Mayon generiert kleine strombolianische Eruptionen

Kleine strombolianische Eruptionen aus dem Mayon-Lavadom – mögliche Vorzeichen für Paroxysmen

Der philippinische Mayon ist seit gut 50 Tagen aktiv und baut an seinem Lavadom, der beschleunigt wächst. Wie PHIVOLCS meldete, wurden letzte Nacht kleine strombolianische Eruptionen aus dem Lavadom beobachtet, die für rot illuminierte und wabernde Wolken im Gipfelbereich sorgten. Außerdem sind mindestens drei Lavaströme in Schluchten am Vulkanhang unterwegs. Von den Lavafronten gehen glühende Schuttlawinen und pyroklastische Dichteströme ab.

mayo
Mayo

Heute um 12:00 Uhr mittags meldeten die Vulkanologen, dass in den vorherigen 24 Stunden 19 pyroklastische Dichteströme und 375 Schuttlawinen seismisch registriert wurden. Dazu gesellten sich 20 vulkanisch bedingte Erdbebensignale. Die pyroklastischen Ströme ließen Aschewolken aufsteigen, die beim VAAC Tokio VONA-Warnungen für den Flugverkehr auslösten. Aufgrund der Bewölkung am Mayon ließ sich die Höhe der Aschewolken nicht bestimmen. Typischerweise erreichen sie Höhen von etwa 2.700 m.

Aus dem gleichen Grund war es gestern auch schwierig, die strombolianischen Eruptionen per Livecam zu beobachten. Ich selbst sah immer nur wabernde Wolken, aber keine typischen Glutspuren explosiv ausgeworfener Tephra. Die Vulkanbeobachter vor Ort verfügen aber sicherlich über Teleskope und Telekameras, mit denen sie entsprechende Beobachtungen machen konnten. In dem fortgeschrittenen Eruptionsstadium, in dem sich der Mayon aktuell befindet, könnte bereits eine schwache explosive Komponente der ansonsten effusiven Eruption ein frühes Warnzeichen für Paroxysmen sein, wie sie sich bei den beiden vorangegangenen Eruptionsphasen am Mayon nach einigen Wochen Domaktivität eingestellt hatten.

Bei Paroxysmen entstehen mehrere Hundert Meter hohe Lavafontänen, Aschewolken, die Höhen von mehr als 10 Kilometern erreichen können, sowie ein beschleunigter Ausfluss von Lavaströmen. Typischerweise können besonders während Paroxysmen größere Kollapsereignisse am Lavadom stattfinden, die entsprechend kraftvolle pyroklastische Ströme generieren, welche auch das Sperrgebiet verlassen können. Dieses soll ja bekanntlich Menschen aussperren und nicht die pyroklastischen Ströme einsperren.

Am ehesten ließen sich noch die Lavaströme „einsperren“. Freiwillig machen sie im Moment allerdings keine Anstalten zu stoppen. Sie haben derzeit folgende Längen:

  • Basud: 3,8 km
  • Bonga: 1,6 km
  • Mi-isi: 1,3 km

Darüber hinaus entweicht dem Mayon eine große Menge Schwefeldioxid. Sie betrug am 13. Februar 3.788 Tonnen pro Tag.

Island: Schwarmbeben westlich von Grindavik

Schwarmbeben westlich von Grindavik auf Island – Gut 30 Erdbeben bis jetzt

Heute Morgen manifestierte sich auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel ein Schwarmbeben an einer eher ungewöhnlichen Lokation: Seit 08:26:56 Uhr bebt die Erde genau in der Mitte zwischen dem Leuchtturm von Reykjanestá und Grindavík. Die Distanz zwischen den beiden Orten beträgt gut 14 Kilometer. Die Epizentren liegen unter dem Lavafeld Berghraun an der Südküste von Reykjanes und in unmittelbarer Nähe zur Küstenstraße Nesvegur. Die Tiefe der meisten Erdbebenherde liegt bei rund 5 Kilometern. Das stärkste Beben hatte laut IMO eine Magnitude von 2,5 und ein Hypozentrum in 0,6 Kilometern Tiefe.

Island. © VAFRI

Obwohl das Schwarmbeben bislang nicht weiter bedrohlich ist, könnte es mit den Spannungen in der Erdkruste zusammenhängen, die infolge der Magmaakkumulation bei Svartsengi entstehen. Es ist auch möglich, dass sich hier direkt magmatische Fluide entlang von Störungszonen bewegen. Die am nächsten gelegene GNSS-Messstation GEVK westlich von Grindavík zeigt in den letzten Tagen eine leichte Deflation. Es ist also denkbar, dass sich der unterirdische Schmelzfluss verlagert. An der nördlich von Berghraun gelegenen Kraterreihe Eldvörp stoppte die Bodenhebung laut den letzten Messungen jedoch ebenso wie bei Svartsengi. Die nächsten Tage werden zeigen, ob es sich erneut um Messfehler oder um einen neuen Trend handelt.

