Anzeichen für starken El Niño verdichten sich

Gigantische Wärmewelle im Pazifik könnte nächsten El Niño anheizen

Tief unter der Oberfläche des tropischen Pazifiks bewegt sich derzeit eine gewaltige Warmwassermasse ostwärts und hält auf Südamerika zu. Wissenschaftler beobachten eine sogenannte Kelvin-Welle, die sich über Tausende Kilometer entlang des Äquators erstreckt und stellenweise mehrere Grad wärmer ist als üblich. Das Phänomen gilt als einer der wichtigsten Vorläufer eines El Niño und sorgt weltweit für Aufmerksamkeit.

Kelvin-Welle

Kelvin-Wellen entstehen, wenn ungewöhnliche Westwinde große Mengen warmen Wassers aus dem westlichen Pazifik in Richtung Südamerika drücken. Anders als die oft sichtbaren Veränderungen an der Meeresoberfläche breiten sie sich zunächst in mehreren hundert Metern Tiefe aus. Dort transportieren sie große Wärmereserven, die später an die Oberfläche gelangen können. Genau dieser Prozess wird derzeit von Klimaforschern und Wetterdiensten wie der NOAA intensiv überwacht.

Die aktuelle Wärmewelle in tieferen Wasserschichten des äquatorialen Pazifiks gilt als deutliches Signal, dass sich die Bedingungen für einen El Niño entwickeln. Meteorologische Modelle sehen inzwischen eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich das Klimaphänomen im Laufe des Jahres etabliert. Ob daraus ein besonders starkes Ereignis entsteht, wie es von einigen Medien proklamiert wird, ist allerdings noch offen. Entscheidend wird sein, wie sich die Passatwinde und die Wechselwirkungen zwischen Ozean und Atmosphäre in den kommenden Monaten entwickeln.

Die größten Auswirkungen des zyklisch auftretenden Klimaphänomens El Niño treten rund um den Pazifik auf. An der Westküste Südamerikas drohen ungewöhnlich starke Regenfälle, Überschwemmungen und Erdrutsche. Gleichzeitig leiden Australien, Indonesien und Teile Südostasiens häufig unter Hitzewellen, Trockenheit und erhöhter Waldbrandgefahr. Auch die Meeresökosysteme geraten unter Druck: Marine Hitzewellen können Korallenriffe schädigen, während sich Fischbestände aufgrund veränderter Wassertemperaturen und Nährstoffverhältnisse verschieben.

Darüber hinaus beeinflusst El Niño das globale Klima. Da große Mengen zusätzlicher Wärme aus dem Ozean an die Atmosphäre abgegeben werden, steigen die weltweiten Durchschnittstemperaturen oft deutlich an. Mehrere der bislang wärmsten Jahre in der Geschichte der Klimadatenaufzeichnung standen in Zusammenhang mit starken El-Niño-Ereignissen.

Europa liegt zwar weit entfernt vom tropischen Pazifik, bleibt aber von dem Phänomen nicht völlig unberührt. Über Veränderungen der großräumigen Luftströmungen können sich Auswirkungen bis in den Nordatlantik fortpflanzen. Für Mitteleuropa und Deutschland bedeutet dies oft eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für mildere Winter mit mehr Westwindwetterlagen. Die Auswirkungen sind allerdings deutlich schwächer als in den unmittelbar betroffenen Pazifikregionen. Verlässliche Aussagen über einzelne Wetterereignisse lassen sich daraus nicht ableiten.