Kreta: Mittelstarkes Erdbeben Mb 4,3

Moderates Erdbeben vor Kreta erinnert an tektonische Schlüsselrolle der Insel

Datum: 06.02.2026 | Zeit: 18:07:41 UTC | Koordinaten 34.8825.99 | Tiefe: 10 km | Mb 4,3

Ein Erdbeben der Magnitude 4,3 erschütterte am Freitagabend um 18:07 Uhr UTC die Meeresregion südöstlich von Kreta. Das Epizentrum lag 25 Kilometer vor der Südküste der Insel. Dier Herdtiefe wurde vom GFZ mit zehn Kilometern angegeben. Schäden oder Verletzte wurden nach bisherigen Erkenntnissen nicht gemeldet, in mehreren Orten Ostkretas wurde die Erschütterung jedoch deutlich gespürt. Neben diesem Erdstoß wurden weitere schwächere Erdbeben registriert.

Auch wenn das Ereignis vergleichsweise moderat war, lenkt es den Blick ein weiteres Mal auf die außergewöhnliche tektonische Lage Kretas. Die Insel befindet sich an einer der aktivsten geologischen Nahtstellen Europas: Entlang des sogenannten Hellenischen Bogens taucht die Afrikanische Erdplatte mit mehreren Zentimetern pro Jahr unter die Eurasische Platte ab. Dieser Subduktionsprozess ist einer der Hauptmotoren für die hohe Erdbebenaktivität im östlichen Mittelmeerraum.

Kreta liegt dabei nicht direkt über einer einzelnen Störungszone, sondern in einem komplexen Übergangsbereich aus Subduktion, Dehnung und seitlichen Verschiebungen. Die Erdkruste wird hier gleichzeitig zusammengeschoben und auseinandergezogen – ein Spannungsfeld, das regelmäßig zu Erdbeben unterschiedlicher Stärke führt. Während tiefer liegende Beben oft weiter entfernt stattfinden, entstehen flachere Erschütterungen näher an der Insel und werden entsprechend stärker wahrgenommen.

Historisch gesehen zählt Kreta zu den Regionen Griechenlands mit den stärksten dokumentierten Erdbeben Europas. Mehrfach kam es in den vergangenen Jahrhunderten zu schweren Zerstörungen, auch Tsunamis wurden vereinzelt ausgelöst. Vor diesem Hintergrund wird die seismische Überwachung der Region besonders engmaschig betrieben.

Das aktuelle Beben reiht sich in eine Serie kleinerer Erschütterungen ein, die für diese Zone typisch sind. Seismologen betonen, dass solche Ereignisse keine verlässlichen Vorboten größerer Beben darstellen, aber ein Ausdruck der dauerhaft aktiven tektonischen Prozesse sind. Für die Bevölkerung bleibt Wachsamkeit angebracht, Angst ist hingegen kontraproduktiv.

Mayon: Hohe Steinschlagaktivität hält an

mayon

Hohe Steinschlagaktivität geht weiter – Anzahl der pyroklastischen Ströme rückläufig

Am Mayon auf Luzon (Philippinen) geht die Aktivität auf hohem, aber leicht rückläufigem Niveau weiter. Nach dem vorläufigen Höhepunkt der Tätigkeit am 5. Februar reduzierten sich die Abgänge pyroklastischer Ströme auf 8. Tags zuvor waren es noch 33. Dafür wurde aber eine anhaltend hohe Zahl an Steinschlägen und Schuttlawinen registriert. Laut PHILVOLS waren es 335 innerhalb von 24 Stunden. Aufnahmen dokumentierten das Geschehen während der Abenddämmerung. Zu sehen sind die typischen Glutspuren der Steinschläge und Schuttlawinen, die auf lange belichteten Aufnahmen oft wie Lavaströme aussehen. Vom Dom gehen mehrere Lavazungen aus, deren Stabilität entscheidend für die Anzahl der Abgänge sind. Die geringere Anzahl der pyroklastischen Ströme bedeutet in erster Linie, dass weniger große Lavapakete abbrechen als zuvor.

