Piton Fournaise: Weitere Infos zum neuen Vulkanausbruch

Am Piton de la Fournaise öffneten sich vier Eruptionsspalten – Tätigkeit verlagerte sich nach Süd-Südosten

Der neue Ausbruch am Piton de la Fournaise begann am 13. Februar 2026 kurz nach 10:00 Uhr Ortszeit. In rascher Folge öffneten sich im oberen Hangbereich des Kraterkegels vier Spalten. Die ersten Minuten der Eruption waren besonders intensiv und vermittelten den Eindruck, als würde der Gipfelbereich wie eine reife Tomate aufplatzen. Aus den Spalten schossen Lavafontänen etwa 10 bis 20 Meter hoch. Sie speisten rasch fließende Lavaströme, die sich erst an der Basis des Kegels verlangsamten.

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Spalten. © OVPF

Die drei längsten Spalten (F1–F3) öffneten sich zunächst im Gipfelbereich, südlich und südöstlich des Dolomieu-Kraters. Im weiteren Verlauf verlagerte sich die eruptive Aktivität zunehmend zur Süd-Südost-Flanke. Dort öffnete sich gegen 11:00 Uhr die vierte Spalte (F4) weiter hangabwärts nahe dem Piton Morgabim. Mit ihrer Öffnung intensivierte sich der vulkanische Tremor deutlich; seit etwa 15:00 Uhr zeigt er sich auf stabilem Niveau. Derzeit konzentriert sich die Aktivität vor allem auf Spalte 4. Spalte 1 ist noch schwach aktiv, während die beiden anderen inzwischen erloschen sind.

Der Lavastrom erreichte gegen 13:00 Uhr das Höhenniveau von rund 1500 Metern – für die kurze Zeit nach Eruptionsbeginn eine beachtliche Distanz. Die Förderrate wurde in den ersten Stunden per Satellit auf bis zu 63 m³ pro Sekunde geschätzt.

Das Observatorium überwacht die Lage kontinuierlich und weist darauf hin, dass aufgrund anhaltender seismischer Aktivität weitere Spaltenöffnungen möglich sind, auch weiter hangabwärts.

Der Piton de la Fournaise zählt zu den aktivsten Vulkanen der Erde. Er liegt im Südosten der Insel Réunion und erreicht eine Höhe von 2632 Metern. Charakteristisch sind überwiegend effusive Eruptionen mit dünnflüssiger Basaltlava, die häufig innerhalb der unbewohnten Caldera Enclos Fouqué bleiben. Dadurch gelten viele Ausbrüche trotz ihrer Dynamik als vergleichsweise gut beherrschbar und bieten zugleich ein beeindruckendes Naturschauspiel.

Teneriffa: Neuer Erdbebenschwarm bereitet Sorgen

Neuer Erdbebenschwarm unter dem Teide auf Teneriffa – Magmenaufstieg möglich

Die seismovulkanische Entwicklung unter dem Teide-Massiv auf Teneriffa nimmt offenbar an Fahrt auf: Seit gestern Nachmittag (12. Februar) wird unter der Caldera des Vulkans Teide erneut ein Schwarmbeben registriert. In einem Statement des Instituto Geográfico Nacional de España (IGN) heißt es, dass 876 schwache Erdbeben verzeichnet wurden. Die meisten Erschütterungen waren extrem schwach und hatten Magnituden bis Mb 0,7. Nicht alle Beben konnten genau lokalisiert werden. Sie tauchen auch nicht auf der Shakemap des Instituts auf, sind aber als kleine Zipper im Seismogramm erkennbar. Die Analyse zeigt jedoch eine Konzentration im westlichen Bereich der Caldera Las Cañadas del Teide. Die geschätzte Tiefe liegt bei rund 8 km unter dem Meeresspiegel.

