Ätna: Tremorabsturz und Erdbeben am 15. August

Erdbeben ML 3,9 folgt Tremorabsturz am Ätna – das Ende der Eruption?

Am Ätna hat sich am 15. August eine ungewöhnliche Abfolge seismischer und eruptiver Ereignisse abgespielt, in deren Folge die  Mareneve genannte Straße im Norden des Vulkans beschädigt wurde. Obwohl der Vulkan zurzeit weiterhin effusiv aktiv ist, brach die Tremoramplitude nach einem kurzen, aber deutlichen Anstieg innerhalb weniger Minuten auf niedrige Werte ein. Gut anderthalb Stunden später erschütterte ein flaches Erdbeben der Magnitude ML 3,9 den Nordosthang des Vulkans. Dort verläuft die bekannte und signifikante Pernicana-Störung, deren Erdbebenaktivität bereits mehr als einmal eine bevorstehende Eruption angekündigt hat. Sollte es sich diesmal andersherum verhalten?

Erdbeben © EMSC/Leaflet

Nach Angaben des INGV begann die Tremoramplitude gegen 08:20 UTC schnell anzusteigen, und erreichte um 08:40 UTC ihren Höchststand. Genau zu diesem Zeitpunkt ereignete sich am Nordostkrater eine kurze Explosion, die eine Aschewolke erzeugte. Anschließend fiel der Tremor abrupt ab und lag ab etwa 09:00 UTC wieder im niedrigen Bereich. Die Tremorquellen wurden während des Anstiegs ungewöhnlicherweise am Nordostkrater in rund 2000 Metern Höhe lokalisiert; inzwischen liegt die Quelle wieder im Bereich des Voragine-Kraters auf etwa 2600 Metern Höhe – deutlich tiefer als zuvor.

Parallel dazu registrierte das Observatorium zwischen 08:26 und etwa 08:56 UTC mindestens 20 starke Infraschallereignisse am Nordostkrater. Die Kombination aus Infraschallserie, Tremoranstieg und Explosion zeigt, dass sich in diesem Zeitraum eine deutliche Veränderung der eruptiven Aktivität abspielte.

Um 10:24:08 UTC folgte dann das ML-3,9-Erdbeben. Der Herd lag nur 1,2 Kilometer tief bei 37,832° N und 15,070° E, lediglich 2,8 Kilometer nördlich von Piano Pernicana. Damit befand sich das Beben unmittelbar im Bereich des Pernicana-Störungssystems, einer bedeutenden tektonischen Struktur am Nordosthang des Ätna.

Tremor. © INGV

Auf der Tremor-Zeitreihe ist nach dem Einbruch ein Peak zu erkennen, der zeitlich sehr gut mit dem Erdbeben übereinstimmt. Das ist plausibel, als seismisches Signal des Bebens zu interpretieren. Wichtig ist jedoch: Das Erdbeben kann den vorherigen Tremorabsturz nicht verursacht haben (was mein erster Gedanke war), da es erst rund 84 Minuten später stattfand. Möglich ist vielmehr, dass beide Ereignisse Teil einer veränderten Spannungsdynamik des Vulkans sind.

Die INGV-Forscher kommentierten, dass das Erdbeben mit der aktuellen Aktivität des Vulkans zusammenhängt, ließen weitere Interpretationen aber offen. Vergleichbare Erdbeben kündigten 2002 die große Flankeneruption an und wurden zumindest indirekt von aufsteigendem Magma verursacht. Ohne Deformationsmessungen an der Nordflanke bleibt zunächst unklar, ob es sich diesmal wieder so verhält oder ob das Beben mit dem Ende der aktuellen Aktivität in Zusammenhang stehen könnte.

Obwohl die Lavaströme anhalten und auf dem wolkenfreien Valle del Bove via Thermal-Livecam beobachtet werden können, ist es aufgrund der Gipfelbewölkung nicht klar, ob es hier noch Aktivität gibt. Die starken Explosionen am Nordostkrater sprechen für das Finale der Eruption. Zugleich registriert das INGV eine rückläufige Deformation und einen sich verstärkenden Deflationstrend des Vulkangebäudes.