Neben diesen Phänomenen beobachteten die Vulkanologen noch eine Reihe anderer vulkanischer Erscheinungen. Hierzu zählen rot illuminierte Dampfwolken, die vom Lavadom ausgehen und gestern über den Tag hinweg 1800 Tonnen Schwefeldioxid ausgestoßen haben. Außerdem registrierten die Seismometer 2 vulkanotektonische Erdbeben, die darauf hinweisen, dass weiterhin Magma aufsteigt. Der Vulkan gilt als aufgebläht und es gibt trotz des Rückgangs an Abgängen pyroklastischer Ströme keine Hinweise auf ein baldiges Ende der Eruption.

Taal mit langer Tremorphase

Neben dem Mayon ist auf Luzon auch der Taal aktiv. Heute wurde wieder eine lang anhaltende Tremorperiode mit einer Dauer von 840 Minuten registriert. Hinzu kamen 4 vulkanotektonische Erdbeben. Gegenüber den letzten Jahren hat sich der Schwefeldioxid-Ausstoß drastisch reduziert und beläuft sich nur noch auf 100 bis 200 Tonnen am Tag. Zu Spitzenzeiten vor 2 Jahren wurde das 100-fache dieses Wertes gemessen, was extreme Werte für einen Vulkan mit offen liegender Lava waren Tatsächlich gab es zu dieser Zeit aber deutlich weniger phreatische Eruptionen, als es im letzten Jahr der Fall gewesen war, als sich der Gasausstoß deutlich reduziert hatte.

Kanlaon stößt Gas aus

Der dritte aktive Vulkan der Philippinen ist der Kanlaon auf Negros, der ebenfalls weiterhin als aufgebläht gilt. Gestern gab es hier 5 vulkanotektonische Erdbeben und einen Schwefeldioxid-Ausstoß von gut 1700 Tonnen am Tag. Obwohl in den letzten Tagen keine Ascheemissionen gemeldet wurden, könnte es jederzeit wieder zu welchen kommen.

Von den drei erwähnten Vulkanen weist der Mayon aktuell die größte Aktivität auf und es ist der einzige Feuerberg der Philippinen, der aktiv Lava eruptiert. Die Tätigkeit ist unberechenbar und kann sich ohne weitere Warnung steigern. Der Alarmstatus steht auf „3“ und es gilt eine 6-Kilometer-Sperrzone.

Shiveluch: Vulkanausbruch mit hoher Aschewolke

Erneut hohe Aschewolken am Shiveluch eruptiert – Satellitenfoto zeigt Schlagschatten der Eruptionswolke

Der russische Vulkan Shiveluch blieb auch in dieser Woche einer der aktivsten Vulkane der Welt und erzeugte mehrere hoch aufsteigende Aschewolken. So wurden in diesem Jahr bereits 44 VONA-Warnungen für den Flugverkehr ausgegeben, da die Asche selbst hoch fliegende Flugzeuge gefährden könnte. Heute Nacht erreichte die Aschewolke FL 290, also 29.000 Fuß, was in etwa 8800 m über dem Meeresspiegel entspricht. Die Aschewolke driftete nach Nordosten. Geschwindigkeitsangaben fehlten.

Shiveluch

Die Aschewolken entstehen explosiv und werden aus einem Förderschlot im Dom eruptiert. Sie stehen nicht mit pyroklastischen Strömen in Verbindung, wie ich in einem früheren Post spekuliert hatte. Ersichtlich wird das aus aktuellen Satellitenfotos, die bei schönstem Wetter aufgenommen wurden und eine unberührte Schneelandschaft am Vulkan zeigen, ohne Spuren etwaiger pyroklastischer Ströme. Auf einem Copernicus-Bild vom 5. Februar ist sogar eine Eruption nebst Schlagschatten zu sehen, was nicht häufig vorkommt. Im Infrarotspektrum erkennt man eine Wärmeanomalie, die vom Förderschlot ausgeht, was auf Schmelze hindeutet, die hoch im System steht, was bei einem eruptierenden Vulkan auch nicht weiter verwundert.