Seismogramm
Teneriffa. © ING

Wahrscheinlich würde eine KI noch Hunderte weitere Signale entdecken, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben. Wie bereits in den Vortagen gab es auch diesmal wieder zwei deutliche Signale, die länger anhielten und als LP-Ereignisse beschrieben werden. Solche langperiodischen Erdbeben stehen unter Vulkanen normalerweise direkt mit Fluidbewegungen in Verbindung. Wahrscheinlich handelt es sich hier um aufsteigendes Magma, das sich in einem Magmenkörper in rund 8 km Tiefe akkumuliert. Es könnte sich aber auch um Fluide und Gase handeln.

Die Aktivität begann am 7. Februar 2026 deutlich zuzunehmen. Seitdem wurden mehrere Schwärme mit Beben niedriger Energie registriert. Nach Angaben des IGN traten zunächst rund 90 schwache Erdbeben im Bereich von Las Cañadas auf, überwiegend in Tiefen zwischen 8 und 12 km. Am 10. Februar wurde zudem ein ungewöhnlich langes niederfrequentes Signal von etwa 45–50 Minuten aufgezeichnet, typisch für sogenannte LP-Ereignisse.

Ähnliche Episoden wurden bereits im Oktober 2016, im Juni 2019, im Juni und Juli 2022, im November 2024 sowie im August 2025 registriert. Die aktuelle Serie ist allerdings die intensivste. Nach aktuellem Stand gibt es keine Hinweise auf signifikante Bodenhebung oder außergewöhnliche Gasemissionen abseits der bereits kommunizierten Werte. Mich persönlich würde es jedoch nicht überraschen, wenn das nicht lange so bleibt.

Enrique vom Wissenschaftsblog „Volcanes y Ciencia Hoy“ spekulierte heute Morgen darüber, dass der aktuelle Schwarm durch das starke Erdbeben in Chile getriggert worden sein könnte – etwas, das laut wissenschaftlichen Studien durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Damit sich Fluide bewegen können, müssen jedoch bereits welche vorhanden sein. Selbst wenn der Schwarm durch das Beben ausgelöst wurde, ändert das nichts daran, dass sich offenbar in 8 km Tiefe unter dem Teide Schmelze akkumuliert. Kritisch wird es, wenn sie die 5-Kilometer-Marke erreicht.

Chile: Erdbeben Mw 6.2 am 12. Februar

Starkes Erdbeben erschüttert Westen von Chile – fluidbedingte Beben auf Teneriffa getriggert

Gestern Vormittag registrierten die seismischen Netzwerke ein starkes Erdbeben der Magnitude 6,2 im Westen von Chile. Laut EMSC hatte es eine Herdtiefe von 37 km. Das Epizentrum lag etwa 32 km südwestlich von Ovalle und rund 95 km südlich von Coquimbo, einem Ort an der Pazifikküste. Da sich der Erdstoß fast 100 Kilometer landeinwärts manifestierte, wurde kein Tsunami-Alarm ausgegeben.

Chile. © EMSC/Leaflet

Der Erdstoß ereignete sich um 10:34 Uhr Ortszeit in der Region Coquimbo. Aufgrund der Herdtiefe und der Entfernung zu Siedlungsgebieten entstanden keine größeren Schäden. Das Beben wurde aber deutlich von der Bevölkerung wahrgenommen. Gemäß der Auswertung der USGS-PAGER-Daten wurde das Beben von der Umgebung von etwa 1000 Menschen stark wahrgenommen. 132000 verspürten moderate und fast 700 000 leichte Erschütterungen.

Lokale Medienberichte sprechen von deutlichen Erschütterungen in Städten wie Punitaqui, Socos und San Julián und auch in weiter entfernten Orten. Laut einigen Quellen ist es Anwohnern schwergefallen, sich während des Bebens auf den Beinen zu halten. Möbel wackelten und Gegenstände fielen herunter. Offizielle Meldungen betonen, dass es bislang keine bestätigten Schadens- oder Opferberichte gibt.

