Erdbebenschwarm in den Campi Flegrei – mehr als 20 Erdbeben während der Nacht
Die süditalienische Caldera Campi Flegrei wurde heute Nacht ein weiteres Mal von einem Erdbebenschwarm erschüttert. Er begann um 01:59 Uhr UTC und dauerte gut 2 Stunden. In dieser Zeit haben sich schwache 23 Einzelbeben zugetragen. Das stärkste hatte eine Magnitude von 1,2 und eine Herdtiefe von 2,6 Kilometern Das Epizentrum lag nördlich der Solfatara, an der Tangentiale. Während gut die Hälfte der Beben in dem gleichen Bereich auftrat, streuten die restlichen über ein größeres Areal um die Solfatara herum. Die Erschütterungen waren zu schwach, um verspürt zu werden. Trotzdem dämpft das erneute Auftreten eines Erdbebenschwarms die Hoffnungen auf ein baldiges Ende der seismo-magmatischen Krise.

Dem heute erschienenen INGV-Bulletin für den Beobachtungszeitraum 1. bis 7. Juni ist zu entnehmen, dass in dieser Periode 116 Erdbeben auftraten. Die Maximalamplitude lag bei Md 1,6. Die meisten Beben spielten sich innerhalb des Hydrothermalsystems ab. Vereinzelte tiefer auftretende Erschütterungen könnten mit Gesteinsbruch im Dach der Caldera zusammenhängen. Aufgrund der weiter fortschreitenden Hebung gerät dieses unter immer größere Spannungen. Die Hebegeschwindigkeit wird weiterhin mit 10 mm pro Monat angegeben.
Die geophysikalischen Messgrößen zeigten keine signifikanten Schwankungen und folgten dem langjährigen Trend der Druckbeaufschlagung. Die Fumarolentemperatur bei Pisciarelli betrug durchschnittlich 95 Grad, die der BG-Fumarole der Solfatara 173 Grad. Betrachtet man hier die Dezimalstellen, bewegte sich die Temperatur im oberen Schwankungsbereich. Der Kohlendioxidausstoß blieb ebenfalls hoch, ohne Spitzenwerte zu erreichen.
Momentan bewegen sich die Parameter zwar weiterhin in einem erhöhten Bereich, zeigen aber keine Eskalation der Situation an. Obwohl die Aktivität geringer als im letzten Jahr ist, in dem es meiner Meinung nach zu mehreren kleinen Magmaintrusionen in 4 bis 5 Kilometern Tiefe kam, gibt es keine Anzeichen einer nachhaltigen Entspannung der Situation. Die für die Krise ursächlich verantwortlichen Prozesse in der Tiefe laufen weiterhin ab und es kann jederzeit zu einer erneuten Steigerung der Begleiterscheinungen wie Erdbeben und beschleunigte Bodenhebung kommen.









