Piton de la Fournaise: Lavastrom bleibt aktiv

Anhaltender Ausbruch am Piton de la Fournaise: Lavafontänen speisen Lavaströme und lassen Kegel wachsen

Der Ausbruch des Vulkans Piton de la Fournaise, der am 13. Februar 2026 kurz nach 10:00 Uhr Ortszeit einsetzte, dauert weiterhin an. Nach aktuellen Angaben des Vulkanologischen Observatoriums Piton de la Fournaise (OVPF-IPGP) ist derzeit nur noch eine Eruptionsöffnung aktiv. Am südöstlichen Hang des Piton Morgabim haben anhaltende Lavafontänen einen neuen Schlackenkegel aufgebaut. Die Fontänen erreichen gegenwärtig Höhen von rund 15 Metern. Der wachsende Kegel misst inzwischen etwa 15 bis 20 Meter und ist weiterhin offen, sodass Lava ungehindert austreten und abfließen kann.



Lavakanal

Die geophysikalischen Daten entsprechen dem, was man in diesem Eruptionsstadium erwartet: Die Intensität des Eruptionstremors zeigt sich insgesamt stabil, mit einer leicht abnehmenden Tendenz. Allerdings kommt es weiterhin zu kurzzeitigen Amplitudenschwankungen im Abstand weniger Minuten. Diese spiegeln sich unmittelbar in wechselnden Aktivitäten an der Ausbruchsstelle wider und führen zu sichtbaren Veränderungen der Fontänenhöhe.

Die Oberflächenflussraten der Lava, ermittelt anhand von Satellitendaten, erreichten in den vergangenen 24 Stunden Maximalwerte von 23 Kubikmetern pro Sekunde. Die Messwerte können jedoch stark variieren, insbesondere bei dichter Bewölkung. Aus dem Foto links wird ersichtlich, dass nahe des Förderschlots nur wenig Lava an der Oberfläche fließt. Der größte Teil dürfte in einer Tube unterwegs sein und erst weiter hangabwärts zu Tage treten.

Eine Geländeerkundung von Seiten der OVPF-Vulkanologen, die am Morgen durchgeführt wurde, bestätigte die anhaltende Aktivität. Der Lavastrom ist nahe der Quelle gut kanalisiert und nutzt sowohl die Reste des alten Kegels, der am 15. Februar einstürzte, als auch die zu Beginn der Eruption entstandenen Bahnen der Erstströme.

Die Lavafront befindet sich weiterhin im unteren Abschnitt der Grandes Pentes, rund 2,6 Kilometer von der nationalen Küstenstraße entfernt, auf etwa 660 Metern Höhe. Die aktivsten Bereiche konzentrieren sich derzeit im oberen Bereich der Grandes Pentes, wo sich das Lavafeld zunehmend ausdehnt und verdickt. Meiner Einschätzung nach bestehen nur ein geringes Risiko, dass die Lavafront bei dem aktuellen Aktivitätsniveau die Straße erreicht.

Unterhalb des Gipfels hält die seismische Aktivität an. Nach Einschätzung des OVPF-IPGP deutet dies darauf hin, dass das Magmasystem weiterhin unter Druck steht. Weitere Spaltenöffnungen bleiben in den kommenden Stunden und Tagen möglich.

Die Alarmstufe 2.1 bleibt in Kraft. Das Observatorium steht in permanenter Bereitschaft, um die weitere Entwicklung der Lage engmaschig zu überwachen.

Teneriffa: Weiterer Erdbebenschwarm am 16. Februar

Weiterer Schwarm hybrider Erdbeben unter dem Teide auf Teneriffa – Vulkan bereitet sich möglicherweise langsam auf Ausbruch vor

Auf der bei deutschen Urlaubern beliebten Ferieninsel Teneriffa gab es gestern einen weiteren Schwarm hybrider Erdbeben unter dem Vulkan Pico del Teide. Hybriderdbeben stehen mit der Bewegung magmatischer Fluide in Verbindung, und eine zunehmende Häufung dieser Erdbeben deutet auf Magmenaufstieg und die Bildung eines Magmenkörpers im Untergrund hin. Tatsächlich kann man hier meiner Meinung nach bereits von einer Häufung sprechen: Traten Erdbebenschwärme dieses Typs unter Teneriffa bislang nur sehr selten auf, so häufen sie sich in den letzten Wochen.



