Aktuelle Nachrichten und Analysen zu Vulkanausbrüchen, Erdbeben und Naturkatastrophen
Marc Szeglat
Marc Szeglat ist der Schöpfer dieser Website, die im Oktober 2000 online ging. Seit 1996 arbeitet er als Journalist, Vulkanfilmer und Geonaut und berichtet direkt von der Lavafront. Zuvor war er bei der Bundeswehr und studierte anschließend Geologie. Seinen ersten Vulkan bestieg Marc im September 1990 – es handelte sich um den Stromboli. Seitdem hat er über 50 Länder bereist und von zahlreichen Vulkanausbrüchen sowie Naturkatastrophen berichtet.
Tickend Zeitbomben im Untergrund: Warum Magma jahrzehntelang eruptierbar bleiben kann
Eine neue Studie zeigt, dass die Gefahr eines Vulkanausbruchs nicht zwangsläufig mit dem Ende eines Magmenaufstiegs verschwindet. Selbst in extrem flachen Magmaintrusionen von bis zu einem Kilometer Tiefe unter der Oberfläche können Bereiche mit heißer, potenziell eruptierbarer Schmelze über Jahrzehnte erhalten bleiben und noch lange nach der Intrusion Eruptionen auslösen, insbesondere wenn es zum erneuten Eindringen von Schmelze kommen sollte. Wie lange die Schmelze eruptionsfähig bleibt, hängt nicht nur von der Menge der in den Untergrund eingedrungenen Gesteinsschmelze ab, sondern auch von deren Geschwindigkeit beim Eindringen und die Strömungen innerhalb des Magmenkörpers. Zugleich können nur langsam abkühlenden Intrusionen stabile Wärmequellen für Geothermiekraftwerke darstellen.
Puyehue-Cordón Caulle
Forscher der schwedischen Universität Uppsala und anderer Institute modellierten die Entwicklung einer flachen rhyolithischen Intrusion, wie sie sich beispielsweise 1980 während der Eruption am Mount St. Helens oder dem Vulkan Puyehue-Cordón Caulle im Jahr 2011 bildete. Dabei wurden Magmenzufuhrraten zwischen sehr langsamem Wachstum über mehr als ein Jahrhundert und einer schnellen Intrusion innerhalb weniger Wochen simuliert. Berücksichtigt wurden Wärmeleitung, Konvektion und Kristallisation der Schmelze.
Die Ergebnisse zeigen, dass das Magma innerhalb der Intrusion keineswegs gleichmäßig abkühlt. Vielmehr können sich komplexe Strömungen entwickeln. Durch Konvektion zirkuliert heißes Magma innerhalb des Intrusivkörpers, während gleichzeitig andere Bereiche schneller abkühlen und sich Kristalle bilden. Dadurch entstehen Zonen, in denen noch über lange Zeiträume genügend flüssige Schmelze vorhanden ist, um grundsätzlich eruptiert werden zu können.
Von besonderer Bedeutung ist, dass die Wachstumsgeschwindigkeit der Intrusion eine entscheidende Rolle in Bezug auf das Eruptionspotenzial eines Vulkans spielt. Bei rascher Magmazufuhr kann sich ein deutlich größerer Bereich mit heißer Schmelze und hohem Eruptionspotenzial entwickeln. Bei langsamerem Wachstum hat das umgebende Gestein dagegen mehr Zeit, Wärme abzuleiten und die Schmelze kristallisieren zu lassen. Die endgültige Größe einer Intrusion sagt deshalb allein wenig über ihr Eruptionspotenzial aus.
Ein reales Beispiel – an dem sich die Forschenden um Erika Ronchin orientierten – liefert der Vulkan Cordón Caulle in Chile. Dort begann am 4. Juni 2011 eine explosive rhyolithische Eruption. Während der folgenden Wochen und Monate drang weiteres Magma in geringer Tiefe ein und führte zur Bildung einer mächtigen unterirdischen Intrusion, die auch als Kryptodom bezeichnet wird. Die Eruption und das Wachstum der Intrusion waren somit Teil desselben magmatischen Prozesses.
Nach dem Ende der Eruption kam es am Cordón Caulle zu mehreren erneuten Hebungsphasen. Diese wurden als Magmennachschub interpretiert, führten aber nicht zu einer neuen Eruption. Hier greift die Studie, indem sie modelliert, was mit dem in nur wenigen Hundert Metern Tiefe gespeichertem Magma passiert. Unter günstigen Bedingungen können Restschmelzen über lange Zeiträume erhalten bleiben. Eine spätere erneute Magmazufuhr könnte diese Bereiche zusätzlich aufheizen und mobilisieren.
Damit ergeben sich wichtige Aspekt für die Vulkanüberwachung:
Eine Phase starker Deformation oder Seismizität muss nicht unmittelbar zu einer Eruption führen. Umgekehrt bedeutet das Ausbleiben eines Ausbruchs nicht zwangsläufig, dass die Gefahr eines Ausbruchs vollständig verschwunden ist. Eine flache Intrusion kann zunächst als „magmatischer Speicher“ fungieren und später erneut aktiviert werden.
Nicht jede Magmaintrusion erhöht das Eruptionsrisiko im gleichen Maß. Dringt Magma langsam in die flache Kruste ein, kann sie als Intrusion stecken bleiben und über längere Zeit abkühlen. Ein schneller Magmenimpuls könnte dagegen wesentlich größere Mengen heißer Schmelze in kurzer Zeit bereitstellen und damit die Wahrscheinlichkeit einer Eruption erhöhen.
