Suez-Kanal in Ägypten von mittelstarkem Erdbeben erschüttert – Tausende Wahrnehmungen
Es kommt relativ selten vor, dass Vnet über Erdbeben in Ägypten berichten muss, doch heute ist es mal wieder so weit: Gegen 3:00 Uhr Ortszeit ist in der Nacht zum Montag im Norden des Landes zu einem mittelstarken Erdbeben gekommen, das von den Anwohnern Nordägyptens deutlich wahrgenommen wurde. Nach Angaben des EMSC erreichte das Beben eine Magnitude von 5,2. Das Hypozentrum lag in einer Tiefe von 10 Kilometern, das Epizentrum befand sich 38 Kilometer nördlich von Suez beziehungsweise 111 Kilometer südsüdöstlich von Port Said am wichtigen Suez-Kanal.

Bewohner berichteten beim EMSC und in den sozialen Medien von ihren Wahrnehmungen, zu denen ein lautes Grollen, schwankende Möbel und vibrierende Gebäude gehörten. Besonders in den oberen Stockwerken von Wohnhäusern in der Hauptstadt Kairo wurden die Schwingungen deutlich wahrgenommen. Viele Menschen flüchteten vorsorglich aus ihren Wohnungen und versammelten sich im Freien, nachdem sie aus dem Schlaf gerissen worden waren. Auch aus Alexandria, dem Nildelta und weiteren Städten gingen zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen ein.
Trotz der vergleichsweise kräftigen Magnitude blieb das Erdbeben nach bisherigem Kenntnisstand ohne schwerwiegende Folgen. Die ägyptischen Behörden meldeten zunächst keine Verletzten und keine nennenswerten Gebäudeschäden. Das Nationale Seismologische Netzwerk bestätigte die Parameter des Bebens und erklärte, dass die Situation unter Kontrolle sei.
Das Erdbeben ereignete sich in einer tektonisch aktiven Region in der Verlängerung des Roten Meeres. Dort setzt sich das Ostafrikanische Rift-System nach Norden fort. Entlang dieser Dehnungszone entfernen sich die Afrikanische und die Arabische Platte langsam voneinander, wodurch Spannungen in der Erdkruste aufgebaut und in Form von Erdbeben freigesetzt werden. Das Gebiet um den Golf von Suez und das nördliche Rote Meer zählt deshalb zu den seismisch aktivsten Regionen Ägyptens.
Auch wenn Erdbeben dieser Größenordnung dort nicht ungewöhnlich sind, rief das Ereignis Erinnerungen an das verheerende Kairo-Erdbeben von 1992 wach. Damals führte ein Beben der Magnitude 5,8 aufgrund seiner geringen Herdtiefe und der dichten Besiedlung zu schweren Zerstörungen und zahlreichen Todesopfern. Entsprechend sensibel reagierten viele Menschen auf die nächtlichen Erschütterungen, obwohl sich das aktuelle Beben letztlich als deutlich weniger folgenschwer erwies.
Die sensible Infrastruktur entlang des Suezkanals rückt heutzutage in den Fokus der Besorgnis: Sollte es hier einmal infolge eines starken Erdbebens zu ernsten Schäden kommen, wären weltweite Lieferketten gefährdet, was eine erneute Wirtschaftskrise nach sich ziehen könnte.