Seismogramm
Teide auf Teneriffa. © INVOLCAN

Das kanarische seismische Netzwerk von INVOLCAN registrierte den Beginn des Schwarmbebens am 16. Februar gegen 20:00 Uhr kanarischer Zeit. Innerhalb weniger Stunden wurden mehr als 300 Ereignisse mit sehr geringer Amplitude aufgezeichnet. Ein Blick auf das Seismogramm zeigt, dass die Erdbebensignale nur geringe Ausschläge erzeugten, dafür aber in kurzen und relativ gleichmäßigen Intervallen auftraten. Mich erinnert der Rhythmus des Schwarms an eine klopfende Wasserleitung.

Die Vulkanologen von INVOLCAN und dem Instituto Geográfico Nacional (IGN) interpretieren die Erdbeben als Eindringen magmatischer Fluide in das Hydrothermalsystem des Vulkans. Leider werden keine Angaben zu den Herdtiefen gemacht. Der bekannte Wissenschaftsblogger Enrique berichtet jedoch, dass einige lokalisierbare Erdbebensignale in 10 bis 11 Kilometern Tiefe auftraten – was natürlich zu tief für ein oberflächennahes Hydrothermalsystem ist. In dieser Tiefe befindet sich die Übergangszone zwischen Erdkruste und oberem Mantel, also jener Bereich, in dem sich aufsteigendes Magma bemerkbar machen kann, wenn es dabei ist, aus plastischen Gesteinsschichten in die starre Erdkruste einzudringen. Bei diesen lokalisierbaren Ereignissen könnte es sich allerdings auch um vulkanotektonische Erdbeben abseits des eigentlichen Schwarms gehandelt haben.

Die seismische Aktivität auf Teneriffa nimmt bereits seit 2016 langsam, aber stetig zu. Ein erster Hybridschwarm wurde am 2. Oktober 2016 registriert. Seitdem gab es acht solcher Schwärme, unter anderem am 14. Juni 2019, 16. Juni 2022, 12. Juli 2022, 14. November 2024, 7. August 2025 sowie zwei weitere Schwärme seit Ende Januar 2026.

Signifikante Steigerung der Seismizität in der 7. Kalenderwoche

teide
Teide. © INVOLCAN

Die GUAYOTA-Infografik vom 13. Februar weist für die Vorwoche 514 Erdbeben auf Teneriffa aus. Ein Spitzenwert, der eine signifikante seismische Aktivitätssteigerung darstellt.

Seit 2016 wurden zudem verschiedene geochemische und geophysikalische Daten erhoben, die auf ein langsames Aufheizen des magmatischen Systems unter dem Teide hindeuten. Dazu zählen unter anderem erhöhte diffuse CO₂-Emissionen im Kraterbereich sowie eine leichte Bodenverformung im nordöstlichen Gipfelbereich.

Nach Angaben von INVOLCAN führt dieser neue Schwarm kurz- und mittelfristig zu keiner Veränderung der Eruptionswahrscheinlichkeit auf Teneriffa. Zudem gibt es weiterhin keine Hinweise darauf, dass der seit Ende 2016 registrierte erhöhte vulkanische Unruhepegel unmittelbar auf eine bevorstehende Eruption hindeutet.

Tatsächlich verhält es sich hier meiner Einschätzung nach jedoch ähnlich wie an anderen Vulkanen der Kanaren und weltweit: Die aktuellen Prozesse auf Teneriffa werden mit hoher Wahrscheinlichkeit langfristig in einer oberflächennahen Magmenintrusion oder sogar in einem Vulkanausbruch gipfeln. Auch wenn bis dahin sehr wahrscheinlich noch mehrere Jahre vergehen können, ist es ebenso möglich, dass sich die Situation innerhalb weniger Monate deutlich zuspitzt.