Die Ergebnisse lassen sich allerdings nicht ohne Weiteres auf alle Vulkane übertragen. Besonders untersucht wurde hochviskoses rhyolithisches Magma. Basaltische Schmelzen sind heißer und deutlich dünnflüssiger und zeigen daher andere Strömungs- und Kristallisationsprozesse. Auch bei ihnen können langlebige Magmenkörper entstehen, doch die physikalischen Bedingungen unterscheiden sich deutlich von jenen saurer Magmen.
Dennoch gibt es aktuell 2 sehr schöne Beispiele von basaltischen Intrusionen auf Island: Seit über einem Jahr sammelt sich Magma im Svartsengigebiet der Reykjaneshalbinsel an und Vulkanologen rechnen mit einem Vulkanausbruch. Doch seit Januar nahm die Geschwindigkeit der Intrusion ab und es darf gefragt werden, ob die Geschwindigkeit der Intrusion noch ausreicht, um eine Eruption zu triggern. Ähnliches geschah in der Askja-Caldera. Hier stoppte die Intrusion nach fast 5 Jahren. Selbst wenn man nicht mehr unmittelbar mit einem Vulkanausbruch rechnet, könnte eine erneute Intrusion schnell zur Eruption führen. Darüber hinaus könnten die Studienergebnisse auch für die italienische Caldera Campi Flegrei interessant sein, wo sich Magma offenbar über lange Zeiträume ansammelt und Intrusionen verursacht.
Die Studie verdeutlicht, dass Magma im Untergrund kein statischer Körper ist. Während eine Intrusion wächst, strömt und kristallisiert die Schmelze gleichzeitig. Dadurch kann ein Vulkan noch lange nach einer Phase intensiver magmatischer Aktivität über Bereiche verfügen, in denen grundsätzlich eruptierbares Magma vorhanden ist. Die eigentliche Gefahr kann somit deutlich länger bestehen bleiben, als es die Aktivität an der Oberfläche vermuten lässt. Zugleich verdeutlicht sie, dass die Vorstellung eines sich immer wieder füllenden Hohlraums unter einem Vulkan, der gemeinhin als Magmakammer bezeichnet wird und in dem Magma brodelt, überholt ist.
Quelle: Ronchin, E. et al. (2026): Magma dynamics and cooling in sub-volcanic intrusions: insights on eruption potential from finite element modelling. Bulletin of Volcanology, 88, 110. DOI: 10.1007/s00445-026-02031-2.
Erdbeben Mb 4,8 vor griechischer Insel Kefalonia löste Nachbebenschwarm aus
Vor der griechischen Insel Kefalonia hat sich am 12. und 13. September 2026 ein Nachbebenschwarm entwickelt, dem am 12. September um 17:51 UTC ein stärkstes Erdbeben vorangegangen war. Nach Angaben des EMSC hatte dieses Beben eine Magnitude von 4,8. Das Hypozentrum lag in 10 Kilometern, gut 23 Kilometer westlich von Argostoli.
In den folgenden Stunden registrierten die Seismometer zahlreiche weitere Erschütterungen. Darunter waren Beben der Magnituden 2,5 bis 2,8 in unmittelbarer Umgebung des Hauptbebens. Am 13. September folgten unter anderem Beben mit M3,0 um 05:34 UTC sowie ein M2,7 um 04:18 UTC. Die Aktivität konzentriert sich dabei auf einen Bereich westlich und südwestlich von Kefalonia.
Das Hauptbeben wurde auf der gesamten Insel deutlich wahrgenommen. Besonders zahlreiche Meldungen gingen aus Lixouri und Argostoli ein. Bewohner beschrieben kurze, teilweise kräftige Erschütterungen, Möbelbewegungen und ein Schwanken von Gebäuden. In Lixouri berichteten Augenzeugen sogar von einem dumpfen Geräusch unmittelbar vor dem Beben. In Argostoli wurden unter anderem schwankende Möbel und Vibrationen von mehreren Sekunden Dauer beobachtet. Erschütterungen wurden außerdem auf Zakynthos, Lefkada und bis in die Regionen von Agrinio und Patras registriert. Schäden wurden in den bisher vorliegenden Meldungen nicht angegeben.
Die Region gehört zu den aktivsten Erdbebengebieten Griechenlands. Tektonisch betrachtet liegt Kefalonia an der gleichnamigen Transformstörung, einem bedeutenden Blattverschiebungssystem am westlichen Ende der Hellenischen Subduktionszone. Die Störung nimmt die Bewegungen zwischen der Ionischen Platte im Westen und der Ägäis auf. Entlang der Störungszone treten überwiegend dextrale Seitenverschiebungen auf.
Bemerkenswert ist, dass die Region auch in jüngerer Vergangenheit wiederholt Schwarmbebenaktivität zeigte. Besonders gut untersucht ist ein Erdbebenschwarm nördlich von Kefalonia im Februar 2024. Dabei wurden innerhalb von etwa zwei Monaten rund 2495 schwache bis moderate Erdbeben registriert. Studien deuteten unter anderem auf eine mögliche Beteiligung von magmatischen Fluiden im Untergrund hin.
Noch wesentlich stärker war die Erdbebenserie von 2014 mit zwei schweren Beben der Magnituden 6,1 und 6,0. Auch 2015 erschütterte ein M6,4 die benachbarte Region von Lefkada.
Der aktuelle Schwarm ist damit zunächst als tektonische Aktivität an einem ohnehin hochaktiven Störungssystem einzuordnen. Ob sich das Schwarmbeben weiter intensiviert, bleibt abzuwarten.
Japanischer Vulkan Sakurajima eruptiert Vulkanasche bis auf 3700 m Höhe
Am Sakurajima im Süden von Kyushu ist es am 13. September zu einer weiteren Eruption gekommen. Der explosive Vulkanausbruch manifestierte sich um 17:10 Uhr Ortszeit im Gipfelkrater Minamidake. Nach Angaben der japanischen Wetter- und Meteorologiebehörde JMA stieg die Eruptionswolke bis auf eine Höhe von 2.400 Metern über dem Kraterrand auf. Die Vulkanasche wurde vom Wind in nordwestliche Richtung verfrachtet und zog damit in Richtung des Internationalen Flughafens von Kagoshima.
