Ätna: Neue Analyse zu Bodenbewegungen am Südhang

Nach Erdbebenserie am Ätna-Südhang: Analyse bestätigt Hinweise auf eine aktive Verwerfung

Im Herbst 2025 sorgte eine Erdbebenserie zwischen Nicolosi und Tremestieri Etneo für Aufregung, die mit der Bildung von Bodenrissen einhergegangen ist. Dieses Phänomen war Anlass für eine neue INGV-Analyse (im Folgenden als Studie bezeichnet), die nun veröffentlicht wurde. Sie liefert neue Belege für oberflächennahe Bodendeformationen entlang der sogenannten Störung „Faglia di Tremestieri“ am Südhang des Ätna. Die Arbeit zeigt, dass der größte aktive Vulkan Europas nicht nur eruptiv, sondern auch tektonisch in Bewegung ist.

Bodenrisse

Im Fokus der Untersuchung stand die Störung „Faglia di Tremestieri“. Hierbei handelt es sich um eine mehrere Kilometer lange Störungszone zwischen Nicolosi und Tremestieri Etneo. Mithilfe von Geländeaufnahmen und strukturellen Bodenanalysen sowie der Auswertung seismischer Daten konnten die Forschenden nachweisen, dass sich der Untergrund entlang der Verwerfung kontinuierlich verformt.

Die Verformungen kommen weniger durch abrupte Verschiebungen infolge starker Erdbeben zustande, sondern durch eine schleichende Bewegung der Erdoberfläche, die die Studienautoren als „creep“ bezeichnen und die über längere Zeiträume hinweg abläuft. Solche Prozesse bleiben oft unbemerkt, bis Schäden an Straßen, Gebäuden und Versorgungsleitungen entstehen. Im untersuchten Fall öffneten sich Risse im Asphalt von Straßen und einem Parkplatz.

Zusätzliche Hinweise auf die Aktivität der Verwerfung liefern die oben erwähnten Erdbeben, die im Herbst 2025 am Südhang des Ätna registriert wurden. Ihre Ausbreitung passt gut zu der bekannten Geometrie der Störung. Dabei sind die Erdbeben Symptom und nicht Ursache der Bodenbewegung.

Welche Rolle spielt Magma?

Eine zentrale Frage der Studie lautet, ob magmatische Prozesse an der beobachteten Deformation beteiligt sein könnten. Tatsächlich ist bekannt, dass Magmenintrusionen im Inneren des Ätna das Spannungsfeld im Vulkangebäude verändern können. Steigendes oder seitlich migrierendes Magma wirkt dabei wie ein Keil, der vorhandene Schwächezonen belastet.

Die beobachteten Verschiebungen lassen sich jedoch nicht allein durch einzelne Magmenintrusionen erklären. Vielmehr sprechen die langsame Geschwindigkeit und das dauerhafte Anhalten der Bodenverformung für einen langfristigen Prozess. Er wird hauptsächlich durch die gravitative Verlagerung des Vulkans Richtung Küste gesteuert. Dabei ist nicht auszuschließen, dass Magmenintrusionen als Impulsgeber wirken können: Wenn Magma intrudiert, können die Druckänderungen des Systems auf die bereits vorgespannte Störung treffen, Bodendeformationen beschleunigen und Erdbeben auslösen.

Ähnliche Prozesse kommen am Ätna auch an anderen bekannten Störungszonen vor, wie etwa an der bekannten Pernicana-Verwerfung am Nordosthang.

Die Studie macht klar, dass die Gefahren am Ätna nicht nur eruptiver Natur sind. Langsame tektonische Deformationen in dicht besiedelten Gebieten stellen ein eigenständiges Risiko dar, das in der Raumplanung und im Katastrophenschutz berücksichtigt werden muss.

(Quelle: INGVvulcani, Raffaele Azzaro e Carla Musumeci)

Shiveluch bricht aus und eruptiert über 9 km hohe Aschewolke

Vulkanausbruch des Shiveluch auf Kamtschatka – Aschewolken bis in große Höhen aufgestiegen

Der Vulkan Shiveluch liegt auf der russischen Halbinsel Kamtschatka und ist erneut ausgebrochen. Seit gestern Abend sorgen seine Aschewolken für Beeinträchtigungen des Luftverkehrs. Anwohner sorgen sich vor noch stärkeren Eruptionen. Nach Angaben des Kamchatka Volcanic Eruption Response Teams (KVERT) gilt nach mehreren Explosionen weiterhin der Aviation Colour Code ORANGE.

