Campi Flegrei: Erdbebenschwarm am 9. Juni

Erdbebenschwarm in den Campi Flegrei – mehr als 20 Erdbeben während der Nacht

Die süditalienische Caldera Campi Flegrei wurde heute Nacht ein weiteres Mal von einem Erdbebenschwarm erschüttert. Er begann um 01:59 Uhr UTC und dauerte gut 2 Stunden. In dieser Zeit haben sich schwache 23 Einzelbeben zugetragen. Das stärkste hatte eine Magnitude von 1,2 und eine Herdtiefe von 2,6 Kilometern Das Epizentrum lag nördlich der Solfatara, an der Tangentiale. Während gut die Hälfte der Beben in dem gleichen Bereich auftrat, streuten die restlichen über ein größeres Areal um die Solfatara herum. Die Erschütterungen waren zu schwach, um verspürt zu werden. Trotzdem dämpft das erneute Auftreten eines Erdbebenschwarms die Hoffnungen auf ein baldiges Ende der seismo-magmatischen Krise.


Campi Flegrei. © INGV

Dem heute erschienenen INGV-Bulletin für den Beobachtungszeitraum 1. bis 7. Juni ist zu entnehmen, dass in dieser Periode 116 Erdbeben auftraten. Die Maximalamplitude lag bei Md 1,6. Die meisten Beben spielten sich innerhalb des Hydrothermalsystems ab. Vereinzelte tiefer auftretende Erschütterungen könnten mit Gesteinsbruch im Dach der Caldera zusammenhängen. Aufgrund der weiter fortschreitenden Hebung gerät dieses unter immer größere Spannungen. Die Hebegeschwindigkeit wird weiterhin mit 10 mm pro Monat angegeben.

Die geophysikalischen Messgrößen zeigten keine signifikanten Schwankungen und folgten dem langjährigen Trend der Druckbeaufschlagung. Die Fumarolentemperatur bei Pisciarelli betrug durchschnittlich 95 Grad, die der BG-Fumarole der Solfatara 173 Grad. Betrachtet man hier die Dezimalstellen, bewegte sich die Temperatur im oberen Schwankungsbereich. Der Kohlendioxidausstoß blieb ebenfalls hoch, ohne Spitzenwerte zu erreichen.

Momentan bewegen sich die Parameter zwar weiterhin in einem erhöhten Bereich, zeigen aber keine Eskalation der Situation an. Obwohl die Aktivität geringer als im letzten Jahr ist, in dem es meiner Meinung nach zu mehreren kleinen Magmaintrusionen in 4 bis 5 Kilometern Tiefe kam, gibt es keine Anzeichen einer nachhaltigen Entspannung der Situation. Die für die Krise ursächlich verantwortlichen Prozesse in der Tiefe laufen weiterhin ab und es kann jederzeit zu einer erneuten Steigerung der Begleiterscheinungen wie Erdbeben und beschleunigte Bodenhebung kommen.

Guatemala: Tropensturm spült Müllberge an den Strand

Tropensturm wütete vor der Küste Mittelamerikas und türmte Müllberge an der Küste auf

Der Tropensturm „Cristina“ wütet im östlichen Pazifik und hat in den vergangenen Tagen weite Teile Mittelamerikas getroffen. Besonders schwer betroffen war die Küste Guatemalas. Am flachen Küstenabschnitt der Region San Marcos brandeten die Wellen gegen das Ufer und drangen weit ins Hinterland vor. Das zurückweichende Wasser hinterließ enorme Mengen an Müll am Strand.



Müllberge

Nach Angaben des National Hurricane Center in Miami erreichte „Cristina“ anhaltende maximale Windgeschwindigkeiten von 75 km/h. Das Sturmzentrum lag rund 170 Kilometer westnordwestlich von Managua in Nicaragua.

In den Küstenregionen Nicaraguas, Honduras, El Salvadors und Guatemalas wurden bis Donnerstag Niederschlagsmengen von 10 bis 20 Litern pro Quadratmeter erwartet, lokal auch Spitzenwerte von bis zu etwa 30 Litern.

Zeitgleich mit „Cristina“ war auch der Tropensturm „Boris“ vor der Küste Mexikos aktiv.