Die JMA-Prognosen zum Ascheniederschlag gehen davon aus, dass es bis 23:00 Uhr Ortszeit zu mäßig starkem Ascheniederschlag kommen kann. In den Orten auf der Kirschblüteninsel wird mit etwas stärkerem Aschefall gerechnet, während unter anderem Tarumizu, Aira, Satsumasendai, Hioki und Akune von geringerem Aschefall betroffen sein können. In den stärker belasteten Gebieten empfiehlt die JMA, Schutzmaßnahmen gegen die Asche wie Atemschutzmasken und Regenschirme zu verwenden und langsamer zu fahren, da Vulkanasche die Sicht beeinträchtigen und Straßen rutschig machen kann.
Neben der Asche wurde größere Tephra ausgeworfen. Größere Blöcke gingen – wie auch bei den letzten stärkeren Eruptionen – bis in einer Entfernung von 1 Kilometer zum Gipfelkrater nieder.
Auch das VAAC Tokyo bestätigte die Eruption. Der Ausbruch wurde um 08:10 UTC registriert, wobei die Aschewolke eine Flughöhe von gut 3.700 Metern über dem Meeresspiegel erreichte. Auf Satellitenbildern war die Aschewolke anschließend nicht eindeutig auszumachen, da sich die Aschewolke unter Wetterwolken mischte.
Auf den diversen Livecams in der Region Kagoshima ist zu erkennen, wie sich die Aschewolke fast senkrecht über den Krater erhebt. Dabei stieg sie relativ langsam auf. Es herrschte relativ schwacher Wind und die Wolke wurde erst in der Höhe seitwärts verfrachtet.
Die neue Eruption fügt sich in eine anhaltende Phase erhöhter Aktivität ein. Bereits Anfang September wurden wiederholt vulkanische Erdbeben registriert. Zwischen dem 7. und 11. September traten täglich mehrere vulkanische Beben auf.
Auffällig ist auch der Schwefeldioxidausstoß, der bei einer Messung am 10. September 2.100 Tonnen pro Tag betrug. Die Vulkanologen bewerten die Gasfreisetzung als weiterhin hoch und gehen davon aus, dass die eruptive Aktivität anhalten wird.
Die Vulkanwarnstufe 3 bleibt bestehen. Damit gelten Einschränkungen für den Zugang zu den Gipfelbereichen. Neben Ascheregen besteht insbesondere eine Gefahr durch ballistisch ausgeworfene Gesteinsbrocken und pyroklastische Ströme. Ein Ende der eruptiven Phase ist nicht in Sicht.
Manam und Ulawun in Papua-Neuguinea ausgebrochen – Aschewolken lösen VONA-Warnungen aus
In Papua-Neuguinea haben am 13. September gleich zwei bekannte Vulkane Aschewolken generiert und damit VONA-Warnungen für den Flugverkehr ausgelöst. Bei diesen Vulkanen handelt es sich um Manam im Norden des Landes und Ulawun auf der Insel Neubritannien. Beide Meldungen stammen vom VAAC Darwin und beruhen auf Satellitenbeobachtungen des Wettersatelliten Himawari-9. Während der Ausbruch am Manam bereits wieder abklang, deutet beim Ulawun vieles auf anhaltende Aktivität hin.
VONA-Manam
Am Manam registrierte das VAAC eine Ascheemission, die bis auf eine Höhe von 2100 Metern über dem Meeresspiegel aufstieg. Die Eruption wurde zuletzt um 01:30 UTC beobachtet. Wenig später war die Aschewolke auf den Satellitenbildern nicht mehr eindeutig auszumachen. Das VAAC stellte deshalb fest, dass sich die Emission aufgelöst habe und keine Hinweise auf eine aktuelle oder andauernde Eruption mehr vorlägen. Die Warnung wurde beendet.
Der Manam ist allerdings kein Vulkan, der plötzlich aus einer langen Ruhephase erwacht ist. Der Inselvulkan gehört zu den aktivsten Feuerbergen Papua-Neuguineas. Das Global Volcanism Program benennt eine seit 2018 andauernde Eruptionsperiode, die von wiederkehrenden Ascheemissionen und thermischer Aktivität geprägt ist. Der 1.807 Meter hohe Stratovulkan besitzt zwei aktive Gipfelkrater. Größere Eruptionen in Form von Paroxysmen können pyroklastische Ströme und Lavaströme erzeugen.
Am Ulawun wurde heute um 06:30 UTC eine Aschewolke beobachtet, die bis auf 2700 Meter Höhe aufgestiegen war. Sie bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von 38 km/h nach Nordwesten. Besonders wichtig ist die Einschätzung des Rabaul Volcano Observatory (RVO): Die Seismizität hat zugenommen, ebenso die Asche-Dampf-Emissionen, und die Aktivität wird derzeit als kontinuierlich betrachtet. Es könnten also weitere Meldungen folgen und sogar ein Anstieg der Seismizität ist denkbar.
Ulawun ist mit 2.334 Metern der höchste Vulkan des Bismarckbogens und einer der aktivsten Vulkane Papua-Neuguineas. Nach einer Eruption im März und April 2025 war die Aktivität zuletzt vergleichsweise gering. Im Juli 2026 wurde lediglich eine kurzlebige Aschewolke bis etwa 3,7 Kilometer Höhe gemeldet.