Die Bedeutung der Erdbeben unter Teneriffa für deutsche Touristen

Für Touristen besteht derzeit kein unmittelbarer Anlass, Urlaubspläne nach Teneriffa zu ändern. Dennoch empfiehlt es sich, die weitere Entwicklung aufmerksam zu verfolgen. Generell kann es nicht schaden, eine Reise durch eine entsprechende Versicherung abzusichern, sodass man im Falle einer überraschend schnellen Eskalation flexibel reagieren kann.

Bis jetzt lässt sich nicht prognostizieren, ob und wann es zu einem Vulkanausbruch kommen wird und welcher Art bzw. wie groß er sein wird, noch in welchem Inselteil er stattfinden wird. Neben einer Eruption des Pico del Teide innerhalb der Caldera ist eine Flankeneruption denkbar, die Lavaströme fördert, die die Küstenregionen erreichen könnten. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass Vulkanasche den Flugverkehr beeinträchtigen wird. Im Vorfeld einer Eruption könnte es auch zu stärkeren Erdbeben kommen, die für sich genommen eine Gefahr darstellen könnten.

Dass Vorsorge und Aufmerksamkeit nicht schaden, scheint man auch in einigen Kommunen innerhalb der unmittelbaren Gefahrenzone des Vulkans zu denken, denn dort werden die Zivilschutzübungen derzeit intensiviert.

Update 14:30 Uhr: Das IGN veröffentlichte weitere Daten zum Erdbebenschwarm. Er hielt bis in die Morgenstunden an und brachte mindestens 755 Hybridbeben hervor. Gegen 4:18 Uhr setzten langperiodische Erdbeben ein. Die Herdtiefen lagen überwiegend zwischen 7 und 8 Kilometern, also deutlich tiefer, als sich normalerweise Hydrothermalsysteme befinden. Die Tiefe spricht für aufsteigendes Magma oder eine Akkumulation in mittlerer Tiefe.

Shiveluch: Vulkanausbruch fördert Asche bis in 8500 m Höhe

Shiveluch wieder aktiv – Aschewolke in 8.500 m Höhe detektiert

Der russische Vulkan Shiveluch liegt auf der Halbinsel Kamtschatka und ist dort einer der aktivsten Vulkane, was er heute mit weiteren Eruptionen bewiesen hat. Laut dem VAAC Tokio – das in den letzten Stunden zwei VONA-Warnungen zu diesem Vulkan herausgegeben hat – stiegen Aschewolken bis auf eine Höhe von 8.500 m auf und drifteten mit einer Geschwindigkeit von 45 km/h in Richtung Nordosten. Dabei verteilte sich die Asche über ein großes Gebiet und verursachte Ascheniederschlag.

Shiveluch
Shiveluch

Die erste VONA-Meldung wurde um 07:50 UTC herausgegeben, die zweite folgte um 12:00 UTC. Ob es zwei oder mehrere Eruptionen gegeben hat oder ob kontinuierlicher Ascheausstoß stattfand, ist aus den Meldungen nicht zu entnehmen.

Die Vulkanbeobachter von KVERT bestätigten anhaltendes Domwachstum mit starken Entgasungen und verhängten über den Shiveluch den Alarmstatus „Orange“.

Krasheninnikov fördert Lavaströme

Eine Stufe darunter liegt der Alarmstatus für den Krasheninnikov. Er steht also auf „Gelb“, obwohl der Vulkan reichlich Rotglut in Form von Lavaströmen erzeugt. Diese fließen nach wie vor in Richtung Osten und bilden, aus dem Weltall betrachtet, einen schönen Kontrast zum reinweißen Schnee. Dem Geologen verrät die Reinheit des Schnees, dass der Krasheninnikov zwar effusiv aktiv ist, in letzter Zeit jedoch keine Vulkanasche gefördert hat. Trotzdem gibt es bei KVERT eine Warnung für den Flugverkehr, da es nach Meinung der Vulkanologen jederzeit zu explosiven Eruptionen kommen könnte, die Vulkanasche bis in 6.000 m Höhe fördern könnten.

