Der Erdbebenschwarm vom 5. April entpuppt sich als größer als gedacht – erstes wolkenfreies Satellitenbild vom Ätna seit Wochen
Es war eine außergewöhnlich lange Schlechtwetterperiode auf Sizilien, die am Ätna extrem viel Schnee brachte und den Vulkan wochenlang in Wolken hüllte. Diese Periode scheint zumindest vorerst beendet zu sein, und gestern gab es das erste Satellitenfoto seit Wochen, das den Gipfel wolkenfrei zeigte. Außerdem wurde die INGV-Shakemap für den Ätna aktualisiert und zeigt nun das volle Ausmaß des Schwarmbebens vom 5. April, über dessen stärkstes Erdbeben bereits auf Vnet berichtet wurde.

Der Erdbebenschwarm bestand aus 12 Erdbeben mit Magnituden zwischen 3,6 und 0,9. Die Herdtiefen variierten überwiegend zwischen 8 und 18 Kilometern und lagen somit im typischen Bereich, in dem Erdbeben durch Magma ausgelöst werden, das dabei ist, in die Erdkruste einzudringen und Gesteinsbruch verursacht. Man kann also von einem magmainduzierten Erdbebenschwarm ausgehen, der die Inflation des Ätnas weiter antreiben dürfte.
Der Tremor ist in den letzten Stunden leicht gestiegen, blieb aber im moderaten Bereich, ohne neue Tremorspitzen zu erzeugen, wie wir sie mehrfach im März gesehen haben. Da der letzte INGV-Wochenbericht im Februar veröffentlicht wurde und auch Monatsberichte ausstehen, sind derzeit keine weiteren geophysikalischen Daten verfügbar. Aus den Meldungen zu den Tremorspitzen ging jedoch hervor, dass diese mit Spannungsänderungen und schwachen Bodendeformationen einhergingen.
Leider liefert auch das wolkenfreie Satellitenfoto nur wenig Neues: Im normalen Lichtspektrum sind anhaltende Entgasungen aus den Gipfelkratern zu erkennen. An den Kraterrändern gibt es nur relativ schmale schneefreie Bereiche. Auch im Infrarotspektrum zeigen uns die Krater die kalte Schulter – so kalt habe ich sie selten gesehen. Dennoch zeigen Erdbeben und Tremorspitzen, dass sich der Vulkan in einem anhaltenden Aufladungsprozess befindet, was vermuten lässt, dass die Kältephase nicht lange andauern wird.

Update 20:00 Uhr: Heute Nachmittag veröffentlichte das INGV doch noch ein Monatsbulletin, wahrscheinlich aus Mitleid mit Schreibern wie mir ;-). Neben den 9 Tremorspitzen und dem Erdbebenschwarm von Anfang März war noch das hohe Heliumisotopenverhältnis auffällig sowie die erwähnten Strainänderungen einhergehend mit leichter Inflation im Zuge einiger Tremorereignisse. Die Tremorquellenanalyse zeigt starke Fluidbewegungen unter dem nördlichen Gipfelkraterbereich an. Der Tremor reicht ungewöhnlich weit in den Norden und bis auf 3000 m Höhe. Meiner Meinung nach sammelt sich hier ein größerer Magmenkörper an. Scheinbar sind die Förderschlote verstopft, was einen hohen Druckaufbau mit sich bringen dürfte.