Mayon emittiert nach mehrwöchiger Pause erneut Asche-Dampfwolken
Am Mayon auf den Philippinen hat die vulkanische Aktivität zum ersten Mal in diesem Monat zu einer Ascheemission geführt, die beim VAAC Tokyo eine VONA-Warnung ausgelöst hat. Am 13. September stieg eine Aschewolke etwa 600 Meter über den Gipfelkrater auf und driftete anschließend in südöstliche Richtung. Die Emission wurde am frühen Morgen gegen 06:21 Uhr Ortszeit von den Überwachungskameras der Mayon Volcano Observatory Station auf dem Ligñon Hill sowie der Station in Ligao aufgezeichnet.
Nach Angaben des VAAC Tokyo begann die Emission am 12. September um 21:52 UTC. Eine zunächst per Satellit gemeldete Aschewolke erreichte Flugfläche FL100, also etwa 3.000 Meter über dem Meeresspiegel, und breitete sich nach Südosten aus. Bei einer späteren Auswertung um 22:40 UTC war die Aschewolke auf den Satellitenbildern allerdings nicht mehr eindeutig identifizierbar. Das VAAC kündigte weitere Warnungen nur für den Fall an, dass erneut Vulkanasche auf den Satellitenaufnahmen erkannt wird.
Die Aktivität des Mayon bleibt insgesamt erhöht, aber weit unter dem Niveau, das wir in der ersten Jahreshälfte sahen. PHIVOLCS registrierte innerhalb von 24 Stunden 24 vulkanische Erdbeben. Gleichzeitig war ein Kraterleuchten mit bloßem Auge schwach bis mäßig gut sichtbar. Die Schwefeldioxid-Emission wurde am 12. September mit 841 Tonnen pro Tag angegeben. Zudem bildete sich eine moderate Dampfwolke, die bis zu 500 Meter über dem Krater aufstieg und nach Südosten verfrachtet wurde.
Die Bodendeformation weist weiterhin auf einen aktiven Magmenkörper unter dem Vulkan hin. Die Vulkanologen bestätigten eine anhaltende Inflation des Vulkangebäudes, die lediglich im nordöstlichen Sektor kurzfristig von einer Deflation überlagert wurde. Damit gibt es weiterhin Hinweise auf Veränderungen im vulkanischen System unterhalb des Mayon und eine Verstärkung der eruptiven Aktivität ist jederzeit möglich.
PHIVOLCS belässt die Alarmstufe des Mayon auf „2“. Dieser Alarmstatus gilt seit dem 5. August. Zuvor stand der Alarmcode seit dem 6. Januar auf „3“. Der Zutritt zur permanenten 6-Kilometer-Gefahrenzone ist verboten beziehungsweise soll unbedingt vermieden werden. Auch Flugzeuge sollen den Gipfelbereich nicht überfliegen. Als mögliche Gefahren nennt PHIVOLCS plötzliche phreatische Eruptionen, Steinschläge und Lawinen sowie Lahare bei starken oder länger anhaltenden Niederschlägen. Die jüngsten Ascheemissionen zeigen, dass der Mayon trotz der derzeit vergleichsweise moderaten Aktivität weiterhin ausbruchsfähig ist.
Ubud – Paradies für Götter und Schlemmerer im Osten von Bali
Der erste Teil unserer Reisedokumentation über Bali 2026
Bali ist die wohl am touristischsten geprägte der großen Inseln Indonesiens und dementsprechend gut besucht. Besonders im Osten ist man auf gesundheitsbewusste Wellnesstouristen aus Übersee eingestellt, die es sich eine Zeitlang gut gehen lassen und die freundliche Atmosphäre auf sich wirken lassen wollen, die die hinduistisch geprägte Gesellschaft mit sich bringt. Darüber hinaus ist Bali für seine vergleichsweise luxuriösen Häuser bekannt, die architektonisch oft asiatische Tradition mit westlicher Moderne kombinieren. Genau hier setzte unser diesjähriger Sommerurlaub an, denn für Sightseeing ist Bali aufgrund seines enorm dichten Verkehrs wenig geeignet, obgleich wir natürlich einige Sehenswürdigkeiten ansteuerten, hierunter u.a. die Vulkane Batur und den Kawah Ijen auf der benachbarten Insel Java. Beide Vulkane – so viel sei vorweggenommen – stellten für mich eine herbe Enttäuschung dar!
Eigentlich war für dieses Jahr ein Safariurlaub in Tansania geplant gewesen, doch ausgerechnet als es ans Buchen der Flüge ging, griff dieser Idiot Trump den Iran an und durch die Angriffe des Irans auf die Nachbarländer kam es zu massiven Störungen des Flugbetriebs der Fluggesellschaften, die in den Emiraten zwischenlanden. Entsprechend explodierten nicht nur Bomben und Raketen, sondern auch die Flugpreise in Richtung Ostafrika, weswegen wir umdisponierten und gen Bali buchten. Leroy stieß auf die bei uns kaum bekannte Fluggesellschaft Xiamen Airlines, die aus China stammt und von Amsterdam aus Bali ansteuert – für Preise, zu denen man in den Sommerferien von Düsseldorf aus gerade mal bis Kreta kommt. Da Sohn und Frau mal im Luxus schwelgen wollten, anstatt sich in einem Camper zu quetschen, ließ ich mich zur Buchung einiger Villen hinreißen, die ich normalerweise für dekadent gehalten hätte, was der Vergleich zu europäischen Hotelpreisen allerdings schnell wieder relativierte, insbesondere unter der Berücksichtigung, dass man hier mit einem Jugendlichen im Schlepp zu Dritt oft 2 Zimmer buchen muss. Tatsächlich kostete auf Bali eine Nacht in einem Luxushaus mit eigenem Pool und 2 bis 3 Schlafzimmern so viel, wie man inzwischen für ein Mittelklassehotel in Deutschland zahlt.