Krash
Krasheninnikov

Der Krasheninnikov brach nach fast 600-jähriger Ruhe Anfang August aus, kurz nachdem ein starkes Erdbeben den Südwesten Kamtschatkas erschüttert hatte. Auch vom Shiveluch gab es eine Reaktion auf das Erdbeben, doch da dieser Vulkan dauerhaft aktiv ist, könnte dies auch Zufall gewesen sein.

Die Erdbebenaktivität vor der Südwestküste Kamtschatkas ist nach der Serie starker Erdbeben und dem erwähnten Megabeben weiterhin von Nachbeben geprägt, von denen es täglich mehrere gibt. Die Magnituden liegen im oberen 4er-Bereich.

Piton Fournaise: Spektakulärer Kraterkegelkollaps

Eruption am Piton de la Fournaise geht weiter – Einsturz eines alten Kraterkegels löst Dichtestrom aus





Am Piton de la Fournaise geht die Eruption weiter und fördert einen Lavastrom, der sich weiterhin in Richtung Küstenstraße bewegt. Spektakulär war gestern der Einsturz eines alten Kraterkegels in der Nähe des einzig verbleibenden aktiven Förderschlotes auf dem Südosthang des Vulkans, der durch die Spaltenöffnung während der Initialphase der Eruption destabilisiert wurde und an dem der aktuelle Lavastrom vorbeifloss. Oberhalb des kollabierten Kegels staute sich zudem der Lavastrom, was den Druck auf den Schlackenkegel erhöhte und letztendlich zum Versagend er Struktur geführt haben dürfte. Der Kollaps erzeugte einen kleinen pyroklastischen Dichtestrom und phreatische Explosionen. Das Ereignis wurde vom Fotografen Clément Dijoux dokumentiert, der das Glück hatte, zum richtigen Zeitpunkt in einem Helikopter über der Eruption zu kreisen.

Das Kollapsereignis manifestierte sich gestern gegen 14:00 Uhr Ortszeit. Bei uns in Europa war es 10:00 Uhr vormittags Um den verbleibenden Förderschlot hat sich inzwischen ein kleiner Schlackenkegel aufgebaut, ähnlich jenem, der kollabiert ist. Die Höhe der Lavafontäne liegt bei ca. 15 Metern. In der Spitze wurden bis zu 28 Kubikmeter Lava pro Sekunde gefördert. Das reichte aber nicht aus, um die am weitesten fortgeschrittene Lavafront weiter zu versorgen und am Leben zu halten. Sie befand sich am 14. Februar bereits 2,3 Kilometer von der Nationalstraße nahe der Küste entfernt. Gestern zog sich die Front um 300 m zurück und lag somit auf einem Höhenniveau von 660 m in 2,6 km Entfernung zur Straße.

Der Tremor zeigte über den Tagesverlauf eine leichte Abnahme, wobei er auch etwas fluktuierte und zwischenzeitlich einen kleinen Aufschwung zeigte.

Prognosen über den weiteren Verlauf des Vulkanausbruchs auf La Réunion sind schwierig, besonders da sich der Piton Fournaise am Anfang eines neuen Eruptionszyklus befindet.  Die Eruption könnte auf diesem Niveau noch tagelang weitergehen. Beim vorherigen Eruptionszyklus hielten die Eruptionen meistens zwischen 2 und 3 Wochen an. Damit der Lavastrom der Küstenstraße gefährlich werden kann, müsste sich die Förderrate deutlich erhöhen, doch auch wenn das nicht ausgeschlossen ist, ist es wenig wahrscheinlich.