In sozialen Medien geteilte Aufnahmen zeigen wahre Müllberge aus Plastik, Unrat und Treibholz entlang der Strände. Der Müll stammt jedoch nicht allein aus dem offenen Ozean, sondern repräsentiert vielmehr das, was in Guatemala über längere Zeit in der Natur entsorgt wurde. Während der Regenzeit werden große Abfallmengen von Flüssen aus dem Hinterland in Richtung Meer transportiert, wo sie sich in Küstennähe ansammeln. Der Sturm und die starke Brandung haben das Material konzentriert und anschließend wieder an Land gespült.

Hydrologisch betrachtet handelt es sich an der Pazifikküste Mittelamerikas häufig nicht um klassische Sturmfluten, sondern um eine Überlagerung von hohem Seegang, sogenanntem Wellenauflauf und gleichzeitig erhöhtem Flussabfluss. Die flache Küstengeometrie verstärkt diesen Effekt, da das Wasser weit ins Hinterland vordringen kann. Besonders bei intensiven Niederschlägen schwellen die Flusssysteme rasch an und transportieren Sedimente sowie Abfälle bis in die Mündungsbereiche, wo sie durch die Brandung erneut verteilt werden.

Das Ereignis verdeutlicht die strukturellen Probleme der Abfallentsorgung im Land sowie die weit verbreitete Praxis vieler Einheimischer und Touristen, Plastikmüll in der Natur zu entsorgen. Ein flächendeckendes Recyclingsystem, wie es in vielen europäischen Ländern existiert, fehlt weitgehend. Die angespülten Müllberge stellen nicht nur ein kurzfristiges ästhetisches Problem dar, sondern bergen auch Risiken für Ökosysteme und den Tourismus.

Umweltschützer sehen in solchen Ereignissen einen Hinweis darauf, wie eng Klimawandel, Infrastruktur, Abfallmanagement und Küstenschutz miteinander verknüpft sind und wie dringend integrierte Lösungsansätze benötigt werden.

Island: Forscher sieht Katla nahe an Belastungsgrenze

Erhöhte Erdbebenaktivität: Geophysiker sieht Katla an der Belastungsgrenze

Die Erdbebenaktivität auf Island war in der letzten Woche besonders hoch und der Fokus der Seismizität konzentrierte sich auf die Spalten- und Vulkansysteme Hengill und Langjökull. Aber auch abseits dieser beiden Erdbebenschwärme gab es zahlreiche Erdbeben unter den großen Zentralvulkanen Bardarbunga und Katla. Die Aktivität hat seit dem Wochenende wieder abgenommen, wirkt in der medialen Berichterstattung aber nach.



Einem MBL-Bericht zufolge trat der Geophysikprofessor Halldór Geirsson in der Sendung Dagmál auf und äußerte sich in einem Interview besorgt darüber, dass der subglaziale Vulkan Katla in vielerlei Hinsicht nahe an seiner Belastungsgrenze sein könnte. Bereits kleinste Veränderungen des Magmastands im Speicher- und Fördersystem der Katla könnten demnach ausreichen, um Erdbeben auszulösen. Einen Teil der beobachteten seismischen Aktivität führte Halldór genau darauf zurück. Der Professor geht also von einer weiterhin andauernden Magmaakkumulation unter Katla aus. Auch andere Wissenschaftler sind der Meinung, dass sich der Vulkan auf einen Ausbruch vorbereitet. Allerdings lässt sich nach wie vor kein Zeitfenster für eine mögliche Eruption eingrenzen. Dass der Vulkan für eine Eruption bereit sein könnte, sind Spekulationen, die bereits seit mehr als einem Jahrzehnt andauern.

Tatsächlich gibt es seit Wochen kaum einen Tag, an dem keine Erdbeben unter dem Myrdalsjökull registriert werden. Bei diesem Gletscher handelt es sich um die Eisbedeckung der Katla.

Einschränkend wurde in dem Interview darauf hingewiesen, dass diese Einschätzung nicht unumstritten ist. Ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor besteht darin, dass nur ein relativ kurzer Zeitraum an Messdaten zur Verfügung steht und die Erfassung von Krustenbewegungen unter einem Gletscher technisch besonders schwierig ist. Zudem wurde in den letzten Jahren das seismische Netzwerk auf Island kontinuierlich ausgebaut, so dass nun auch besonders schwache Erdbeben registriert werden, die früher unbemerkt blieben. Schließt man nur unter Berücksichtigung der Seismizität auf eine Belastungsgrenze, gewinnt man den Eindruck, Gesamtisland würde kurz vor einer Eruption stehen. Dabei sind hier tektonische und magmatische Prozesse am Werk, die sich gegenseitig beeinflussen.