Die Vulkanologen von KVERT versorgen uns noch mit weiteren Informationen zum Vulkan: Ihren Angaben zufolge breitete sich die Vulkanasche gestern über eine Strecke von 980 Kilometern aus und man warnt vor weiteren Explosionen, bei denen die Aschewolken bis zu 10 Kilometer hoch aufsteigen könnten. Der Alarmstatus für den Flugverkehr steht auf „Orange“.  Es wird anhaltendes Domwachstum bestätigt.

Der Shiveluch ist ein 3283 m hoher komplexer Stratovulkan mit einer bewegten Vergangenheit, wie man an der hufeisenförmigen, nach Süden hin offenen Caldera ablesen kann, die von einem gewaltigen Kollaps mit Hangrutsch im Zuge einer starken Eruption zeugt. In dieser Caldera wächst der aktuell aktive Lavadom. Die Staukuppel befindet sich fast 800 m unterhalb des höchsten Calderarandes, genauer auf 2500 m Höhe. Der im letzten Jahr noch aktive Dom im alten Bereich des Shiveluch scheint seine Aktivität inzwischen eingestellt zu haben.

Island: Schwarmbeben am Reykjanes-Ridge

Schwarmbeben am Reykjanes-Ridge vor Reykjanestá auf Island- mehr als 100 Beben registriert

Am 6. Januar um 20:30 UTC begann auf dem Reykjanes-Rücken ein neuer Erdbebenschwarm. Bis in die Morgenstunden des Folgetages wurden mehr als 100 Beben registriert. Das stärkste Beben hatte laut EMSC eine Magnitude von 3,1. Vier weitere Beben lagen knapp unter der Marke von 3,0, die als Wahrnehmbarkeitsschwelle für Erdbeben gilt. Der Schwarm hat sich inzwischen deutlich abgeschwächt, doch es gibt noch vereinzelte Erdstöße. Die meisten Beben manifestierten sich in einem Areal etwa 30 km südwestlich von Eldey, einer kleinen Felseninsel vulkanischen Ursprungs. Erdbebenschwärme sind in der Region häufig und können rein tektonischer Natur sein, aber auch auf Magmabewegungen hindeuten.

Erdbeben. ©, IMO

Die meisten Epizentren wurden in den IMO-Tabellen nicht bei Eldey als Bezugspunkt verortet, sondern bei Geirfugladrangur, einer Insel, die eigentlich bereits zu den Westmännerinseln weiter südlich gehört. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass es bei Reykjanes einen gleichnamigen Felsen gibt.

Dieser Erdbebenschwarm stellt zwar die stärkste Erdbebenakkumulation der letzten 2 Tage auf Island dar, ist aber nicht die einzige Insgesamt manifestierten sich fast 200 Erdstöße im Hoheitsgebiet von Island. Einen weiteren Schwarm gab es im Norden an der Tjörnes-Fracture-Zone, wo sich 31 Beben ereigneten.

Im Westen von Island gab es bei Grjótárvatn (Borgarnes) 18 Beben. Hier, an der Basis der Snæfellsnes-Halbinsel, hob sich der Boden innerhalb der letzten Monate um gut 2 Zentimeter an. Möglich, dass das Vulkansystem erwacht und wir hier in einigen Jahren einen neuen Eruptionsspot sehen werden.

Ähnlich verhält es sich im Osten der Insel, wo es im Bereich des Vatnajökuls zu 18 Beben gekommen ist. Die meisten wurden am Hamarinn registriert. Einige Erschütterungen streuten aber auch um die Askja-Caldera herum. Hier flachte die Bodenhebung zuletzt aber ab.