Liparische Inseln: Erhöhte Seismizität

Mehrere Erdbeben im Bereich der Liparischen Inseln – Stärkste Erschütterung ML 3,9

Datum: 14.02.2026 | Zeit: 22:48:46 UTC | Koordinaten 38.381 ; 11.945 | Tiefe: 5 km | ML 3,9

Im Verlauf der letzten Woche gab es mehrere Erdbeben im Bereich der Liparischen Inseln und des Tyrrhensichen Meeres, wobei sich die stärksten Beben westlich des Archipels manifestierten. Das stärkste Beben ereignete sich am späten Abend des 14. Februars um 22:48:46 UTC, als es in einer Tiefe von 5 Kilometern mit einer Magnitude von 3,9 bebte. Das Epizentrum wurde 66 km nordwestlich von Trapani auf Sizilien verortet. Im gleichen Gebiet des Tyrrhenischen Meeres gab es zwei weitere Beben mit den Magnituden 3,6 und 3,7.

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Liparische Inseln. © EMSC

Gestern meldete das INGV ein Beben der Magnitude 2,9 in nur 4 Kilometern Tiefe, das ein Epizentrum 3,7 Kilometer westlich der Insel Alicudi hatte. Nordwestlich der Insel hatte es am Vortag einen kleinen Erdbebenschwarm gegeben, dessen stärkstes Beben immerhin eine Magnitude von 3,4 hatte. Das Hypozentrum lag in 30 Kilometern Tiefe. Der Schwarm setzte sich aus 8 Erschütterungen zusammen.

Gestern gab es auch ein Beben ML 2,2 westlich von Lipari und südlich von Salina. Zwei weitere Erschütterungen manifestierten sich östlich von Vulcano in großen Tiefen. Diese Erschütterungen der Asthenosphäre könnten mit den magmabildenden Prozessen im Zusammenhang stehen, die durch die Subduktion der Ionischen Platte zustande kommen.

Tremorpeak am Stromboli

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Stromboli. © LGS

Im direkten vulkanischen Umfeld von Vulcano und Stromboli ist es aus seismischer Sicht in den letzten Tagen ruhig geblieben, was allerdings nicht für die eruptive Tätigkeit des letztgenannten Inselvulkans gilt: Während heute die Anzahl der VLP-Erdbeben als hoch eingestuft wird und die meisten anderen verfügbaren Messwerte als mittelstark deklariert sind, kam es am 13. Februar offenbar zu einer Phase erhöhter Aktivität, als die (interpolierte) Tremoramplitude bis in den roten Bereich angestiegen war. Gleichzeitig kam es zu starken Infraschallsignalen mit einem Schalldruck von mehr als einem Bar und hohen Puffing-Werten, die auf starke, teils explosive Entgasungen hindeuteten. Da seit Monaten leider keine Echtzeitdaten zu thermischen Durchgängen mehr übermittelt werden und sich der Krater zum Zeitpunkt des Geschehens in Wolken hüllte, kann man nur spekulieren, dass es zu einer Phase erhöhter Explosivität gekommen sein kann. Möglich ist auch der Ausstoß eines Lavastroms. Entsprechende Meldungen von Seiten des INGV liegen nicht vor.

Vulkanausbruch am Kilauea: Lavafontänen-Episode 42 im Gang

Episode 42 am Kilauea: Bis zu 400 m hohe Lavafontänen und enorm hohe Förderrate

Am Kilauea auf Hawaii ist die 42. Lavafontänen-Episode im Gang und es wird noch eine gut 100 m hohe Lavafontäne gefördert. Die Eruption begann gestern Abend um 23:50 UTC (13:50 Uhr HST) und förderte während ihrer Hochphase bis zu 350 m hohe Lavafontänen. Durch den Impakt der gewaltigen Gesteinsmassen auf den Boden des Halema‘uma‘u-Kraters wurde eine gewaltige Staubwolke aus Tephra aufgewirbelt, die bis auf eine Höhe von über 10.500 m aufstieg und eine VONA-Warnung auslöste. Die Aktivität ist auf den Halemaʻumaʻu-Krater im Hawaii-Volcanoes-Nationalpark begrenzt.




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Lavafontäne

Der Ausbruch begann diesmal relativ spät, am Ende des vom HVO prognostizierten Zeitraums zwischen dem 11. und dem 15. Februar. Die Eruption kündigte sich konkret dann auch erst seit dem 14. Februar mit mehreren Lavaüberläufen an den beiden Schloten an. Am 15. Februar setzte sich diese Aktivität fort. Gegen 13:08 Uhr HST (alle weiteren Angaben in Hawaiizeit) gingen die Überläufe in eine anhaltende Lavaförderung über, begleitet von erhöhter Seismizität und Änderungen der Hangneigung, wie es für die episodischen Eruptionen typisch ist. Um 13:50 Uhr begann die Fontänenphase.

