Zunehmende seismische Aktivität unter dem Teide: Wissenschaftler beobachten ungewöhnlichen Erdbebenschwarm
Unter dem Vulkan Teide auf Teneriffa hat sich in den vergangenen Tagen eine deutlich verstärkte seismische Aktivität entwickelt. Seit dem Wochenende registrieren die seismischen Netzwerke von INVOLCAN und IGN im Bereich der Caldera Cañadas del Teide (auch als Ucanca-Caldera bekannt) einen anhaltenden Schwarm vulkanisch bedingter Erdbeben, der in Umfang, Vielfalt und Kontinuität der Signale als ungewöhnlich gilt.

Nach Angaben des spanischen Instituto Geográfico Nacional (IGN) wurden seit Samstag, dem 7. Februar, mehr als 100 seismische Ereignisse aufgezeichnet. Die meisten davon ereigneten sich in Tiefen zwischen 10 und 15 Kilometern unter der Erdoberfläche, also im Bereich bekannter Magmen- und Fluidreservoire. Die Epizentren konzentrieren sich vor allem im westlichen Teil der Cañadas del Teide, unweit von Orten wie Vilaflor de Chasna und Guía de Isora.
Geoforscher verfolgten die große Bandbreite der registrierten Signale aufmerksam und zum Teil staunend. Neben vulkanotektonischen Erdbeben wurden am Dienstagvormittag zwischen 8:45 und 10:15 Uhr niederfrequente Ereignisse mit langen Perioden (LP) und hybride Signale registriert. Die Vulkanologen staunten insbesondere über die lange Dauer von 90 Minuten, in denen diese Signale auftraten. Ein solches Signal wurde in dieser Form bislang noch nie auf Teneriffa aufgezeichnet.
In einem Bericht der Wissenschaftsseite „Volcanes y Ciencia Hoy“ ist sogar von Tornillos (schraubenförmige Erdbebensignale) sowie von lang anhaltenden Tremorphasen die Rede. Diese Bebenarten werden oft als Warnsignale bevorstehender Eruptionen angesehen, doch da andere geophysikalische Änderungen fehlen, interpretiert man sie hier als Hinweis auf eine anhaltende Reaktivierung des vulkanischen Systems.
Auffällig ist zudem, dass selbst Mikrobeben mit Magnituden um 0,4 erfasst wurden. Bislang konnten solche Vibrationen kaum lokalisiert werden. Fachleute sehen darin ein Indiz für ein verbessertes seismisches Messnetz auf der Insel.
Forscher und Behörden beruhigen, dass es keine Anzeichen eines unmittelbar bevorstehenden Ausbruchs gibt, räumen aber ein, dass es nur wenige historische Vergleichsfälle für eine derart dichte und vielfältige seismische Aktivität gibt. „Irgendetwas verändert sich im System“, so die Einschätzung aus Fachkreisen – auch wenn dies nicht zwangsläufig in einer Eruption münden müsse.
Prävention und Aufklärung im Fokus
Parallel zur wissenschaftlichen Überwachung setzt die kanarische Vulkanforschung verstärkt auf Prävention und Aufklärung. Gestern traf sich INVOLCAN (Vulkanologisches Institut der Kanaren) mit Vertretern von acht Gemeinden im Süden Teneriffas.
Ziel des Treffens war es, die institutionelle Zusammenarbeit zu vertiefen und die Bevölkerung besser auf vulkanische Risiken vorzubereiten. Im Mittelpunkt stand das Bildungsprogramm „Kanarische Inseln – ein vulkanisches Fenster im Atlantik“, das seit 2008 mehr als 25.000 Menschen im Archipel erreicht hat, über 13.700 davon auf Teneriffa.
Dieses Programm gilt als einer der zentralen Pfeiler des spanischen Vulkan-Katastrophenschutzes (PEVOLCA) und soll langfristig eine Gesellschaft fördern, die informierter, widerstandsfähiger und weniger verwundbar gegenüber vulkanischen Gefahren ist.
Update 11.02.2025: In einem heute veröffentlichten Statement räumen die Vulkanologen erstmalig ziemlich klar ein, dass man langfristig betrachtet sehr wohl mit einem Vulkanausbruch auf Teneriffa rechnen müsse. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dieses „längerfristig“ nicht unbedingt auf geologische Zeitträume anzusehen ist. Tatsächlich können sich Eruptionen auf den Kanaren von dem aktuell beobachteten Aktivitätsstadium innerhalb weniger Monate entwickeln.




