Campi Flegrei: Bodendeformationen infolge des Bebens Md 4,7

Bodenverformungen nach dem letzten starken Erdbeben – Fährverkehr am Hafen von Pozzuoli wird reorganisiert

Der Hafen von Pozzuoli, der Stadt in der Caldera der Campi Flegrei, bleibt auch fast 3 Wochen nach dem schweren Erdbeben vom 31. Juli ein Problem für den Verkehr zu den Inseln Ischia und Procida. Nach einer aktuellen Meldung von Cronaca Flegrea sollen die Fährverbindungen deshalb testweise neu organisiert werden. Hintergrund ist eine Sperrung für Schwerlastfahrzeuge, die nach dem Erdbeben aus Sicherheitsgründen verhängt wurde. Einige Verbindungen sollen nachts von Pozzuoli nach Neapel verlegt werden. Zudem soll eine konventionelle Fähre mit größerer Ladekapazität eine Schnellfähre auf der Verbindung Neapel–Ischia über Procida ersetzen.

Die Schwierigkeiten des Hafens stehen dabei in einem größeren Zusammenhang mit der seit Jahren anhaltenden Bodenhebungsphase der Campi Flegrei. Die Hebung des Untergrunds verändert die Höhenverhältnisse zwischen Kaianlagen, Schiffsdecks und Zufahrtsrampen und beeinflusst langfristig auch die Wassertiefen im Hafenbereich.

Bodendeformation: © INGV

Von besonderer Relevanz sind die neuen Daten des INGV-Wochenbulletins vom 18. August. Nach dem Erdbeben der Magnitude 4,7 vom 31. Juli registrierten die GNSS-Stationen im zentralen Calderabereich deutliche koseismische Bodenbewegungen. Der Untergrund verschob sich horizontal überwiegend um etwa 1 Zentimeter nach Südwesten. An der Station RITE bei Rione Terra wurde sogar eine Verschiebung von fast 3 Zentimetern in süd-südwestlicher Richtung gemessen. Gleichzeitig kam es zu einer kurzfristigen Absenkung von durchschnittlich 1–2 Zentimetern. Diese Absenkung ist in den Grafiken zur Bodendeformation mit den korrigierten Satellitenbahnen aber praktisch nicht mehr auszumachen. Optimisten unter den Beobachtern des Geschehens sahen in der Absenkung erneut Grund zur Hoffnung, dass das Beben eine Trendwende eingeläutet hätte, doch dem ist offenbar nicht so. Der Erdstoß stellte eine weitere Eskalation der Ereignisse dar, die bereits vor mehr als 20 Jahren ihren Anfang nahmen.

Diese sprunghaften Veränderungen überlagern die weiterhin bestehende langfristige Hebung. Seit Februar beträgt die mittlere Hebungsrate rund 10 ± 3 Millimeter pro Monat. An RITE summiert sich die Bodenhebung seit Januar 2025 inzwischen auf etwa 30,5 Zentimeter. Nach dem Erdbeben vom 31. Juli erkennt das INGV bislang allerdings keine signifikante Änderung der Deformationsmuster.

Hafen von Pozzuoli

Das Erdbeben hatte den Hafen unmittelbar beeinträchtigt. Nach ersten Untersuchungen wurden unter anderem Risse, Schäden und Setzungen an den Kaianlagen festgestellt. Die aktuelle Sperrung für schwere Fahrzeuge betrifft insbesondere die sichere Zufahrt zum Hafen. Ein Gebäude an dieser Zufahrtsstraße muss zudem gesichert werden.

Der Hafen spielt eine wichtige Rolle in den Plänen des Katastrophenschutzes für den (unwahrscheinlichen) Fall einer Evakuierung der Roten Zone Pozzuolis. Sollte dieser infolge starker Erdbeben vor einer denkbaren Evakuierung unbrauchbar werden, oder die Bodenhebung weitere 2 Dekaden anhalten, so dass das Wasser für größere Schiffe zu flach wird, hätte dies im Extremfall dramatische Folgen. Langfristiges Denken ist aber nicht unbedingt eine Stärke von Behörden und der Menschheit an sich.

Damit zeigt sich am Hafen von Pozzuoli exemplarisch, welche infrastrukturellen Folgen die Kombination aus anhaltender Bodenhebung und starken Erdbeben für die dicht besiedelte Caldera besitzt. Zwar sieht das INGV derzeit keine Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende wesentliche Veränderung der vulkanischen Aktivität, die Deformation und die damit verbundenen technischen Probleme bleiben jedoch bestehen.