Zunächst erreichten die Lavafontänen im nördlichen Krater eine Höhe von etwa 100 Metern, im südlichen waren es  gut 50 Meter. Innerhalb einer Stunde stiegen die Höhen deutlich an. Am frühen Nachmittag lagen sie im südlichen Krater bei 300 bis 350 Metern, im nördlichen etwas darunter. Kurzzeitig wurden am südlichen Schlot über 400 Meter hohe Lavafontänen beobachtet. Die maximale Ausstoßrate betrug gegen 14:00 Uhr ungefähr 770 Kubikmeter pro Sekunde. Ein extremer Wert, wie er an anderen Vulkanen kaum erreicht wird. Damit einher geht ein anderer Kilauea-Superlativ: Ein gewaltiger Schwefeldioxidausstoß von bis zu 100.000 Tonnen während einer Episode.

Im weiteren Verlauf nahmen die Fontänenhöhen wieder ab. Am Abend lagen sie bei etwa 200 Metern (Südkrater) beziehungsweise 170 Metern (Nordkrater). Insgesamt wurden bis dahin mehr als acht Millionen Kubikmeter Lava gefördert. Etwa 40 Prozent des Kraterbodens waren von frischer Lava bedeckt. So füllt sich der Halema‘uma‘u-Krater in Windeseile nach seinem Kollaps in 2018 wieder auf.

Parallel zur Eruption registrierten die Messgeräte eine deutliche Deflation des Gipfels. Der Neigungsmesser UWD zeigte eine Absenkung von insgesamt 27 Mikroradian, was auf einen Abfluss von Magma aus dem flachen Speichersystem hindeutet.

Die Eruptionswolke erreichte laut Nationalem Wetterdienst eine Höhe von bis zu 10.670 Metern über dem Meeresspiegel. Bodennah wehten die Winde aus Nordost, sodass Gase und Partikel in Richtung Südwesten transportiert wurden. Da die Eruptionswolke über den Ozean hinweg zog, wurde kein nennenswerter Ascheneiderschlag gemeldet.

Mayon generiert kleine strombolianische Eruptionen

Kleine strombolianische Eruptionen aus dem Mayon-Lavadom – mögliche Vorzeichen für Paroxysmen

Der philippinische Mayon ist seit gut 50 Tagen aktiv und baut an seinem Lavadom, der beschleunigt wächst. Wie PHIVOLCS meldete, wurden letzte Nacht kleine strombolianische Eruptionen aus dem Lavadom beobachtet, die für rot illuminierte und wabernde Wolken im Gipfelbereich sorgten. Außerdem sind mindestens drei Lavaströme in Schluchten am Vulkanhang unterwegs. Von den Lavafronten gehen glühende Schuttlawinen und pyroklastische Dichteströme ab.




mayo
Mayo

Heute um 12:00 Uhr mittags meldeten die Vulkanologen, dass in den vorherigen 24 Stunden 19 pyroklastische Dichteströme und 375 Schuttlawinen seismisch registriert wurden. Dazu gesellten sich 20 vulkanisch bedingte Erdbebensignale. Die pyroklastischen Ströme ließen Aschewolken aufsteigen, die beim VAAC Tokio VONA-Warnungen für den Flugverkehr auslösten. Aufgrund der Bewölkung am Mayon ließ sich die Höhe der Aschewolken nicht bestimmen. Typischerweise erreichen sie Höhen von etwa 2.700 m.