Der Flug mit Zwischenlandung in Xiamen – dem Herkunftsort der Fluggesellschaft – verlief reibungslos und ich wunderte mich über die Pünktlichkeit der Chinesen, von der sich andere Fluggesellschaften eine Scheibe abschneiden können. Das Umsteigen klappte gut, auch wenn die Kontrollen ernst genommen wurden und man sich besorgt zeigte, dass Passagiere ein Feuerzeug mit an Bord nehmen könnten. Diese wurden gnadenlos einkassiert und ich fragte mich, ob China schon von der Gasmangellage betroffen ist, die man bei uns im nächsten Winter fürchten muss.
Die Immigration im Flughafen Denpasar lief vollautomatisch ab, da wir bereits zuhause das Visum nebst allen geforderten Formularen und Bestätigungen online erledigt hatten, was allerdings eine nervenaufreibende Sache gewesen war.
Für die erste Nacht hatten wir ein Hotel in ca. 5 Kilometern Entfernung zum Flughafen reserviert und wollten uns mit dem Taxi dorthin bringen lassen. Der Fahrer rief mal eben 60 USD für die Fahrt auf, woraufhin ich ihm einen Vogel zeigte. Ich bezahle doch keinen indonesischen Wochenlohn für eine 10 Minuten Fahrt! Er ließ sich zwar auf 25 runterhandeln, was mir aber immer noch zu teuer erschien. Zum Schluss fuhren wir mit dem hiesigen Uber-Äquivalent Grab für umgerechnet 5 Euro. Auf Bali gilt die Regel: Meide Taxis, wann immer es geht!
Als Erstes steuerten wir ein Haus in Ubud an, von wo aus nicht nur die Reisterrassen von Tegallalang und diverse Tempelanlagen schnell zu erreichen waren, sondern auch Wasserfälle und ein Affenwald, der sich als ziemlicher Reinfall erwies. Während die Villa in einer kleinen Anlage in einem ruhigen Viertel gut 20 Fahrtminuten vom Stadtzentrum Ubud entfernt lag, war die Stadt selbst alles andere als ruhig: Hier schoben sich wahre Autokolonnen durch die schmalen Straßen, begleitet von Schwärmen stinkender Mopeds, die sich überall vordrängelten und selbst durch die kleinste Lücke quetschten. Wer als Fußgänger unterwegs ist, muss nicht nur aufpassen, nicht umgefahren zu werden, sondern sollte auch tunlichst nicht auf eines der kleinen Blumenpäckchen treten, die praktisch vor jedem Hauseingang auf dem Boden rumliegen. Hierbei handelt es sich um Opfergaben für die vielfältige hinduistische Götterwelt. Bei genauerem Hinblicken entdeckte ich nicht nur Kronkorken mit brauner Flüssigkeit, sondern auch vereinzelt Zigaretten. OK, das passt vielleicht zu Göttern, die in Vulkanen wohnen.
Zum Glück bin ich diesmal nicht selbst gefahren, sondern wir nutzten die oben erwähnte Grab-App um private Fahrer zu bestellen, was gut funktionierte und vergleichsweise günstig war. Die Fahrer verwickelten einen sofort in Gespräche, was man denn bereits gesehen hat und noch unternehmen will, in der Hoffnung, eine Folgebuchung zu bekommen oder sogar für einen ganzen Tag engagiert zu werden. Tatsächlich erwies es sich oft günstiger, einen Grap-Fahrer für den ganzen Tag zu mieten, was so mit ca. 30 bis 40 € zu Buche schlug, als organisierte Touren zu unternehmen, bei denen der Fahrtpreise deutlich höher lagen.
Generell sind die vergleichsweise geringen Lebenshaltungskosten das Hauptargument für einen Bali-Urlaub. Ein 3-Gänge-Menü inklusive Bier oder Cocktail bzw. Mocktail zum Abendessen belastete das Portemonnaie mit ca. 15 bis 20 € pro Person, eine einstündige Massage oder einen Yogakurs konnte man für nicht einmal 10 € die Stunde buchen und eine Tour zum Batur kostete mit Fahrer und Guide ca. 50 € pro Person. Womit wir beim Thema wären…
Die Besteigung des Vulkans Batur zum Sonnenaufgang
Wir ließen uns gegen 2 Uhr nachts von unserem Haus abholen und erreichten nicht mal eine dreiviertel Stunde später die Caldera, aus der sich der Gunung Batur am Ufer Batur-Sees (Danau Batur) erhebt. Unser Chauffeur parkte uns auf einem großen Parkplatz, der von Verkaufsbuden umgeben war, und meinte, wir müssten noch auf den Führer warten. Der kam dann erst eine halbe Stunde später, als die anderen Touristen eintrudelten. Wir begannen unseren Marsch in Richtung Vulkan über eine schmale Asphaltstraße, die zunächst sanft bergauf führte und in ihrem 3 Kilometer langen Verlauf immer steiler wurde. Zu Fuß waren nur wenige andere Touristen unterwegs, doch zu meinem Erstaunen nahm der Verkehr permanent zu, bis ständig Autos und Mopeds an uns vorbeifuhren und ich langsam sauer wurde: Warum latschten wir hier lang, wenn man noch weiter hochfahren konnte, und was sollte dieser Verkehr mitten in der Nacht? Von einem schönen Vulkantrekking, um vom Gipfel des Vulkans den Sonnenaufgang über Bali zu erleben – was schlichtweg der Klassiker ist – konnte hier kaum die Rede sein. Ich fauchte den Führer an, ob es nicht einen vernünftigen Wanderweg ohne Verkehr gebe, auf dem man nicht um sein Leben fürchten müsse, als wir auch schon das Ende des Asphalts erreichten und an einer schier endlosen Kolonne geparkter Autos entlangschlenderten. Kurz darauf traf mich endgültig der Schlag, als ich die nicht enden wollende Lichterkette erspähte, die sich die steile Flanke des Batur hinaufbewegte. Nun befanden wir uns inmitten unzähliger Füße, die sich den viel zu steilen Pfad hochwühlten und dabei Tonnenweise Schlacken und Lapilli nach unten traten, so dass sich Nachfolgende in einer permanenten Staubwolke bewegen mussten.
