Afar-Dreieck und Riftvalley: Ein Kontinent zerbricht

Afar-Dreieck im Fokus der Geowissenschaft: Alte Daten liefern neue Einsichten in eine lebendige Erde

Anfang 2025 rückte die Afar-Region in Äthiopien mehrfach ins Blickfeld der Wissenschaft: Im Januar ließ eine Serie von Erdbewegungen und magmatischen Intrusionen im Awash-Gebiet nahe dem Vulkan Dofan die Alarmglocken läuten, als tiefes Magma in die Kruste eindrang und Bodenhebungen und Beben auslöste. Im Juli sorgte der berühmte Erta Alé mit effusiven Eruptionsspalten und Lavastromaktivität erneut für Schlagzeilen, während Ende November der lange ruhende Schildvulkan Hayli Gubbi vermutlich erstmals im Holozän ausbrach und eine Aschewolke von über 13 km Höhe in die Atmosphäre schleuderte. Diese Ereignisse markieren eine Phase außergewöhnlicher tektonischer und magmatischer Dynamik in einer der aktivsten Regionen der Erde, wo sich der afrikanischen Kontinent spalten und ein neuer Ozean entsteht.

Afar-Dreieck

Vor diesem geologischen Hintergrund veröffentlichte ein internationales Forscherteam aus Italien (INGV), England und Australien jetzt eine wissenschaftliche Neubewertung eines Magnetdatenarchivs aus den Jahren 1968–69. Die Studie „A review of the 1968 Afar Magnetic Survey data and integration with vintage Red Sea and Gulf of Aden data“, erschienen im Journal of African Earth Sciences, nimmt diese historischen aeromagnetischen Messwerte und verknüpft sie mit aktuellen Daten aus dem Roten Meer, dem Golf von Aden und dem Jemen. Das Ergebnis ist ein detailliertes neues Bild der Krustenstruktur und Rift-Evolution im Afar-Dreieck – dem geologischen Scharnierpunkt, an dem sich die Arabische, Somalische und Nubische Platte voneinander entfernen.

Die neue Auswertung der Magnetdaten bestätigt, dass die Aufspaltung der Erdkruste in der Afar-Region gestaffelt und nicht gleichzeitig verlief. Die ersten Rissbildungsprozesse setzten bereits vor rund 30–35 Millionen Jahren entlang der Strukturen des Golfs von Aden ein. Einige Millionen Jahre später folgte das Rifting im Roten Meer, das vor etwa 20 Millionen Jahren aktiv wurde. Der Hauptäthiopische Graben, heute der nördliche Ast des Ostafrikanischen Grabensystems, erreichte die Afar-Region dagegen erst vergleichsweise spät, vor etwa 10–11 Millionen Jahren. Diese zeitlich versetzte Entwicklung erklärt, warum ältere, tiefreichende Bruchzonen aus dem Golf-von-Aden- und Rotmeer-System das tektonische Grundgerüst der Region dominieren, während der äthiopische Graben eine jüngere Überprägung darstellt. Bis heute befindet sich die Afar-Region in einer hochaktiven Phase der Riftentwicklung, in der sich tektonische Dehnung, magmatische Intrusionen und Vulkanismus gegenseitig verstärken. Aktuelle Ereignisse wie aufsteigendes Magma, Bodenhebungen, Erdbebenschwärme und Eruptionen an Vulkanen wie Erta Ale oder Hayli Gubbi – dessen Eruption vermutlich vom Erta Alé getriggert wurde – zeigen, dass sich die kontinentale Kruste weiterhin ausdünnt – ein Prozess, der langfristig zur vollständigen Aufspaltung Afrikas und zur Entstehung neuer ozeanischer Kruste führen kann.

„Afrika spaltet sich langsam in zwei Teile“, fasst Koautor Riccardo De Ritis vom National Institute of Geophysics and Volcanology zusammen. Die Auswertung der magnetischen Signale hebt die duale Ausrichtung der Bruchzonen hervor: im Süden dominiert der Abdruck des Golfs von Aden, im Norden der des Roten Meeres – ein Muster, das tiefreichende Bruchsysteme und den anfänglichen Pfeiler der Riftbildung widerspiegelt.

Diese neue Analyse zeigt nicht nur, wie historische Daten durch moderne Technik zu neuem Leben erweckt werden können, sondern liefert maßgebliche Hinweise auf die tektonischen Prozesse, die zur Entstehung eines neuen Ozeans und zur künftigen Teilung Afrikas führen könnten. In Kombination mit den jüngsten magmatischen und vulkanischen Aktivitäten der Region ergibt sich ein eindrucksvolles Bild einer Erdkruste im Umbruch.

Quellenangabe: Purcell, P. G., De Ritis, R. & Styles, P. (2026). A review of the 1968 Afar Magnetic Survey data and integration with vintage Red Sea and Gulf of Aden data. Journal of African Earth Sciences, 233, 105881. https://doi.org/10.1016/j.jafrearsci.2025.105881

Ägäis: Ungewöhnliche Hydrothermalfeld entdeckt

Neue hydrothermale „heiße Zonen“ vor Milos: Forscher entdecken hydrothermales Unterwasser-System entlang tektonischer Bruchzonen

Vor der griechischen Insel Milos haben Meeresforscher ein überraschend weit verzweigtes hydrothermales System entdeckt, das auf bislang unerforschten Tiefenbereichen des Kontinentalsockels existiert. Die Ergebnisse, veröffentlicht am 27. November 2025 in Scientific Reports, zeichnen ein detailliertes Bild von Tiefen zwischen 30 und 230 Metern, in denen heißes Wasser, Gase und mineralhaltige Fluide aus dem Meeresboden austreten – weit unterhalb der üblichen flachen vulkanischen Quellen, aber auch oberhalb der klassischen Tiefsee-Schlote der Black Smokers.