Der bislang stärkste Ausbruch der Serie ereignete sich heute früh gegen 04:50 UTC. Dabei wurde eine Aschewolke bis in eine Höhe von FL310 (ca. 9,5 Kilometer) geschleudert. Satellitenbeobachtungen bestätigten eine rasche Ausbreitung der Vulkanasche, die sich mit starken Höhenwinden bis zu 340 Kilometer westlich des Vulkans verlagerte. Der Ausbruch dauerte gut 15 Minuten.

Darüber hinaus berichtet KVERT, dass das Lavadom-Wachstum im Krater des „Jungen Shiveluch“ weiterhin anhält. Dieser Prozess ist von kräftigen Gas- und Dampfausstoßungen begleitet. Zusätzlich wurde in Satellitendaten eine deutliche thermische Anomalie registriert, was auf anhaltende magmatische Aktivität im Fördersystem hinweist. Die aktuelle Gipfelhöhe des Lavadoms wird auf etwa 2500 Meter geschätzt, während der Vulkan am höchsten Rand seiner Caldera eine Gesamthöhe von 3283 Metern erreicht.

Seit Beginn der jüngsten Aktivitätsphase wurden sieben VONA-Warnungen (Volcano Observatory Notice for Aviation) herausgegeben. Das zuständige VAAC Tokio bestätigte wiederholt neue Aschewolken in unterschiedlichen Höhenlagen – von bodennahen Schichten bis in große Reiseflughöhen. Teile der Asche waren zeitweise durch meteorologische Wolken verdeckt, konnten jedoch mithilfe moderner Satellitensysteme wie Himawari-9 eindeutig nachgewiesen werden. KVERT warnte in diesem Zusammenhang vor Aschewolken, die bis zu 15 km hoch aufsteigen könnten.

Bei der Vulkanasche handelt es sich nicht etwa um das Verbrennungsprodukt eines Feuers, sondern um fragmentierte Lava, die man eigentlich als Sand bezeichnen müsste. Gerät sie in Flugzeugturbinen, könnten diese geschädigt werden.

Der Shiveluch zählt zu den aktivsten und gefährlichsten Vulkanen Kamtschatkas. Explosive Ausbrüche, gepaart mit Domkollapsen und pyroklastischen Strömen, treten hier regelmäßig auf. Für die lokale Bevölkerung besteht derzeit keine unmittelbare Bedrohung, da das Gebiet nur dünn besiedelt ist. Für den internationalen Flugverkehr im nördlichen Pazifikraum stellt die anhaltende Ascheemission jedoch ein ernstzunehmendes Risiko dar.

Philippinen: Starker Erdbebenschwarm im Süden

Starke Erdbebensequenz erschüttert Moro-Golf vor Mindanao auf den Philippinen

Datum: 28.01.2026 | Zeit: 06:47:01 UTC | Koordinaten 6.475 ; 123.795 | Tiefe: 10 km | Mw 5,9

Nach Daten des EMSC (European-Mediterranean Seismological Centre) ereignete sich am 28. Januar 2026 um 06:47 UTC im philippinischen Moro-Golf vor der Insel Mindanao ein Erdbeben der Magnitude 5,9. Das Hypozentrum lag in rund 10 Kilometern Tiefe bei den Koordinaten 6,475° Nord und 123,795° Ost. Das Epizentrum befand sich etwa 97 Kilometer süd-südwestlich von Cotabato sowie 30 Kilometer west-südwestlich von Kalamansig. Das Beben war der stärkste Stoß einer ungewöhnlich intensiven Serie weiterer Beben, darunter mehrere Ereignisse mit Magnituden zwischen 5,0 und 5,7. Der Schwarm begann bereits vor 10 Tagen, intensivierte sich in den letzten 24 Stunden aber signifikant. Insgesamt wurden bis jetzt 119 Beben registriert. An gleicher Stelle hatte es im November 2024 bereits ein sehr starkes Erdbeben Mw 7,1 in der ungewöhnlichen Tiefe von 620 Kilometern gegeben.