Chile liegt an einer der aktivsten seismischen Zonen der Erde, dem sogenannten Pazifischen Feuerring. Hier taucht die ozeanische Nazca-Platte unter die kontinentale Südamerikanische Platte – ein klassisches Subduktionsszenario Diese Kollision erzeugt enorme Spannungen und ist Ursache für regelmäßige Erdbeben. Das Erdbeben vom 12. Februar war wahrscheinlich ein Flachbeben entlang dieser Subduktionszone oder in deren Nähe und gehört zur normalen seismischen Aktivität dieser Plattengrenze.

In der Region ereigneten sich bereits zahlreiche historische Erdbeben mit katastrophalen Folgen. Darunter das fatale Starkbeben Mw 8,2 von 1906, das in Valparaíso enorme Schäden anrichtete. Auch 1997 und 2019 manifestierten sich in der Region starke Erdbeben, die Schäden verursachten und Menschenleben kosteten.

Interessant ist, dass kurz nach dem aktuellen Beben am Pico del Teide auf Teneriffa wieder langperiodische Erschütterungen einsetzten. Seitdem ist ein neues Schwarmbeben im Gang. Studien belegen, dass weit entfernte starke Erdbeben Fluidbewegungen an Vulkanen verursachen können. Mehr dazu später.

Piton Fournaise: Neuer Vulkanausbruch am 13. Februar

Eruption am Kraterkegel des Piton de la Fournaise – Lavafontänen speisen Lavaströme

Auf La Réunion kam es heute Morgen zu einem erneuten Vulkanausbruch am Piton de la Fournaise. Laut dem zuständigen Observatorium OVPF begann die Eruption gegen 10:00 Uhr Lokalzeit, nachdem um 09:25 Uhr ein Erdbebenschwarm eingesetzt hatte. Es blieb also nur eine kurze Vorwarnzeit vor der Eruption. Die Aktivität führte dazu, dass sich Eruptionsspalten an der Südflanke des Kraterkegels im Gipfelbereich des Vulkans öffneten und Lavafontänen aufstiegen, die die Lavaströme speisten. Das Geschehen ist auf Livecams am Piton Bert im Süden der Caldera sichtbar. Dort befindet sich auch ein Aussichtspunkt.

Die Behörden riefen heute schnell den Notfallplan ORSEC „Volcan“ aus und erhöhten die Alarmstufe auf 2.1, was eine offizielle Eruption in der Caldera Enclos Fouqué beschreibt. Der Zugang zur Caldera wurde gesperrt und ihr Betreten ist strikt untersagt. Die Präfektur von La Réunion hat das gesamte Gebiet um den Vulkan abgesperrt, um die Sicherheit von Wanderern und Touristen zu gewährleisten. Da nur wenig Vorwarnzeit blieb, befanden sich bereits Wanderer in dem Gebiet, die inzwischen evakuiert wurden.

Der Piton de la Fournaise zählt zu den aktivsten Vulkanen der Welt, mit durchschnittlich zwei bis drei Eruptionen pro Jahr. Nach einer 17-monatigen Pause begann am 18. Januar dieses Jahres ein neuer Eruptionszyklus. Der Ausbruch dauerte nur drei Tage. Seitdem blieb die Seismizität erhöht und man rechnete mit einer zeitnahen zweiten Eruption.

Aufgrund der steilen Hänge des Kraterkegels, auf dessen oberer Südflanke sich die Eruptionsspalten bildeten, schießen die Lavaströme mit hoher Geschwindigkeit zu Tal. Sie bleiben zwar innerhalb der Caldera, könnten bei längerer Eruptionsdauer allerdings über ihren Südhang in Richtung Ozean fließen. Bis jetzt besteht keine direkte Gefahr für die bewohnten Gebiete der Insel, doch die Lage kann sich schnell ändern, wenn Magma neue Pfade findet oder sich weitere Spalten öffnen. Allerdings waren Eruptionen im Bereich der Gipfelkrater Dolomieu und Bory in den vergangenen Jahren vergleichsweise kurzlebig, so dass das Risiko überschaubar ist.

Update 09:30 Uhr: Das VAAC Toulouse hat eine VONA-Warnung für den Flugverkehr rausgegeben. Zwar konnte keine Vulkanasche auf Satellitenfotos gesichtet werden, doch der Alarmcode für den Flugverkehr wurde auf „Rot“ erhöht.

