53 Grad Celsius gemessen. So tiefe Temperaturen so früh im Winter wurden seit Jahrzehnten nicht mehr erreicht. Ursache dieser extremen Kälte ist ein starker Ausbruch arktischer Luftmassen, die sich infolge einer Störung des sogenannten Polarwirbels weit nach Süden ausgebreitet haben. Zu allem Überfluss bildete sich nun ein Bombenzyklon über dem Nordatlantik.

Der Polarwirbel ist ein großräumiges Luftstromsystem in der Stratosphäre über der Arktis. Normalerweise hält er die kalte Luft gebündelt über dem Polargebiet. Wird der Wirbel durch atmosphärische Störungen, wie aufsteigende Rossby-Wellen oder plötzliche Stratosphärenerwärmungen, geschwächt oder sogar gespalten, können große Mengen kalter Luft aus der Arktis nach Süden entweichen, so wie es aktuell in Nordamerika der Fall ist. Dies führt zu extrem niedrigen Temperaturen in Kanada und Teilen der USA.

Während Kanada von dieser bitterkalten Luft regelrecht „überrollt“ wird, sind auch die USA von den Folgen betroffen. Besonders in der Region der großen Seen und um New York – wo uns dieser Tage traumhafte Bilder der verschneiten Skyline erreichten- sorgten die eisigen Luftmassen zusammen mit feuchter Seeluft für starke Schneefälle. Die Kombination aus kalter Luft und Feuchtigkeit ist ein typisches Rezept für Schnee, weshalb Städte an der Ostküste wiederholt von Winterstürmen heimgesucht wurden und werden.

Aktuelle Entwicklung: Entstehung eines mächtigen Bombenzyklons

Die Aufspaltung des Polarwirbels spielt auch bei der jüngsten Entstehung eines gewaltigen Bombenzyklons im Nordatlantik eine zentrale Rolle. Die arktische Kaltluft, die aus Kanada und dem Nordosten der USA in den Nordatlantik strömt, trifft dort auf vergleichsweise warme Atlantikwasserflächen. Dieser starke Temperaturunterschied führt zu einer explosiven Intensivierung eines Tiefdruckgebiets vor Neufundland, dessen Luftdruck bereits auf rekordverdächtige Werte von etwa 930 mbar gefallen ist. Solche schnell sich vertiefenden außertropischen Zyklone werden als Bombenzyklone bezeichnet und können heftige Stürme und starke Niederschläge verursachen.

Dieser Zyklon ist ein direktes Ergebnis der aktuellen Polarwirbel-Störung und der damit verbundenen Kaltluftausbrüche. Er beeinflusst das Wetter entlang der nordamerikanischen Atlantikküste und kann auch das weitere Wettergeschehen in Europa mitbestimmen. Die Kombination aus Polarwirbel-Schwäche, arktischer Kälte und dem Nordatlantik-Bombenzyklon zeigt eindrucksvoll, wie eng diese Wetterphänomene miteinander verknüpft sind.

Obwohl Europa derzeit meist mildere Temperaturen erlebt, beobachten Meteorologen die weitere Entwicklung genau, da eine anhaltende Schwächung des Polarwirbels auch in Europa kalte Winterphasen wahrscheinlicher macht. Das aktuelle Sturmtief des Bombenzyklons hält auf Skandinavien zu und wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch das Wetter bei uns in den nächsten Tagen beeinflussen.

Nevado del Ruiz: Aschewolke in 6100 m Höhe detektiert

Nevado del Ruiz emittiert Vulkanasche – VONA-Warnung ausgegeben

Die Vulkane Kolumbiens scheinen dieser Tage besonders aktiv zu sein und emittieren Vulkanasche. Nachdem ich heute Morgen bereits über den Puracé geschrieben habe, folgt nun eine Meldung zum Nevado del Ruiz. Der 5.389 m hohe Stratovulkan eruptierte heute, am 17. Dezember 2025, um 09:50 UTC eine Aschewolke, die laut Washington Volcanic Ash Advisory Center (VAAC) bis auf eine Höhe von 6100 m (FL200) aufstieg und westwärts driftete. Es wurde eine VONA-Meldung veröffentlicht, die den Flugverkehr vor der Gefahr durch die Asche warnte.

