Erhöhte Seismizität im Faial-Pico-Kanal auf den Azoren – CIVISA erhöht Alarmstufe
Im Bereich des Faial-Pico-Kanals auf den Azoren ist seit Anfang April 2026 eine erhöhte seismische Aktivität festgestellt worden. Nach Angaben des CIVISA (Centro de Informação e Vigilância Sismovulcânica dos Açores) wurden mehrere schwache Erdbeben registriert, die sich entlang einer nordost-südwestlich verlaufenden Zone erstrecken. Diese reicht von westlich der Ortschaft Madalena bis nördlich von Lagido und umfasst das submarine Vulkansystem von Cachorro auf der Insel Pico.
Die Hypozentren der Beben streuen über einen großen Bereich und liegen in Tiefen zwischen etwa 20 Kilometern und nahe der Oberfläche, was auf Prozesse in unterschiedlichen Krustenbereichen hindeutet. Insgesamt liegt die Aktivität leicht über den üblichen Hintergrundwerten, bleibt jedoch auf niedrigem Niveau. Trotzdem veranlasste diese Entwicklung die Behörden, die vulkanische Warnstufe für das Gebiet auf V1 anzuheben. Laut GVP ist das die zweitniedrigste Alarmstufe eines achtstufigen System das auf den Azoren benutzt wird.
Die Warnstufe V1 beschreibt laut CIVISA ein System in einer metastabilen Gleichgewichtsphase. In diesem Zustand kann die beobachtete Aktivität tektonischen, hydrothermalen oder magmatischen Ursprungs sein, ohne dass unmittelbar eine Eruption bevorsteht. Dennoch signalisiert die Einstufung eine Abweichung vom Normalzustand und erfordert erhöhte Aufmerksamkeit.
Besonders im Fokus steht das Offshore-Vulkansystem des Pico, dessen letzter bestätigter Ausbruch im Jahr 1720 stattfand. Historisch gingen Eruptionen häufig von Spaltensystemen an den Flanken aus und führten wiederholt zu Lavaströmen, die bis zur Küste reichten.
Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor ergibt sich aus der submarinen Lage eines Teils des betroffenen Systems. Unterwassereruptionen können mitunter nur wenige oder schwer erkennbare Vorwarnsignale liefern, was die Überwachung erschwert. Einige der aktuellen Erdbeben wurden in der Region schwach gespürt, größere Auswirkungen sind jedoch bislang ausgeblieben.
Nach derzeitigem Stand gibt es keine Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch am Pico. Die Situation wird aber weiterhin genau beobachtet, um mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Bereits Ende 2025 gab es eine seismisch unruhige Phase auf der Insel Terceira, wo sich das gleichnamige Vulkansystem befindet. Der Alarmstatus wurde damals sogar auf V3 erhöht. Ein Ausbruch blieb bis jetzt aus.