Stromboli und der Atem des Vulkans

Entgasung am Stromboli. © Marc Szeglat

Der verborgene Atem der Vulkane – wie Infraschall neue Einblicke in Entgasungsprozesse liefert

Eine aktuelle Studie des italienischen Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia (INGV), die von Forschenden verschiedener italienischer Universitäten durchgeführt wurde, widmet sich einem oft übersehenen Phänomen: dem kontinuierlichen „Atem“ aktiver Vulkane. Gemeint ist damit die stetige Freisetzung vulkanischer Gase, die selbst in Phasen ohne sichtbare Eruptionen erfolgt. Diese Entgasung ist keine Randerscheinung, sondern eine der häufigsten Ausdrucksformen vulkanischer Aktivität. Sie liefert entscheidende Hinweise auf Prozesse im Untergrund.

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Analyse von Infraschallwellen, also Schallsignalen mit sehr niedriger Frequenz, die vom menschlichen Ohr nicht wahrgenommen werden können. Diese entstehen, wenn Gas in pulsierenden Schüben aus dem Fördersystem des Vulkans entweicht. Infraschall entsteht auch bei explosiven Eruptionen, doch die Fachleute können diesen von den Signalen unterscheiden, die von Entgasungen erzeugt werden. Die Forschenden beschreiben dieses Muster als eine Art rhythmisches Signal, vergleichbar mit einem Atemzyklus. Veränderungen in Frequenz, Amplitude oder Regelmäßigkeit können auf strukturelle oder dynamische Veränderungen im magmatischen System hinweisen.

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Stromboli. © INGV

Untersucht wurde der daueraktive Vulkan Stromboli, der seit Jahrtausenden eruptiert und kontinuierliche Entgasungen aus seinem Krater zeigt. Die Entgasungen erfolgen stoßartig mit einer Frequenz von einem Gasstoß pro Sekunde. Dieser Atem des Vulkans wird als „Puffing“ bezeichnet. Pro „Puff“ stößt der Stromboli zwischen 10 und 100 Kubikmeter Gas aus. Die Forscher kombinierten Infraschallsensoren mit Kameras, die im Ultraviolettspektrum aufnehmen. Mit den UV-Kameras lässt sich die ausgestoßene Schwefeldioxid-Menge sichtbar machen und bestimmen. Durch die parallele Erfassung akustischer und visueller Daten gelang es, die Gasfreisetzung nicht nur quantitativ, sondern auch im dynamischen Umfeld zu charakterisieren. Dabei geht es um das Verhalten der Entgasungen im Zeitverlauf und um die zugrunde liegenden Prozesse im Fördersystem:

  • kontinuierlich oder pulsierend Freisetzung?
  • Regelmäßigkeit von Druckschwankungen („Atemrhythmus“)
  • Stärke einzelner Gasimpulse
  • Änderung von Frequenz oder Amplitude der Pulse
  • Übergänge von ruhiger Entgasung zu explosiver Aktivität

Die Ergebnisse zeigen, dass bestimmte infrasonische Signaturen mit Änderungen im Gasfluss korrelieren. Steigt frisches Magma auf, verändert sich die Gaszusammensetzung und der Druck im Fördersystem, was sich unmittelbar in Veränderungen des Infraschallsignals widerspiegelt. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, kaum wahrnehmbare Veränderungen frühzeitig zu erkennen, noch bevor klassische Warnsignale wie stärkere Seismizität oder Bodenhebung auftreten. Das funktioniert, weil Gas schneller als Magma aufsteigt und lange vor der Schmelze den Krater erreicht.

Die Studie unterstreicht die Bedeutung multiparametrischer Überwachungssysteme in der Vulkanologie. Infraschallmessungen sind relativ robust gegenüber Witterungseinflüssen und können kontinuierlich eingesetzt werden. In Kombination mit Gasanalysen und geophysikalischen Daten entsteht so ein detailliertes Bild der inneren Vulkandynamik.