Kanlaon: Explosion erzeugte seltenes vulkanisches Gewitter

vulkanischer blitz

Erneuter Vulkanausbruch am Kanlaon – Vulkanische Blitze gefilmt

Am philippinischen Vulkan Kanlaon kam es heute Mittag gegen 12:05 Uhr UTC (19:05 Uhr Lokalzeit) zu einer explosiven Eruption, die eine VONA-Warnung des VAAC Tokio auslöste. Demnach stieg die Asche bis auf Flugfläche 170 auf, was einer Höhe von etwa 5200 m entspricht. Die Asche driftete in Richtung Westen und verteilte sich großräumig. Ein PHILVOLCS-Zeitraffervideo zeigt, dass nicht nur Asche gefördert wurde, sondern auch rotglühende Tephra, die auf der Außenseite des Kraters niederging. Dem nicht genug dokumentierte die Afar-TV-Livestream das seltene Naturphänomen eines vulkanischen Gewitters mit mehreren Blitzen in der Eruptionswolke. So ein vulkanisches Gewitter wird im englischen Sprachgebrauch als „dirty Thunderstorm“ bezeichnet.

Vulkanische Blitze entstehen in aufsteigenden Aschewolken während explosiver Eruptionen. Beim Ausstoß kollidieren Aschepartikel mit Gesteinsfragmenten und ggf. Eiskristallen Durch diese Reibung laden sie sich ähnlich wie bei Gewitterwolken elektrisch auf. Die leichteren, positiv geladenen Teilchen steigen nach oben, schwerere, negativ geladene Partikel sinken etwas ab. Dadurch baut sich eine starke elektrische Spannung innerhalb der Eruptionswolke auf. Wird die Spannung groß genug, entlädt sie sich in Form eines Blitzes – entweder innerhalb der Wolke oder zwischen Wolke und Boden.

Die Eruption kündigte sich durch eine erhöhte Seismizität an, als das seismische Netzwerk vorgestern 18 und gestern 15 vulkanotektonische Erdbeben registrierte. Zudem war der Schwefeldioxid-Flux erhöht und es wurden über 1700 Tonnen des Gases emittiert. In den letzten 24 Stunden vor der Eruption sank der Schwefeldioxidausstoß auf nur noch 373 Tonnen bei gerade einmal 3 Erdbeben. Die Vermutung liegt nahe, dass es zuletzt zu einer Blockade des Fördersystems kam, wodurch die Gase nicht entweichen konnten und so erhöhter Druck aufgebaut wurde, der dann heute zu der Explosion führt, als die Blockade freigesprengt wurde.

Die Warnstufe am Kanlaon steht weiterhin auf „2“ und es gilt eine 4-Kilometer-Gefahrenzone, die weder überflogen noch betreten werden darf. Die Vulkanologen warnen vor diversen Vulkangefahren, wie spontanen Explosionen, Ascheniederschlag, giftigen Gasen und dem Auftreten von pyroklastischen Strömen und, wenn es regnet, von Laharen. Alles Erscheinungen, die in den letzten Monaten auftraten, seitdem der Kanlaon aktiv geworden ist. Tatsächlich kam es bereits in der Anfangsphase des Vulkanausbruchs zu Evakuierungen.

Der Kanlaon ist mit 2.465 m der höchste Vulkan der Insel Negros. Sein Umfeld ist als Mount Kanlaon Natural Park geschützt und zeichnet sich durch dichten Regenwald, Wasserfälle und eine artenreiche Tierwelt aus. Wegen wiederkehrender Ausbrüche gelten zeitweise Sperrzonen. Dennoch ist der Vulkan ein beliebtes Ziel für erfahrene Vulkanwanderer.