Über die letzten Monate hinweg verfestigte sich der Trend der Bodenhebung in einem weiten Teil von Zentralisland. An der Messstation KISA hob sich der Boden seit Juli 2025 um bis zu 70 mm. Diese Messstation liegt westlich von Bárðarbunga am Rand des Gletschers Vatnajökull. Aber auch an anderen Stationen rund um den Gletscher Hofsjökull ist eine Hebung von etwa 20 mm festzustellen.

Die Hebung Zentralislands ist unter Wissenschaftlern seit Längerem bekannt, war bis dato aber eher subtil und nahm erst in den letzten Monaten deutlich an Fahrt auf. Es gibt Überlegungen, dass die Hebung mit dem isländischen Mantelplume in Verbindung stehen könnte, dessen aktivster Teil unter dem Vatnajökull mit seinen mächtigen Zentralvulkanen angesiedelt ist.

USA: Eisvulkan im Letchworth State Park entstanden

Ungewöhnlicher Eisvulkan bildete sich im Letchworth State Park – eisige Temperaturen ließen Gebilde um Wasserfontäne wachsen

In den USA kam es durch das Zusammentreffen außergewöhnlich niedriger Temperaturen mit einer historischen Wasserfontäne im Letchworth State Park im Westen des Bundesstaates New York zur Bildung eines 9 Meter hohen „Eisvulkans“. Hierbei handelt es sich um einen steilen Eiskegel, der im Prinzip wie ein umgekehrter Eiszapfen aufgebaut ist und mich persönlich sehr an einen Hornito erinnert: Um den Wasserstrahl der Fontäne bildet sich aus dem gefrierenden Spritzwasser ein Eiskegel. Das spektakuläre Phänomen entwickelte sich aus der Glen-Iris-Fountain, die seit den 1860er Jahren in Betrieb ist und nach dem Prinzip eines artesischen Brunnens funktioniert.

Viele Tage mit konstanten Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt haben das ungewöhnliche Eisbauwerk in den letzten Wochen rapide wachsen lassen. Beobachter berichten, dass Windchill-Werte (gefühlte Temperaturen) teils bis zu −38 °C erreicht wurden, während offizielle Messstationen ähnlich extreme Minusgrade registrierten. Diese Bedingungen gehören zu den heftigsten arktischen Kälteeinbrüchen der vergangenen Jahre in der Region und trugen dazu bei, dass die Eisschichten um den Brunnen sich Schicht für Schicht auftürmten.

Die Glen Iris Fountain ist eine rein durch natürlichen Wasserdruck gespeiste Quelle und arbeitet ohne Pumpensysteme. Das Wasser steht in einem unterirdischen Aquifer unter Druck, der angebohrt wurde. Seitdem steigt das Wasser von selbst an die Oberfläche, wie es für einen artesischen Brunnen typisch ist.

Der Eisvulkan ist kein komplett neues Phänomen, sondern die Eisstruktur wuchs auch schon bei früheren langanhaltenden Frostperioden, doch in diesem Jahr ist sie besonders groß.

Die Ursache für diese ungewöhnlich strengen Wintertemperaturen liegt in großen arktischen Luftmassen, die bis weit in den Osten der USA hineindrängen. Meteorologen führen dies unter anderem auf eine Störung des Polarwirbels zurück, einem riesigen Wirbel kalter Luft über der Arktis, der durch atmosphärische Effekte weiter nach Süden ausgedehnt wurde als üblich. Sehr wahrscheinlich ein Effekt des Klimawandels, wobei ich auch nochmal auf die Hunga-Tonga-Ha’apai-Eruption verweisen möchte, die gerade in den oberen Atmosphärenschichten einen deutlichen Temperaturanstieg bedingte und zur Störung des Polarwirbels beitragen könnte.

Für die kommenden Tage zeigen Wettermodelle eine allmähliche Milderung der Temperaturen, besonders in tieferen Lagen. Während tagsüber langsam wieder Werte um den Gefrierpunkt möglich sind, dürfte die Kälte nächtlich noch anhalten, sodass der Eisaufbau am „Vulkan“ vorerst weitergeht – zumindest bis ein markanter Wärmeeinbruch einsetzt.

Das Phänomen zieht Besucher aus nah und fern an, dient aber auch als eindringliches Beispiel dafür, wie extreme Wetterlagen dramatische und überraschende Spuren in der Natur hinterlassen können.

Eisvulkane gibt es etwas auch am Mount Erebus in der Antarktis. An diesem Vulkan entstehen hornitoähnliche Schornsteine um Fumarolen herum, die den Wasserdampf gefrieren lassen. Mächtige Kryovulkane finden sich auf den Jupitermonden Io und Europa und auf dem Saturnmond Enceladus. Allerdings ist es hier nicht unbedingt Wasser dass gefriert.

