Campi Flegrei: Erdbebenschwarm am Valentinstag

Schwarmbeben in den Campi Flegrei – Bodenhebung geht weiter

Ausgerechnet zum Valentinstag überraschte die Caldera Campi Flegrei ihre Bewohner mit einem Erdbebenschwarm, nachdem es in den letzten Wochen eine vergleichsweise geringe Seismizität gegeben hatte. Eine Liebesbekundung, auf die man vor Ort sicher gerne verzichtet hätte. Der Schwarm bestand aus gut 30 schwachen Erschütterungen. Das stärkste Beben hatte eine Magnitude von 1,6 und eine Herdtiefe von 2,3 Kilometern. Das Epizentrum lag nördlich der Solfatara. Die meisten anderen Beben manifestierten sich östlich des Maars im Bereich des Stadtteils Pisciarelli, wo sich auch das gleichnamige Thermalgebiet befindet.

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Campi Flegrei. © INGV

Wie bei solchen Ereignissen üblich, gaben das Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia (INGV) und die Kommune Pozzuoli Warnungen an die Bevölkerung heraus. Diese blieb verhältnismäßig ruhig, da die meisten Beben zu schwach waren, um gespürt zu werden. Empfindliche Personen können allerdings bereits flache Beben ab Magnituden um 1,5 wahrnehmen.

Für mehr Aufregung sorgte am 10. Februar das Thermalgebiet von Pisciarelli, da Starkregen es zum Überlaufen brachte und schlammiges Wasser über die Straßen des Areals floss. Schäden wurden jedoch nicht gemeldet.

Eine vergleichsweise neue Studie besagt, dass etwa 20–30 % der Bodenhebung durch den Einfluss von Regenwasser zustande kommen können. Das Wasser benötigt rund vier Jahre, bis es die entsprechenden Tiefen im Hydrothermalsystem erreicht. An die Winter 2025/26 sollte man daher zu Beginn der nächsten Dekade denken, falls sich die Bodenhebung dann dramatisch beschleunigen sollte.

Eine andere Studie kommt zu dem Schluss, dass trotz anhaltender Bodenhebung die Zahl der Erdbeben abnehmen könnte, da sich Spannungen ab einem gewissen Hebungsniveau nicht mehr so stark auf die Störungszonen auswirken. Möglicherweise haben wir diese Phase bereits erreicht. Der Boden hebt sich weiterhin mit einer Geschwindigkeit von etwa 15 Millimetern pro Monat. Gasausstoß und Fumarolentemperaturen bleiben hoch. Die Durchschnittstemperaturen liegen in Pisciarelli bei etwa 95 Grad Celsius, und in der Solfatara stößt die BG-Fumarole 173 Grad heißen Dampf aus. Der Kohlendioxidausstoß beträgt rund 11.000 g/m²/Tag. Das liegt zwar etwas unter den Spitzenwerten, ist aber weiterhin ein sehr hoher Wert.

Auch wenn die Aktivität der Campi Flegrei in den letzten Monaten weniger spektakulär erscheint als bis zum vergangenen Herbst und deutlich weniger mediale Aufmerksamkeit erhält, haben sich die grundlegenden Parameter und das Gefahrenpotenzial nicht wesentlich verändert. Der Trend zur Druckbeaufschlagung hält an. Eine vermeintliche Stille kann trügerisch sein – insbesondere dann, wenn Aufmerksamkeit und Bemühungen zum Ausbau sicherer Infrastrukturen nachlassen sollten.

Piton Fournaise: Lavastrom fließt im Grand Brule

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Vulkanausbruch am Piton Fournaise hält an – Lavastrom weniger als 3 Kilometer von Küstenstraße entfernt

Die Eruption am Piton de la Fournaise hält weiter an, hatte aber bereits gestern Nachmittag deutlich an Schwung verloren Von den anfänglich 4 Eruptionsspalten ist nur noch die Spalte 4 aktiv, doch die Förderrate ist groß genug, um einen Lavastrom zu speisen, der im Grand Brûlé unterwegs ist. Etwas, das bereits seit mehreren Jahren nicht mehr vorkam. 

Die aktive Spalte befindet sich nahe Piton Morgabim an der südöstlichen Flanke des Kraterkegels in der Caldera Enclose Fouque. Von dort ergießen sich Lavaströme hangabwärts und mindestens ein Strom ist über die steilen Grandes Pentes in den Grand Brûlé geflossen. Der Hang liegt bereits im mittleren Höhenbereich des Schildvulkans und fällt zur Küstenebene ab. Grand Brûlé wurde immer wieder von Lavaströmen heimgesucht, was der Hand seinen Namen bescherte: „Grand Brûlé“ bedeutet übersetzt „das Große Verbrannte“.

Nachdem sich die Lava am frühen Abend des 13. Februar zunächst rasch ausbreitete, verlangsamte sich ihr Vorrücken deutlich. Über Nacht legte die Lavafront nur noch 300 Meter zurück. Am Morgen befand sie sich noch etwa drei Kilometer von der RN2 entfernt.

Die geophysikalischen Parameter deuten auf eine gewisse Stabilisierung der Eruption hin. Die Amplitude des Tremors hat sich seit Beginn der Eruption etwa halbiert und blieb zuletzt relativ konstant. Die anhand von Satellitendaten ermittelten Lavaabflussraten schwankten in der Nacht zwischen 2 und 19 Kubikmetern pro Sekunde, mit einem kurzzeitigen Maximum von 33 Kubikmetern pro Sekunde. Witterungsbedingungen wie Bewölkung können diese Werte beeinflussen.

