Piton Fournaise: System steht unter Druck

Piton de la Fournaise zeigt weiterhin Aktivität – Druck im Magmareservoir bleibt hoch

Der Vulkan Piton de la Fournaise auf Réunion zeigt auch Ende Dezember erhöhte seismovulkanische Aktivität, die sich nach der seismischen Krise Anfang des Monats auf moderatem Niveau eingependelt hat. Das aktuelle Bulletin des Observatoire Volcanologique du Piton de la Fournaise (OVPF-IPGP) bestätigt anhaltenden Druckaufbau unter dem Gipfel des Vulkans.

Verlängerung Messdistanzen

Seit dem 12. Dezember registrieren die Messstationen täglich zwischen 11 und 15 flache vulkanotektonische Erdbeben in 0 bis 2,5 Kilometern Tiefe unterhalb des Gipfels. Diese Werte sind zwar niedriger als in den Wochen zuvor, liegen aber weiterhin über dem langjährigen Durchschnitt seit 2023. Die anhaltende Seismizität deutet auf einen weiterhin hohen Druck im oberflächennahen Magmareservoir hin.

Begleitend zu den Erdbeben zeigt sich eine fortschreitende Aufblähung des Vulkans. GPS-Messungen seit Ende November verzeichnen eine Ausdehnung der Gipfelfläche um etwa 2,5 bis 3 Zentimeter, was ebenfalls auf eine Druckzunahme im Magmasystem hindeutet. Gasemissionen am Gipfel bleiben niedrig und liegen nahe der Nachweisgrenze, was typisch für Dampfimpulse aus dem hydrothermalen System ist.

Ein besonderes Ereignis ereignete sich am 5. Dezember: An diesem Tag kam es zu einem sprunghaften Anstieg der Erdbebenaktivität, mit einer deutlich erhöhten Zahl flacher vulkanisch-tektonischer Beben im Gipfelbereich. Dieses kurzzeitige Aufflackern der Seismizität wird als ein Zeichen einer kurzfristigen Druckentlastung oder Umverteilung im Magmareservoir gewertet. Es folgte jedoch keine unmittelbare Magmaintrusion oder Eruption, und die Aktivität stabilisierte sich danach wieder auf einem erhöhten Niveau.

Das Zusammenspiel von andauernder Seismizität und Deformation zeigt, dass der Druck im Magmareservoir weiter steigt. Dies kann sich über Tage, Wochen oder Monate hinziehen, bevor ein Ausbruch einsetzt – oder auch ohne Eruption wieder abklingen. Die Warnstufe bleibt daher auf Wachsamkeit bzw. Gelb.

Der Fournaise ruht seit seiner letzten Eruption im Frühjahr 2023. Über weite Zeiträume des scheidenden Jahres wurde eine leichte Deflation im Gipfelbereich registriert und die Vulkanologen erklärten die langjährige Eruptionsphase mehr oder weniger für beendet.

Semeru: Ascheemissionen und sekundäre Explosionen

Sekundäre Explosionen am Semeru. &copy, Afar-TV-Livestream

Zahlreiche Ascheeruptionen sowie sekundäre Explosionen im Flussbett am Semeru

Der indonesische Vulkan Semeru in Ostjava war und ist heute besonders fleißig und erzeugt am laufenden Band Ascheeruptionen. Die größte manifestierte sich morgens um 7:30 Uhr westindonesischer Zeit und ließ eine Aschewolke bis zu 1.000 Meter über dem 3.676 Meter hoch gelegenen Gipfel aufsteigen. Die Aschesäule war hellgrau gefärbt und bewegte sich vorwiegend nach Osten. Insgesamt wurden zwischen Mitternacht und 7:30 Uhr elf Eruptionen mit Aschenwolkenhöhen zwischen 700 und 1.100 Metern registriert. Die seismischen Messungen zeigten eine starke vulkanische Aktivität mit 50 Ausbruchsbeben und sieben Steinschlagbeben in den frühen Morgenstunden.