Teneriffa: Erdbeben Ml 4,4 vor der Küste

Erdbeben ML 4,4 zwischen Teneriffa und Gran Canaria – sehr wahrscheinlich tektonisch bedingt

Datum: 26.02.2026 | Zeit: 12:26:15 UTC | Koordinaten: 28.081 ; -16.166 | Tiefe: 5 km | ML 4,4

Nach den Schwarmbeben der vergangenen Tage, die sich unter dem Vulkan Teide auf Teneriffa manifestierten, gab es heute Mittag um 12:26:15 Uhr UTC ein Erdbeben, das laut INVOLCAN eine Lokalmagnitude von 4,4 hatte und sich in der Meerenge zwischen Teneriffa und Gran Canaria zutrug. Die Herdtiefe wurde in nur 5 Kilometern ausgemacht. Davon abweichend gab das EMSC eine Magnitude Mb 3,6 an und legte das Hypozentrum in 10 Kilometern Tiefe fest. Der Erdstoß wurde 44 km süd-südöstlich von Santa Cruz de Tenerife verortet. Die Herdtiefe betrug demnach 10 Kilometer.

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Teneriffa. © EMSC/Leaflet

Der Erdstoß konnte von den Bewohnern beider Inseln leicht gespürt werden und es liegen Wahrnehmungsmeldungen vor. Die Bebenzeugen beschreiben leichte Bewegungen und Vibrationen.

Sehr wahrscheinlich gab es keinen direkten Zusammenhang zwischen den Schwarmbeben der letzten Tage und dem stärkeren Erdstoß. Das Seegebiet zwischen den beiden Inseln gilt als eine der seismisch aktivsten Zonen des kanarischen Archipels. Jede Woche registrieren die Messstationen zahlreiche schwächere Beben, die meist kaum wahrgenommen werden. Erdstöße der Magnitude 4 sind aber nicht nur spürbar, sondern auch vergleichsweise selten. Die Aufzeichnungen der letzten Jahre zeigen, dass es bereits am 18. Januar 2019 ein Beben gleicher Magnitude gab. Das bislang stärkste instrumentell erfasste Ereignis in diesem Bereich datiert vom 9. Mai 1989 und erreichte eine Magnitude von 5,2.

Die Ursachen liegen in der tektonischen und vulkanischen Natur der Kanaren. Neben der bekannten vulkanischen Aktivität im Bereich des submarinen Vulkans Enmedio existieren aktive tektonische Störungszonen, die die Inseln durchziehen und eine anhaltende Hintergrundseismizität erzeugen. Einige dieser Strukturen verlaufen direkt im Sektor zwischen Teneriffa und Gran Canaria und waren wahrscheinlich für das aktuelle Beben verantwortlich. Die INVVOLCAN-Experten sehen keine Hinweise auf eine Verbindung zum mehrere Kilometer entfernten Unterwasservulkan „Vulkan de Enmedio“.

Bereits um 12:32 Uhr registrierten die Messgeräte ein Nachbeben der Magnitude 2,5. Weitere kleinere Erschütterungen in den kommenden Stunden oder Tagen gelten als möglich.

Auf der Shakemap sind auch 2 Beben vor der Südküste von El Hierro zu erkennen. Sie hatten Magnituden im Zweierbereich und lagen in fast 30 Kilometern Tiefe. Nicht zu sehen ist der Erdstoß Mb 4,2, der sich nachts bei der weiter nördlich gelegenen Insel Madeira ereignete.

Mayon: Vulkanausbruch generiert pyroklastische Ströme

Vulkanausbruch am Mayon erzeugt pyroklastische Dichteströme – 2.500 m Reichweite

Der Mayon auf den Philippinen bleibt auch am 26. Februar aktiv und baut nicht nur an seinem Lavadom, sondern speist auch drei Lavaströme. Zudem generiert er pyroklastische Ströme. Heute wurde bei schönem Wetter ein Dichtestrom dokumentiert, der etwa 2.500 m weit durch die Mi-isi-Schlucht glitt. Im Extremfall können pyroklastische Ströme so große Distanzen zurücklegen, dass sie bewohntes Gebiet erreichen.

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Mayon

Das gute Wetter gab nicht nur vom Boden aus den Blick auf die pyroklastischen Ströme frei, sondern ermöglichte es auch Satelliten, die Aschewolke aufzunehmen, die von den Dichteströmen aufstieg. Zuletzt erreichte die Asche eine Höhe von 2.700 m und driftete mit einer Geschwindigkeit von gut 20 km/h nach Südwesten. Dabei zog sie über mehrere Gemeinden hinweg und verursachte leichten Ascheniederschlag. Das VAAC Tokio veröffentlichte eine VONA-Warnung, nach der die Asche eine Gefahr für tieffliegende Flugzeuge darstellt.

