Ätna: Hinweise auf Vulkanausbruch im Zentralkrater

Satellitenbild enthüllt Hinweise auf rätselhafte Aktivität am Ätna – Wahrscheinlich Eruption innerhalb des Zentralkraterkomplexes

In den letzten Tagen sorgte bereits zwei Mal plötzlich steigender Tremor am Ätna für Rätselraten, da bei beiden Gelegenheiten dichte Wolken den sizilianischen Vulkan einhüllten. Am 11. März und am 15. März war der Tremor fast so hoch wie bei kleineren Paroxysmen und dauerte ähnlich lange an, doch es wurde kein Ascheniederschlag in der Gegend des Ätnas registriert. Genaue Analysen eines Sentinel-Satellitenfotos vom 12. März enthüllten schwache thermische Signaturen im Zentralkraterkomplex, die ich mit Hilfe der Bildbearbeitung etwas deutlicher hervortreten lassen konnte. Am Vortag waren diese Anomalien noch nicht zu sehen und die Krater präsentierten sich komplett kalt.

Ätnagipfel

Die in schwachem Rot dargestellten Anomalien erinnern mich an die Signaturen der Aktivität von 2024, als es im Frühsommer zu einer Ausbruchsserie in der Voragine kam, bei der ein neuer Schlackenkegel zum höchsten Punkt des Ätnas anwuchs. Die Signaturen formieren sich diesmal um den südlichen Krater der Bocca Nuova und nicht – wie ich zuerst annahm – um die Voragine. Offenbar gibt es aber keine permanente strombolianische Aktivität, denn ansonsten hätte man einen heißen Förderschlot, der im Infrarotbereich gut sichtbar wäre.

Darüber hinaus ist auffällig, dass der Schnee im Umfeld der Gipfelkrater geschmolzen ist, was auf einen erhöhten Wärmefluss schließen lässt. Davon betroffen ist auch der Südostkrater. Bei genauem Hingucken erkennt man auch dort die schwache Thermalspur entlang der Scharte in der Südwestflanke des Kraterkegels.

Die schwachen Anomalien könnten aber auch auf heiße Gase hindeuten, die entlang von Rissen an den beschriebenen Strukturen aufsteigen.

Nach der Tremorhochphase gestern gab es heute Nacht auch noch einen kleinen Tremorpeak. Es sieht so aus, als würde Ätna noch nicht Ruhe geben.

Update: Der INGV-Vulkanologe Boris Behncke teilte mit, dass es sich bei den vermeintlichen Wärmesignaturen wahrscheinlich nicht um Lava handelt. Die Tremorpeaks sind durch Fehlausbrüche zustand gekommen, bei denen das Magma nicht bis zur Oberfläche durchdringen konnte.