Das interessanteste Ereignis am Semeru spielte sich heute allerdings nicht an seinem Krater ab, sondern in einem Flusstal am Fuß des Vulkans: Starkregen löste Lahare aus und über die immer noch heißen Ablagerungen der pyroklastischen Ströme flossen, die sich Ende November vom Dom lösten. Dabei entstanden abermals sekundäre Explosionen, die an mehreren Stellen Asche-Dampfwolken aufsteigen ließen. Eine bedrohlich wirkende Szene, die von der Afar-TV-Livecam aufgefangen wurde.

Auf Tagessicht wurden gestern 102 seismische Eruptionssignale registriert. Hinzu kamen 20 Abgänge von Schuttlawinen und 2 Tremore. Auf Jahressicht war der Semeru laut Statistik des VSI sogar der aktivste Vulkan des indonesischen Archipels und erzeugte bis jetzt 3078 explosive Eruptionen, gefolgt vom Ibu mit 2690 Ausbrüchen. Ich habe einen Screenshot aus diesem Livestream von einer KI etwas aufpeppen lassen, allerdings ohne die Kernaussage des Fotos zu beeinflussen oder Details, die über den erweiterten Vordergrund hinausgehen, hinzufügen zu lassen.

Der Vulkan ist weiterhin auf Alarmstufe III, weshalb das Vulkanologie-Zentrum (PVMBG) die Bevölkerung vor pyroklastischen Strömen, Lavaströmen und Laharen warnt. Besonders gefährlich sind der südöstliche Bereich entlang des Flusses Besuk Kobokan bis 13 Kilometer vom Gipfel sowie ein 500-Meter-Radius entlang des Flussufers. Aktivitäten sollten im Umkreis von 5 Kilometern um den Krater unbedingt vermieden werden, da dort glühendes Gestein ausgeworfen werden kann.

Die Behörden raten dringend, vorsichtig zu sein und Flüsse und Täler wie Besuk Kobokan, Besuk Bang, Besuk Kembar und Besuk Sat zu meiden, da dort pyroklastische Lawinen und Lahare möglich sind. Die Situation bleibt weiterhin angespannt.

Mayon: Wachsende Anzahl an Steinschlägen vom Dom

Lava-Spines am Dom des Mayon treiben Steinschläge in die Höhe – Bis zu 16 Steinschlägen am Tag

Der philippinische Vulkan Mayon zeigt weiterhin Anzeichen vulkanischer Unruhe, wie die neuesten PHILVOLCS-Beobachtungen vom 20. Dezember 2025 bestätigen. Die Behörde meldet sechs Felssturzereignisse innerhalb der letzten 24 Stunden, begleitet von einer anhaltenden Aufblähung des Vulkankörpers infolge von Inflation. Obwohl die Sicht auf den im Krater wachsenden Dom durch Wolken momentan beeinträchtigt ist, zeigten wolkenfreie Momente in den letzten Tagen die Lava-Spines, die sich Anfang des Monats bildeten. Die Schwefeldioxid-Emissionen wurden zuletzt mit rund 307 Tonnen pro Tag gemessen, ein Wert, der auf eine moderate Aktivität hinweist.

Den Lava-Spines am Gipfeldom gilt besondere Aufmerksamkeit. Einige der instabilen Lavatürme scheinen weiter gewachsen zu sein. Diese steinernen Auswüchse aus andesitischer bis rhyolithischer Lava sind ein sichtbares Zeichen für Magma, das in den Dom eindringt und die Lavatürme hervorbringt. Ihre Ausbildung geht oft mit Kollapsereignissen am Dom einher und löst häufig Felsstürze aus.