Laut PHIVOLCS entstanden in den letzten 24 Stunden nur drei Dichteströme, dafür aber 340 Schuttlawinen und Felsstürze, die auf den Seismogrammen entsprechende Signale erzeugten. Die Geophone registrierten zudem drei vulkanotektonische Erdbeben. Diese geringe Zahl weist darauf hin, dass die Magmafördersysteme im Untergrund größtenteils frei sind und die Schmelze ohne nennenswerte Blockaden aufsteigen kann.

Das Magma eruptiert als Lava am Dom, der den Krater ausfüllt und über seinen Rand quillt. Hiervon gehen drei Lavaströme aus, die in den Schluchten Basud (3,8 km), Bonga (2,6 km) und Mi-isi (1,3 km) unterwegs sind. Von den Lavafronten kommt es häufig zu Abbrüchen in Form von Steinschlägen und Schuttlawinen. Das Gefährlichste, was man an einem aktiven Vulkan machen kann, ist, durch eine solche Schlucht in Richtung Krater aufzusteigen.

Für den Vulkan Mayon gilt Alarmstufe 3. Das Betreten der 6 km großen permanenten Gefahrenzone ist verboten.

Die Phase mit dem erhöhten Tremor am Taal – über die ich vorgestern schrieb – ist vorbei, ohne dass es zu einer phreatischen Eruption gekommen wäre.

Kolumbien: Schlammvulkan erzeugt gewaltige Explosion

Gewaltige Explosion eines Schlammvulkans erzeugte Feuersäule in Kolumbien- Video geht viral

In Kolumbien verursachte ein Schlammvulkan nahe der Wasseraufbereitungsanlage der Stadt San Juan de Urabá eine gewaltige Explosion. Aufnahmen zeigen, wie eine Feuersäule von mehreren 100 Metern Höhe aufsteigt und den Nachthimmel erhellt. Notfallpläne wurden aktiviert, Häuser evakuiert und Einsatzkräfte entsandt, um nach möglichen Opfern zu suchen. Hier die Details:

Am späten Abend des 25. Februar 2026 sorgte eine unerwartete Eruption eines Schlammvulkans im kolumbianischen San Juan de Urabá (Departamento Antioquia) für Alarm und weit verbreitete Besorgnis, als eine mächtige Feuersäule explosionsartig in den Himmel schoss, die vermutlich auch ein Gemisch aus Schlamm und Gas mit sich führte. Videos des Ereignisses verbreiteten sich schnell in sozialen Netzwerken und führten zur Aktivierung der Notfallprotokolle lokaler Behörden. Das Consejo Municipal de Gestión del Riesgo de Desastres bestätigte, dass es sich um einen Diapir – also einen Schlammvulkan – handelt, der nahe der städtischen Wasseraufbereitungsanlage ausgebrochen ist. Mehrere Häuser wurden vorsorglich evakuiert, Straßen gesperrt und Teams des Departamento Administrativo de Gestión del Riesgo de Antioquia (Dagran) sind vor Ort, um Schäden einzuschätzen und das Gelände zu überwachen. Bislang wurden keine menschlichen Verletzten gemeldet.

Geologisch gesehen handelt es sich nicht um einen klassisch magmatisch eruptierenden Vulkan. Schlammvulkane entstehen oft in Sedimentbecken, in Gebieten, die auch für Erdöl- und Erdgasvorkommen bekannt sind. Tief im Untergrund zersetzen Mikroorganismen organisches Material und setzen dabei Gase wie Methan frei. Wenn dieser Gasdruck groß genug wird, drückt er Schlamm, Wasser und Gas durch Risse an die Oberfläche. Wird das Gas entzündet, etwa durch Reibung oder Funken, können spektakuläre Explosionen mit Flammensäulen auftreten – so, wie es aktuell beobachtet wurde. Solche Erscheinungen sind nicht mit magmatischen Eruptionen gleichzusetzen, sondern Ausdruck tektonischer Druckverhältnisse und von Gasakkumulationen im Sediment.

