Giftiges Schwefelwasserstoff in den Campi Flegrei nachgewiesen: Hohe Konzentrationen an der Pisciarelli Fumarole
Am äußeren Nordostrand der Solfatara liegt die Fumarole von Pisciarelli, die einen der aktivsten Austrittsorte vulkanischer Gase in den Campi Flegrei darstellt. Nun hat eine neue wissenschaftliche Studie ungewöhnlich hohe Konzentrationen von Schwefelwasserstoff (H₂S) nachgewiesen – einem Gas, das bereits in vergleichsweise geringen Mengen gesundheitsschädlich sein kann.

Die Untersuchung wurde von Forschern der Universität Bari, des Polytechnikums Bari und des italienischen Forschungsrats CNR durchgeführt und in einer Fachzeitschrift der Nature-Gruppe veröffentlicht. Mithilfe einer modernen Lasermesstechnik konnten die Wissenschaftler kurzfristige H₂S-Konzentrationsspitzen erfassen, die von herkömmlichen Messgeräten bislang nicht registriert wurden.
Direkt an der Fumarole wurden H₂S-Werte von bis zu 60 ppm gemessen. Normale Messsensoren, wie sie schon lange bei Pisciarelli installiert sind, registrierten bislang nur 3 bis 4 ppm H₂S. Diese Spitzen traten aber immer nur für wenige Sekunden auf und waren räumlich auf die Fumarole begrenzt. Bereits wenige Dutzend Meter vom Austrittsbereich entfernt sanken die Konzentrationen deutlich ab, da sich das Gas verflüchtigte. Nach Einschätzung der Forscher stellt das Gas daher vor allem im unmittelbaren Umfeld der Fumarole ein Risiko dar, während die Belastung für Anwohner und Besucher außerhalb des Sperrbereichs gering bleibt.
Die geochemische Interpretation der Messergebnisse ist besonders interessant. Die Wissenschaftler fanden praktisch kein Schwefeldioxid (SO₂) im Gasstrahl der Fumarole. Hierbei handelt es sich um ein Gas, das an Vulkanen als direkter Hinweis auf magmatische Entgasung gilt. Stattdessen dominierte Schwefelwasserstoff, der primär nur in geringen Konzentrationen direkt in magmatischen Gasen vorkommt. Dies deutet darauf hin, dass die magmatischen Gase vor ihrem Austritt an der Oberfläche intensiven chemischen Reaktionen im hydrothermalen System der Campi Flegrei unterliegen.
Das Hydrothermalsystem befindet sich in den ersten 3 Kilometern grobporigem Gestein der Campi Flegrei. Dort zirkulieren Wasser, Gase und Fluide und schaffen beste Voraussetzungen für ein unterirdisches Chemielabor, in dem unter Hitzeeinwirkung chemische Prozesse und Umwandlungen ablaufen.
In einigen Interpretationen der Studie heißt es, dass der Schwefelwasserstoff hydrothermalen Ursprungs ist und das Fehlen von Schwefeldioxid wird so dargestellt, als wäre es ein Indiz für das Fehlen von Magma in geringer Tiefe. Das ist schlichtweg falsch! Es sagt nur aus, dass sich kein Magma in den ersten 3 Kilometern des Calderauntergrunds befindet, etwas, das sowieso nicht zur Diskussion steht.
Die Studienergebnisse sollten also nicht als Beweis dafür verstanden werden, dass unter den Campi Flegrei kein Magma vorhanden ist. Im Gegenteil: Die meisten geophysikalischen und geochemischen Modelle gehen davon aus, dass sich mehrere Kilometer unter dem Vulkanfeld ein Magmakörper befindet, der Quelle des Schwefeldioxids ist, das im Hydrothermalsystem zu Schwefelwasserstoff umgewandelt wird. Viele Studien lokalisieren diese in Tiefen von etwa vier bis acht Kilometern.
Quelle der Studie: Elefante, A., Olivieri, M., Spagnolo, V. L. et al. (2026):
Real-time monitoring of H₂S emissions from the Pisciarelli fumarole at Phlegraean Fields with a Quartz-Enhanced Photoacoustic sensor.
npj Climate and Atmospheric Science, 2026. DOI: https://doi.org/10.1038/s41612-026-01422-8