Vulkanausbruch am Ätna für beendet erklärt – Rückblick auf eine spannende Eruption
Heute Morgen erklärte das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) in Catania den Vulkanausbruch am Ätna offiziell für beendet – zumindest vorläufig. Die Eruption hat uns in den vergangenen Tagen intensiv beschäftigt und spektakuläre Bilder geliefert. Zwar kam es infolge der starken Ascheemissionen zu Einschränkungen im Flugbetrieb am Flughafen Catania sowie an einigen benachbarten Flughäfen, doch für die Bevölkerung bestand zu keinem Zeitpunkt eine ernsthafte Gefahr. Insofern darf man sagen, dass dieses Naturschauspiel aus sicherer Entfernung durchaus einen gewissen Unterhaltungswert besaß.

Die Vulkanologen des INGV registrierten das vollständige Erlöschen der Eruption am Voragine-Krater, von der zuletzt auch der Nordostkrater betroffen war. Dieser spielte allerdings überwiegend eine passive Rolle: Über einen Riss in der Außenflanke des Voragine-Kraters ergoss sich ein Lavastrom, der in den Schlund des Nordostkraters floss. Die aktuellen Kamera- und Wärmebildaufnahmen zeigen inzwischen weder glühende Bereiche noch thermische Anomalien an den Gipfelkratern. Auch der vulkanische Tremor und die Infraschallaktivität sind auf ein niedriges Niveau zurückgegangen. Allerdings nahm die Tremoramplitude in den letzten Stunden wieder leicht zu und erreichte den moderaten gelben Bereich.
Die vergangene Woche war von einer bemerkenswerten Entwicklung der Aktivität geprägt. Die effusive Eruption, die am 26. Juni an der östlichen Basis des Voragine-Kraters begonnen hatte und der mehrere Tage mit Ascheemissionen vorangegangen waren, setzte sich zunächst fort und verstärkte sich sogar. Die Lava trat aus einer kurzen Spalte auf etwa 3.030 Metern Höhe aus. Am 2. Juli stellten die Vulkanologen fest, dass die am weitesten vorgedrungene Lavafront bereits gut 1.200 Meter von der Eruptionsspalte entfernt war. Kurz darauf ließ die effusive Tätigkeit nach, während die explosive Aktivität des Voragine-Kraters deutlich zunahm.
Am 4. Juli intensivierte sich die Eruption erheblich. Einen Tag später öffnete sich der Voragine-Krater weiter und erzeugte neben kleineren Lavafontänen kräftige Ascheeruptionen sowie den bereits erwähnten Lavastrom, der in den Nordostkrater floss. Aufgrund der Ascheemissionen kam es bis zum Morgen des 7. Juli zu Einschränkungen im Flugbetrieb des Flughafens Catania. Bereits am späten Nachmittag desselben Tages ließ die Aktivität jedoch rasch nach und kam bis zum Abend praktisch vollständig zum Erliegen.
Die geodätischen Messnetze registrierten während des größten Teils der Eruption keine nennenswerten Bodenverformungen. Lediglich am 5. Juli wurden an den hochpräzisen GPS-Stationen im Gipfelbereich geringe Veränderungen festgestellt. Die geochemischen Messungen zeigten einen insgesamt durchschnittlichen, zuletzt jedoch leicht ansteigenden Schwefeldioxid-Ausstoß. Dagegen blieben sowohl der Kohlendioxidfluss im Boden als auch das Helium-Isotopenverhältnis im Bereich der üblichen Hintergrundwerte.
Erste Analysen der ausgeworfenen Asche deuten auf einen hohen Anteil sehr feiner Partikel sowie älteren Gesteinsmaterials hin. Das spricht dafür, dass die Eruption zumindest teilweise durch die Fragmentierung bereits vorhandener Gesteine im Fördersystem gespeist wurde und nicht ausschließlich frisches Magma gefördert hat.
Obwohl der Ätna derzeit wieder einen ruhigen Eindruck macht, bleibt die Möglichkeit einer neuen Eruptionsphase bestehen. Wie so oft am höchsten aktiven Vulkan Europas könnte sie ohne größere Vorwarnung einsetzen.