Aus dem gleichen Grund war es gestern auch schwierig, die strombolianischen Eruptionen per Livecam zu beobachten. Ich selbst sah immer nur wabernde Wolken, aber keine typischen Glutspuren explosiv ausgeworfener Tephra. Die Vulkanbeobachter vor Ort verfügen aber sicherlich über Teleskope und Telekameras, mit denen sie entsprechende Beobachtungen machen konnten. In dem fortgeschrittenen Eruptionsstadium, in dem sich der Mayon aktuell befindet, könnte bereits eine schwache explosive Komponente der ansonsten effusiven Eruption ein frühes Warnzeichen für Paroxysmen sein, wie sie sich bei den beiden vorangegangenen Eruptionsphasen am Mayon nach einigen Wochen Domaktivität eingestellt hatten.

Bei Paroxysmen entstehen mehrere Hundert Meter hohe Lavafontänen, Aschewolken, die Höhen von mehr als 10 Kilometern erreichen können, sowie ein beschleunigter Ausfluss von Lavaströmen. Typischerweise können besonders während Paroxysmen größere Kollapsereignisse am Lavadom stattfinden, die entsprechend kraftvolle pyroklastische Ströme generieren, welche auch das Sperrgebiet verlassen können. Dieses soll ja bekanntlich Menschen aussperren und nicht die pyroklastischen Ströme einsperren.

Am ehesten ließen sich noch die Lavaströme „einsperren“. Freiwillig machen sie im Moment allerdings keine Anstalten zu stoppen. Sie haben derzeit folgende Längen:

  • Basud: 3,8 km
  • Bonga: 1,6 km
  • Mi-isi: 1,3 km

Darüber hinaus entweicht dem Mayon eine große Menge Schwefeldioxid. Sie betrug am 13. Februar 3.788 Tonnen pro Tag.

Island: Schwarmbeben westlich von Grindavik

Schwarmbeben westlich von Grindavik auf Island – Gut 30 Erdbeben bis jetzt

Heute Morgen manifestierte sich auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel ein Schwarmbeben an einer eher ungewöhnlichen Lokation: Seit 08:26:56 Uhr bebt die Erde genau in der Mitte zwischen dem Leuchtturm von Reykjanestá und Grindavík. Die Distanz zwischen den beiden Orten beträgt gut 14 Kilometer. Die Epizentren liegen unter dem Lavafeld Berghraun an der Südküste von Reykjanes und in unmittelbarer Nähe zur Küstenstraße Nesvegur. Die Tiefe der meisten Erdbebenherde liegt bei rund 5 Kilometern. Das stärkste Beben hatte laut IMO eine Magnitude von 2,5 und ein Hypozentrum in 0,6 Kilometern Tiefe.

Island. © VAFRI

Obwohl das Schwarmbeben bislang nicht weiter bedrohlich ist, könnte es mit den Spannungen in der Erdkruste zusammenhängen, die infolge der Magmaakkumulation bei Svartsengi entstehen. Es ist auch möglich, dass sich hier direkt magmatische Fluide entlang von Störungszonen bewegen. Die am nächsten gelegene GNSS-Messstation GEVK westlich von Grindavík zeigt in den letzten Tagen eine leichte Deflation. Es ist also denkbar, dass sich der unterirdische Schmelzfluss verlagert. An der nördlich von Berghraun gelegenen Kraterreihe Eldvörp stoppte die Bodenhebung laut den letzten Messungen jedoch ebenso wie bei Svartsengi. Die nächsten Tage werden zeigen, ob es sich erneut um Messfehler oder um einen neuen Trend handelt.

Über die letzten Monate hinweg verfestigte sich der Trend der Bodenhebung in einem weiten Teil von Zentralisland. An der Messstation KISA hob sich der Boden seit Juli 2025 um bis zu 70 mm. Diese Messstation liegt westlich von Bárðarbunga am Rand des Gletschers Vatnajökull. Aber auch an anderen Stationen rund um den Gletscher Hofsjökull ist eine Hebung von etwa 20 mm festzustellen.

Die Hebung Zentralislands ist unter Wissenschaftlern seit Längerem bekannt, war bis dato aber eher subtil und nahm erst in den letzten Monaten deutlich an Fahrt auf. Es gibt Überlegungen, dass die Hebung mit dem isländischen Mantelplume in Verbindung stehen könnte, dessen aktivster Teil unter dem Vatnajökull mit seinen mächtigen Zentralvulkanen angesiedelt ist.