Hydrothermalfeld

Das internationale Forscherteam um Paraskevi Nomikou nutzte eine Kombination aus hochauflösenden geophysikalischen Messmethoden wie Seismik, Magnetik und Gravimetrie sowie bathymetrischer Kartierung und chemischen Analysen. Die Forscher wurden dabei durch autonome Unterwasserfahrzeuge und ferngesteuerte Roboter (ROV) unterstützt. So konnten sie drei Hauptzonen hydrothermaler Aktivität ausmachen: Aghia Kiriaki, Paleochori–Thiorychia und Vani. Alle drei liegen entlang aktiver tektonischer Bruchzonen, die den Meeresboden südöstlich und nordwestlich von Milos prägen, und sind mit der Subduktionszone des Hellenischen Bogens und dem dahinterliegenden Vulkangürtel assoziiert.

Auffällig ist die tiefe und clusterartige Verteilung der Austrittsstellen: Die Schlotquellen erscheinen nicht gleichmäßig, sondern in charakteristischen Gruppen. Zwei Tiefenbereiche – um etwa 130 m und 180 m – zeigen besonders viele hydrothermale Quellen. Im größten der untersuchten Gebiete bei Paleochori–Thiorychia fanden die Wissenschaftler sogar eine dritte, tiefer liegende Gruppe um 210 m.

Auch die Erscheinungsformen der hydrothermalen Aktivität sind vielfältig: In flacheren Bereichen des Meeresbodens gibt es diffuse Gas- und Wärmeaustritte auf sandigem Grund, oft begleitet von dichten mikrobiellen Matten. In größeren Tiefen tauchten dagegen CO₂-degassende Schornsteine und Bereiche mit aktivem, über 180 °C warmem Fluidaustritt auf – ein Hinweis auf ein dauerhaft aktives hydrothermales System.

Die Forscher betonen, dass diese zwischentiefen hydrothermalen Felder ein Bindeglied darstellen zwischen den bisher gut erforschten flachen Küstenquellen und den klassischen Tiefsee-Schloten. Ihre räumliche Nähe zu tektonischen Strukturen legt nahe, dass die Geologie des Meeresbodens entscheidend ist für das Vorkommen und die Verteilung solcher Systeme.

Diese Entdeckung erweitert unser Verständnis darüber, wie hydrothermale Systeme entstehen, sich ausbreiten und möglicherweise Lebensräume für spezielle mikrobiologische Gemeinschaften bieten – und liefert Impulse für künftige Forschungsreisen in die oft vergessenen mittleren Meerestiefen.

Quelle: Nomikou, P., Bejelou, K., Koschinsky, u.a. (2025). Structural control and depth clustering of extensive hydrothermal venting on the shelf of Milos Island. Scientific Reports, 15, 42359. https://doi.org/10.1038/s41598-025-26398-y. Lizenz der CC

Island: Erdbeben am Kleifarvatn

Erdbeben Mb 3,3 beim Kleifarvatn – erhöhte Aufmerksamkeit an der Sundhnúkur-Kraterreihe

Ein Erdbeben der Magnitude 3,3 hat in der Nacht zum Samstag die Region um den Kleifarvatn des Kysuvik-Spaltensystems im Südwesten Islands erschüttert. Das Beben ereignete sich kurz vor 2 Uhr Ortszeit und war in mehreren Ortschaften deutlich zu spüren, darunter in Hafnarfjörður und Akranes. Das Epizentrum lag in einem bekannterweise tektonisch aktivem Gebiet, in dem es regelmäßig zu Erdbeben kommt.

Erdbeben

Nach Angaben des Isländischen Wetterdienstes (IMO) folgte dem Hauptbeben ein Nachbebenschwarm. Bekanntermaßen kommt es hier zu Bodendeformationen, die mit unterirdischen Fluidbewegungen im Zusammenhang stehen könnten.

Geowissenschaftler betonen, dass das Ereignis für diese Region nicht außergewöhnlich ist und nicht direkt mit vulkanischer Aktivität in Verbindung steht. Gerade weil sich das Erdbeben in relativer Nähe zu besiedelten Gebieten ereignete, wurde es von vielen Menschen wahrgenommen und sorgte für Aufmerksamkeit.

Während das Beben bei Kleifarvatn als normales Ereignis eingestuft wird, richtet sich der Blick der Forscher weiterhin auf die Lage an der Sundhnúkur-Kraterreihe nahe Svartsengi. Dort hält die langsame, aber stetige Ansammlung von Magma an. Der Prozess der Magmenakkumulation lässt die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Vulkanausbruchs weiter ansteigen.

Nach Einschätzung des IMO verläuft die Magmaansammlung derzeit ruhig und ohne deutliche Beschleunigung. Gerade diese langsame Entwicklung erschwert jedoch genaue Prognosen: Je gleichmäßiger sich Magma ansammelt, desto größer ist die Unsicherheit über den Zeitpunkt einer möglichen Magmaintrusion oder eines Ausbruchs. Diese Unsicherheit kann sich über mehrere Monate erstrecken.

Die seismische Aktivität im Bereich Sundhnúkur bleibt derweil gering. In den vergangenen Wochen wurden nur wenige, überwiegend schwache Erdbeben registriert. Die offizielle Gefahreneinschätzung wurde daher nicht geändert, und die bisherige gilt weiterhin.