Betrachtet man die neue IMO-Shakemap in der Monatsansicht, erkennt man, dass es in den letzten 4 Wochen unter mehreren Zentralvulkanen, einschließlich Hekla, vermehrt zu Erdbeben gekommen ist. Früher galt gerade dieser Vulkan als seismisch vergleichsweise ruhig und es hieß, dass jede Erdbebenhäufung auf einen bevorstehenden Vulkanausbruch hinweisen könnte. Eine gute Messlatte, um dem Problem einer vermeintlich gesteigerten Registrierung und Wahrnehmung von Erdbeben auf die Spur zu kommen.

Weiterführender Link: MBL- Artikel zum Interview

Anhaltender Vulkanausbruch am Shiveluch: Asche in 10 km Höhe

Anhaltende Aktivität am Shiveluch – Aschewolken ziehen in 10 Kilometern Höhe hunderte Kilometer über Kamtschatka

Der Shiveluch auf der russischen Halbinsel Kamtschatka bleibt einer der aktivsten Vulkane der Erde und stellt auch im Juni seine Ausdauer unter Beweis. Neue Satellitendaten, Livecam-Aufnahmen und Berichte von KVERT zeigen, dass der Vulkan weiterhin große Mengen vulkanischer Asche und Gase freisetzt. Dies beeinträchtigt den Flugverkehr über dem Nordpazifik und führt weiterhin zu Umleitungen von Flugrouten.

Shiveluch

Das VAAC Tokio veröffentlichte seit gestern neun VONA-Warnungen, nachdem auf Satellitenbildern ausgedehnte Aschewolken beobachtet worden waren. Die Eruption förderte kontinuierlich Vulkanasche, die Höhen von bis zu 10 Kilometern (Flugfläche FL330) erreichte. Die Asche wurde vom Wind in nordöstlicher Richtung verfrachtet. Am 9. Juni erstreckte sich eine Aschewolke über mehrere hundert Kilometer und entfernte sich mit einer Geschwindigkeit von rund 38 km/h vom Vulkan.

Bereits am Vortag hatte das VAAC eine große Aschewolke registriert, die ebenfalls bis in etwa 10 Kilometer Höhe aufstieg. KVERT berichtete später, dass die Wolke eine Ausdehnung von etwa 250 × 230 Kilometern erreicht hatte und sich gut 300 Kilometer nordöstlich des Vulkans befand. Obwohl zum Zeitpunkt des Berichts keine neuen explosiven Ascheeruptionen beobachtet wurden, blieb die Warnstufe für den Flugverkehr auf Orange. Zuvor war sie zeitweise auf Rot angehoben worden.

Der aktuelle Aktivitätsstil wird weiterhin vom Wachstum des Lavadoms geprägt. Im Gipfelbereich wächst an der Nordseite des Doms ein neuer Lavablock. Dieser Prozess wird von kräftigen Gas- und Dampfausstößen begleitet. Satellitensensoren registrierten zudem eine deutliche thermische Anomalie, die auf hohe Temperaturen im Bereich des aktiven Domkomplexes hinweist.



Der Shiveluch ist für seine Domwachstumsphasen bekannt, die immer wieder von starken Explosionen und dem Kollaps instabiler Lavapartien unterbrochen werden. Solche Ereignisse haben in der Vergangenheit oft hohe Aschewolken erzeugt und pyroklastische Ströme ausgelöst. Die aktuelle Entwicklung wird daher von Vulkanologen aufmerksam überwacht, da weitere explosive Episoden jederzeit möglich sind.