Die Region Urabá im Nordwesten Antioquias liegt an der Karibikküste Kolumbiens, nahe der Grenze zu Panama. Sie ist für diese Art von Phänomenen bekannt. Berüchtigt ist der Schlammvulkan Los Aburridos (auch Cacahual genannt) nahe Turbo, der bereits mehrfach in Erscheinung getreten ist und im November 2024 Evakuierungen auslöste sowie eine große Feuerkugel erzeugte. Auch frühere Eruptionen, etwa in den frühen 1990er-Jahren, beschädigten Häuser und trafen Anwohner. Damals wurde die Höhe des Feuerballs auf gut 700 bis 800 mm geschätzt. Dieser Schlammvulkan liegt allerdings nicht genau an der hier beschriebenen Location.

Askja: Mehrere Erdbeben im Calderabereich

Mehrere Erschütterungen im Bereich der Askja – Bodenhebung verlagerte sich

Die Askja verschlief den größten Teil des Winters ohne besondere Ereignisse, bis sie heute mit einigen schwachen Erschütterungen versuchte, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Zumindest bei mir ist es ihr gelungen, vielleicht, weil ich mich ihr seit meinem Bad im warmen Kratersee des Viti vor mehr als 2 Jahrzehnten besonders verbunden fühle. Wäre schade, wenn bei einem großen Ausbruch der Askja dieses Kleinod verloren gehen würde. Den zahlreichen Mythen um diesen magischen Ort würde ein erneuter Ausbruch allerdings gut stehen.

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Erdbeben

Nun machen ein paar Erdbeben noch keinen Vulkanausbruch, wenngleich die Bodenhebung der letzten 5 Jahre verdeutlicht, dass Askja durchaus für eine Eruption bereit sein könnte. Seit Oktober 2021 hob sich der Boden an der Messstation OLAC am Ostufer des Ösjuvatn um gut 900 mm. Ein beachtlicher Wert, und so manch ein Vulkanbeobachter hat noch vor 2 Jahren darauf gewettet, hier bald den nächsten isländischen Vulkan hochgehen zu sehen, eine Wette, die bis jetzt nicht aufging. Tatsächlich stagniert die Bodenhebung bei OLAC, aber an der weiter nördlich gelegenen Station KASC wird weiter eine langsame, aber stetige Inflation festgestellt. So besteht nach wie vor die Möglichkeit, dass das Magmaspeichersystem so weit unter Druck gerät, dass dem Magma nur noch die Flucht nach oben bleibt und es zu einer Eruption kommt. Die aktuellen Erdbeben sind keine Trigger, aber Reminder, dass gerade in vulkanisch geprägten Gegenden nichts ewig währt, auch kein Krater Viti.

Interessant ist auch, dass im Bereich des Vatnajökulls und hier besonders an den Messstationen am Ostrand des Gletschers eine Bodenhebung von bis zu 55 mm registriert wird, die sich stetig seit dem Sommer 2025 aufgebaut hat. Hier könnte sich langfristiges Ungemach zusammenbrauen, das sich möglicherweise über den Grimsvötn entladen wird.

Im allseits bekannten Svartsengigebiet setzt sich die langsame Bodenhebung fort. Die Erdbebentätigkeit ist nach wie vor gering, wobei es an manchen Tagen eine leichte Steigerung zu geben scheint. Es kann jederzeit ohne weitere Warnungen zu einer Eruption kommen oder aber eben auch nicht.