Philippinen. © EMSC/Leaflet

Die aktuellen Erschütterungen wurden in weiten Teilen des südwestlichen Mindanao deutlich wahrgenommen. Augenzeugen berichteten von schwankenden Möbeln, klirrenden Fenstern und grollenden Geräuschen sowie einem kurzzeitigen Stromausfall, von dem einzelne Gemeinden betroffen waren.

In Küstenorten wie Kalamansig und Palimbang verließen zahlreiche Menschen aus Angst vor möglichen Nachbeben oder einem Tsunami vorsichtshalber ihre Häuser und hielten sich im Freien auf oder flüchteten auf höher gelegenem Gelände. Offizielle Tsunamiwarnungen wurden nicht ausgegeben. Bestätigte Berichte über größere Sachschäden oder Verletzte lagen zunächst nicht vor, dennoch war die Verunsicherung in der Bevölkerung groß, da sich die Erdstöße über viele Stunden hinweg fortsetzten.

Seismologen ordnen das Ereignis als intensive Nachbebenserie mit schwarmähnlichem Charakter ein. Zwar hebt sich das Beben der Magnitude 5,9 als Hauptstoß ab, doch die Vielzahl vergleichsweise starker Folgebeben ist ungewöhnlich und deutet auf ein komplexes Muster hin. Tektonisch liegt der Moro-Golf in einer seismisch besonders aktiven Region, in der die Philippinische Seeplatte mit den Molukken- und Celebes-Mikroplatten – die der Sunda-Platte vorgelagert sind – aufeinandertreffen. Subduktionsprozesse entlang des Cotabato-Graben, bei dem eine Erdplatte in den Erdmantel abtaucht, dürften die treibende Kraft hinter der Erdbebensequenz sein.

In der Region gibt es zahlreiche aktive Vulkane, wie jene des Sangihe-Inselbogens und der Molukken. Besonders der Karangetang könnte durch die Erdbeben zu Eruptionen angeregt werden.

Die zuständigen Behörden beobachten die Lage weiterhin aufmerksam und rufen die Bevölkerung zur Vorsicht auf, insbesondere im Hinblick auf mögliche Nachbeben.

Island: Erdbebenschwarm im Hengill System

Erdbebenschwarm bei Lambafell erschüttert Region westlich von Þrengslin auf Island-  stärkstes Beben M 3,0

Das Erdbeben der Magnitude 3,0, welches heute Nacht um 02:01 Uhr die Region bei Lambafell im Hengill-System auf Reykjanes getroffen hat, war der bislang stärkste Stoß eines anhaltenden Erdbebenschwarms. Der Erdstoß war stark genug, um von Anwohnern am Rand der nahen Hauptstadtregion verspürt zu werden. Seit Beginn der Aktivität gegen 16:30 Uhr am 27. Januar wurden inzwischen mehr als 200 Erschütterungen registriert – Tendenz anhaltend.

Erdbebenschwarm Island

Erdbebenschwärme sind in diesem Gebiet kein ungewöhnliches Phänomen. Die betroffene Region liegt auf der Reykjanes-Halbinsel, einem der geologisch aktivsten Gebiete Islands. Hier verläuft ein Teil des Mittelatlantischen Rückens, an dem die Nordamerikanische und Eurasische Platte auseinanderdriften. Diese kontinuierliche Dehnung der Erdkruste führt regelmäßig zu Spannungsaufbau und -abbau in Form von Erdbeben entlang von Störungszonen.

Die Ursache hinter dem aktuellen Erdbebenschwarm ist nicht zur Gänze geklärt. Es könnte sich um rein tektonisch bedingte Erdbeben handeln und mit dem oben beschriebenen Spannungsabbau im Zusammenhang stehen. Darüber hinaus beherbergt die Reykjanes-Halbinsel mehrere aktive Vulkansysteme, und in den vergangenen Jahren kam es hier wiederholt zu magmatischen Intrusionen und Eruptionen. In Vulkanregionen stehen Schwarmbeben entlang von Störungen oft von magmatischen Fluiden ausgelöst. Es kann sich aber auch genauso gut um vulkanotektonische Beben handeln, die direkt von Fluidbewegungen ausgelöst werden, ohne dass Störungszonen involviert werden. Als Drittes ist auch die Einflussnahme des nahen Geothermalkraftwerks Hellisheiði eine mögliche Ursache, indem man mit hohem Druck Wasser in Bohrungen verpresst.