Kuba: Starkes Erdbeben Mw 6,1 vor Nordwestküste

Kuba von stärkstem Erdbeben seit fast 150 Jahren erschüttert – möglicherweise alte Störungszone reaktiviert

Ein Erdbeben der Magnitude 6,1 hat am Abend des 8. Juni 2026 die Region vor der Nordwestküste Kubas erschüttert. Nach Angaben des EMSC ereignete sich das Beben um 18:00 Uhr UTC in einer Tiefe von 26 Kilometern. Das Epizentrum lag etwa 104 Kilometer westnordwestlich von Mantua und 155 Kilometer westlich von Pinar del Río im äußersten Westen Kubas. Obwohl es das stärkste Erdbeben in der Kuba-Region seit 150 Jahren war, entstanden keine größeren Schäden, dennoch gerieten Anwohner der Region in Panik.

Kuba. © EMSC/Leaflet

Die Erschütterungen wurden nicht nur auf Kuba deutlich wahrgenommen, sondern auch auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán sowie in Teilen Floridas. In den Touristenzentren Cancún, Playa del Carmen und Tulum verließen Menschen vorsorglich Gebäude. Auch in Florida meldeten Bewohner spürbare Bodenbewegungen. Eine Tsunamiwarnung wurde nicht ausgegeben. Beim EMSC berichtete eine Bebenzeugin aus Cancun, dass ihr Computer und Stuhl gewackelt hätten. Ähnliche Beschreibungen gibt es aus anderen Regionen in einem Umkreis von gut 250 Kilometern um das Epizentrum herum.

Auf Kuba löste das Beben neben großer Besorgnis auch Fluchtreflexe aus. Berichte über schwere Schäden oder Opfer liegen aber nicht vor. Dennoch reagierten viele Menschen verunsichert. Bewohner der Provinz Pinar del Río berichteten von ungewöhnlich starken Erschütterungen. Zahlreiche Menschen liefen ins Freie, da Erdbeben dieser Stärke in der Region äußerst selten sind. Die Sorge ist besonders groß, weil viele Gebäude infolge der langjährigen Wirtschaftskrise in schlechtem baulichem Zustand sind.

Aus tektonischer Sicht war das Beben ungewöhnlich, da es sich innerhalb der Karibischen Platte und nicht direkt an einer aktiven Plattengrenze ereignete. Wahrscheinlich stand es mit der alten Nortecubana-Störungszone in Zusammenhang, die sich vor der Nordküste Kubas über eine Länge von rund 1200 Kilometern erstreckt und bereits während des Mesozoikums angelegt wurde. Die Nortecubana gilt nach Einschätzung vieler Geologen als weitgehend inaktiv, bringt jedoch in großen zeitlichen Abständen immer wieder Erdbeben hervor. Der Erdstoß vom Abend des 8. Juni ereignete sich einige Kilometer westlich dieser Störung. Möglicherweise bauen sich entlang der Nortecubana infolge der Rotation der Karibischen Platte noch immer langsam Spannungen auf.

Nach Einschätzung von USGS-Seismologen handelte es sich um das stärkste Erdbeben innerhalb eines Radius von etwa 322 Kilometern seit dem Jahr 1880. Damals ereignete sich nahe San Cristóbal im Westen Kubas ein Beben der Magnitude 6,0, welches wahrscheinlich ebenfalls mit der Nortecubana assoziiert war. Damit war das aktuelle Ereignis das stärkste bekannte Erdbeben in diesem Gebiet seit nahezu 150 Jahren und eines der ungewöhnlichsten seismischen Ereignisse der jüngeren Karibikgeschichte.

Stärkere Eruption am Vulkan Puracé registriert

Puracé stößt Aschewolke bis auf 6.700 Meter Höhe aus – anhaltende Aktivität im Coconucos-Vulkankomplex

Das VAAC Washington hat am 8. Juni 2026 eine VONA-Warnung für den Vulkan Puracé in Kolumbien herausgegeben. Demnach steigerte sich die Aktivität am Vulkan, der seit Wochen permanent Asche ausstößt: Die Eruptionswolke ist heute bis auf eine Höhe von 6.700 Metern über dem Meeresspiegel aufgestiegen und hat sich in nordwestlicher Richtung ausgebreitet. Satellitenbilder, Webcam-Daten und Modellrechnungen bestätigen die fortgesetzte Aktivität im Vulkansystem der Coconucos-Kette.