Campi Flegrei: Erdbeben in größerer Tiefe

Mehrere Erdbeben in größerer Tiefe erschüttern Campi Flegrei – Bodenhebung reduziert

In den letzten Wochen ist es um die süditalienische Caldera Campi Flegrei bei Neapel relativ still geworden: Die Anzahl der Erdbeben hat sich auf ein Niveau reduziert, das zwar noch deutlich erhöht ist, aber inzwischen als normal angesehen wird und daher nicht für sonderlich viel Aufsehen sorgt. Auch die Bodenhebungsrate hat sich auf 10 mm pro Monat reduziert und es sieht so aus, als würden deutlich weniger magmatische Fluide in das Hydrothermalsystem drängen, als es im letzten Jahr der Fall gewesen ist. Doch der Anschein relativer Ruhe kann trügerisch sein, denn in den letzten Tagen gab es mehrere vereinzelt auftretende Erdbeben, die sich in eher untypischen Tiefen manifestierten.

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Campi Flegrei

Diese Beben hatten Magnituden im niedrigen Zweierbereich und Herdtiefen um 4 Kilometer. Damit lagen sie in einem Bereich unterhalb des Hydrothermalsystems, der für flache Magmenansammlungen unter Vulkanen typisch ist. Diese vulkanotektonischen Erdbeben entstehen infolge von Fluidaufstieg, der Gesteinsbruch also Risse im Gestein verursacht und somit die Deckschicht schwächt, die das Magma unter dem Vulkan in Zaum hält.

Dem jüngsten INGV-Wochenbulletin ist zu entnehmen, dass der Gasausstoß weiterhin hoch ist und der Trend zur Druckbeaufschlagung des Systems weiter anhält. Dieser Trend spiegelt sich auch in den langsam steigenden Gastemperaturen der Fumarolen wieder, wo frühere Maximalwerte inzwischen Durchschnittstemperaturen darstellen. Auch wenn in den sozialen Medien zum Teil von einem Nachlassen der Krise gesprochen wird, sehe ich als pessimistischer Optimist noch keinen Grund für Letzteres: Nach wie vor bleibt das Gefahrenpotenzial hoch und vor Ort schleicht sich eine gewisse Fahrlässigkeit ein, indem Fluchtwege blockiert werden und die Achtsamkeit schwindet. Dabei kann es nach wie vor ohne weitere Vorwarnung zu stärkeren Erdbeben und phreatischen Explosionen kommen, die umso stärker ausfallen können, je mehr Druck sich in der Tiefe aufbaut.

Sakurajima mit Schloträumer

Sakurajima eruptierte nach längerer Pause explosiv – Vulkanasche in 4200 m Höhe

Heute Morgen ist der japanische Vulkan Sakurajima nach einer mehrwöchigen Pause erneut explosiv ausgebrochen. Eine Aschewolke durchbrach die meteorologischen Wolken, in der sich der Gipfel hüllte, und wurde vom Himawari-9-Satelliten detektiert. Demnach erreichte die Aschewolke eine Höhe von 3352 m und bewegte sich auf Flugfläche 110 mit einer Geschwindigkeit von 37 km/h Richtung Osten. Für die folgenden Stunden wurde eine weitere Verlagerung in östlicher bis südöstlicher Richtung prognostiziert, ehe sich die Asche allmählich auflösen sollte.

Nach Angaben der japanischen Wetterbehörde IJMA ereignete sich die Eruption um 14:50 Uhr Ortszeit (05:50 UTC). Der Ausbruch ging vom Minamidake-Gipfelkrater aus und schleuderte eine deutlich sichtbare, graue Aschewolke bis auf rund 2.200 Meter über den Kraterrand – was sich mit den Angaben des VAAC Tokio deckt, wenn man die Höhe des Sakurajimas dazu addiert.

Auf der Livecam-Aufnahmen sieht man die Aschewolke am oberen rechten Bildrand. Meiner Meinung nach ist sie deutlich höher aufgestiegen als angegeben wurde. Zu erkennen ist auch der massive Ascheniederschlag auf der Vulkanflanke.

Bereits in den Tagen vor dem Ausbruch hatte sich eine anhaltende Unruhe abgezeichnet. Aus dem letzten JMA-Bericht geht hervor, dass zwischen dem 20. und 23. Februar keine Explosionen registriert wurden, doch die Zahl vulkanischer Erdbeben war signifikant erhöht. Gestern wurden 1406 vulkanotektonische Beben festgestellt, die höchste Anzahl, die ich in den letzten Jahren in den Statistiken des Sakurajima gesehen habe. Die Beben zeigen, dass ein Magmenkörper aufgestiegen ist und auf seinem Weg nach oben Gesteinsbruch verursacht hat und den Druck im Fördersystem erhöhte. Bei der Explosion wurde auch altes Material aus dem Schlot geblasen, so dass man von einem Schloträumer sprechen kann.