Im Verlauf des Dezembers hat sich die Zahl der Steinschläge erhöht. Während zu Monatsbeginn nur wenige Felsstürze pro Tag verzeichnet wurden, kletterte die Anzahl bis zur zweiten Dezemberwoche auf bis zu 16 Steinschläge täglich. Diese Zunahme steht in direktem Zusammenhang mit dem Wachstum der Lava-Spines, die durch ihr Gewicht und ihre brüchige Struktur immer wieder Material abbrechen lassen.

Trotz der erhöhten Instabilität am Dom und dem damit verbundenen erhöhten Risiko von Abgängen pyroklastischer Ströme lässt PHILVOLCS die Warnstufe auf 1 (niedriges Unruheniveau) und weist darauf hin, dass die permanente Gefahrenzone von 6 Kilometern um den Vulkan strikt zu meiden ist. Gefahren durch plötzliche phreatische Eruptionen, Erdrutsche und Schlammströme bei starkem Regen bleiben bestehen. Explizit vor pyroklastischen Strömen – die im Extremfall auch über die Grenzen des Sperrgebiets hinaus gleiten können – warnt PHILVOLCS seltsamerweise nicht.

Die Entwicklungen am Mayon sind ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie ein Vulkan trotz geringer Aktivität dynamische Veränderungen an seiner Oberfläche zeigt. Beobachter und Anwohner werden weiterhin dringend zur Vorsicht aufgerufen, während die Vulkanologen die Situation aufmerksam verfolgen.

Island: Erdbeben Mb 3,3 bei Hrafntinnusker

Blick von Hrafntinnusker in Richtung Katla. © Marc Szeglat

Erdbeben Mb 3,3 erschüttert Islands Hochland bei Hrafntinnusker – geologisch sensible Region in der Torfajökull-Caldera

In der Nacht zum 20. Dezember registrierten seismische Messstationen im südlichen Hochland Islands ein Erdbeben der Magnitude 3,3 mit einer Herdtiefe von nur 100 Metern. Das Epizentrum lag bei Hrafntinnusker, etwa acht Kilometer südwestlich von Landmannalaugar, innerhalb der Torfajökull-Caldera. Nach Angaben der isländischen Meteorologiebehörde folgten mehrere kleinere Nachbeben. Meldungen über spürbare Erschütterungen in bewohnten Gebieten liegen nicht vor.

Erdbeben dieser Stärke kommen in der Region immer wieder vor, sind aber nicht an der Tagesordnung. Zuletzt ereignete sich dort im Juli 2023 ein vergleichbarer Erdstoß. Die Beben spiegeln die komplexe geologische Struktur der Gegend wider, die ich für eine der faszinierendsten Islands halte.

Die Torfajökull-Caldera unterscheidet sich deutlich von den meisten isländischen Vulkansystemen. Während Island überwiegend von basaltischem Vulkanismus geprägt ist, dominiert hier rhyolithisches, stark kieselsäurereiches Gestein. Diese Magmen sind zähflüssiger und potenziell explosiver. Gleichzeitig beherbergt die Caldera eines der aktivsten Hochtemperatur-Geothermiegebiete des Landes. Die Wechselwirkung von unterirdischen Magmaakkumulationen, zirkulierendem Grundwasser und stark zerklüftetem Gestein führt regelmäßig zu Spannungsumlagerungen, was ein häufiger Auslöser lokaler Erdbeben ist.

Tektonisch liegt das Gebiet entlang des Ostarms der isländischen Hauptstörungszone, die den Mittelatlantischen Rücken an Land fortsetzt. Hier driften die nordamerikanische und die eurasische Platte auseinander, begleitet von Dehnung, Bruchbildung und magmatischer Intrusion. Diese Struktur macht das südliche Hochland besonders anfällig für seismische Aktivität.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält das Beben durch die relative Nähe zum Katla-Vulkansystem, einem der aktivsten und potenziell gefährlichsten Vulkane Islands. Zwar besteht nach Einschätzung der Vulkanologen kein direkter Zusammenhang zwischen dem aktuellen Erdbeben und einer möglichen Aktivitätszunahme der Katla, doch verdeutlicht das Ereignis die enge Verzahnung tektonischer und vulkanischer Prozesse in dieser Region.