Puracé letzte Woche

Gemäß den Beobachtungen des Servicio Geológico Colombiano (SGC) zeigte die Aktivität des Puracé zwischen dem 26. Mai und dem 1. Juni eine deutliche Variabilität, von der besonders die seismischen Werte betroffen waren. Besonders auffällig war ein zunehmender kontinuierlicher Tremor in geringer Tiefe von weniger als drei Kilometern, der mit Fluidbewegungen und Gasfreisetzungen im Fördersystem in Verbindung steht.

In dieser Phase kam es wiederholt zu Ascheausstößen aus dem Krater des Puracé. Die Eruptionssäulen erreichten dabei Höhen von bis zu zwei Kilometern über dem Gipfel – das zeigt, dass es auch bereits in der Vorwoche ähnlich starke Pulse wie heute gab, auch wenn die VONA-Warnungen der letzten Woche keine Asche in Höhen von mehr als 6000 m anzeigten.

Das seismische Netzwerk des SGV registrierte zahlreiche flache vulkanotektonische Erdbeben mit Tiefen zwischen ein und drei Kilometern sowie geringen Magnituden unter 1. Satellitendaten zeigten zudem weiterhin thermische Anomalien im Kraterbereich und an fumarolischen Zonen. Auch die Emission von Schwefeldioxid (SO₂) blieb während des Beobachtungszeitraums erhöht. Neigungsmesser und GNSS-Stationen registrierten eine leichte Zunahme der Bodenverformung im Bereich Puracé–Piocollo–Curiquinga.

In der Gesamtbewertung kommt das SGC zu dem Schluss, dass das System weiterhin aktiv ist und eine hohe Dynamik zeigt. Die aktuelle VONA-Warnung bestätigt diese Einschätzung: Der Puracé befindet sich auf hohem Aktivitätsniveau nahezu kontinuierlicher Ascheemissionen, die sich phasenweise verstärken. Die Behörden warnen daher weiterhin vor dem Aufstieg in die Hochlagen des Vulkankomplexes und empfehlen, die offizielle Lageentwicklung aufmerksam zu verfolgen.

Vulkanausbruch am Lewotobi Laki-laki fördert Aschewolken

Lewotobi Laki-laki bleibt aktiv – Mehrere Ascheeruptionen am 8. Juni registriert

Der indonesische Vulkan Lewotobi Laki-laki liegt im Südosten der Insel Flores und hat am Montag erneut eine Phase erhöhter Aktivität durchlebt. Innerhalb weniger Stunden wurden 10 Eruptionen registriert, die Aschewolken mehrere Kilometer hoch in die Atmosphäre schleuderten. Die indonesische Vulkanologiebehörde PVMBG sowie das VAAC Darwin beobachteten die Entwicklung lückenlos.

Lewotobi

Der stärkste dokumentierte Vulkanausbruch ereignete sich um 13:12 Uhr Ortszeit (WITA). Dabei stieg die Aschesäule etwa 2.200 Meter über den Krater auf und erreichte eine Höhe von 3.784 Metern über dem Meeresspiegel. Beobachter beschrieben die Wolke als dicht und grau, mit einer Ausbreitung nach Westen und Nordwesten. Das Ereignis wurde von einem seismischen Signal mit einer maximalen Amplitude von 47,3 Millimetern und einer Dauer von 83 Sekunden begleitet.

Eine weitere hervorragende Eruption manifestierte sich um 18:14 Uhr WITA. Die dabei freigesetzte Asche erreichte eine Höhe von etwa 1.500 Metern über dem Gipfel beziehungsweise 3.084 Meter über dem Meeresspiegel. Auch diese Eruptionswolke driftete nach Westen und Nordwesten. Die seismischen Messgeräte registrierten eine maximale Amplitude von 29,6 Millimetern bei einer Dauer von 202 Sekunden.

Satellitendaten des Wettersatelliten Himawari-9 bestätigten zudem eine vulkanische Aschewolke bis in eine Höhe von etwa 3.700 Metern (Flughöhe120). Diese bewegte sich mit 18 km/h westwärts und könnte den regionalen Luftverkehr beeinträchtigen.

Satelliten detektieren auch immer wieder thermische Anomalien im Krater, so wie zuletzt am 6. Juni, als das hier gezeigte Foto entstand, indem die thermische Anomalie aus dem Infrarotspektrum in ein Bild im visuellen Lichtspektrum intergeriert wurde.