Natürlich war ich mir bereits zuvor bewusst gewesen, dass man hier nicht alleine unterwegs ist, aber mit mehreren Tausend Leidensgenossen hatte ich nicht gerechnet. Doch irgendwann ist auch das schlimmste Trekking vorbei und so standen wir nach gut 90 Minuten Steilstück auf einer Terrasse kurz unterhalb des Batur-Kraters und gafften wie Mondkälber in Richtung Sonnenaufgang. Unnötig zu erwähnen, dass ich mir albern und deplatziert vorkam, die Kids – kaum einer der Gipfelstürmer war älter als 30 – dabei zu beobachten, wie sie ihre TikTok- und Insta-Selfies schossen und dabei nicht nur wie Enten befremdliche Grimassen schnitten, sondern sich auch seltsam verrenkten: Wenn ich irgendetwas noch mehr als lila Elefanten (siehe unten) hasse, dann sind es Fotos von Silikongespritzten Lippen auf Duckface in Tanzpose auf einem Vulkan!
Mit meinen inzwischen fast 60 Jahren war ich der Senior unter den Vulkanbesteigern und heilfroh, dass ich dieses Ziel nicht früher angesteuert habe, denn es hätte wahrscheinlich meine Vulkanbegeisterung im Keim erstickt, wobei ich noch nie besonders gerne auf inaktive Vulkanruinen gestiegen bin. Enttäuschend kam hinzu, dass die Sicht auf den Koloss Agung durch eine weitere Vulkanruine – Gunung Abang – auf der gegenüberliegenden Seite des Sees blockiert war und man nur die Ränder des Sitzes der Götter Balis sehen konnte. Wenigstens dauerte es nicht lange, bis die Sonne aufging.
Der Sonnenaufgang war … nun ja, ein Sonnenaufgang! Runter wählten wir einen angenehmeren Weg, der in Serpentinen verlief. Der Pfad führte zunächst recht steil durch einen Wald auf der oberen Flanke und meine Laune wurde langsam besser, bis der Pfad durch weniger steiles Gelände verlief und uns Dutzende knatternder Mopeds entgegenkamen, um all jene aufzulesen, die aus eigener Kraft den Abstieg nicht mehr schafften. Gegen eine für balinesische Verhältnisse unverschämte Gebühr, die kleiner wurde, je weiter unten man sich auflesen ließ. Aber nix da, Senior stapfte weiter und wollte sich nun auch nicht vom Fahrer am Ende der Straße abholen lassen, sondern marschierte stur bis zum unteren Parkplatz durch. Leroy und Ullah zogen mit, wobei der Sohn vorneweg sprintete.
Nach dem nächtlichen Trekking ging es zu einem Thermalressort am Ufer des Danau-Batur, um die müden Knochen ein wenig im warmen Wasser zu entspannen. Warum man die wasserspeienden Elefanten am Beckenrand allerdings lila strich, ist mir bis heute ein Rätsel. Spätestens da wurde mir bewusst: Auch das Paradies hat seine Höllen!
Dieses Bild sollte mich auch am nächsten Tag nicht loslassen, als wir einen Ausflug zu den Reisterrassen von Sidemen unternahmen. Die Reisterrassen liegen in einem idyllischen Tal zu Füßen des Gunung Agung, über den ich im Rahmen seiner jüngsten Eruption im Jahr 2017 häufig berichtete. Angesichts seiner beachtlichen Höhe, gepaart mit Inaktivität, verzichtete ich auf einen Aufstieg. Obwohl die Entfernung zwischen Ubud und Sidemen nur etwas mehr als 30 Kilometer beträgt, dauerte die Fahrt auf den verstopften Straßen fast 2 Stunden.
Ausflug nach Sidemen im Schatten des Agung
Auf den Straßen Indonesiens herrscht Anarchie und jeder Versuch, Ordnung ins Chaos zu bringen, etwa in Form von Verkehrsschildern und insbesondere Ampeln, führt unweigerlich zu kilometerlangen Rückstaus. Hinzu kommen zahlreiche LKWs, die oft maßlos überladen sind und an der kleinsten Steigung versagen. Besonders in der Nähe des Agung, wo man in den Flussbetten vulkanischen Schotter schürft, um ihn als Baumaterial zu verwenden, standen mehrere Laster mit Platten oder Achsbruch am Straßenrand und erschwerten ein Durchkommen. Einen 5-Tonner belädt man halt besser nicht mit 15 Tonnen Steinen. Ausgerechnet auf dieser Fahrt erwischten wir den Intellektuellen unter den Grap-Fahrern – nennen wir ihn Taki – und er war der Teufel in Person! Ausgestattet mit Brille und guten Englischkenntnissen löcherte mich Taki laufend mit Fragen, die zu beantworten ich eigentlich keine große Lust hatte. Am Ende der Fahrt wusste Taki nicht nur, wie viel ein Croissant in Deutschland kostet, wie unser Bildungssystem (nicht) funktioniert und warum unser Kanzler als unfähig deklariert wird, sondern auch, wie viele Stunden am Tag ich arbeite und was man im Durchschnitt in Deutschland verdient. Dass er mich nicht nach der PIN meiner Kreditkarte fragte, grenzte an ein Wunder.
