Ätna mit schwachen Ascheemissionen aus dem Nordostkrater – Satelliten verfolgen Schwefeldioxidwolken
Am Ätna auf Sizilien ist heute wieder eine geringe Ascheemission aus dem Nordostkrater zu beobachten. Auf den diversen LiveCams ist heute Morgen, bevor die Wolken aufzogen, eine schwache Aschewolke zu erkennen gewesen, die einige Hundert Meter hoch aufstieg und vom Wind Richtung Süden verdriftet wurde. Kurz vorher hat das INGV den Luftfahrt-Warncode von Orange auf Gelb herabgestuft. In der um 06:29 UTC veröffentlichten VONA wird die Ascheemission ausdrücklich als „negligible“, also vernachlässigbar gering, beschrieben. Doch solche Einschätzungen sind am Ätna immer nur Momentaufnahmen, da sich die Tätigkeit innerhalb kürzester Zeit deutlich ändern kann. Das INGV hatte zuletzt Ende September mehrfach zwischen Rot und Orange wechselnde Warnstufen ausgegeben.
Die Ascheemissionen finden unter einem ungewöhnlich niedrigen vulkanischen Tremor statt. Generell spricht ein schwaches Tremorsignal gegen eine unmittelbar bevorstehende stärkere eruptive Aktivität des Vulkans. Die aktuelle Aschefreisetzung muss daher nicht zwangsläufig einer größeren Eruption vorangehen, zumal es sich weiterhin um rötlichbraun gefärbte Tephra älteren Datums handelt, die passiv aus dem Schlot ausgeblasen wird. Allerdings war der Tremor kurz vor den letzten Eruptionsphasen ebenfalls sehr niedrig und stieg dann schnell an.

Interessante Einblicke in die Aktivität liefert auch die Satellitenfernerkundung. Das INGV wertet verschiedene Satellitensysteme zur Überwachung der thermischen Aktivität des Ätna aus. In der vergangenen Woche war die thermische Aktivität im Gipfelbereich moderat; am 28. September wurde mit MODIS eine maximale thermische Strahlungsleistung von 11,07 Megawatt registriert. Die jüngste Messung vom 2. Oktober lag bei 1,55 Megawatt.
Eindrucksvoll sind Aufnahmen des europäischen Copernicus-Programms. Sentinel-3 konnte während der Augusteruption die Ausbreitung einer Aschewolke bis Malta dokumentieren. Noch großräumiger zeigte Sentinel-5P am 14. August eine Schwefeldioxidfahne, die von Sizilien weit über das zentrale Mittelmeer nach Süden reichte. Das Satellitensystem TROPOMI erfasst unter anderem die SO₂-Konzentration in der Atmosphäre und ermöglicht dadurch die Beobachtung vulkanischer Gasfahnen über große Entfernungen.
Damit ergänzen Satelliten die bodengebundene Überwachung des Ätna entscheidend: Kameras, Seismometer und andere Messverfahren erfassen kurzfristige Veränderungen unmittelbar am Vulkan, während Satelliten die räumliche Ausdehnung von Asche, Wärme und vulkanischen Gasen sichtbar machen und auch Bodenhebungen detektieren können.