Nach aktuellem Stand besteht an dieser Stelle keine akute Gefahr und ein sich anbahnender Vulkanausbruch gilt als unwahrscheinliches Szenario. Anders sieht es an einem anderen Geothermalkraftwerk auf Reykjanes aus: Unter Svartsengi gibt es eine große Magmaansammlung bei anhaltendem Druckaufbau. Entsprechend groß ist das Eruptionsrisiko. Allerdings flachte die Kurve der Bodenhebungsgeschwindigkeit in den letzten Tagen merklich ab und es sieht beinahe so aus, als würde die Inflation stoppen, wodurch das Ausbruchsrisiko abnimmt. Der vermeintliche Rückgang der Hebegeschwindigkeit könnte aber auch auf Messungenauigkeiten zurückzuführen sein. Die nächsten Tage werden zeigen, ob sich der Trend bestätigt.

Kilauea: Erdbeben Mb 4,5 bei Pāhala

Erdbeben erschüttert Kilauea auf Hawaii – Magmatische Prozesse tief unter Pāhala

Am späten Montagabend wurde die Insel Hawaii von einem deutlich spürbaren Erdbeben der Magnitude 4,5 erschüttert. Laut Angaben vom HVO registrierten die Seismometer um 23:37 Uhr Ortszeit einen Erdstoß, dessen Epizentrum rund drei Kilometer nordwestlich der Ortschaft Pāhala lag. Der Ort liegt auf der Küstenebene im Süden der Insel, am überseeischen Fuß des Vulkans. Der Erdbebenherd befand sich in etwa 33 Kilometern Tiefe. Erschütterungen waren auf der gesamten Insel zu spüren gewesen, teils bis in den Norden nach North Kohala. Schäden an Gebäuden oder Infrastruktur wurden nicht gemeldet, auch eine Tsunami-Gefahr bestand nicht.

Erdbeben
Kilauea.© EMSC/ Leaflet

Trotz der moderaten Stärke erregte das Beben nicht nur bei den Anwohnern der Region Aufmerksamkeit, sondern auch bei Wissenschaftlern: Der Erdstoß gehört zu einem seit Jahren andauernden Schwarm tiefer Erdbeben unter der Region Pāhala, einer der seismisch aktivsten Regionen der Vulkaninsel. Nach Angaben des HVO begann diese ungewöhnliche Aktivität im Jahr 2015 und umfasst inzwischen zehntausende einzelne Erschütterungen. In den letzten 2 Jahren war die Aktivität allerdings rückläufig.

Die Ursache dieser tiefen Beben hängt nicht direkt mit den Eruptionen des Kilauea zusammen, steht aber dennoch in einem vulkanischen bzw. magmatischen Kontext: Die Erschütterungen reihen sich im Bereich der oberen Asthenosphäre und werden von aufsteigendem Magma verursacht, das ein tiefes Verteilerreservoir füllt, aus dem sowohl der Kilauea als auch der größere Mauna Loa gespeist werden.

Eine weitere Rolle bei der Entstehung moderater Erdbeben spielt vermutlich auch die enorme Last der hawaiischen Vulkane, die die Erdkruste nach unten biegt und Spannungen in großer Tiefe erzeugt. Dadurch können Gesteinsbrüche erfolgen, die sich in mittelstarken Erdbeben entladen.

Das HVO betont, dass das aktuelle Erdbeben keine erkennbaren Auswirkungen auf den derzeit pausierten Ausbruch im Halemaʻumaʻu-Krater des Kilauea oder auf den Mauna Loa hatte. Dennoch liefern die Ereignisse unter Pāhala wichtige Hinweise darauf, wie das vulkanische System Hawaiis in der Tiefe funktioniert – und warum selbst ruhige Phasen von mächtigen Kräften begleitet werden.