In Sidemen unternahmen wir eine kleine Rundwanderung durch die Schwüle, um uns dann von Taki zum Wasserfall von Tukad Cepung fahren zu lassen. Obwohl Luftlinie nur wenige Kilometer von Sidemen entfernt, dauerte auch diese Fahrt gut eine Stunde. Neben dem dichten Verkehr lag das Problem darin begründet, dass man ein tief eingeschnittenes Tal großräumig umfahren musste; ein Problem, das auf Bali typisch ist.
Der Wasserfall selbst ist recht idyllisch gelegen, am Grund einer höhlenartigen Schlucht, in die man über unzählige Stufen absteigt, die selbst für meine langen Beine viel zu hoch waren und obendrein noch ungleichmäßige Abstände aufwiesen, so dass man hier mehr stolperte als stieg. Zum Glück war es inzwischen später Nachmittag und es waren nur noch wenige Besucher unterwegs. Unten angekommen wateten wir durch den Bach zum Wasserfall und nahmen in einem Becken weiter Strom ab, ein kurzes Bad.
Eigentlich standen noch weitere Sehenswürdigkeiten auf dem Tagesprogramm, doch angesichts der fortgeschrittenen Stunde und der fast 2-stündigen Rückfahrt skippten wir diese. Auf der Rückfahrt entzog ich mich Takis Fragen, indem ich vorgab zu schlafen. Am Ende des Tages saßen wir für 2 Stunden Sightseeing 5 Stunden im Auto, aber wenigstens wusste ich jetzt, dass Balinesen neugierig sind und keine Treppen bauen können!
Am nächsten Tag endete der erste Teil unserer Reise in Ostbali und wir zogen in den Westen, doch das ist eine andere Geschichte.
Rincón de la Vieja bleibt unruhig udn erzeugte 57 phreatische Explosionen auf Wochensicht
Am costa-ricanischen Vulkan Rincón de la Vieja hält die eruptive Aktivität an. Das Observatorio Vulcanológico y Sismológico de Costa Rica (OVSICORI-UNA) registrierte in der vergangenen Woche insgesamt 57 phreatische bzw. hydrothermale Eruptionen. Die meisten Ausbrüche waren von geringer Stärke, nur drei erreichten eine moderate akustische Magnitude. Die stärkste Eruption ereignete sich am 6. September um 10:32 Uhr Ortszeit. Sie löste einen sogenannten syn-eruptiven Lahar aus, also einen Schlamm- und Geröllstrom, der unmittelbar durch den Ausbruch ausgelöst wurde. Nach starken Regenfällen gingen am 5. und 6. September zusätzlich sekundäre Lahare ab.
Rincón de la Vieja
Die vulkanische Seismizität zeigt dabei interessante Veränderungen. Der niederfrequente Tremor im Bereich von 0,7 bis 2,5 Hz hält an, schwankte im Wochenverlauf allerdings deutlich. Dabei beobachteten die Vulkanologen einen Zusammenhang zwischen der Tremoramplitude und der Eruptionshäufigkeit: Wenn der Tremor schwächer wird, nimmt die Zahl der Eruptionen zu, was zunächst paradox erscheint. Tatsächlich kommt es kurz vor einer Explosion zu einer Druckzunahme im Hydrothermalsystem, wodurch sich die Fluide weniger gut bewegen können, was zu einem Rückgang des Tremors führt. Studien zeigen, dass der Rincón zwar grundsätzlich über ein offenes Fördersystem führt, dieses aber durch Mineralabscheidungen verstopfen kann, was zur Druckzunahme führt.
Besonders aufmerksam verfolgen die Wissenschaftler die Zunahme langperiodischer Erdbeben. Allein am 11. September wurden 16 LP-Ereignisse registriert. Zusätzlich traten Erdbeben auf, die mit dem Bruch von Gestein innerhalb und außerhalb des Gipfelbereichs zusammenhängen. Nach Einschätzung von OVSICORI kann deshalb eine moderate Eruption in naher Zukunft nicht ausgeschlossen werden.
Auch die Gasaktivität bleibt erhöht. Der durchschnittliche Schwefeldioxid-Ausstoß lag bei 293 Tonnen pro Tag, mit einem Spitzenwert von 3586 Tonnen. Die Werte liegen weiterhin über dem normalen Grundniveau des Vulkans. Geodätische Messungen zeigen kurzfristig eine Kontraktion des Gipfels und längerfristig eine Subsidenz des Massivs.
Poás mit geringer Eruptionsaktivität
Am Poás wurde in der vergangenen Woche lediglich eine kleine Eruption registriert. Der Tremor blieb moderat und relativ stabil. Ein kleiner Hangrutsch am 10. September folgte auf starke Niederschläge. Der hyperazide Kratersee stieg um etwa 0,6 Meter an. Die SO₂-Emissionen blieben mit durchschnittlich 152 Tonnen pro Tag auf dem Niveau der Vorwoche.
Vulkanausbruch am Kilauea: Lavafontänen-Episode 55 lässt weiter auf sich warten
Am Kilauea auf Hawaii lässt die erwartete Lavafontänen-Episode 55 weiter auf sich warten. Nachdem das Hawaiian Volcano Observatory (HVO) zunächst mit einem Beginn am 10. oder 11. September gerechnet hatte, wurde der Start zuletzt für den 11. September prognostiziert. Bis Freitagmorgen hatte die Eruption jedoch noch nicht richtig durchgestartet. Stattdessen setzte am Nordschlot des Halemaʻumaʻu-Kraters erneut eine Phase verstärkter Lavaüberläufe ein.