Die Witterungsbedingungen geben den Blick auf das Geschehen nur zeitweise frei, da immer wieder Wolken die Livecamsicht beeinträchtigen. Es lässt sich erahnen, dass der Lavastrom weiterhin auf dem Hang unterwegs ist.

Trotz der derzeit ruhigeren Phase mit kontinuierlichem Lavafluss, bleibt die Situation dynamisch. Anhaltende seismische Aktivität zeigt, dass weiterhin Magma im System in Bewegung ist. Neue Spaltenöffnungen – möglicherweise weiter hangabwärts – können daher nicht ausgeschlossen werden. Das Observatoire Volcanologique du Piton de la Fournaise überwacht den Vulkan rund um die Uhr; die Alarmstufe bleibt bei „Alarm 2-1“.

Rückblickend fügt sich die aktuelle Eruption in eine seit November 2025 andauernde Reaktivierungsphase ein. Zunehmende Seismizität, Inflation des Vulkangebäudes und mehrere magmatische Intrusionen hatten den Druckaufbau im oberflächennahen Reservoir angezeigt. Nach einem Ausbruch vom 18. bis 20. Januar folgte am 13. Februar schon der erneute Ausbruch. Zwischen Beginn der Erdbebenkrise und dem Öffnen der ersten Spalte lagen nur rund 35 Minuten.

Semeru: Vulkanausbruch generiert pyroklastische Dichteströme

Signifikante Aktivitätssteigerung am Semeru – Video dokumentiert pyroklastische Ströme

Am Semeru kam es Mitte Februar 2026 zu einer deutlichen Aktivitätssteigerung. Innerhalb weniger Tage wurden zahlreiche pyroklastische Ströme registriert, die teilweise sehr lange aktiv waren und kontinuierliche Ascheemissionen erzeugten. Man kann von einer signifikanten Zunahme der Aktivität bei steigendem Risiko für die Bevölkerung ausgehen. Dennoch beließen die Behörden die Warnstufe unverändert auf „3“.

Heute Morgen ereignete sich um 05:54 Uhr Ortszeit eine Eruption, bei der ein größerer pyroklastischer Dichtestrom entstand, der sich rund sechs Kilometer in südöstlicher Richtung entlang des Flusses Besuk Kobokan bewegte. Die dabei freigesetzte Aschewolke stieg etwa 2.000 Meter über den Gipfel auf und erreichte damit eine Höhe von rund 5.676 Metern über dem Meeresspiegel. Seismografen registrierten eine maximale Amplitude von 25 Millimetern bei einer Dauer von fast vierzig Minuten. Die Afar-TV-Livecam dokumentierte das Ereignis in einem recht langen, aber interessanten Video, das die Front des pyroklastischen Stroms sehr schön im Fokus hielt und zeigt, wie sich ein solcher Dichtestrom entwickelt. Zu berücksichtigen ist, dass er zwar eine große Strecke zurücklegte, im Vergleich zu katastrophalen pyroklastischen Strömen jedoch relativ langsam war und nur wenig Material transportierte.

Nur rund 90 Minuten später folgte eine weitere Eruption. Die Aschesäule erreichte diesmal eine Höhe von 1.500 Metern über Gipfelniveau. Auch diese Eruption ging mit deutlichen seismischen Signalen einher. Die Asche wurde jeweils nach Norden und Nordosten verfrachtet.

Das Darwin Volcanic Ash Advisory Centre warnte zudem vor einer ausgedehnten Aschewolke bis Flugfläche 180, entsprechend rund 5.500 Metern Höhe. Die Asche driftete mit etwa 9 km/h nach Nordosten. Aufgrund dichter Bewölkung war die Wolke auf Satellitenbildern zeitweise nicht eindeutig zu erkennen; Höhen- und Bewegungsangaben stützten sich daher auf Bodenbeobachtungen und Modellrechnungen. Weitere Emissionen gelten als wahrscheinlich.

Auch die seismischen Daten des Vortages belegen die erhöhte Aktivität des höchsten Vulkans der Insel Java: Am 14. Februar wurden die Signale von fünf pyroklastischen Strömen registriert, die bis zu 338 Sekunden lang unterwegs waren. Die pyroklastischen Ströme entstanden durch größere Abbrüche von Lavapaketen am Dom, wodurch sich die Anzahl der täglichen Schuttlawinenabgänge auf 58 reduzierte und sich damit gegenüber den Vortageswerten nahezu halbierte. Eine längere Phase harmonischen Tremors zeugte von verstärkten Fluidbewegungen im Inneren des Vulkans. Heute steigerte sich der Tremor weiter, und es liegt die Vermutung nahe, dass es zu einem verstärkten Lavaaustritt am Dom kommt. Das lässt weitere Abgänge größerer pyroklastischer Ströme wahrscheinlich werden.

Der Vulkan befindet sich weiterhin auf Alarmstufe „3“. Das indonesische Zentrum für Vulkanologie und geologische Gefahrenabwehr rät dringend davon ab, sich im südöstlichen Sektor entlang des Besuk Kobokan im Umkreis von 13 Kilometern vom Krater aufzuhalten. Zudem gilt ein generelles Betretungsverbot in einem Radius von fünf Kilometern um den Gipfel.

Besondere Vorsicht ist entlang der Flusssysteme geboten, da pyroklastische Ströme, Lavaströme und Lahare erhebliche Distanzen zurücklegen können. Die aktuelle Entwicklung bedingt ein sehr hohes Risiko für die Bevölkerung in Vulkannähe, wobei meiner Einschätzung nach pyroklastische Ströme und Lahare auch besiedeltes Gebiet erreichen könnten.