Das markanteste Merkmal von Hrafntinnusker ist der kleine Gletscher, der teilweise ein Geothermalfeld bedeckt. Das Zusammenspiel von Erdwärme und Eis hat faszinierende Eishöhlen geschaffen, aus denen dampfende Fumarolen austreten. Hrafntinnusker ist nur über einen ganztägigen Fußmarsch von Landmannalaugar aus erreichbar. Der Weg führt durch die bunte Rhyolith-Landschaft von Brennisteinsalda durch die Torfajökull-Caldera und eröffnet an klaren Tagen beeindruckende Blicke auf den Mýrdalsjökull mit der Katla.

Italien: Unwetter auf Elba verursachte Überflutungen

Unwetter mit Starkregen verursachte Flutkatastrophe auf Elba – ein Todesopfer geborgen

Die Unwetterserie im Mittelmeerraum reißt nicht ab: Gestern traf es die beliebte italienische Urlaubsinsel Elba, die z.B. von der Toskana aus per Fähre zu erreichen ist. Innerhalb weniger Stunden fiel so viel Niederschlag wie sonst in einem Monat. In der Folge traten zahlreiche kleine Bäche über die Ufer und legten das öffentliche Leben der Insel lahm. Eine 81-jährige Frau stürzte in ihrer überfluteten Wohnung und starb. Mehrere Personen erlitten Verletzungen.

Besonders betroffen waren die Orte Marina di Campo und Portoferraio, wo sintflutartige Regenfälle zu Überschwemmungen und kleineren Erdrutschen führten, die starke Schäden an der Infrastruktur verursachten. Schäden führten. Straßen verwandelten sich in reißende Bäche, Keller und Erdgeschosse liefen voll Wasser, Verkehrsverbindungen brachen zeitweise zusammen.

Meteorologisch war das Unwetter kein isoliertes Inselphänomen. Elba lag im Einflussbereich eines ausgedehnten Tiefdrucksystems über dem westlichen Mittelmeer. Feuchte, relativ warme Luftmassen strömten vom Tyrrhenischen Meer – wo die Liparischen Inseln vulkanischen Ursprungs liegen – gegen die Küste der Toskana. Aufgrund einer blockierenden Wetterlage durch ein Hochdruckgebiet im Osten konnte das Tief nicht abziehen und verharrte lange über Elba. Das Ergebnis waren lang anhaltende, teils stationäre Starkregenfälle. Innerhalb weniger Stunden fielen lokal Regenmengen, die sonst einem Großteil des Monatsdurchschnitts entsprechen. Die Regenfälle beschränkten sich nicht nur auf Elba, sondern griffen auch auf die Südtoskana über. Dort blieben katastrophale Zustände aber aus.

Das Unwetter allein erklärt das Ausmaß der Schäden nicht: Die Morphologie Elbas wirkte als Verstärker. Die Insel ist stark reliefiert: Zwischen den über 1.000 Meter hohen Gipfeln des Monte-Capanne-Massivs und der Küste liegen oft nur wenige Kilometer. Regenwasser fließt daher extrem schnell talwärts. Statt großer Flüsse gibt es zahlreiche kurze Bäche, sogenannte Torrenti, die bei Starkregen in kürzester Zeit anschwellen und Sturzfluten verursachen.

Besonders kritisch sind die flachen Küstenebenen an den Bachmündungen, auf denen viele Ortschaften entstanden sind. In Marina di Campo trat der Bach Alzi über die Ufer, während in Portoferraio mehrere kleine Einzugsgebiete zusammenwirkten. Verbaute, eingeengte Bachläufe, Brücken und versiegelte Flächen verschärften die Lage zusätzlich, da dem Wasser kaum Raum zur Ausbreitung blieb.