Diese Lavaüberläufe könnten verhindern, dass sich das entscheidende Quentchen Druck aufbaut, damit es zur Bildung einer Lavafontäne kommt. Stattdessen stagniert die Inflation und der Graph zur Bodenhebung bewegt sich seitwärts. Eine so lange Plateauphase vor einer Lavafontänen-Episode, die man an anderen Vulkanen als Paroxysmus bezeichnen würde, gab es seit Beginn der Eruption am 23. Dezember 2024 noch nicht.
Seit dem 7. September wurden insgesamt 69 solcher Überläufe registriert. Sie dauern zwischen wenigen Minuten und etwa zwei Stunden und sind von Pausen zwischen 15 Minuten und acht Stunden getrennt. Am 10. September war die Aktivität deutlich schwächer geworden: Die Überläufe waren kurz, träge und wurden nicht mehr von niedrigen, domartigen Lavafontänen gespeist. Am Freitag nahm die Intensität allerdings wieder zu. Mehrere Überläufe wurden von kleinen Domfontänen mit einer Höhe von 5 bis 10 Metern gespeist und erzeugten längere Lavaströme.
Entscheidend für den erwarteten Beginn der eigentlichen Fontänenepisode ist die Entwicklung der Bodendeformation. Nach mehreren Tagen nahezu unveränderter Messwerte setzte in der Nacht zum 11. September wieder eine langsame Inflation des Gipfelbereichs ein. Der Messwert am UWD-Neigungsmesser lag am Morgen bereits leicht über dem Niveau, bei dem Episode 54 am 25. August begonnen hatte. Damit haben sich die Voraussetzungen für einen erneuten Ausbruch deutlich verbessert.
Darüber hinaus wurden in den vergangenen 24 Stunden 21 kleine Erdbeben unterhalb des Gipfels registriert; das stärkste erreichte Magnitude 2,2. Zudem treten weiterhin regelmäßige Gas-Piston-Signale auf und es gibt ein schwaches Tremorsignal.
HVO hält deshalb einen Beginn von Episode 55 weiterhin für wahrscheinlich. Sollte die Inflation jedoch erneut stagnieren oder in Deflation übergehen, könnte sich der Start weiter verzögern.
Tiefes Erdbeben Mw 6,6 erschüttert indonesische Region nahe der Sundastraße und dem Krakatau
Ein starkes und ungewöhnlich tiefes Erdbeben hat in der Nacht zum 12. September die Region nördlich von Java erschüttert. Nach Angaben des EMSC erreichte das Beben eine Magnitude von 6,6 und ereignete sich am 11. September um 21:23 UTC. Das Hypozentrum lag in 359 Kilometern Tiefe bei 5,09° südlicher Breite und 106,90° östlicher Länge. Damit befand sich das Epizentrum etwa 125 Kilometer nördlich von Jakarta und ca. 170 Kilometer östlich beziehungsweise nordöstlich des Vulkans Anak Krakatau, der in der Sundastraße liegt.
Obwohl die Magnitude als sehr stark einzustufen ist, blieb die Bodenbewegung an der Oberfläche wegen der großen Herdtiefe vergleichsweise gering. Dennoch gingen beim EMSC zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen ein. In Bogor, rund 164 Kilometer vom Epizentrum entfernt, wurde ein leichtes Zittern registriert. Aus Cianjur wurde berichtet, dass das Beben deutlich spürbar war. In Kebontiwu beschrieb ein Beobachter das Beben als „groß“ und lang anhaltend. Auch in Kebumen an der Südküste Zentraljavas wurde ein kräftiges Schwanken wahrgenommen. Besonders bemerkenswert ist die große Reichweite der Erschütterungen: Selbst in Palembang auf Sumatra und in Singapur wurden Bewegungen registriert. Ein Beobachter in Singapur berichtete von klappernden Türen. In Padang wurde das Beben ebenfalls wahrgenommen, unter anderem von einem Hotelgast im zehnten Stock eines Hochhauses.
Tektonisch handelt es sich um ein sogenanntes Tiefenbeben. Die Region liegt über der abtauchenden Indisch-Australischen Platte, die unter den Sunda-Bogen und damit unter Java und Sumatra in den Erdmantel abtaucht. In fast 360 Kilometern Tiefe befindet sich der Erdbebenherd bereits weit innerhalb der subduzierten Platte. Das Ereignis steht daher nicht unmittelbar mit einer oberflächennahen Bewegung der Sundrastraße oder einem Bruch der Sunda-Megathrust-Zone in Verbindung.
Mögliche Auswirkungen des Bebens auf Anak Krakatau
Besonders interessant ist die Nähe zum weiterhin aktiven Anak Krakatau. Der Vulkan eruptiert seit Anfang September wiederholt und erzeugte zuletzt hohe Aschewolken. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem tiefen Erdbeben und der aktuellen Eruption ist nicht erkennbar. Die große Herdtiefe spricht vielmehr für einen tektonischen Prozess innerhalb der subduzierten Platte. Dennoch sind hier die gleichen Kräfte am Werk, die auch für die Schmelzbildung verantwortlich sind und Magma erzeugen, das an Vulkanen wie dem Krakatau eruptiert wird.
Starke Erdbeben können sich auf die Aktivität von Vulkanen auswirken. Eine Reaktion des Krakatau auf dieses tiefe Erdbeben ist bis jetzt allerdings nicht zu erkennen. Die Seismizität des Vulkans hat weiter abgenommen und ist nur noch leicht erhöht.
Das VAAC Darwin meldet weiterhin kleine Aschewolken, die vom Krakatau ausgehen und zuletzt FL 050 erreichten, was 1500 m über dem Meeresspiegel entspricht.
Von dem seit letztem Montag vermissten Boot mit 5 Journalisten an Bord, die die Eruptionen des Krakatau dokumentieren wollten, fehlt weiterhin jede Spur.