USA: Eisvulkan im Letchworth State Park entstanden

Ungewöhnlicher Eisvulkan bildete sich im Letchworth State Park – eisige Temperaturen ließen Gebilde um Wasserfontäne wachsen

In den USA kam es durch das Zusammentreffen außergewöhnlich niedriger Temperaturen mit einer historischen Wasserfontäne im Letchworth State Park im Westen des Bundesstaates New York zur Bildung eines 9 Meter hohen „Eisvulkans“. Hierbei handelt es sich um einen steilen Eiskegel, der im Prinzip wie ein umgekehrter Eiszapfen aufgebaut ist und mich persönlich sehr an einen Hornito erinnert: Um den Wasserstrahl der Fontäne bildet sich aus dem gefrierenden Spritzwasser ein Eiskegel. Das spektakuläre Phänomen entwickelte sich aus der Glen-Iris-Fountain, die seit den 1860er Jahren in Betrieb ist und nach dem Prinzip eines artesischen Brunnens funktioniert.




Eisvulkan

Viele Tage mit konstanten Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt haben das ungewöhnliche Eisbauwerk in den letzten Wochen rapide wachsen lassen. Beobachter berichten, dass Windchill-Werte (gefühlte Temperaturen) teils bis zu −38 °C erreicht wurden, während offizielle Messstationen ähnlich extreme Minusgrade registrierten. Diese Bedingungen gehören zu den heftigsten arktischen Kälteeinbrüchen der vergangenen Jahre in der Region und trugen dazu bei, dass die Eisschichten um den Brunnen sich Schicht für Schicht auftürmten.

Die Glen Iris Fountain ist eine rein durch natürlichen Wasserdruck gespeiste Quelle und arbeitet ohne Pumpensysteme. Das Wasser steht in einem unterirdischen Aquifer unter Druck, der angebohrt wurde. Seitdem steigt das Wasser von selbst an die Oberfläche, wie es für einen artesischen Brunnen typisch ist.

Der Eisvulkan ist kein komplett neues Phänomen, sondern die Eisstruktur wuchs auch schon bei früheren langanhaltenden Frostperioden, doch in diesem Jahr ist sie besonders groß.

Die Ursache für diese ungewöhnlich strengen Wintertemperaturen liegt in großen arktischen Luftmassen, die bis weit in den Osten der USA hineindrängen. Meteorologen führen dies unter anderem auf eine Störung des Polarwirbels zurück, einem riesigen Wirbel kalter Luft über der Arktis, der durch atmosphärische Effekte weiter nach Süden ausgedehnt wurde als üblich. Sehr wahrscheinlich ein Effekt des Klimawandels, wobei ich auch nochmal auf die Hunga-Tonga-Ha’apai-Eruption verweisen möchte, die gerade in den oberen Atmosphärenschichten einen deutlichen Temperaturanstieg bedingte und zur Störung des Polarwirbels beitragen könnte.

Für die kommenden Tage zeigen Wettermodelle eine allmähliche Milderung der Temperaturen, besonders in tieferen Lagen. Während tagsüber langsam wieder Werte um den Gefrierpunkt möglich sind, dürfte die Kälte nächtlich noch anhalten, sodass der Eisaufbau am „Vulkan“ vorerst weitergeht – zumindest bis ein markanter Wärmeeinbruch einsetzt.

Das Phänomen zieht Besucher aus nah und fern an, dient aber auch als eindringliches Beispiel dafür, wie extreme Wetterlagen dramatische und überraschende Spuren in der Natur hinterlassen können.

Eisvulkane gibt es etwas auch am Mount Erebus in der Antarktis. An diesem Vulkan entstehen hornitoähnliche Schornsteine um Fumarolen herum, die den Wasserdampf gefrieren lassen. Mächtige Kryovulkane finden sich auf den Jupitermonden Io und Europa und auf dem Saturnmond Enceladus. Allerdings ist es hier nicht unbedingt Wasser dass gefriert.