
Erneuter Vulkanausbruch am Kanlaon – Vulkanische Blitze gefilmt
Am philippinischen Vulkan Kanlaon kam es heute Mittag gegen 12:05 Uhr UTC (19:05 Uhr Lokalzeit) zu einer explosiven Eruption, die eine VONA-Warnung des VAAC Tokio auslöste. Demnach stieg die Asche bis auf Flugfläche 170 auf, was einer Höhe von etwa 5200 m entspricht. Die Asche driftete in Richtung Westen und verteilte sich großräumig. Ein PHILVOLCS-Zeitraffervideo zeigt, dass nicht nur Asche gefördert wurde, sondern auch rotglühende Tephra, die auf der Außenseite des Kraters niederging. Dem nicht genug dokumentierte die Afar-TV-Livestream das seltene Naturphänomen eines vulkanischen Gewitters mit mehreren Blitzen in der Eruptionswolke. So ein vulkanisches Gewitter wird im englischen Sprachgebrauch als „dirty Thunderstorm“ bezeichnet.
Vulkanische Blitze entstehen in aufsteigenden Aschewolken während explosiver Eruptionen. Beim Ausstoß kollidieren Aschepartikel mit Gesteinsfragmenten und ggf. Eiskristallen Durch diese Reibung laden sie sich ähnlich wie bei Gewitterwolken elektrisch auf. Die leichteren, positiv geladenen Teilchen steigen nach oben, schwerere, negativ geladene Partikel sinken etwas ab. Dadurch baut sich eine starke elektrische Spannung innerhalb der Eruptionswolke auf. Wird die Spannung groß genug, entlädt sie sich in Form eines Blitzes – entweder innerhalb der Wolke oder zwischen Wolke und Boden.
Die Eruption kündigte sich durch eine erhöhte Seismizität an, als das seismische Netzwerk vorgestern 18 und gestern 15 vulkanotektonische Erdbeben registrierte. Zudem war der Schwefeldioxid-Flux erhöht und es wurden über 1700 Tonnen des Gases emittiert. In den letzten 24 Stunden vor der Eruption sank der Schwefeldioxidausstoß auf nur noch 373 Tonnen bei gerade einmal 3 Erdbeben. Die Vermutung liegt nahe, dass es zuletzt zu einer Blockade des Fördersystems kam, wodurch die Gase nicht entweichen konnten und so erhöhter Druck aufgebaut wurde, der dann heute zu der Explosion führt, als die Blockade freigesprengt wurde.
Die Warnstufe am Kanlaon steht weiterhin auf „2“ und es gilt eine 4-Kilometer-Gefahrenzone, die weder überflogen noch betreten werden darf. Die Vulkanologen warnen vor diversen Vulkangefahren, wie spontanen Explosionen, Ascheniederschlag, giftigen Gasen und dem Auftreten von pyroklastischen Strömen und, wenn es regnet, von Laharen. Alles Erscheinungen, die in den letzten Monaten auftraten, seitdem der Kanlaon aktiv geworden ist. Tatsächlich kam es bereits in der Anfangsphase des Vulkanausbruchs zu Evakuierungen.
Der Kanlaon ist mit 2.465 m der höchste Vulkan der Insel Negros. Sein Umfeld ist als Mount Kanlaon Natural Park geschützt und zeichnet sich durch dichten Regenwald, Wasserfälle und eine artenreiche Tierwelt aus. Wegen wiederkehrender Ausbrüche gelten zeitweise Sperrzonen. Dennoch ist der Vulkan ein beliebtes Ziel für erfahrene Vulkanwanderer.