Piton Fournaise: Wanderer rannten um ihr Leben

Vulkanausbruch am Piton Fournaise überraschte Wanderer am Gipfelkrater – Sie liefen um ihr Leben

Als der Piton de la Fournaise am Morgen des 13. Februar gegen 10:00 Uhr relativ überraschend ausbrach, befanden sich bereits mehrere Wanderer am Kraterrand des Dolomieu, die sich urplötzlich mit einer lebensgefährlichen Situation konfrontiert sahen. Als sie in den frühen Morgenstunden zu ihrer Wanderung in der Caldera Enclos Fouqué aufbrachen, ahnten sie nicht, in welche lebensgefährliche Situation sie in den nächsten Stunden geraten sollten. Die Tour ist nicht ganz unanstrengend: Zunächst muss man am Pas de Bellecombe-Jacob über einen schmalen Pfad mit Treppenstufen die rund 100 Meter hohe, steile Felswand der Caldera hinabsteigen, dann etwa sechs Kilometer über den Calderaboden wandern, der von erstarrten Lavaströmen bedeckt ist, bevor es schließlich auf den über 300 Meter hohen Kraterkegel hinaufgeht.

Kurz nachdem die Wanderer am Krater angekommen waren, spürten sie leichte Bodenvibrationen, die von leisem Grummeln begleitet wurden. Timothée, der mit seiner Freundin Ananda auf dem Gipfel des Piton de la Fournaise stand schilderte gegenüber der Lokalpresse, dass er diese Vibrationen zwar spürte, aber nicht richtig deuten konnte. 15 Minuten später zerriss das laute Donnern einer Explosion die Stille: Der Vulkan platzte wie eine überreife Tomate auf, und Lavafontänen schossen in den Himmel.

„Wir haben uns angeschaut und sofort gewusst: Wir müssen hier weg“, erzählte Timothée. Auch Sébastien, der sich mit einigen Freunden auf der Wanderung im Gipfelbereich befand, schilderte ähnliche Gedanken. Er begann den Ausbruch zu filmen und als er die Hitze der Lava spürte, wurde ihm klar, dass er sich in einer kritischen Situation befand und begann um sein Leben zu rennen. Seine Handyaufnahmen zeigen, wie in gut 200 Metern Entfernung rotglühende Schmelze 30 bis 40 Meter hoch in den blauen Himmel steigt.

Auch die anderen vom Vulkanausbruch Überraschten entschieden sich zur Flucht und verließen teilweise den markierten Pfad, um schneller ins Tal abzusteigen. „Wir sind nicht gerannt, wir sind geflogen“, sagte eine weitere Augenzeugin. In der Ferne waren weiterhin detonationsartige Geräusche zu hören, begleitet vom Rauschen der Lavafontänen. Als sie in scheinbar sicherer Distanz waren, setzte Timothée einen Notruf ab und forderte einen Rettungshubschrauber an, der schließlich kam und nicht nur ihn und seine Freundin aufnahm, sondern auch weitere Wanderer in der Nähe der Eruptionsspalten.

Mindestens drei Personen erlitten auf der Flucht leichte Verletzungen, weil sie im steilen, unwegsamen Gelände stürzten oder umknickten. In direkten Kontakt mit der Lava geriet jedoch niemand.

Der Vorfall dürfte weitere Diskussionen um die Sicherheit an Vulkanen entfachen. Tatsächlich war der Zutritt zur Caldera wenige Tage nach der Eruption vom 18. bis 20. Januar wieder geöffnet worden, wobei Wanderer angewiesen wurden, sich ausschließlich entlang der markierten Wege zu bewegen. Obwohl die Seismizität auch nach der Eruption leicht erhöht war und Vulkanologen wussten, dass sich weiterer Druck im Fördersystem aufbaute, wurden sie von dem erneuten Ausbruch überrascht, der sich lediglich durch ein rund 35-minütiges Schwarmbeben ankündigte.

Tatsächlich sind die Initialphasen einer Eruption die gefährlichsten. Insbesondere bei effusiven Eruptionen mit Spaltenöffnungen lässt sich in der Regel nicht vorhersagen, wann, wo und wie lange sich Spalten öffnen werden, sodass für alle, die sich auf aktiven Vulkanen bewegen, ein Restrisiko bleibt. Jeder Vulkanwanderer muss daher für sich selbst abwägen, ob er bereit ist, solche Risiken einzugehen.

Für die Betroffenen bleiben die Minuten der initialen Ausbruchsphase unauslöschlich. „Man hört immer, wie beeindruckend so eine Eruption ist“, sagt Timothée. „Aber wenn die Lavafontänen plötzlich neben dir aufsteigen, ist es nur noch eines: beängstigend.“

Der Vulkanausbruch am Piton de la Fournaise geht auch am Morgen des 15. Februars weiter. Die Lavafront befindet sich nur noch 2,2 Kilometer von der Küstenstraße entfernt.