Bereits in den 24 Stunden zuvor registrierten die Messgeräte der Geoforscher erhöhte Aktivität: Neben drei Eruptionsbeben wurden ein Ausgasungsereignis, zwei nicht-harmonische Tremorphasen, ein niederfrequentes vulkanisches Erdbeben sowie ein vulkanotektonisches Tiefenbeben registriert. Zudem wurde ein entferntes tektonisches Erdbeben aufgezeichnet.

Die Behörden halten an den bestehenden Sicherheitsmaßnahmen fest. Für die Bevölkerung und Besucher gilt weiterhin ein Sperrbereich von fünf Kilometern um den Krater. Darüber hinaus wird vor möglichen Laharen gewarnt, die bei starken Niederschlägen entlang der vom Vulkan ausgehenden Flusstäler entstehen können.

Die aktuell Eruptionsphase der Lewotobi Laki-laki begann im Dezember 2023 und hält seitdem bei fluktuierender Intensität an. Es wechseln sich ruhigere und lebhaftere Phasen ab. Gelegentlich kommt es dabei zu stärkeren Ausbrüchen, die eine Gefahr für die Bevölkerung darstellen können.

Hawaii: Erdbeben Mb 4,1 vor der Südküste

Spürbares Erdbeben Mb 4,1 erschütterte Südküste von Big Island Hawaii

Gestern Vormittag manifestierte sich vor der Südküste von Big Island Hawaii ein mittelstarkes Erdbeben der Magnitude 4,1. Trotz der relativ großen Herdtiefe von 33 Kilometern konnte es im Raum Pāhala verspürt werden. Das Epizentrum wurde vom EMSC 18 km südöstlich von Pāhala verortet. Das Beben war Teil eines Schwarms im Offshorebereich zwischen der Küste von Big Island und dem submarinen Vulkan Kamaʻehuakanaloa.

Hawaii. © HVO/Leaflet

Die Herdtiefe spricht dafür, dass es mit den Beben unter der Küstenebene bei Pāhala zusammenhängt, die infolge von Magmenaufstieg stattfinden. Das HVo schreibt jedoch, dass das Beben einen ähnlichen Ursprung hat wie die Beben der letzten Wochen vor der Südwestküste der Insel, die tektonisch bedingt sein sollen und durch Spannungen infolge der Auflast von Hawaii auf den Ozeanboden ausgelöst wurden.

Das tektonische Umfeld Hawaiis kann als komplex bezeichnet werden, obwohl es nicht an einer Plattengrenze gekoppelt ist, sondern an einem stationären Mantelplume. In diesem schlauchartigen Gebilde steigt Magma aus dem Erdmantel auf, das die Vulkane des Archipels speist. Während die Pazifische Platte langsam nach Nordwesten driftet, bildeten sich nacheinander Vulkane wie Mauna Loa und Kilauea. Der Kamaʻehuakanaloa ist der jüngste Vulkan dieser Kette. Während Forschungsarbeiten bestätigten, dass die tiefen Erdbeben bei Pāhala mit Magmenaufstieg in ein Reservoir in Zusammenhang stehen, das sowohl Mauna Loa als auch Kīlauea speist, ist es unklar, ob es auch eine direkte Verbindung zum Kamaʻehuakanaloa gibt.

Nach einer vergleichsweise ruhigen Periode zieht die Seismizität unter Big Island aktuell deutlich an. Wie ein Blick auf die Erdbebenkarte der letzten 14 Tage verdeutlicht, gibt es nicht nur tiefe Erdbeben im Küstenbereich, sondern auch flache Beben unter den Vulkanen Mauna Loa und Kilauea. Letzterer lädt nach der Lavafontänen-Episode 48 wieder auf und bereitet sich auf Episode 49 vor. Das Prognosefenster für die Eruption wurde vom HVO auf den 12. bis 15. Juni gelegt.

Villarrica: Hinweise auf Vulkanausbruch verdichten sich

Erhöhte Aktivität am Vulkan Villarrica – erste Explosionen detektiert

Am chilenischen Vulkan Villaricca verdichten sich seit dem Wochenende die Anzeichen, dass der Vulkan in eine neue Eruptionsphase eintritt. Die chilenische Berg- und Geologiebehörde SERNAGEOMIN attestiert dem Vulkan in einem Bericht eine Zunahme oberflächennaher Aktivität, die sich am Samstag in Gasausstoß und rot illuminierten Wolken im Kraterbereich äußert. Am Sonntag gab es dann erste explosive Eruptionen, bei denen Tephra fast 500 m hoch ausgestoßen wurde. Obwohl die Anwohner teils besorgt reagierten, blieb die Vulkanwarnstufe bis jetzt auf Grün.