Laut VONA ist weiterhin mit kontinuierlichen, leichten Ascheemissionen zu rechnen. Die Emissionen erfolgen aus dem Gipfelkrater und konnten nicht eindeutig in Satellitenbildern identifiziert werden, was auf mögliche Einschränkungen der Sichtbarkeit durch Wetterwolken hindeutet. In der Sechs-Stunden-Prognose blieb die Asche räumlich nahe am Vulkan begrenzt, ebenfalls bis FL200. Für die Zeiträume +12 und +18 Stunden wurde keine Vulkanasche mehr erwartet, was auf eine rasche Verdünnung und Dispersion der Emissionen hindeutet.

Gemäß Ankündigungen auf der Social-Media-Plattform X soll es ein neues Wochenbulletin zum Ruiz geben, doch leider ist die SGC-Website nicht erreichbar, so dass die neuen Daten nicht abrufbar sind. In den letzten Wochen hatte es neben den Asche-Dampf-Emissionen erhöhten Schwefeldioxidausstoß gegeben und sporadisch wurden vulkanisch bedingte Erdbeben und Tremor registriert. Was auf MIROVA einsehbar ist, sind die Wärmeanomalien, die immer wieder auftreten, aber geringe Leistungen im einstelligen Bereich aufweisen.

Das SGC belässt die Warnstufe des Nevado del Ruiz auf „Gelb“.

Zusammenfassend zeigt sich der Vulkan derzeit in einer Phase niedriger, aber persistenter Aktivität, die vor allem für den Luftverkehr von Bedeutung ist. Auch wenn keine länger anhaltenden oder hochreichenden Aschewolken prognostiziert werden, bleibt eine enge Überwachung erforderlich, da sich das Aktivitätsniveau kurzfristig ändern kann.

Im Jahr 1985 wurde am Nevado del Ruiz durch eine vergleichsweise kleine Eruption ein verheerender Lahar ausgelöst, der die Stadt Armero zerstörte: Rund 23 000 Menschen kamen ums Leben. Seitdem steht der Vulkan unter besonderer Überwachung.

Ätna: Erdbeben und Thermische Anomalien zur Monatsmitte

Leichte Zunahme seismischer und thermischer Aktivität am Ätna registriert

Am Ätna dampft es nicht nur stark, sondern es hat geschneit und Gipfel und Nordflanke präsentieren sich in weißem Winterkleid, was alle erfreuen dürfte, die auf eine weiße Weihnacht am Mongibello hoffen und natürlich darauf, dass der Schnee die Schipisten gut bedecken wird, zumal der Schnee bis jetzt frei von Vulkanasche ist. Dass das so bleibt, ist aber nicht garantiert, denn es gibt in den letzten Tagen eine leichte Zunahme der Seismizität, die sich besonders in schwachen Erdbeben südlich des Gipfels manifestiert, die sich in mittleren Tiefen von 5 bis 10 Kilometern abspielen und durch aufsteigende Fluide entstehen könnten, die Spannungen an Störungen erzeugen.

Ätnabeben

Auffällig ist ein kleiner Erdbebencluster mit Magnituden zwischen 1,2 und 1,8. Die Beben ereigneten sich am 15. Dezember zwischen Monte Nero und den Schipisten von Etna Sud. Einige Beben wurden in gleichem Tiefenbereich unter dem Valle del Bove festgestellt. Die flacheren Erdbeben im Gipfelbereich stammen von vergangener Woche und wurden bereits in meinem letzten Etna-Update thematisiert.