Zudem zeigten Nachtaufnahmen Gluterscheinungen im Minamidake-Krater, und die Emission von Schwefeldioxid war weiterhin hoch. Geodätische Messungen deuten zudem auf eine langsame Ausdehnung im Bereich der Aira-Caldera hin, was auf Magmenansammlung in der Tiefe schließen lässt.

Die Behörden halten die Warnstufe 3 mit Zutrittsbeschränkungen rund um den Krater aufrecht. Innerhalb eines Radius von etwa zwei Kilometern besteht Gefahr durch herabfallende vulkanische Bomben und mögliche pyroklastische Ströme. Auch Druckwellen könnten Schäden verursachen.

Sakurajima zählt zu den aktivsten Vulkanen Japans. Die jüngste Explosion verdeutlicht, dass trotz kurzfristig ruhiger Phasen jederzeit mit neuen eruptiven Impulsen gerechnet werden muss. die Wahrscheinlichkeit für weitere Explosionen in den nächsten Stunde und Tagen ist hoch.

Fuego: Starke Explosion löste Waldbrand aus

Starker Vulkanausbruch am Fuego verursachte Waldbrand auf der Vulkanflanke

Am guatemaltekischen Vulkan Fuego ist es am Abend des 23. Februars gegen 23:01 Uhr Ortszeit zu einer besonders starken Explosion gekommen, die nicht nur den oberen Flankenbereich des Kraters mit glühender Tephra überzog, sondern auch einzelne Schlacken bis in bewaldete Gebiete seiner Flanken auswarf. Die glühenden Felsbrocken entzündeten offenbar die Vegetation und lösten einen Waldbrand aus.

Die Aschewolke löste beim VAAC Washington nur eine der üblichen VONA-Warnungen aus, nachdem die Asche bis auf 4300 m Höhe aufgestiegen war und in Richtung Südwesten driftete. Auch INSIVUMEH erwähnte die Eruption nicht im täglichen Update. Die Eruption wurde aber per Livestream gefilmt und es gibt lokale Medienberichte, nach denen Zeugen beobachteten, wie die glühenden Schlacken den Waldbrand auslösten.

Per Satellit werden derzeit thermische Anomalien im Bereich des Fuegos registriert, die zu ihrem Höhepunkt heute Abend eine Leistung von 535 MW erzeugten. Die Anomalien stammen von tiefer gelegenen Bereichen des Vulkans und man erkennt mehrere kleine Brandherde. Ob sie tatsächlich alle von glühenden Schlacken ausgelöst wurden, wage ich zu bezweifeln. Während der Trockenzeit sind kleinere Vegetationsbrände in Guatemala an der Tagesordnung.

Laut den Vulkanologen von INSIVUMEH geht der Fuego seinem normalen Tagesgeschäft nach und erzeugt pro Stunde zwischen 8 und 12 explosive Eruptionen, die glühende Tephra bis zu 200 m über Kraterhöhe auswerfen.  Aschewolken erreichen Höhen von bis zu 4800 m über dem Meeresspiegel. Die ausgeworfenen Schlacken prasseln auf die oberen Vulkanflanken nieder und können in den Schluchten Schuttlawinen generieren. Manche Explosionen sind so stark, dass ihre Explosionsgeräusche in den Orten am Fuß des Vulkans Fenster und Türen zum Klappern bringen und als lauter Knall hörbar sind. Im Falle starker Niederschläge – die während der Trockenzeit selten sind – drohen Lahare.