Bereits am Samstagnachmittag wurde am Villaricca eine verstärkte Aktivität beobachtet, die sich vor allem durch leuchtende Erscheinungen im Kraterbereich sowie den Ausstoß von Gasen äußerte Die Phänomene waren sowohl für Anwohner als auch für Touristen sichtbar und wurden in sozialen Netzwerken vielfach dokumentiert. Diese Beobachtungen führten zu einer offiziellen Stellungnahme der Behörden, um die Situation einzuordnen.

Pedro Berríos, Leiter der Notfallmanagementeinheit von SERNAGEOMIN, erklärte gegenüber der Lokalpresse, dass solche Prozesse normal für den Vulkan seien und laufend überwacht würden. Die Vulkanologische Beobachtungsstelle der Südlichen Anden (OVDAS) hat bereits zuvor einen Sonderbericht veröffentlicht, in dem eine Zunahme der Glühaktivität und der oberflächennahen Erscheinungen vermerkt wurde.

Überwachungskameras vor Ort bestätigten, dass es sich bei den beobachteten Phänomenen um Emissionen aus dem Kraterinneren handelt. Berríos meinte, dass der Villarrica zu den aktivsten Vulkanen Chiles zählt und solche Schwankungen daher nicht ungewöhnlich sind.

Neue Explosionen und Hinweise auf einen ansteigenden Lavasee

In der Nacht zum Sonntag und erneut in den frühen Morgenstunden wurden erste Explosionen aus dem Krater registriert. Dabei entstanden Eruptionssäulen aus ausgeworfenem Material, die Höhen von bis zu 460 Metern erreichten. Die Ereignisse waren von den Überwachungssystemen des OVDAS deutlich erfasst worden.

Nach Einschätzung der Vulkanologen könnte die derzeitige Aktivitätszunahme mit einem neuen Lavasee zusammenhängen, der im Schlot aufsteigt. Die Bildung kleiner Lavaseen ist für den Villarrica typisch, da der Vulkan über ein offenes Fördersystem verfügt und sich Pegel und Größe des Lavasees in regelmäßigen Abständen verändern. In den letzten Jahren gab es aber keinen permanenten Lavasee mehr im Krater des Villarrica, so dass eine Neubildung dem vulkanischen Leben guttun würde.



Ian Gorayeb, Regionaldirektor des Katastrophenschutzdienstes SENAPRED in La Araucanía, erklärte, dass die jüngsten Berichte auf Daten von Überwachungskameras und akustischen Sensoren beruhen. Demnach wurden mehrere Explosionen mit begrenzter Reichweite innerhalb des Kraters festgestellt. Gleichzeitig zeigen die seismischen Messungen bislang keine signifikante Zunahme der Stärke vulkanischer Erdbeben.

Allerdings registrierten die Instrumente während der Aktivitätsspitzen langperiodische Erdbeben. Diese werden mit der Bewegung von Gasen und Magma im Vulkansystem in Verbindung gebracht und deuten auf eine verstärkte Fluiddynamik im Inneren des Vulkans hin. Die Beobachtungen stützen damit die Annahme, dass sich der Lavasee derzeit ansteigt.

Trotz der erhöhten Aktivität betonen die Behörden, dass sich die Situation weiterhin innerhalb der für den Villarrica typischen Schwankungen bewegt. OVDAS weist darauf hin, dass bei einem offenen Vulkansystem wie dem Villarrica auch plötzliche Explosionen auftreten können, ohne dass dies zwangsläufig auf eine größere Eruption hindeutet.

Leider strukturierte SERNAGEOMIN seine Zuständigkeiten und Webseiten neu, so dass es mir nicht mehr möglich ist, direkt auf die Daten zuzugreifen. Stattdessen findet man nur noch behördentypisches Blablabla. Die hier erwähnten Daten und Beschreibungen stammen aus chilenischen Medienberichten.