Der Tremor bewegt sich seit über einer Woche recht konstant in der Mitte des gelben Bereichs, weist also moderate Amplituden auf und zeugt von Magmabewegung unter dem Vulkan, das aber keine Anstalten macht, unter hohem Druck weiter als bis zum oberen Magmenkörper unter dem Gipfelbereich aufzusteigen.

Es werden schwache thermische Anomalien registriert, die im nicht sichtbaren Lichtspektrum visualisierbar sind. Auf einem Sentinel-Satellitenfoto vom 14. Dezember sind im zentralen Kraterbereich mehrere Hotspots zu sehen. Wer genau hinschaut, kann 3 erkennen. Zudem gibt es eine Wärmeanomalie im Nordostkrater. Der Südostkrater, der bis vor ein paar Jahren Hauptschauplatz des eruptiven Geschehens am Ätna war, bleibt überraschenderweise kalt. Ruft man sich die Tremorquellenanalyse des letzten Monatsbulletins vom INGV ins Gedächtnis, dann ist es allerdings weniger überraschend, denn das Magma scheint sich im Norden des Kraterkomplexes anzusammeln und nicht mehr unter dem Südostkrater.

In der letzten Woche gab es einige Sichtungen kleinerer Aschewolken, stärkere strombolianische Eruptionen blieben bis jetzt aber aus.

Die Daten sprechen dafür, dass der langsame Aufheizungsprozess des Ätnas weitergeht. Wie viele Vulkanspotter wissen, ist der Ätna immer für eine Überraschung gut, doch aus den Daten lässt sich bis jetzt nicht ablesen, wann es zu stärkeren Eruptionen kommen wird.

Campi Flegrei: Weiter steigende Gastemperatur in der Solfatara

Anhaltende Hebung und zunehmende Erwärmung des hydrothermalen Systems der Campi Flegrei

In der süditalienischen Caldera Campi Flegrei setzt sich die langjährige Phase erhöhter seismo-vulkanischer Unruhe fort. Die Erdbebenaktivität hat in den vergangenen Tagen nach einer ruhigeren Phase weiter zugenommen: Seit gestern registrierte das seismische Netzwerk des INGV 31 schwache Erschütterungen – fast so viele wie in der ganzen Woche zuvor. Zudem zeigen die gestern veröffentlichten Daten für den Beobachtungszeitraum vom 8. bis 14. Dezember 2025 zwar keine dramatische Eskalation, bestätigen aber den Trend zur Temperaturerhöhung der Fumarolengase in der Solfatara.

Campi Flegrei. © INGV

Im Berichtszeitraum registrierten die Messstationen insgesamt 34 lokalisierbare Erdbeben mit Magnituden ab Md 0,0. Das stärkste Ereignis erreichte eine Magnitude von Md 2,0. Die Anzahl und Stärke der Beben bewegen sich damit im Rahmen der zuletzt beobachteten Schwankungen und spiegeln die anhaltenden Spannungen im Untergrund wider, die typisch für das Gebiet sind.

Deutlicher fällt die Entwicklung bei den Bodendeformationen aus. Seit dem 10. Oktober 2025 wird in der Zone maximaler Deformation eine durchschnittliche Hebung von etwa 25 ± 3 Millimetern pro Monat gemessen. Diese anhaltende Aufwärtsbewegung gilt als Ausdruck des zunehmenden Drucks im flachen Untergrund und steht im Zusammenhang mit Veränderungen im hydrothermalen System, das von einem aktiven Magmenkörper im Untergrund angeheizt wird.

Die geochemischen Messungen bestätigen den bereits bekannten langfristigen Trend: Das hydrothermale System erwärmt sich weiter, begleitet von erhöhten Gasemissionen. Besonders deutlich zeigt sich dies an der BG-Fumarole im Solfatara-Krater, deren Temperatur weiter ansteigt. In der Referenzwoche lag der Mittelwert bei rund 173 Grad Celsius. Die Station FLXOV5 registrierte Durchschnittstemperaturen von etwa 167 Grad Celsius, mit Spitzenwerten um 169 Grad. Um kurzfristige Schwankungen besser erfassen zu können, wurde zusätzlich die neue Station V11 installiert. Der dort seit Oktober aktive Sensor misst im Mittel 173 Grad Celsius – Werte, die mit den Ergebnissen der monatlichen Probenahmen übereinstimmen.