Brasilien: Mindestens 25 Todesopfer durch Sturzflut

Tödliche Sturzflut in Brasilien: Warum die Landschaft und Bergbau zur Gefahr wurden

Nach tagelangen sintflutartigen Regenfällen sind im südostbrasilianischen Bundesstaat Minas Gerais mindestens 25 Menschen ums Leben gekommen. Dutzende gelten als vermisst. Besonders betroffen sind Städte wie Juiz de Fora und Ubá. Neben den extremen Niederschlägen rücken nun auch geologische und menschengemachte Faktoren in den Fokus, die die Katastrophe verstärkt haben.

Brasilien

Die Bilder, die in den sozialen Medien geteilt wurden, zeigen teils dramatische Szenen, wie Wasser und Schlamm mit hohen Geschwindigkeiten durch die Straßen der Städte schießen und alles mit sich reißen, was nicht niet- und nagelfest ist Dabei wurden sogar ein schwerer LKW erfasst und umgeworfen. Das öffentliche Leben kam zum Erliegen und mindestens 25 Menschen verloren ihr Leben. Die Opferzahlen könnten weiter steigen, da zahlreiche Personen als vermisst gelten.

Meteorologisch war der Starkregen typisch für den brasilianischen Sommer, doch in seiner Intensität war er außergewöhnlich. Die Ursache für die extreme Stärke war vermutlich eine stationäre Konvergenzzone über Südost-Brasilien während des südamerikanischen Monsuns: feuchtwarme Luftmassen aus dem Amazonasgebiet trafen über Tage hinweg auf instabile Luftschichten. In der Folge gab es wiederkehrenden und langanhaltenden Starkregen, der sich über denselben Regionen entlud Solche blockierenden Wetterlagen können deutlich mehr Niederschlagsmengen innerhalb kurzer Zeit produzieren, als Böden und Flüsse aufnehmen können. Der Klimawandel kann blockierende Wetterlagen und Konvergenzzonen begünstigen.

Die Morphologie der Region Minas Gerais erhöht die Gefahr für Sturzfluten deutlich. Sie liegt im Bereich des Brasilianischen Berglands, einem stark reliefierten Hochland mit steilen Hängen und tief eingeschnittenen Tälern. Die Höhenunterschiede beschleunigen den Oberflächenabfluss des Regenwassers. Flüsse schwellen innerhalb weniger Stunden stark an, wobei kleine Einzugsgebiete besonders empfindlich reagieren.

Hinzu kommt die geologische Beschaffenheit. Weite Teile bestehen aus stark verwitterten kristallinen Gesteinen wie Gneis und Granit. Darüber liegen tropische Verwitterungsböden. Diese können bei langanhaltender Durchfeuchtung ihre Stabilität verlieren: Der Porenwasserdruck steigt und die Scherfestigkeit der Böden sinkt, wodurch ganze Hangabschnitte ins Rutschen geraten können. Schlamm- und Gerölllawinen sind die Folge.

Auch menschliche Eingriffe könnten die Katastrophe verstärkt haben. Minas Gerais ist eine der bedeutendsten Bergbauregionen des Landes. Im sogenannten Quadrilátero Ferrífero dominieren großflächige Tagebaue, Abraumhalden und künstliche Böschungen. Solche Strukturen reagieren empfindlich auf Starkregen, da lockeres Material leichter mobilisiert wird. Frühere Katastrophen wie der Dammbruch von Brumadinho haben gezeigt, wie verletzlich die Region gegenüber Massenbewegungen ist.

Ein weiterer anthropogener Faktor, der das Wettergeschehen negativ beeinflusst, ist die Rodung des Regenwaldes. Wälder stabilisieren Hänge durch ihr Wurzelwerk und bremsen den Abfluss. Das Blätterdach bremst den Niederschlag ab, bevor er auf den Boden gelangt, und verlangsamt Abflussprozesse und Erosion. Wo Vegetation fehlt, fließt Regenwasser schneller oberflächlich ab – Erosion und Hangrutschungen nehmen zu. Informelle Bebauung an steilen Hängen verschärft das Risiko zusätzlich.

Die Tragödie von Minas Gerais ist damit nicht allein eine Folge extremer Wetterbedingungen. Sie ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus tropischer Starkregenlage, empfindlicher Gebirgsmorphologie und jahrzehntelanger Landschaftsveränderung.