Das mit der abflachenden Bodenhebung ist ein generelles Problem, die auf kurzfristige Eruptionen auf Island hofften, denn auch am bisherigen Hotspot des Svartsengi-Gebiets entschleunigte sich die Hebung zuletzt, insbesondere an der Messstation SENG (Svartsengi), die bisher im Zentrum der Hebung lag, ist ein leichtes Abflachen der Hebungskurve zu beobachten. Anders sieht es ein paar Hundert Meter weiter südwestlich aus, wo die Hebung an der Station SKHS seit Dezember recht konstant verläuft. Im Untergrund haben sich mehr als 21 Millionen Kubikmeter Magma angesammelt, die theoretisch langsam mal rauswollen sollten, doch offenbar erfolgt der Druckaufbau momentan zu langsam, als dass der Vulkan durchstarten würde. Doch was nicht ist, kann noch werden.

Piton de la Fournaise: Neuer Erdbebenschwarm am Morgen

Piton de la Fournaise: Erdbebenschwarm sorgt nach kürzlicher Eruption für Unruhe

Der Piton de la Fournaise auf La Réunion ist kurz nach der letzten Eruption zwischen dem 17. und 20. Januar 2026 weiterhin seismisch aktiv und erzeugte in den frühen Morgenstunden des 7. Februar ein Schwarmbeben. Das seismische Netzwerk des OVPF registrierte innerhalb von gut einer Stunde 343 vulkanotektonische Erdbeben unter der Gipfelregion des Vulkans. Die meisten Erschütterungen waren sehr schwach und hatten Magnituden im Bereich der Mikroseismizität. Die Erdbebenherde befanden sich in geringen Tiefen von 1–2,5 Kilometern unter der Oberfläche und standen wahrscheinlich mit Magmenaufstieg in Verbindung. Der Boden im Gipfelbereich hob sich um einige Mikroradians.

Der Erdbebenschwarm manifestiere sich zwischen 03:08 Uhr und 04:05 Uhr Ortszeit, was dem späten Abend des 6. Februars zwischen 23:08 UTCund 00:05 UTC entspricht. Wahrnehmungsberichte liegen nicht vor, was bedeutet, dass praktisch keines der Beben eine Magnitude von 3 oder stärker hatte. Dennoch belegt der Erdbebenschwarm, dass nur 17 Tage nach dem Ende der jüngsten Eruption noch ausreichend Druck im Magmasystem vorhanden ist, um eine Intrusion bzw. einen Ausbruchsversuch zu starten.

Bereits Wochen vor der Eruption Mitte Januar hatte der Vulkan wiederholt seismische Unruhe gezeigt: Im Dezember 2025 kam es zu einem ausgeprägten Erdbebenschwarm mit über 200 registrierten Beben, der durch eine kleine Magmaintrusion in den oberflächennahen Magmareservoirbereich ausgelöst wurde – ein Vorgang, der damals nicht zu einem Ausbruch führte. Am 1. Januar 2026 zeigten Messdaten erneut eine Magmaintrusion mit rund 300 Beben und einer begleitenden Bodenverformung, die ebenfalls im Gestein versickerte, bevor es zur Eruption kam.

Die letzte Eruption dauerte nur wenige Tage und markiert den Beginn eines neuen Eruptionszyklus am Piton de la Fournaise. Normalerweise sind die Initialeruptionen nach längeren Pausen besonders stark, doch diesmal verhielt es sich anders. Daher ist die Annahme berechtigt, dass der Vulkan nur kurz pausieren wird und uns wahrscheinlich in den nächsten Wochen mit einer weiteren Eruption erfreuen wird. Da die Mehrzahl der Ausbrüche am Fournaise in unbewohntem Gebiet abläuft, darf man als Vulkanspotter ohne schlechtes Gewissen einem Ausbruch freudig entgegenfiebern.