Am Standort Pisciarelli hingegen zeichnen die Daten ein differenzierteres Bild. Hier lagen die Durchschnittstemperaturen bei 94 Grad. Im Sommer wurden noch 96 Grad gemessen. Hier scheinen sich Gasfluss und Temperatur leicht zu verringern.

Nach Angaben des INGV korreliert der Temperaturanstieg mit zunehmenden diffusen Gasflüssen und höheren berechneten Gleichgewichtstemperaturen des hydrothermalen Systems.

Puracé: Vulkanasche steigt bis auf 6100 m Höhe

Anhaltende Ascheemissionen am Vulkan Puracé – Warnstufe Orange bleibt bestehen

Der kolumbianische Vulkan Puracé zieht infolge anhaltender Ascheemissionen weiter die Aufmerksamkeit von Vulkanologen und Anwohnern auf sich. Eine VONA-Meldung von heute Morgen zufolge wurden gegen 06:10 UTC kontinuierliche Ascheemissionen festgestellt. Satellitendaten zeigten eine Aschewolke, die sich bis in Höhen von etwa 6100 Metern ausbreitete und mit einer Geschwindigkeit von fast 19 km/h westwärts driftete. Aufgrund dichter Wetterwolken war die Asche zeitweise nicht direkt sichtbar. Die Auswertung von Satellitenbildern bestätigte jedoch die Emissionen. Die vulkanische Aktivität wurde insgesamt als niedrig eingestuft, dennoch blieb eine Gefährdung für die Luftfahrt bestehen.

Bereits am Vortag hatte das SGC (kolumbianischer Geologischer Dienst) in einem Bulletin detailliert über die anhaltende Aktivität des Vulkans berichtet: Es wurde weiterhin seismische Aktivität registriert, die vor allem mit der Bewegung von Fluiden und Gasen im Vulkangebäude zusammenhängt. Dazu zählen langperiodische Erdbeben, Tremorimpulse sowie kontinuierlicher Tremor. Die meisten dieser Signale wurden in Tiefen von weniger als einem Kilometer direkt unter dem Krater lokalisiert. Zusätzlich traten schwache vulkanotektonische Erdbeben auf, die auf Gesteinsbrüche hindeuten und in einem Umkreis von unter einem Kilometer um den Krater in Tiefen von bis zu drei Kilometern lagen.

Ein Teil dieser seismischen Signale ging mit Ascheemissionen einher. Nach Angaben des SGC wurden gestern zwei Eruptionen registriert, deren Aschewolken bis zu 700 Meter über den Gipfel aufstiegen und sich aufgrund der Windverhältnisse überwiegend nach Nordwesten ausbreiteten. Für diese Ereignisse wurden Warnungen an die Zivilluftfahrt ausgegeben. Darüber hinaus zeigten Satellitenmessungen weiterhin erhöhte Schwefeldioxidwerte, die sich vor allem nach Westen ausbreiteten und Entfernungen von bis zu 300 Kilometern erreichten. Die Temperaturen im Kraterbereich blieben auf ähnlichem Niveau wie an den Vortagen, was auf den anhaltenden Austritt heißer Gase hindeutet.

Insgesamt zeichnet sich damit ein Bild anhaltender, überwiegend gas- und aschegetriebener Aktivität ab. Die Vulkanologen betonen, dass trotz zeitweiliger Schwankungen keine Entwarnung gegeben werden kann. Solange die Warnstufe Orange gilt, bleibt der Vulkan instabil, und kurzfristige Änderungen der Aktivität sind jederzeit möglich.