Campi Flegrei: Weiter steigende Gastemperaturen

Trotz geringerer Bodenhebegeschwindigkeit – Caldera Campi Flegrei gerät weiter unter Druck

Die Geschwindigkeit, mit der sich der Boden der Campi Flegrei hebt, hat sich in den letzten Wochen auf 1 cm pro Monat verringert und zeitweise hat auch die Erdbebentätigkeit signifikant nachgelassen. Letzteres hat sich in den vergangenen Tagen wieder relativiert: Laut INGV-Wochenbericht ereigneten sich in dem Beobachtungszeitraum vom 23.02. bis 01.03.2026 70 Erdbeben. Das stärkste hatte eine Magnitude von 3,5 und verursacht an einigen Gebäuden leichte Schäden. Gestern kamen noch einmal 15 Erdbeben dazu. Ob die Zunahme der Seismizität mit einer Steigerung der Hebegeschwindigkeit einhergeht, wird sich erst in den Messungen der nächsten 2 Wochen widerspiegeln. Klar ist aber bereits jetzt: Der Calderavulkan gerät weiter unter Druck und heizt auf.

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Campi Flegrei. © INGV

Diese Aufheizung ist zwar ein langwieriger Prozess, doch die aktuellen INGV-Messungen zeigen, dass er nicht immer subtil sein muss: Die Durchschnittstemperatur der Pisciarelli-Fumarole erhöhte sich auf 96 Grad, nachdem sie im Herbst bis auf 94 Grad abgesunken war. Die Bocca Grande in der Solfatara stößt weiterhin Gas aus, das sich bis auf durchschnittlich 173 Grad erhitzt Der Wert scheint momentan stabil zu bleiben, aber hier kommt die Subtilität ins Spiel: Der Aufheizungsprozess vollzieht sich langsam und ein zehntel Grad mehr wird in den Bulletins nicht angesagt.

Nicht nur die Temperatur der Gase steigt langsam, sondern auch die Kohlendioxid-Konzentration, die sich in den letzten Wochen bei Pisciarelli wieder den Höchstwerten annäherte und auch in der Solfatara moderat zulegte. Die Höchstwerte lagen dort bei 16.000 g pro Quadratmeter und Tag.

Die Werte zeigen, dass die vermeintliche Ruhe am Vulkan trügerisch ist und es keinen Grund für Optimismus gibt, obwohl man natürlich hoffen darf, dass die Krise ohne Katastrophe an den Menschen vorübergeht. Die Langfristprognose für das Areal in der wohl gewaltigsten und gefährlichsten Caldera Europas ist indes nicht gut. Irgendwann – und wenn erst in ein paar Jahrzehnten – wird es zu einem neuen Vulkanausbruch kommen, ggf. gepaart mit starken Erdbeben, die zumindest lokal große Schäden anrichten werden. Die Menschen in Pozzuoli und angrenzenden Gemeinden sitzen wahrlich auf einem Pulverfass.